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Archiv 2 Bezirksverband

Inhalt:

Schützen im Museum Abteiberg
Ordensschwestern mit Schützenhilfe bei Borussia
Sebastianus-Figur aus Korschenbroich für Papstkapelle in Krakau
Nikolaus lobte die Schützen 2010
Nikolaus bringt Michael Keinath den Königsvogel 2010
Schützenhilfe für den Münsterschatz 2010
Schmausen im Dicken Turm 2010
Stadtschützenfest 2010 mit Fitness-Parade
Friedenseiche zum Abschluß von "175 Jahre Gladbacher Schützenfest
Neuer Bezirkskönig Jörg Pauen aus Kleinenbroich
Ausstellung zur Stadt- und Schützengeschichte im Museum Schloß Rheydt
Der Silberschatz der Schützen

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Kunstaktion: Schützen im Museum Abteiberg

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Zu einer wundersamen Begegnung von Kunst und Tradition kam es im Museum Abteiberg. Eingeladen zum "Zusammentreffen zweier Welten" hatte Reinhold Schiffers, Bezirksvorsteher Mönchengladbach-Nord, der damit einer Anregung von Schützenchef Horst Thoren folgte.

Der wollte "gleichermaßen mit Vorurteilen aufräumen, aber auch Klischees bedienen" und hatte deshalb als Geschenk für den Gastgeber einen Schützen-Willi-Bierkrug mitgebracht. Reinhold Schiffers (von Horst Thoren den Schützenfreunden als "Gesamtkunstwerk" vorgestellt) führte durchs Museum und ließ den Rundgang durch die Journalistin und Fotokünstlerin Susanne Schnabel dokumentieren.

So entstand eine Bilderschau, die Schützen in Tracht und Kunst des 20. Jahrhunderts in Wechselwirkung bringt. Die Schützen jedenfalls, die nach dem Museumsgang mit dem Bezirksvorsteher auf ein Bier und ein paar Happen im St. Vith einkehrten, lobten die gewonnen Einblicke.

Bezirksvorsteher Schiffers, von Beruf Pädagoge, war ebenfalls angetan und von den Bildern so begeistert, daß er ein Fotobuch "Kunst und Tradition" auflegen will.

Ordensschwestern mit Schützenhilfe bei Borussia

Die Gruppe fiel auf, schon äußerlich: Ordensschwestern - und dann noch 40 an der Zahl - sind im Borussia-Park selten zu sehen. Die ehrwürdigen Schwestern in ihrem traditionellen Habit, geführt und begleitet von Schützenbrüdern in Tracht mit Orden und Ehrenzeichen, kamen ins Stadion, um ihre Borussia spielen zu sehen. Borussen-Präsident Rolf Königs hatte Schwestern und Schützen eingeladen und sein Geschäftsführer Stephan Schippers hatte für die besonderen Gäste gute Plätze in der Südkurve reserviert und zum Jubeln Fähnchen besorgt.

Und die kamen zum Einsatz. Zumindest am Anfang schwenkten die Schwestern eifrig und freuten sich fröhlich, fast schon ausgelassen, über die tolle Stimmung im Borussia-Park. Als am Ende ihre Borussia unterlag, waren die Schwestern ein wenig traurig, aber trotzdem dankbar, daß sie hatte kommen dürfen. Den sie als "Reiseleiter" betreuenden Schützenchef Horst Thoren verpflichteten die Ordensleute, Rolf Königs herzlich zu grüßen und ihm und der Borussia Mut zu machen: "Das nächste Spiel wird besser laufen", waren sich die lebensweisen Schwestern sicher. Und schwenkten ihre Fähnchen dazu.

Der Besuch bei Borussia war Höhepunkt eines Ausflugtages, zu dem wieder einmal der Bruderrat der Bruderschaften betagte Ordensleute aus Mönchengladbach eingeladen hatte. Schon 25 Jahre sind die Schützen regelmäßig Gastgeber, weil sie, so Schützenchef Horst Thoren, "den Schwestern herzlich danken wollen für ihren fürsorglichen Einsatz."

Für viele, viele Menschen in Mönchengladbach seien die Schwestern in Jahrzehnten Nothelfer gewesen - durch ihren Dienst in Kliniken, Krankenhäusern, Schulen und Altenheimen. Und damit das Dankeschön großzügig ausfallen kann, brauchen die Schützen Freunde, wie jetzt Rolf Königs und Gabi Teufel, die als Unterstützer helfen, den Ausflugstag zu einem besonderen Erlebnis zu machen.

So hatte GEM-Chefin Gabi Teufel, von den Schwestern wegen ihrer Gastfreundschaft für einen Tag in "Gabi Engel" umbenannt, die Gruppe zur Mittagszeit im GEM-Casino begrüßt und dort bestens bekochen lassen. Nach dem Imbiß stellte Betriebsleiter Wilfried Theißen den Fuhrpark vor, gab es Infos über die Aufgaben der GEM (von der Müllabfuhr bis zum Winterdienst) und für die Schwestern Gelegenheit, einmal auf dem Beifahrersitz eines Müllfahrzeugs oder einer Kehrmaschine Platz zu nehmen und einige Runde über den Betriebshof zu drehen. "Das ändert die Perspektive", sagten die Schwestern: "Wenn wir demnächst Müllwagen sehen, werden wir winken", versprachen sie. Das taten sie bereits zum Abschied, als sie ein Bus zunächst zur Borussia und dann nach Hehn brachte.

An der Hehner Marienkapelle und an den Grotten wurde gebetet und gesungen, bevor Bezirkspräses Pfarrer Johannes van der Vorst die Schwestern "im einzigen Wallfahrtsort Mönchengladbachs" willkommen hieß und mit ihnen in der Pfarrkirche die Pilgermesse feierte. In die Geschichte der Pilgerstätte, bereits im 17. Jahrhundert erwähnt und 1894 um die Grotten mit den Statuen der 14 Nothelfer erweitert, führte Bruderratsfreund Klaus Cörstges ein.

Zum Abschluß eines "wunderschönen Tages" kam die Gruppe im St. Vith, dem ältesten Gasthaus der Stadt zusammen, wo der Bruderrat Sauerbraten auftischen ließ und Pfarrer van der Vorst den Schwestern einen "Mariacron" genehmigte: "Schließlich waren wir in Hehn auf Marienwallfahrt." Die Schwestern dankten mit Gesang, die indischen Schwestern sangen ein Lied aus ihrer Heimat in Landessprache und freuten sich, als die Schützen zu später Stunde versprachen: "Nächstes Jahr fahren wir wieder ....."

Bericht mit Fotos bei der Bürgerzeitung Mönchengladbach: Klick hier


Sebastianus-Figur aus Korschenbroich für Papstkapelle in Krakau

Bei den Europa-Schützen-Tagen im polnischen Tuchola war Hermann-Josef Kronen aus Korschenbroich gefeierter Ehrengast. Der 73-jährige Ehrenpräsident der St.-Sebastianus-Bruderschaft und Ritter vom Hl. Sebastian in Europa, hatte es sich nicht nehmen lassen, die von ihm geschnitzte Sebastianus-Statue persönlich den polnischen Schützen zu übergeben. Kronens Sebastianus, 90 Zentimeter hoch aus Lindenholz geschnitzt, ist für die neue Ehrenkapelle zur Erinnerung an Papst Johannes Paul II. in Krakau bestimmt, deren Bau bereits begonnen hat.

Kronen hatte auf Bitten von Bezirksbundesmeister Horst Thoren, Justiziar im Ritterorden vom heiligen Sebastianus, die Figur für die Europäischen Gemeinschaft Historischer Schützen gefertigt. Sein Geschenk wurde mit Beifall in Polen aufgenommen. Bei einer Festmesse segnete Bischof Prof. Dr. Jan Bernard Szlega aus Pelplin den Korschenbroicher Sebastianus.

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Für die Europa-Schützen dankte Präsident Prinz Charles-Louis de Merode dem Stifter und hob auch den künstlerischen Wert der Arbeit hervor. Sichtlich gerührt nahm Kronen die Dankesworte zur Kenntnis. „Für mich ist es eine besondere Ehre, daß mein Sebastianus in der neuen Papstkapelle in Krakau stehen wird“, sagte Kronen den versammelten Schützen der Europa-Tage.

Begleitet wurde der Korschenbroicher von den Schützenfreunden Horst Thoren, Friedhelm Pauen und Klaus Cörstges aus dem Bezirksverband Mönchengladbach, Rheydt, Korschenbroich.

Das Bild zeigt Hermann-Josef Kronen (Mitte) mit Marschall Dr. Wypich von den polnischen Schützen und Europa-Schützen-Präsident Charles-Louis de Merode, Generalsekretär Peter-Olaf Hoffmann (links) und Ordensjustiziar Horst Thoren (rechts).

Nikolaus lobte die Schützen und wurde von Rot-Mützen begrüßt

Rote Mützen überall! Sozusagen als Solidaritätsbekundung mit Gladbachs wohl bekanntestem Nikolaus-Darsteller Hubert Schüler trugen Gastgeber und Gäste bei der vorweihnachtlichen Feier des Bruderrates im Korschenbroicher Hannen-Haus Zipfelmützen im Brauchtumslook. Gastgeber des frohen Abends, bei dem fröhlich gesungen wurde („Laßt uns froh und munter sein …“) und in kleinen Geschichten Kindheitserinnerungen wach wurden (von Hans Muff und dem Schimmelchen unterm Tisch), waren die Ordensträger und Jubilare des Schützenjahres.

Bezirkspräses Johannes van der Vorst und Schützenchef Horst Thoren lobten die verdienten Schützen noch einmal und hoben ihren besonderen Einsatz hervor: In den Ritterstand erhoben wurden Theo Dieken und Willi Kempers, zu Ehrenmitgliedern ernannt Theo Laux, Albert Kremer, Kurt Franken, Charly Vieweg und Heinz Thoren, als Jubilare geehrt Heinz-Josef Schillberg, Hans-Josef Heupts, Kurt Schillings und Heinz-Josef Esser, mit Orden bedacht Detlev Robens und Hildegard Kremer.

Daß der Kreis der Geehrten diesmal größer ausfiel, begründete Horst Thoren so: „Wir haben den Altgedienten besonders gedankt. Sie alle haben hohe Anerkennung verdient. Und Gemeinschaftsleistung verlangt nach gemeinschaftlicher Ehrung.“ Dem stimmte auch Nikolaus Hubert Schüler zu, der im Bischofsgewand zu den Schützen sprach und in seinem goldenen Buch viel Gutes über die Bruderschaften vermerkt hatte.

Natürlich verteilte der Nikolaus auch kleine Geschenke: Korschenbroichs Bürgermeister Heinz-Josef Dick, mit seinem Vize Heinz-Willi Türks beim Brauchtumsabend zu Gast, bekam ein Räuchermännchen in Feuerwehruniform (weil ein Bürgermeister oft Nothelfer ist), Frank Boss vom Landschaftsverband Rheinland ein Schützenbuch (als Dank für Förderhilfe) und Korschenbroichs Pfarrer Frank Josef van de Rieth einen orangenfarbenen Schirm (schließlich ist van de Rieth Holländer).

Den Heimweg traten Schützen und Gäste bei Schnee und Eis an. Auf „Schluppen“ konnte Alt-Fahnenschwenker Kurt Franken nach Hause rutschen. Ihm hatte der Nikolaus Hausschuhe gebracht, weil Franken bei einem Schützentermin im Sommer das vergessene Königssilber der Majestät auf „Schluppen“ gebracht hatte.

Dank auch an Hans-Josef Heupts, Heinz-Josef Esser und Heinz-Josef Katz (alle Bruderrat), die für das Buch „Schützen-Fitness-Trainer“ Werbung in Zeitungen, z.B. „Bild-Zeitung“ und im Fernsehen (WDR, City-Vision u.a.) gemacht haben, in dem sie in Uniform die Übungen vorturnten. Dies natürlich immer unter der Aufsicht von Birgitta Ronge, die dieses und viele andere Bücher für die Schützen geschrieben- und illustriert hat.

Nikolaus bringt Michael Keinath den Königsvogel nach Herrenshoff

Seine Majestät hatte selbst gekocht und Zünftiges aufgetischt: Bäckermeister Michael Keinath aus Korschenbroich-Herrenshoff, seit dem Gladbacher Stadtschützenfest im September Bezirkskönig der 39 Schützenbruderschaften in Mönchengladbach und Korschenbroich und jetzt Gastgeber im Schützenkreis, servierte Zwiebelbraten mit Rosmarinkartöffelchen und Krautsalat, Putengeschnetzeltes mit Nüdelchen.

Und hinterher reichlich Süßes. Das alles im Pfarrheim Herrenshoff, wo seine Majestät mit den Ministern Jochen Bensberg aus Geistenbeck und Klaus Vieten aus Broich-Peel Bruderrat und Stadtoffiziere zum Kennenlernabend empfing.

Weil für den neuen König und seine Minister beim großen Schützentreffen mit seinen vielfältigen Auftritten nur wenig Zeit bleibt zum Plaudern, treffen sich Königshaus und Oberschützen in vorweihnachtlicher Zeit, damit sich vor allem auch die Damen besser kennenlernen. So standen Claudia Keinath, Monika Bensberg und Ursula Vieten im Mittelpunkt des frohen Abends, der von den Erinnerungen an Vogelschuß, Krönungsmesse und Parade und der Vorfreude auf die Schützen-Festzeit 2011 bestimmt war.

Schützenchef Horst Thoren, der für die Damen Blumen und für die Herren Erinnerungsfotos in XXL-Format mitgebracht hatte, brachte es auf den Punkt: „Jetzt noch Nikolaus, dann Weihnachten, Silvester und Karneval. Und dann geht´s los mit der Schützen-Rundreise durch Stadt und Land.“ Damit Keinath und Konsorten für die vielfältigen Festtermine bestens gerüstet sind, gab es Schützen-Sonnenschirme (notfalls auch bei Regen einsetzbar) und vom Ex-Königshaus um Norbert Goertz Fußbalsam (fürs lange Stehen bei den Paraden) und Handcreme (fürs Klatschen und Händeschütteln).

Als Nikolaus schaute Bruderratsfreund Hans-Josef Heupts vorbei. Bezirkspräses Johannes van der Vorst meldete sich beim Kennenlernabend aus dem Urlaub zurück. Und Rittmeister zu Fuß Heinz-Josef Katz erhielt zum 66. Geburtstag einen hölzernen Gardeoffizier-Nussknacker.

Ehrengast beim Nikolaus-Schützenabend war Korschenbroichs stellvertretender Bürgermeister Heinz-Willi Türks, der sich mit Keinath und den Herrenshoffer Hubertus-Schützen um Präsident Markus Tschirner über ein besonderes Geschenk freute. Volksbank-Chef Lothar Erbers hat für den Bezirkskönig einen hölzernen Königsvogel bauen lassen. Denn vom Original, daß der 46jährige Herrenshoffer beim Stadtschützenfest mit dem 126. Schuß von der Stange holte, sind ihm nur Bruchstücke geblieben.

Zum Bild: Gruppenbild mit dem Gladbacher Bezirkskönigshaus um Majestät Michael Keinath mit Königin Claudia und den Ministerpaaren Klaus und Ursula Vieten und Jochen und Monika Bensberg (rechts) sowie Nikolaus Hans-Josef Heupts (links), Korschenbroichs Vize-Bürgermeister Heinz-Willi Türks (hinten rechts), Bezirkspräses Johannes van der Vorst und Bezirksbundsmeister Horst Thoren (hinten links).

Bericht mit mehr Fotos bei BZ-MG.de


Schützenhilfe für den Münsterschatz

Der Spendenscheck für den Münsterschatz kam gerade recht, um eine erste Rechnung zu bezahlen. Propst Albert Damblon (rechts) will das „Erbärmende Bild“ restaurieren lassen. Erste, Bestands sichernde Arbeiten am wertvollen Bildstock aus dem 16. Jahrhundert sind bereits ausgeführt.

Dafür kann der Propst die Spende von 600 Euro verwenden, die Hans-Josef Heupts (links) vom Bruderrat der Bruderschaften jetzt überreichte. Die Schützen unterstützen seit Jahren mit großen und kleinen Spenden die Arbeiten am Gladbacher Münster und wollen in Zukunft vor allem helfen, die religiöse Kunst aus dem Münsterschatz zu erhalten.

Das „Erbärmende Bild“, ein Wandbild in einer Waldhausener Kapelle, ist vom Holzwurm stark angegriffen und muß aufwendig überarbeitet werden. Die Restauratoren schätzen den Aufwand auf 5000 Euro.

Schmausen im Dicken Turm - Borussenpräsident sang Martinslieder für Gladbachs Schützenfreunde

So sangesfreudig hatten die Schützenfreunde Rolf Königs noch nicht erlebt. Froh stimmte der Borussenpräsident mit ein, als Gladbachs Schützenchef Horst Thoren die Gäste beim „Schmausen im Dicken Turm“ aufforderte, Martinslieder zu singen. Königs kannte die Texte bestens: Erst traditionell „Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind“, dann niederrheinisch „Loop Möller loop“.

Den Sankt Martin gab beim Freundeskreis-Treffen in der „Schützen-Feste Dicker Turm“ Volksbank-Chef Lothar Erbers, der stilecht roten Mantel und Römerhelm trug und die von Bäckermeister Hans Riethmacher gebackenen Weckmänner verteilte. Horst Thoren begründete den Martinsauftritt so: „Wir stehen zu unseren niederrheinischern Bräuchen. Und dazu gehört das Schützenwesen genauso wie Sankt Martin und Nikolaus.“

Der Bruderrat der Gladbacher Schützen hatte zum Ende der Festzeit zum Brauchtumsabend eingeladen und Rolf Königs als Gastgeber gewonnen, der wiederum Gerda Römgens an den Herd der Turmküche stellte. Angerichtet wurde Lamm mit zweierlei Böhnchen (dick und dünn), dazu gab es Rosmarinkartöffelchen, vorab eine leckeres Süppchen und zum Abschluß Salat von frischen Früchtchen. Das Königs-Mahl schmeckte bestens.

Und auch der Dank an die Küche kam von einem König. Bezirksmajestät Michael Keinath und seine Minister Klaus Vieten und Jochen Bensberg dankten Gerda Römgens mit Blumen. Die anderen Gästen klatschten dazu, denn Nachschlag gab´s auch.

Unter den gesättigten Bruderratsfreunden, die sich im Turm vom Schützenchef Horst Thoren bestens bespaßt fühlten (ein Stoffesel stand im Mittelpunkt der launigen Ansprache), waren aus der Politik die Abgeordneten Günther Krings (Bundestag) und Norbert Post (Landtag), Bürgermeister Klaus Schäfer und die früheren Oberbürgermeister Heinz Feldhege und Monika Bartsch, von der Borussenspitze Rolf Königs, Siegfried Söllner und Hermann Jansen, vom Maria Hilf Professor Müller-Leisse und Joachim Püllen, von der Verwaltung die Beigeordneten Peter Holzenleuchter und Gert Fischer, aus der Wirtschaft Jochen Bücker (Jessen), Gert Kartheuser (First Reisebüro), Dieter Röhlen (Joeressen), Joachim Potrykus (Handelshof), Reiner Helles (NVV) und Heinz Breuer (BMW Kirsch).

Herzlich beglückwünscht, insbesondere von den Damen um Rechtsanwältin Doris Overlack-Kosel und Ratsfrau Manuela Luhnen, wurde Karikaturist Nik Ebert, der frisch vermählt auch noch Blümchen für seine Frau mit nach Hause bekam. Den Segen dazu gaben Bezirkspräses Johannes van der Vorst und Pfarrer Manfred Riethdorf.

Für Gastgeber Königs hatte Horst Thoren die Nachbildung eines historischen Silberordens mitgebracht, gestiftet von den Gelagsmitgliedern im Jahre 1892, wie die Aufschrift verriet. Dazu gab es die herzliche Aufforderung aller Gäste: „Wir freuen uns auf den nächsten Königsabend im Dicken Turm . . . . .“

Auf dem Foto sind von rechts zu sehen: Borussen-Präsident Rolf Königs, Ex-OB Monika Bartsch, Bürgermeister Klaus Schäfer, Ehrenoberbürgermeister Heinz Feldhege, Bezirkskönig Michael Keinath, Heinz Breuer (BMW Kirsch, neu im Freundeskreis und Stifter von fünf Schützen-Willi-Puppen für Kindergärten) sowie Schützenchef Horst Thoren.

Stadtschützenfest 2010
mit Fitness-Parade und 35.000 frohen Gästen

Die Große Parade bei Youtube
Der neue Bezirkskönig backt keine kleine Brötchen
So sportlich waren Gladbachs Schützen noch nie: Beim Stadtschützenfest zeigten sie vor 35.000 Zuschauern Fitness und Ausdauer. Der fröhliche Aufzug mit 2600 Schützen und Musikanten wurde mit einer öffentlichen Turnübung eröffnet, denn der Bruderrat der Bruderschaften in Mönchengladbach, Rheydt und Korschenbroich hat die Schützen-Fitness-Initiative ausgerufen: "Ohne Bauch geht´s auch".

So richtig ins Schwitzen kamen die mehr oder weniger beleibten Marschierer bei der Parade. Denn vor dem neuen Bezirkskönig Michael Keinath (46) aus Herrenshoff wollte keiner schlapp machen. Seine Majestät (von Beruf Bäckermeister und 2003 Bezirks-Minister) dankte mit Beifall und strahlte. Ihm gefiel die prächtige Parade bestens und er genoß es sichtlich, gefeiert zu werden.

Noch am Vortag hatte Michael Keinath gezögert, ob er überhaupt beim Vogelschuß mitschießen soll. Der Familienvater ist 2007 an Krebs erkrankt. Jetzt stehen neue Untersuchungen an, von deren Ergebnissen es abhängt, ob ein weiterer operativer Eingriff nötig ist. Michael Keinath entschied sich erst nach einem Gespräch mit Bezirksbundesmeister Horst Thoren, beim Bezirkskönigsschießen anzutreten. Der Schützenchef hatte ihm Mut gemacht und gesagt: "Wenn das dein größter Wunsch ist – dann komm!"

Mit Michael Keinath schossen noch zehn Kandidaten, darunter eine Königin (Hardterbroich), auf den Vogel. Keinaths Traum erfüllte sich mit dem 126. Schuß. Da fiel der arg zerrupfte Holzadler von der Stange, der vorher ein halbes Hähnchen war. Und der neue Bezirkskönig konnte jubeln. Mit ihm freuten sich die beiden Schützen, die vor ihm auf den Vogel geschossen hatten. Sie sind seine Minister: Jochen Bensberg (51-links) von der St.-Josef-Bruderschaft Geistenbeck und Klaus Vieten (50-rechts) von der St.-Rochus-Bruderschaft Broich-Peel.

Gekrönt wurde der neue König am Festsonntag im Gladbacher Münster. Bezirkspräses Pfarrer Johannes van der Vorst segnete das wertvolle Drei-Königs-Silber der Bruderschaften und hängte es Michael Keinath um. In seiner Predigt zum Leitwort des großen Bruderschaftsfestes „Freut euch des Lebens!“ rief van der Vorst dazu auf, die Schätze der Freundschaft zu heben.

Ebenfalls wurden Bezirksprinz und Bezirksschülerprinz mit den Rittern gekrönt. Das sind: Bezirksschülerprinz Tim Mühlenberg (2.v.l.), von der St. Sebastianus und St. Vitus Bruderschaft Obergeburth Waldhausen. Seine Ritter sind Peter Vieten (2.v.r.), von der St. Rochus Schützenbruderschaft Broich-Peel und Dominik Schmitz (l.), von der St. Antonius-Sebastianus Bruderschaft Wanlo. Bezirksprinz ist Marc Winkens (r.), von der St. Konrad Schützenbruderschaft Ohler-Ohlerfeld.

Mit Johannes van der Vorst zelebrierten Regionaldekan Ulrich Clancett und Hausherr Propst Dr. Albert Damblon die feierliche Krönungsmesse, die musikalisch von der Big Band Sankt Barbara Neuwerk und vom Männergesangverein Holt gestaltet wurde.

Zu Ehren der neuen Majestät paradierten am Alten Markt die vereinigten Bruderschaften und Vereine, die mit 38 Abordnungen vertreten waren. Im Regiment, kommandiert von Generalfeldsmarschall Klaus Schnock, zogen sechs Kompanien auf, denen zwölf Tambourkorps und Musikkapellen den Marsch bliesen.

Mannstark zogen insbesondere vier Bruderschaften auf: St. Hubertus Wickrathhahn, St. Helena Rheindahlen und St. Josef Geistenbeck. Insgesamt 2600 Schützen und Musikanten formierten sich zum Regiment und marschierten durch die Stadt: An der Spitze die Generalität des Bezirksverbandes, schließlich die historische Truppe, die in Trachten und Festgewändern aus der Zeit Jan van Werths an den kaiserlichen Reitergeneral und Odenkirchen Burggrafen erinnerte.

Den Jan van Werth gab hoch zu Ross Volksbankchef Lothar Erbers, seinen Schwiegersohn und Odenkirchener Schützenkönig (aus dem Jahre 1663) spielte MdL Michael Schoeren, die Werth-Tochter Lambertine GEM-Chefin Gabi Teufel.

Im frohen Gefolge waren Professor Gunter Konrad, von der NVV Friedhelm Kirchhartz und Rainer Hellekes, die frühere Oberbürgermeisterin Monika Bartsch, Hartmut Wnuck von der Stadtsparkasse, Karikaturist Nik Ebert, Brauchtumsfreund Hans-Peter Jansen und Bürgermeisterin Renate Zimmermanns.

Die Marscherlaubnis gab rheinisch-fröhlich Oberbürgermeister Norbert Bude, der als Vorreiter im grünen (Geistenbecker) Schützenrock das Regiment begleitet hatte und die Parade im schwarzen OB-Rock abnahm.

In seiner Festbilanz (herrliches Feier-Wetter, tolle Stimmung und beste Musik) sagt der Bruderrat allen Dank, die zum Erfolg des großen Bruderschaftstreffens beigetragen haben. Schützenchef Horst Thoren lobte vor allem die „fleißigen Musikanten“, die den paradierenden Schützen den Marsch geblasen oder beim Treffpunkt Kapuzinerplatz für Stimmung gesorgt haben.

Begeisterung löste vor allem der Auftritt der britischen Musiker der „Band of the Welsh Guards“ aus, die am Rathaus Abtei und bei der Serenade gespielt hatten und mit der Europa-Hymne den Zapfenstreich beendeten. Die Musiker, vom britischen Verbindungsoffizier Alistair Clark nach Gladbach geholt und von Bruderratsmitglied Klaus Cörstges bestens betreut, erlebten ihr erstes Schützenfest und tranken nach dem offiziellen Teil mit den Bruderschaften niederrheinisches Alt als Dankeschönbier.

Dazu spielten die niederrheinischen Mundartbarden von Hätzblatt "Drenk doch ene mött". In den allgemeinen und herzlichen Dank einbezogen hat der Bruderrat das Citymanagement, das zum Stadtschützenfest Late-Night-Shopping bot, Stadtverwaltung und Polizei, MGMG und GEM, die Sponsoren, Festwirt Rolf Jansen und Marktausrichter Horst Römgens.

„Unser Stadtschützenfest ist eine Gemeinschaftsleistung“.

Da ist der kleinste Jungschütze mit wichtig für Stimmung und Erfolg“, sagt der Bruderrat lobt einen kleinen Marschierer ganz besonders: Ruben Lappessen (9) aus Hardterbroich gehörte zu den Vorturnern der „Grünen Jäger“ bei der Turnübung am alten Markt und machte auch schon als „junges Gesicht“ auf dem Plakat zum Stadtschützenfest eine gute Figur.

Friedenseiche zum Abschluß von "175 Jahre Gladbacher Schützenfest"

In Vergessenheit geraten ist die Tradition, zu besonderen Anlässen eine Friedenseiche zu pflanzen. So aber nicht bei den Schützen.

Die Mitglieder des Bruderrates pflanzten zum Abschluß des Jubiläumsjahres "175 Jahre Gladbacher Schützenfest" eine Eiche am Fuß des Abteibergs.

"Wir wollen mit diesem Baum Dank sagen und ein Zeichen setzen. Wir hatten ein wunderbares Jubiläumsjahr", sagte Schützenchef Horst Thoren. "Eine Eiche steht für Stärke und Beständigkeit. Auch der Ort, am Fuße des Abteibergs, hat einen symbolischen Wert. Die Eiche verweist auf die benediktinische Tradition der Stadt. Dieser Glaube ist auch die Grundlage und die Basis unserer Bruderschaften".

Horst Thoren hatte auch ein Geschenk für den Oberbürgermeister dabei: ein Advents-Kalender. Das Besondere daran war, OB Bude war darauf abgebildet. Man konnte aber traditionsgemäß an allen Türchen Schokolade entnehmen. Oberbürgermeister Norbert Bude, Vorreiter beim Stadtschützenfest, bedankte sich beim Bruderrat. "Es war ein gutes, ein würdiges Jubiläumsjahr, das auch Werbung für das Brauchtum und unsere Stadt gemacht hat", sagte Bude. "Der Ort, an dem wir diese Eiche gepflanzt haben, steht auch für die Symbiose zwischen der Stadt einerseits und dem Schützenwesen andererseits."

Vor der Friedenseiche erinnert eine in den Boden eingelassene Granitplatte an das Jubiläum. Diese wurde von Brauchtumsfreund Dieter Röhlen gefertigt und gestiftet.

Neuer Bezirkskönig nach einem überraschenden Vogelschuß:
Jörg Pauen aus Kleinenbroich

Gladbach feierte 175 Jahre Brauchtum
mit Pomp, Pauken und Trompeten
Das Fest war historisch, die Stimmung bestens – und die Schützen jubilierten: 40.000 Besucher feierten
„175 Jahre Gladbacher Schützenfest – Tradition seit 1836“.

Und der festliche Rahmen stimmte: Ein strahlender König (Jörg Pauen aus Kleinenbroich) schickte 2500 stramme Schützen und Musikanten zur Parade. Eine historische Truppe mit superhohen Zylindern („Auf Zack im Frack“) erinnerte an die Anfänge in der Biedermeier-Zeit. Und die Band of the Irish Gurads aus London bot Pomp mit Pauken und Trompeten.

Für die seelische Stärkung sorgte Bundespräses Weihbischof Dr. Heiner Koch aus Köln, der bei der feierlichen Krönungsmesse im Gladbacher Münster predigte und Glaubensstärke einforderte.

Der gastgebende Bruderrat um Schützenchef Horst Thoren hatte das Jubiläums-Stadtschützenfest mit Feldlager, Parademarsch und Majestätenball bestens vorgeplant und letztlich sogar Glück mit dem Wetter: Samstag beim Vogelschuß Sommer-Sonne satt, Sonntag bei Festzug und Parade nur ein paar Tröpfchen Schön-Wetterregen. So fällt die Festbilanz mehr als positiv aus. Begeistert äußert sich vor allem der neue Bezirkskönig, der als Überraschungssieger aus dem seltsamsten Königsschießen aller Zeiten hervorging.

Einen solchen Vogelschuß hatte es in Gladbach noch nicht gegeben: Der Vogel fiel gut 90 Sekunden nach dem entscheidenden 57. Schuß, kurz bevor der nächste Königskandidat abdrücken konnte. Völlig überrascht ließ Jörg Pauen den Jubel über sich ergehen. Der 39jährige Elektrotechniker, Majestät der St. Sebastianus Bruderschaft Kleinenbroich, hatte den Schießstand bereits verlassen, als der Holzadler zeitverzögert zerbrach und aufs Pflaster stürzte.

Pauen wurde als Bezirkskönig („König der Könige“) der 20.000 Schützen in Mönchengladbach und Korschenbroich ausgerufen. Ehefrau Claudia küßte ihn innig, die Schützenfreunde ließen ihn hochleben.

Tröstende Worte und Schulterklopfen gab es für den Pechvogel des Tages Robert Grabisch aus Dahl. Der König der Hubertus-Bruderschaft war als nächster Schütze bereits zum Schießen angetreten, aber noch nicht zum Schuß gekommen. So entging ihm der Königstitel knapp.

Als Minister stehen Jörg Pauen die beiden Schützen zur Seite, die vor ihm auf den Vogel geschossen hatten: Markus Effertz (48, Kraftfahrer aus Speick) und Paul Schieren (65, Rentner aus Lürrip).

Ins Amt eingeführt wurde der neue Bezirkskönig am Festsonntag bei der feierlichen Krönungsmesse im Gladbacher Münster von Bezirkspräses Pfarrer Johannes van der Vorst. Mit van der Vorst zelebrierten Bundespräses Weihbischof Dr. Heiner Koch, Propst Dr. Albert Damblon und Regionaldekan Ulrich Clanzett die Festmesse, die der Männerchor Cäcilia Holt und die Big Band St. Barbara Neuwerk musikalisch gestalteten.

Nach der Messe formiert sich unter dem Kommando von General Lothar Erbers (im Frack mit preußischem Zweispitz) der Festzug der 2500 Schützen und Musikanten, an dessen Spitze Oberbürgermeister Norbert Bude (hoch zu Ross im grünen Schützenrock) und die historische Truppe mit Preußen-Prinz-Double Michael Schroeren (mit güldenem Brustpanzer (Küraß) und Metallhelm) und Gladbacher Promis in Biedermeier-Kluft an erste Gladbacher Schützenfest von 1836 erinnerten.

Die Frackträger zu Pferd und in Kutschen setzten mit ihren überhohen Zylindern einen besonderen Akzent und gefielen sich in ihrem Auftritt so gut, daß sie im nächsten Jahr wieder mit Frack in Erscheinung treten wollen. Besonderen Beifall heimsten in der Truppe Ex-OB Monika Bartsch mit Tochter Sabine in schmucken Rüschenkleidern, NVV-Chef Friedhelm Kirchhartz als „Bürgerkönig 1836“, Polizeipräsident Hans-Hermann Tirre in historischer Uniform und Rechtsanwalt Peter Backes auf seinem Hochrad ein.

Zu Ehren der Majestät paradierten schließlich am Alten Markt nach dem Ja-Wort von OB Bude (er gibt traditionell die Erlaubnis zur Parade) 2500 Schützen und Musikanten in sechs Abteilungen, die von zwölf Tambourkorps und Musikkapellen begleitet wurden.

Krönender Abschluß der Parade war der Große Zapfenstreich, den Rittmeister zu Fuß Heinz-Josef Katz gekonnt kommandierte, und der nochmalige Auftritt der britischen Musiker.

The Band of the Irish Guards aus London, die bei der Hochzeit von Kate und William spielte, blies den Schützen-Majestäten gekonnt den Marsch und war auch optisch (mit den roten Uniformen und Bärenfellmützen) eine Augenweide. Zum Abschluß also: God save the Queen und die Europahymne. Dafür gab es tosenden Applaus, auch von den angereisten europäischen Brauchtumsexperten Europakönig Mario Geissler mit Ehefrau Bettina und Europa-Schützen-Vizepräsident (EGS) Bernd Hellwig.

Später dann traf sich die versammelte Festgemeinde auf dem Kapuzinerplatz – wo die Schützen ihr Feldlager hatten und abends mit Hätzblatt kölsche Tön zu hören waren. Dort nahm Wickrathhahn die Siegerpokale für die größte Abordnung und die größte Frauengruppe in Empfang. Der Bruderrat hatte Gelegenheit, mit den Helfern und Unterstützern beim großen Stadtschützenfest anzustoßen.

Besonderen Dank sagten die Schützen Polizei und Feuerwehr, MGMG, Festwirt Rolf Jansen und Marktbeschicker Horst Römgens, allen Förderern und ganz besonders den teilnehmenden Schützen. Schützenchef Horst Thoren: „Der kleinste Jungschütze ist wichtig für den Erfolg, unser Fest ist eine Gemeinschaftsleistung von 2500 brauchtumsbegeisterten Mitstreitern.“

Ausstellung zur Stadt- und Schützengeschichte im Museum Schloß Rheydt
1836 - Schützen und ihr Wirken für Fortschritt und Demokratie

Am Anfang war selbst der Museumsdirektor skeptisch: Bieten zwei überschaubare Gladbacher Schützenfeste der Jahre 1836 und 1837 genug Stoff für eine kulturhistorische Betrachtung mit stadtgeschichtlicher Bedeutung? Die Frage konnten Dr. Karlheinz Wiegmann und Eva Uebe vom Museum Schloß Rheydt bei der wissenschaftlichen Vorarbeit zur jetzt eröffneten Ausstellung „Der Stadt ein Rathaus, den Bürgern ein Fest“ schnell und positiv beantworten. Die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Ereignisse der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts stehen für eine „Stadt im Aufbruch“ und markieren den Wandel zur bürgerlichen Gesellschaft. Und was hat das mit den Schützen und ihren Festen der Jahre 1836 / 1837 zu tun?

Mit dem Wachstum der beginnenden Industrialisierung entwickelte sich in Gladbach ein eigenes, bürgerliches Selbstverständnis und Selbstbewußtsein. Dazu gehörte auch der Wunsch, ein großes, gesamtstädtisches und überkonfessionelles Schützenfest zu feiern.

Voll Stolz stellt denn auch Gladbachs heutiger Schützenchef Horst Thoren im historischen Rückblick fest: „Erstmals waren Katholiken und Protestanten, Rheinländer und Preußen, Untertanen und Obrigkeit im fröhlichen Kirmestreiben vereint. So brachte der Spaßfaktor vor 175 Jahren zusammen, was im Selbstverständnis der Bürgerschaft noch bis ins 20. Jahrhundert getrennt war. Die Ausstellung bietet einen Einblick in das spannungsgeladene Leben einer Stadt im Umbruch, in der die Schützen für Fortschritt und Demokratie standen, aber auch von politischer und kirchlicher Seite instrumentalisiert wurden.“

Oberbürgermeister Norbert Bude und Museumsdirektor Dr. Karlheinz Wiegmann sprachen bei der Ausstellungseröffnung von einer „Zeit, die bis heute Spuren in der Stadt“ hinterlassen habe. Kustodin Eva Uebe berichtete vom Kauf der Abtei, in die 1835 das Rathaus einzog, von Fabrikbauten und Dampfmaschinen, von der ersten Mädchenschule und der Not der Hausweber. Die Ausstellung gibt mit Zeitdokumenten, Bildern und Tagebüchern, einen Einblick ins Leben der Menschen und der gesellschaftlichen Verhältnisse.

Sie nutzt einen eigens konzipierten Videofilm als visuelle Erklärhilfe, um mit Bilddokumenten und Zitaten in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zu entführen und Zeitzeugen „zu Wort“ kommen zu lassen. Dem ersten Gladbacher Schützenfest vor 175 Jahren, dessen Jubiläum Anlaß für die Ausstellung ist, widmet das Museum einen eigenen Raum: Hier beeindrucken die Festplakate mit ihrer blumigen Sprache („Die Tage der Freude sind gekommen“) und der wunderbaren Stadt- und Festansicht (mit Abteiberg und Schützenparade) ebenso wie der detailgenaue Zeltplan, der über die Größe der Festgesellschaft Auskunft gibt und sogar einen Thron ausweist.

Von den Gladbacher Schützenfesten der Jahre 1836/1837 ist nicht allzu viel überliefert. Was es an Quellen gab, haben Eva Uebe und Karlheinz Wiegmann vom Museum Schloß Rheydt gesichtet, ausgewertet und in den Kontext zeitgeschichtlicher Ereignisse der Region gestellt. Die Schützenfeste werden – trotz oder gerade wegen ihrer überschaubaren Größe – zum Abbild ihrer Zeit. Denn sie sind Ausdruck dessen, was die Menschen bewegte und sie zum Handeln trieb: die Versöhnung (zumindest der Dialog) der beiden Kirche miteinander, das Recht auf ein wenig mehr Selbstbestimmung, die Suche nach einer sicheren Größe in unsicherer Zeit.

„Die Tage der Freude“ – so vom festordnenden Komitee in der Ankündigung zum Gladbacher Schützenfest ausgerufen - finden sich heute Jahr für Jahr wieder im Stadtschützenfest, das damit Schützengeschichte lebendig erhält und folgerichtig fortsetzt. Darum feiern die Bruderschaften aus Stadt und Land ihr Stadtschützenfest in diesem Jahr am 3. und 4. September als großes Jubiläumsfest „175 Jahre Gladbacher Schützenfest“.

Die Ausstellung in Schloß Rheydt endet am 14. Mai mit einem Jubiläumsempfang der Schützen auf der Turnierwiese. Für beide Schützentreffen soll, so Horst Thoren, gelten, was das festordnende Komitee vor 175 Jahren verkündete: „Die Tage der Freude sind gekommen.“

Zur Ausstellung sind im Museumsshop erhältlich der Nachdruck des historischen Festplakats von 1836 (7,50 Euro) und die wissenschaftliche Aufarbeitung zum Gladbacher Schützenfest von Christoph Nohn „Die Tage der Freude“ (15,95 Euro).

Der Silberschatz der Schützen

Fotostrecke "Schützensilber" der RHEINISCHEN POST
Die Königsketten der Bruderschaften sind nicht nur wertvoll, sie erzählen auch Geschichten. Dr. Britta Spies hat sie aufgeschrieben. Herausgekommen ist ein spannendes Lesebuch mit vielen Königen und einem Kaisersohn.

Die Kleinenbroicher sperrten die Königsketten 1774 in eine Truhe, für die nur der Brudermeister und der Pastor den Schlüssel hatten. In Kriegszeiten verbuddelten die Gladbacher sie auch schon mal auf dem Friedhof. Und vor den Nazis war manches Schützensilber nur im Mieder sicher. Keine Frage: Zu allen Zeiten war den Schützen bewusst, dass sie rein materiell über einen Schatz verfügen.

Und das macht das Buch "Schützen Glanz und Gloria" mit fast 300 wunderbar aufbereitenden Fotos überdeutlich. Doch das noch größere Verdienst des Buches ist ein anderes: Es macht klar, wie viel gelebte Alltagsgeschichte sich anhand der Schützen und ihrer prächtigen Silberketten erzählen lässt.

Dies ist Dr. Britta Spies zu verdanken. Die Leiterin des Rheinischen Schützenmuseums in Neuss hat die meisten Texte geschrieben - und mehr Arbeit gehabt, als sie selbst gedacht hatte. Mit maximal 80 Seiten hatte Britta Spies gerechnet, als ihr Herausgeber Bezirksbundesmeister Horst Thoren die Idee vorgestellt hatte.

Doch dann tauchte Britta Spies ein in die zum Teil liebevoll gepflegten Archive der 39 Bruderschaften im Gladbacher Land, fand Material über Material und legte nun, nach fast zwei Jahren des Recherchierens und Schreibens, ein 272 Seiten starkes Buch vor. „Schon jetzt ein Standardwerk”, sagte Bundesmeister Horst Thoren bei der Präsentation im Schloss Rheydt. „Ein Zwischenbericht”, korrigierte Britta Spies. Will sagen: Man könnte noch viel mehr Spannendes zusammentragen über das Silber der Gladbacher Könige.

Zum Beispiel über die Ketten mit den großen Schilden, die den Königen früher teils bis über die Knie reichten. Oder über die Ketten, die nicht nur auf der Brust, sondern auch auf dem Rücken getragen werden. Spies fasziniert besonders, dass sich Tradition und Wandel in dem Silber so sinnbildlich widerspiegeln. „Denn jede Kette verändert sich jedes Jahr durch eine zusätzliche Plakette oder Gravur”, so Britta Spies.

All dies hat die promovierte Kulturwissenschaftlerin mit wissenschaftlicher Akribie und Sinn fürs Anekdotische zusammengetragen. Zum „Prachtband”, wie Thoren das Buch nannte, gehört auch die entsprechende Ausstattung. Dafür sorgten Grafik-Designerin Angelika Schreiber und Kunstbuch-Verleger Norbert Neuenhofer vom B. Kühlen Verlag. Unterstützt wurde das Buch vom Landschaftsverband Rheinland und der Kulturstiftung der Stadtsparkasse.

Dr. Britta Spies: "Stellvertretend für alle, die „Schützenhilfe“ geleistet haben, möchte ich mich bei den drei Herrn bedanken, die vorbildliche Archivarbeit geleistet haben: Heinz-Josef Katz (Wickrath) und Ralf Hoppenkamps (Neuwerk)".

Für zusätzlichen Glanz sorgt ein Kaisersohn unter all den Königen. Otto von Habsburg, dem das Buch gewidmet ist, hat ein Geleitwort verfasst. Der Großmeister des Ritterordens vom heiligen Sebastianus war im vergangenen Jahr bei der großen Schützenausstellung im Schloss Rheydt gewesen. Und wie bat Horst Thoren den 95-Jährigen um seinen Beitrag? „Natürlich per eMail. Otto von Habsburg ist auch mit 95 auf der Höhe der Zeit.”

Quelle: RALF JÜNGERMANN - Rheinische Post

Titel „Schützen – Glanz und Gloria”
Die Macher Dr. Britta Spies, Horst Thoren (Herausgeber)
Verlag B. Kühlen, Mönchengladbach
Seiten 272, rund 300 Abbildungen
Preis 22,80 Euro – ISBN 978-3-87448-323-0
Ab sofort in allen Buchhandlungen erhältlich

Sponsoren Landschaftsverband Rheinland und Kulturstiftung der Sparkasse
Letzte Aktualisierung ( Samstag, 28. Juni 2014 )