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Archiv 1 Bezirksverband
Delegiertenversammlung April 2008
Traditioneller Königsehrenabend 2008
Ausschuß für Brauchtum und Geschichte beriet über Paradeordnung
Horst Thoren ist 40. Burggraf von Odenkirchen
Gladbachs Revolutionsfeier von 1848 zum Stadtschützenfest 2008
Stadtschützenfest in Schwarz-Rot-Gold
Ritterschlag für Hans-Josef Heupts
Sankt-Georgs-Ritter Klaus Cörstges
Brauchtum als Kunstobjekt - Suse Weber
Pflegeanleitung für Standarten und Fahnen
Lehrmeister für Schützen
Brauchtumsstein am Dicken Turm
Fest am Dicken Turm 2008

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Die ordentliche Delegiertenversammlung
fand am Dienstag, 15. April 2008 um 19:00 Uhr
im Pfarrheim in Geistenbeck statt.

Traditionell war vorher eine hl. Messe in der Pfarrkirche Heilig Geist.

Tagesordnung:
1.) Begrüßung – der Bez.-Bundesmeister Horst Thoren begrüße alle Versammlungsteilnehmer.
2.) ausführliche Berichte gaben: a) Bez.- Bundesmeister, b) Bez.- Schriftführer, c) Bez.- Kassierer, d) Kassenprüfer, e) Bez.- Schießmeister, f) Bez.- Jungschützenmeister.
3.) Wahl der Kassenprüfer / Bestätigungen – es wurden 3 neue Kassenprüfer gewählt und der neue Bez.-Jungschützenmeister Frank Engel wurde von der Versammlung bestätigt.
4.) Stadtschützenfest am 6. + 7. September 2008 – Der Bez.- Bundesmeister gab einen Kurzbericht zum Stadtschützenfest 2008.
5.) Veranstaltungen/Projekte: Horst Thoren gab Termine und Ereignisse des laufenden Jahres bekannt.
6.) Verschiedenes
Hinweis: Jede Mitgliedsvereinigung hat eine Stimme. Wahlberechtigt ist der Präsident/Brudermeister oder ein von ihm schriftlich beauftragter Vertreter.

Erste Ratssitzung:

Nach der Delegiertenversammlung fand, in einem separaten Raum, die erste Bruderratsversammlung statt. Der Bruderrat wählte drei neue Bruderschaftler in den Bruderrat:
1. den ausgeschiedenen Jungschützenmeister Ludwig Schmitz, (Web-Master)
2. Frank Joeris von der Bezirksjugend und
3. Heinz-Josef Katz, bisher "Offz. beim Bruderrat".

Die Ratsmitglieder wurden für die kommenden Schützenfeste eingeteilt.

Stadtschützenfest in Schwarz-Rot-Gold

Bruderschaften erinnerten ans Revolutionsjahr 1848

In Gladbach regiert König Christoph

Weit über 20.000 Gäste, tolle Stimmung (trotz der verregneter Parade) und ein strahlender König (Christoph Fels aus Neuwerk). Das war das Mönchengladbacher Stadtschützenfest 2008, das mit dem stimmungsvollen Auftritt der Mundartbarden von Hätzblatt zu Ende ging. Die Besucher, die sich an Schützenfolklore und am Aufzug der 2500 Schützen und Musikanten erfreuten, zeigten mit den Schützen Durchhaltevermögen, hielten selbst aus, als kräftige Schauern am Alten Markt niedergingen und aus dem Schützenaufmarsch eine Parapluie-Parade wurde. Zu guter letzt aber stand ein Regenbogen über Gladbach. Das versöhnte die durchnässten Schützen und Musikanten, die zur Egerländer-Melodie fröhlich anstimmten: „Seid bereit, die nächste Kirmes ist nicht mehr weit.“

So lange hatte der Vogelschuss lange nicht mehr gedauert. Anderthalb Stunden hielt der Holzadler stand, bis Christoph Fels ihn mit dem 144. Schuss endlich von der Stange holte. Vorangegangen war ein spannender Wettkampf mit acht Königskandidaten, für die der Holzvogel sogar einen Kopfstand machte. Der Dreher zur Halbzeit – Kopf und Krönchen zeigten fortan nach unten – machte das Schießen schwierig, weil das Fichtenholztier neue Stabilität gewonnen hatte. Am Ende fiel der Vogel überraschend. Christoph Fels (mitte), 28-jährige Majestät der Sankt-Barbara-Bruderschaft Neuwerk, brauchte zwei, drei Sekunden, bis ihm klar wurde: Ich bin Bezirkskönig. Dann jubelte er los. Als Minister stehen ihm die beiden Schützen zur Seite, die vor ihm auf den Vogel geschossen und wichtige Vorarbeit für den Königsschuß geleistet hatten: Jürgen Hurtz (rechts/42) von der Wickrather Schützengesellschaft Sankt Antonius und Herbert Rukes (links/48) von der Sankt-Sebastianus-Bruderschaft Korschenbroich.

Gekrönt wurde der neue König am Festsonntag im Gladbacher Münster. Bezirkspräses Pfarrer Johannes van der Vorst segnete das wertvolle Drei-Königs-Silber der Bruderschaften und hängte es Christoph Fels um. In seiner Predigt rief der Schützenpfarrer dazu auf, Freude zu genießen und Gott dafür zu danken: „So ein Tag – so wunderschön wie heute.“ Mit van der Vorst zelebrierten Bischof Alphonse Sowada aus Papua-Neuguinea, Regionaldekan Ulrich Clancett und Hausherr Propst Dr. Albert Damblon die feierliche Krönungsmesse, die musikalisch von der Big Band Sankt Barabara Neuwerk und vom Männergesangverein Holt gestaltet wurde. Damblon hatte zum Festgottesdienst die Vitus-Reliquie aus dem Münsterschatz geholt und das Festgeläut von Münster und Hauptpfarrkirche in Gang gesetzt.

Zu Ehren der neuen Majestät paradierten am Alten Markt die vereinigten Bruderschaften und Vereine, die mit 36 Abordnungen vertreten waren. Im Regiment, kommandiert von Ersatz-General Lothar Erbers (Generalfeldmarschall Klaus Schnock durfte aus gesundheitlichen Gründen nicht aufs Pferd), zogen sechs Kompanien auf, denen zwölf Tambourkorps und Musikkapellen den Marsch bliesen. Mannstark zogen insbesondere vier Bruderschaften auf: Sankt Hubertus Wickrathhahn, Sankt Josef Venn, Sankt Helena Rheindahlen und Sankt Josef Geistenbeck. Insgesamt 2500 Schützen und Musikanten formierten sich zum Regiment und marschierten durch die Stadt: An der Spitze drei Polizeireiter aus Düsseldorf, dahinter die Generalität des Bezirksverbandes, schließlich die historische Reitertruppe aus der Revolutionszeit von 1848. Hoch zu Ross und historisch gewandet erinnerten Gladbacher Promis an das Gladbacher Freiheitsfest vor 160 Jahren in den Farben Schwarz-Rot-Gold.

Dabei waren als Chef der demokratischen Reichsregierung Professor Gunter Konrad in Kluft und mit der Haltung eines österreichischen Erzherzogs hoch zu Roß, ebenfalls beritten Bürgermeister Michael Schoeren als Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. und GEM-Chefin Gabi Teufel im Damensattel. Weitere Mitstreiter im Revolutionskorps Rainer Hellekes (NVV) mit Backenbart, als Revolutionsführer MdL Nobert Post und mit Schwarz-Rot-Goldenen Schärpen Hartmut Wnuck (Sparkasse), Gert Kartheuser (First Reisebüro), Michael Hollmann (Bolten-Brauerei) und Lutz Menge (Der Menge). Uniform zeigten Architekt Burkhard Schrammen, Rechtsanwalt Dr. Peter Backes und Polizeipräsident Dr. Walter Büchsel. Der neue König saß wie das Revolutionsgefolge in einer Kutsche rollte durch die Stadt und zum Alten Markt, wo zu seiner Freude paradiert wurde. Die Marscherlaubnis gab rheinisch-fröhlich Oberbürgermeister Norbert Bude, der als Vorreiter im grünen Schützenrock das Regiment begleitet hatte und die Parade im schwarzen OB-Rock abnahm.

In seiner Festbilanz sagt der Bruderrat allen Dank, die zum Erfolg des großen Bruderschaftstreffens beigetragen haben. Schützenchef Horst Thoren lobte vor allem die „tapferen Marschierer“, die sich von den kräftigen Regenschauern nicht hatten schrecken lassen: „Das sind treue Freunde des Brauchtums.“ In den Dank einbezogen hat der Bruderrat das Citymanagement, das zum Stadtschützenfest Late-Night-Shopping bot, Stadtverwaltung und Polizei, MGMG und GEM, die Sponsoren, Festwirt Rolf Jansen und Marktausrichter Horst Römgens.
Unser Stadtschützenfest ist eine Gemeinschaftsleistung.
Da ist der kleinste Jungschütze mit wichtig für Stimmung und Erfolg.

Gladbachs Revolutionsfeier von 1848
jetzt live zum Stadtschützenfest 2008

So ein Tag – in Schwarz-Rot-Gold!

Die Revolution war für Gladbach ein freudiges Ereignis: Eine Stadt in Schwarz-Rot-Gold feierte 1848 den Sieg der Demokratie. Das große Volksfest von damals wird jetzt nachgefeiert - mit Pauken und Trompeten zum Stadtschützenfest am 6. und 7. September. Und anders als bei der Vorbild-Feier vor 160 Jahren kommt auch hoher Besuch. Zufällig weilt dann Ministerpräsident Jürgen Rüttgers in der Stadt, um an den 100. Geburtstag seines Gladbacher Vorgängers Franz Meyers zu erinnern.



„Bestellt“ sind allerdings zwei andere Vorreiter deutscher Geschichte: Der (gutherzige) Reichsverweser Erzherzog Johann von Oestreich und König Wilhelm IV. von Preußen. Drumherum soll preußisch-korrekt und rheinisch-bürgerlich gejubelt werden.

Die Zeitreise zum Stadtschützenfest führt ins revolutionäre Deutschland des Jahres 1848. Leitwort damals "Alles für das Volk". Erinnert wird unter den "deutschen Landesfarben schwarz, roth, gold" an das "Volksfest zu M.-Gladbach bei Gelegenheit der erfolgten Wahl des Erzherzogs Johann von Oestreich zum Reichsverweser Deutschlands". Sänger, Turner, Schützen - die demokratischen Kräfte der Stadt - zogen vereint auf und feierten mit Jubel die Ziele der deutschen Revolution: Einigkeit und Recht und Freiheit. Die Jungfrauen (so sagt es das im Stadtarchiv vorliegende historische Programm) trugen schwarz-rot-goldene Gürtel um die Hüften und Eichenlaubkränzchen auf dem Haupt. Auch die Herren schmückten sich in den Landesfarben.

Solchermaßen gewandet soll zum großen Festzug am 7. September (15 Uhr) auch die Promi-Truppe um Professor Gunter Konrad in Erscheinung treten. Der gastgebende Bruderrat hat Konrad für die Hauptrolle des Reichsverwesers geworben, weil der Mediziner und Naturforscher klug, gutmütig und beliebt ist, wie seinerzeit der Erzherzog als Oberhaupt der provisorischen Reichsregierung. Zitat aus dem Gladbacher Festprogramm von 1848: "..... allenthalben hochgeehrt und geliebt und mit tüchtigem Geiste begabt....." Neben der Seelenverwandtschaft kommt eine gewisse physiognomische Ähnlichkeit hinzu. Konrad muß nicht zum Friseur, um dem historischem Vorbild gleichzukommen. Die alternative Besetzung Michael Schroeren – als „halbrevolutionärer“ Preußenkönig Wilhelm IV. (mit schwarz-rot-goldener Schärpe) bestens versorgt - hätte für die Erzherzog-Rolle seine Locken lassen müssen. Auch OB Bude ist in Schützentracht dabei (mit neuem Pferd). Für Norbert Post (MdL und OB-Kandidat der CDU) ist die Rolle des Revolutionsführers naturgemäß richtig und vorgesehen.

Das Festprogramm von 1848, ein wenig Vorbild auch fürs Stadtschützenfest 2008, verweist in seiner prosaischen Sprache auf die Begeisterung der Bürger ob des demokratischen Wandels: "Das Geläute aller Glocken mahnt einen Jeden zum fröhlichen, jubelvollen Begehen desselben, und sämtliche Tambours der Bürgerwehr schlagen sodann die Reveille." Und tatsächlich, so vermerken die Historiker, war das Volksfest ein besonderes, freudiges Ereignis, daß selbst die in den Wochen zuvor gewachsene Spannung zwischen demokratisch gesinnten Gladbachern und eher preußen-freundlichen Rheydtern ruhen ließ: "Es ertönen die schönsten Weisen und Lieder, es vervielfältigt sich die Freude; diese wird aber zum Jubel bei den Seitens des Comites ausgebrachten Toasten auf das Heil des edlen Reichsverwesers, auf das Deutschlands und seiner Vertreter, auf das unseres hochgeehrten Königs, so wie insbesondere noch auf die Wohlfahrt Preußens."

Das historische Spiel zum Stadtschützenfest orientiert sich am überlieferten Ereignis, wenn auch der Auftritt des Reichverwesers und des preußischen Königs hinzugefügt wurde, um unserem Fest am 7. September ein wenig mehr Glanz und Gloria zu verpassen. Hoch zu Ross also König und Erzherzog auf dem Alten Markt. Und auch das Gefolge orientiert sich an historischen Vorbildern. Der bodenständige Erzherzog, mit Andreas Hofer in Tirol Widerstandskämpfer gegen Napoleon, bringt seine bürgerliche Frau mit - die Postmeistertochter Anna Ploch (die Schützen haben Gabi Teufel (GEM) als "Gabi von der Post" angeworben). Im Preußen-Gefolge von Michael Schroeren sind in jedem Fall Rainer Hellekes (NVV), Polizeipräsident Dr. Walter Büchsel und Volksbanker Lothar Erbers (im Generals-Look) dabei. Die Revolutionsseite um Norbert Post (sein historisches Vorbild ist der Gladbacher Demokrat Konrad Bähren) wird gestärkt durch Ex-OB Monika Bartsch, Ehren-OB Heinz Feldhege (in der Rolle von Bürgermeister Christian Bacciocco), Michael Hollmann (Bolten-Brauerei) und Hartmut Wnuck (Sparkasse). Ebenfalls (wie auch immer gewandet) dabei und in den Kutschen: Karikaturist Nik Ebert („Stadtschreiber und Chronist“) [ist ja Niks Besonderes], Architekt Burkhard Schrammen, Gert Karthäuser (First Reisebüro), Lutz Menge (der Menge) und Hans-Peter Jansen (MKV).

Die Revolution von 1848 war nicht von Glück beschieden, endete in Gladbach ein Jahr später mit dem gescheiterten Marsch von demokratischen Kämpfern Richtung Neuss und hatte Repressalien des preußischen Staates zur Folge, die selbst Bürgermeister und Landrat das Amt kosteten. Dennoch blieb über Jahrzehnte die Erinnerung an das Freiheitsfest von 1848 am Alten Markt: ".......Hier tönt die Freude fort und fort, sie wird erhöht während der ganzen Feier durch Festgeläute und Kanonendonner, sie währt bis tief in die Nacht, ja, bis zum Morgen in der größten Heiterkeit des Herzens. Möge nach des Frohsinnens Fülle sich ein Jeder sagen können, das war ein herrlicher Tag!"

St. Georgs-Ritter-Bruderschaft zu Kärnten e.V.


Am 17.9.1493 gründete Kaiser Maximilian I die St. Georgs-Bruderschaft, die 1494 von Papst Alexander VI. feierlich bestätigt wurde.

Zweck der Gründung war die Unterstützung des von Kaiser Friedrich III. anno 1468 ins Leben gerufenen Stiftsmäßigen Ritterordens vom Hl. Georg zur Abtei Millstatt in Kärnten. 1598 wurde dieser Stiftsorden im Zuge der Reformation aufgelöst. Aber die Bruderschaft bestand weiter, zuletzt unter der Schirmherrschaft des Hauses Habsburg. 1938 ging die Ritterbruderschaft nach Rom ins Exil, wo sie 1944 unter italienischer Führung als “Militärischer Hospitalischer Orden vom St. Georg in Kärnten“ umstrukturiert wurde und sich allmählich vom Geiste der Sankt Georgs-Ritter-Bruderschaft entfernte.

Die Tradition der Sankt-Georgs-Ritterbruderschaft wird nach 1938/1944 durch die weiterbestehende Deutsche Ballei fortgeführt. Am 23. April 1978 (dem St. Georgs-Tag) lösten sich die im St. Georgs-Konvent e.V. vereinigten Deutschen Ritterbrüder von der Ordensleitung in Rom und beschlossen die Verselbständigung. Die Bruderschaft steht weiterhin unter dem Protektorat des Hauses Habsburg und führt wieder die historische Bezeichnung „St. Georgs-Ritter-Bruderschaft zu Kärnten e.V.“ 1997 wurden zu den in Süddeutschland bestehenden Sub-Prioraten, die Sub-Priorate „An Weser und Ems“ , „Münster“ und „Essen“ gegründet. Vor einigen Jahren die Sub-Priorate „Böhmen und Mähren“ , sowie „Baltikum und Kaliningrad“.

Die Ziele der Gemeinschaft lauten weiterhin: Wahrung der christlichen und ritterlichen Tradition und Förderung der entsprechenden Gesinnung.

Caritative Tätigkeiten wie Unterstützung von Waisenhäusern, Einrichtungen der Kranken- und Behindertenfürsorge, Förderung der Zeugnisse der christlichen Abendländischen Kunst, der bautechnischen Wartung der deutschen Georgskirchen usw. Die Bruderschaft ist als gemeinnützig anerkannt.

Mitglied können Damen und Herren werden, welche sich treu durch Wort und Tat zu einer anerkannten christlichen Kirche (römisch-katholisch, Evangelisch, Orthodox, Anglikanisch) bekennen.

In diesen Orden wurde Klaus Cörstges, Archivar im Bruderrat, am 5. Juli 2008 bei der Investitur in Lübeck aufgenommen.

Mehr zum Orden: St. Georgs-Ritter-Bruderschaft

Rom: Ritterschlag für Hans-Josef Heupts


Ob es dem Papst aufgefallen ist? Unter den 1200 Schützen, die bei der Audienz auf dem Petersplatz zu seinen Füßen Aufstellung genommen hatten, war einer in nordrhein-westfälischer Polizeiuniform. Egon Hommen, "Dorfsheriff von Hardterbroich", hatte von Gladbachs Polizeipräsident Dr. Walter Büchsel die Sondererlaubnis erhalten, in Uniform an der Pilgerfahrt der Europäischen Gemeinschaft Historischer Schützen nach Rom teilzunehmen.

Ganz in der Nähe von Hommen und der Abordnung seiner Apollinaris-Bruderschaft stand und strahlte der Hardterbroicher Hans-Josef Heupts. Der 61-jährige war einen Tag vor der Papstaudienz durch seine kaiserliche und königliche Hoheit Otto von Habsburg in San Ignatio zum Ritter geschlagen worden. Der 94-jährige Erzherzog, Sohn des letzten österreichischen Kaisers, und Europa-Schützen-Präsident Prinz Charles-Louis de Merode würdigten mit dem Ritterschlag den verantwortlichen Einsatz von Heupts in über 25 Jahren im Bruderrat der Bruderschaften.

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Aus dem Führungskreis des Bezirksverbandes waren etliche Schützen in Rom dabei. So auch Bezirkskassierer und Vizebundesmeister Heinz-Josef Schillberg, der seinen Enkel Sebastian Otto von Habsburg vorstellen durfte. Bez.- Königsadjutant Albert Kremer, mit Ehefrau Hildegard angereist, bekam auf Vermittlung von Bundesgeschäftsführer Ralf Heinrichs ein besonderes Hotelzimmer zugewiesen - die Suite für Jungvermählte. Dabei ist das Paar schon 50 Jahre verheiratet. Den Gladbacher Schützen auf ihrer Pilgerfahrt angeschlossen hatte sich Brauchtumsfreund Professor Gunter Konrad, der nicht schlecht staunte, als Gladbachs Bezirksbundesmeister Horst Thoren mit zwei weiteren führenden Europa-Schützen den bunten Festzug mit Bruderschaftlern aus zehn Nationen von der Engelsburg zum Petersplatz anführte.

Dort wurde unter Aufsicht der Karabinieri der Große Zapfenstreich geblasen. Dem heiligen Vater, dessen Arbeitszimmerfenster bei der Zeremonie geöffnet war, hat der musikalische Auftritt bestens gefallen. Beim Angelus-Segen am nächsten Morgen dankte er in seiner Ansprache ausdrücklich für die "wunderbare" Musik.

Bezirkspräses Pfarrer Johannes van der Vorst, der sich für Rom eigens eine neue Soutane hatte anmessen lassen, war in der heiligen Stadt als Zelebrant und Prediger gefragt. Er durfte im Petersdom an der Seite eines Kardinals die Messe lesen und predigte vor den Rittern vom heiligen Sebastianus in Europa über Gladbachs Schützen-Leitwort "Bruder sein ist mehr". Weil dabei auffiel, das seine priesterliche Kleidung noch ergänzt werden konnte, gingen Professor Konrad und Horst Thoren mit ihm in ein Fachgeschäft. Dort erstanden sie ein schmückendes schwarzes "Käppchen".

Unser Bild zeigt Hans-Josef Heupts (links) mit Otto von Habsburg (rechts) und Charles-Louis de Merode.


Horst Thoren ist 40. Burggraf von Odenkirchen.


Bäriger Burggraf mit großem Herzen

Zum Burggrafen ernennt die „historische Karnevalsgesellschaft von 1883 Ruet-Wiss Okerke Burggrafengesellschaft“ jedes Jahr eine Person, die sich für Odenkirchen oder ganz Mönchengladbach engagiert. Dieses Jahr wurde Horst Thoren einstimmig von Vorstand und Burggrafen erwählt.

Traditionsgemäß nimmt Oberbürgermeister Norbert Bude (Burggraf 2007) die Kürung, mit dem von Manfred Sachse (Burggraf 1995) 1973 angefertigtem Schwert aus echtem Damaszener Stahl, vor.

Bevor er das tat, sagte er noch: „Dann wollen wir mal zur Tat schreiten!“ Horst Thoren hielt ängstlich mit beiden Händen die Ohren bedeckt.

Mit dem ersten Schlag auf die rechte Schulter sprach er „Dank und Anerkennung für den Einsatz für Glaube, Sitte, Heimat“ aus.
Den zweiten Schlag auf die linke Schulter widmete der Oberbürgermeister Thorens Einsatz im Winterbrauchtum.
Mit dem dritten Schlag auf den Kopf „adelte“ ihn Norbert Bude zum 40. Burggraf der Neuzeit.
Durch diese Ernennung zum Burggrafen wurden Sommer- und Winterbrauchtum miteinander verbunden.

Der neue Burggraf Horst Thoren regte an, daß jeder Burggraf in Zukunft sein eigenes Wappen haben sollte.
Er jedenfalls hat schon eins: „Mein Wappentier ist der Bär – Der Heimat fest verbunden, bin ich dem Bären gleich, der im Tierpark zieht die Runden und lebt vom guten Fleisch.“

Das Wappen, das RP-Karikaturist Nik Ebert für ihn entworfen hat, zeigt einen Bären, der eine Schale Pommes Rot/Weiß, die Horst Thoren so gerne ißt, in der Tatze hält. Rot-Weiß sind die Farben der Ruet-Wissen Karnevalisten aus Odenkirchen. Dazu hat der Bär ein Krönchen (für Adel) auf dem Kopf, das von einem Pfeil (für Schützenwesen) durchbohrt wird.

In seiner Dankesrede mit Gesangseinlage sang er: „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, daß ich jetzt Burggraf bin“. Dann in gesprochenen Reimen: „Mein Mantel hat Überweite, mein großes Herz sowieso. Es schlägt stets auf eurer Seite, drum trinket und seid froh“.

Traditioneller Königsehrenabend 2008

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Auf dem Foto von links:
Prof. Dr. Gunter Konrad, Bischof Alphonse Sowada aus Papua-Neuguinea, Bez.-Minister Helmut Adrians, Bez.-König Detlef Robens, Bez.-Minister Stefan David, Gastgeberin Frauke Bruckes, Bez.-Bundesmeister Horst Thoren und Gabi Teufel von der GEM.
Foto: Heinz-Josef Katz



Königsehrenabend bei Dschungel-Wetter

Diesmal stimmte der Werbespruch wirklich: "Bei uns ist der Kunde König." Denn Hannen-Carlsberg hatte königliche Gäste. Und Marketing-Lady Frauke Bruckes ließ es sich nicht nehmen, höchstpersönlich den versammelten Majestäten das ein oder andere Bierchen zu kredenzen. "Wir feiern heute bei Gabi GEM", freute sich Schützenchef Horst Thoren über die Einladung der GEM-Geschäftsführerin Gabi Teufel, den von den Brauern ausgerichteten Königsehrenabend im Casino des Entsorgers am Nordpark abzuhalten.

So standen zwei Damen - Gabi Teufel und Frauke Bruckes - im Mittelpunkt der Lob- und Dankesworte, die Thoren in Bierlaune nur so fließen ließ. Frauke Bruckes und ihre Brauerei wurden als Heimkehrer begrüßt, da Carlsberg - vor zwei Jahren nach Krefeld ausgewandert - wieder in Mönchengladbach ansässig ist. Zu den Sprüchen gab es zwei nachempfundene Straßenschilder (eins von der Autobahn, eins vom Ortseingang): "Willkommen daheim! Hannen-Carlsberg wieder in Mönchengladbach." Im Airport Park an der Krefelder Straße haben Frau Bruckes und ihre Kollegen in diesen Tagen die neue Logistik-Zentrale bezogen.

Der GEM-Chefin sagte der Schützenchef, sie mache sich in allen Rollen gut und überreichte als augenfälligen Beweis eine übergroße Foto-Szene (40 x 60cm auf Leinwand) vom Stadtschützenfest, die Gabi als edle Damen im höfischen Gewand mit anderen Mitspielern der historische Truppe zeigt. "Einfach toll", fanden auch Bezirkskönig Detlef Robens und seine Minister Stefan David und Helmut Adrians, die sich in ihrer schwarzen Gewandung mit Schärpe eher farblos vorkamen.

Dafür trugen die Schützen-Majestäten prächtige Königssilber und trotz Dschungel-Wetters beste Laune zur Schau. Robens und Konsorten haben die Halbzeit ihrer königlichen Amtszeit geschafft und halten bereits Ausschau nach geeigneten Nach- und Thronfolgern, die zum Stadtschützenfest am 6. September auf den Vogel halten wollen. Unter den versammelten Königen der Bruderschaften und Vereine aus Mönchengladbach und Korschenbroich waren etliche Interessenten, die sich gern über die Rechte und Pflichten einer Bezirks-Majestät aufklären ließen. Dazu Robens: "Das Wichtigste ist der Spaß an der Freud." Das hörten die Könige gerne, aber auch die Ehrengäste freuten sich über so viel Begeisterung.

Und Giesenkirchens Bezirksvorsteher Frank Boss, als Mitglied der Landschaftsversammlung eingeladen, wurde sogar aufgefordert, selbst in Giesenkirchen den Vogel abzuschießen. Dazu gab es vom Bruderrat die passende Schützenuhr mit Adler und Pfeil als Sekundenzeiger. Silberne Manschettenknöpfe mit dem Bruderschaftszeichen bekam Architekt Burkhard Schrammen, der diese Woche mit seinem Planungsbüro das 20jährige feiert und im Jubiläumsjahr finanzielle Schützen-Hilfe leistete für den erfolgreichen Schützen-Knigge.

Unter den Ehrengästen - sachkundig betreut von NVV-Chef und Büttgener Schützenbruder Friedhelm Kirchhartz - waren Oberbürgermeister Norbert Bude, MdL Norbert Post, Korschenbroichs Bürgermeister-Vize Hans-Willi Türks, EX-OB Monika Bartsch und Professor Gunter Konrad, der Bischof Alphonse Sowada als Ehrengast mitgebracht hatte.

Auf dem Foto von links: Ex-Oberbürgermeisterin Monika Bartsch, Oberbürgermeister Norbert Bude, Bez.-Kassierer Heinz-Josef Schillberg, Norbert Post (MdL), Pfarrer Johannes van der Vorst, Bez.-König 2007 Franz-Josef Ungerechts. Foto: Heinz-Josef Katz

Der Bischof, lange Jahre Seelsorger der Asmat auf Papua-Neuguinea und mit Konrad über die Arbeit für das Naturvolk freundschaftlich verbunden, erhielt eine Plakette mit den heiligen drei Königen ("die haben gegeben und nicht genommen").

Vorjahres-Bezirkskönig Franz-Josef Ungerechts aus Hehn bekam etwas zum Abschied - die Königsrente (nach Lebensjahren berechnet - für jedes Jahr ein Euro), die Kassierer Heinz-Josef Schillberg und Bezirkspräses Pfarrer Johannes van der Vorst auszahlten.

Zu später und kühler Stunde (CDU-Fraktionschef Rolf Besten hatte als Fach-Ingenieur die Klima-Anlage in Gang gesetzt) zogen Könige und Gäste stimmungsfroh nach Hause. Die Einladung fürs nächste Jahr haben Frauke Bruckes und Gabi Teufel schon ausgesprochen. Dann aber ist die nächste Königs-Generation zu Gast.


Fest am Dicken Turm 2008

Schützen-Schau "Hoch lebe der König"

Fest am Dicken Turm lockte 600 Besucher

Fahnen, Könige, Sonnenschein
Von morgens 11 Uhr bis nachmittags um 17 Uhr fand Hubert Schüler keine Ruhe: Der Paramentensticker aus Rheydt, der zum "Fest am Dicken Turm" sein Atelier ins Turmzimmer auf der obersten Ebene des mächtigen Rundlings verlegt hatte, mußte und wollte den zahlreichen interessierten Besucher seiner Ausstellung erklären, wie er arbeitet und wie wichtig der Glaube für seine kunstvollen Stickereien ist. Schüler zeigte wertvolle Fahnen mit religiösen Motiven, als Prachtstück eine beeindruckende, in Gold gearbeitete Darstellung des Erzengels Michael für die Jubiläumsfahne der Sankt-Michaels-Bruderschaft Hehn. Zur Erläuterung dienten auch aufwendige Bildmappen, die einen Eindruck verschafften über die breite Schaffenskraft des Künstlers, der - so war zu sehen - auch für kirchliche Würdenträger bis hin zu Kardinal Meisner und Papst Benedikt XVI. gearbeitet hat. Schülers Atelier -Schau war eingebettet in die allgemeine Schützenausstellung im Dicken Turm, vorbereitet von den Archivaren Klaus Cörstges und Willi Kempers, unterstützt von der Preußischen Traditionsgruppe Heinz-Josef Katz und den Jubiläumsbruderschaften des Jahres 2008. Als wertvollstes Silberschild, eigens für die Ausstellung aus dem Banktresor geholt, war das Drei-Königssilber der Korschenbroicher Junggesellen aus dem 18. Jahrhundert zu sehen. Auch das „alte“ Königssilber aus Wickrathhahn wurde auf einer Figur mit der Uniform der Schill’schen Offizieren von Ernst Peters ausgestellt.

Der Tag der offenen Turm-Tür ergänzte das "Fest am Dicken Turm", mit dem, so Schützenchef Horst Thoren, "wir die Fest-Zeit zünftig eröffnen". Im Mittelpunkt des Interesses standen die versammelten Majestäten der Schützenbruderschaften und Vereine - als "lebendige Anschauungsobjekte", die sich und ihre prächtigen Königssilber präsentierten. Ihre Königssilber wurden für eine Schützenausstellung im Spätsommer in Schloß Rheydt von einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin des städtischen Museums begutachtet und abgelichtet. Für Gesprächsstoff sorgte schließlich der gerade herausgebrachte "Schützen-Knigge", der gerne als Benimmbuch gekauft und mit nach Hause genommen wurde. Auch von Norbert Post, der als Landtagsabgeordneter und Schützenbruder das "Fest am Dicken Turm" besuchte. Das bunte Treiben - gut 600 Besucher kamen - ging bis in den späten Nachmittag, denn es schien - wie vom Wetterdienst und von Bezirkspräses Johannes van der Vorst angekündigt - die Sonne.

Ausschuß für Brauchtum und Geschichte beriet über Paradeordnung

Wie richtig kommandiert und marschiert wird

von Horst Thoren,
Vorsitzender des Ausschusses für Geschichte und Brauchtum
im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften

Selbst Befehlen will gelernt sein. Richtig heißt es: Augen Rechts!, aber Die Augen – Links. Vor dem Brauchtumsausschuß referierte Heinz-Josef Katz aus Mönchengladbach, Rittmeister (zu Fuß) und Experte in preußischer Exerzierordnung, über korrekte Kommandos, wie man richtig grüßt und den Degen hält. Katz, der für die Sitzung das alte Reglement studiert und in schützenfestliche Regeln übertragen hatte, fand aufmerksame Zuhörer und Diskutanten.

Und weil der erfahrene Bruderschaftsoffizier seinen Degen aus Kaiser-Wilhelms-Zeiten dabei hatte, führte er auch vor, wie das gute Stück richtig getragen und auch präsentiert wird.
Zitat: Bei "Das Gewehr" greift die rechte Hand zum Griff des Degens. Bei "über" wird der Degen gezogen und mit herunterhängendem Arm an die rechte Schulter angelegt. Katz stieg sogar auf einen Stuhl, um besser gesehen zu werden.

Der anschauliche Unterricht in Sachen "Aufzug und Parade" kam an. Und manch einer erfuhr, was man so alles falsch machen kann, wenn man die Hand ohne "Schliff" zu Hut oder Mütze führt. Damit nichts vergessen wird, hat Katz seine Vorschläge schriftlich zusammengefasst. Sie ergänzen die bereits vorhandene Ordnung für Fahnen und Standarten.

Der Ausschuß regte an, die wesentliche Punkte mit Bildern zu illustrieren, damit der Lerneffekt schneller eintritt. Darum will sich Bundesgeschäftsführer Ralf Heinrichs gemeinsam mit dem Ausschußvorsitzenden Horst Thoren kümmern. Beide sehen in Sachen Ordnung Nachholbedarf. Der gute Wille sei da, das Wissen aber nicht ausgeprägt. So wird Ralf Heinrichs die vorliegenden Unterlagen noch einmal prüfen und bald - möglichst ergänzt um erläuternde Fotos - über die Internet-Seite des Bundes allgemein zugänglich machen.

Ralf Heinrichs, in seiner Heimatbruderschaft Korschenbroich Archivar und Fachmann für alte Schriften, zeigte in seinem Vortrag auf, welch hervorragende Quelle alte Urkundenbücher sein können: Wenn man sie den lesen kann. Heinrichs hat sich die altdeutsche Schrift beigebracht und ein System entwickelt, wie auch Unkundige Schriften entziffern und übertragen können. Seine Hinweise, vor dem Brauchtumsausschuß erläutert und diskutiert, will er ebenfalls über das Internet verbreiten. "Denn", so Heinrichs, "in unseren Urkundenbüchern schlummern unvorstellbare Schätze".

Zum Auftakt der Winter-Sitzung hatte Vorsitzender Horst Thoren den Vertretern der Bundesmusikvereinigungen gedankt. Thoren betonte, ohne Musik wären die Schützenfeste nur halb so schön: "Unsere Bundesschützenmusikkorps leisten einen wichtig Beitrag zum Erhalt der lebendigen Festtradition." Thoren überreichte die Sieger-Urkunden aus dem Bundesschützen-Musikwettstreit. Besonders bewertet wurden musikalische Leistung, Auftreten und hoher Jugendanteil.

Vorstellen konnte Thoren auch eine neue Bruderschaftsbroschüre "Schützenfest", die auf der Schützenuntersuchung des Landschaftsverbandes Rheinland fußt und mit kurzen Texten und schönen Fotos die Welt von Kirmes, König und Schützenfest erklärt, die Traditionen des Brauchtums erläutert und Bruderschaft positioniert. Das reich bebilderte Info-Heft, von der Agentur Rheinstil aus Köln mit dem Gladbacher Bruderrat erstellte, ist eine wissenschaftlich fundierte Erklärhilfe. Ergänzt wird die Bilder- und Textstrecke von einem einordnenden Text mit drei Thesen zum Schützenwesen, die Horst Thoren als Vorsitzender des Ausschusses für Geschichte und Brauchtum im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften beisteuerte.

Zum Abschluß der Winter-Sitzung dankte der Vorsitzende für gutes Zusammenwirken und konstruktive Diskussion.

Preußische Traditionsgruppe - Kommandos

Kulturstipendiatin Suse Weber aus Leipzig
entdeckt am Niederrhein den (Schützen-)Verein

Horst Thoren - Suse Weber - Heinz-Josef Katz
Horst Thoren - Suse Weber - Heinz-Josef Katz

Brauchtum als Kunstobjekt

Den Vogel abgeschossen hat Gladbachs Schützenchef Horst Thoren im Kunstverein MMIII. Allerdings nur symbolisch. Denn Thoren war Mitspieler zur Ausstellungseröffnung von Suse Weber, der aus Leipzig stammenden Kulturstipendiatin der Stadt Mönchengladbach. Während ihres halbjährigen Aufenthalts in MG hat Suse Weber das Thema "Formel: Verein" aufgearbeitet, sich dabei mit dem Gladbacher Vereinsleben von Borussia bis zu den Schützen beschäftigt und ihre Erkenntnisse in ein Kunstwerk eingebracht. Ihre Skulptur, geschaffen aus farbigen PVC-Hohlkammerplatten, stellt vier symbolische Grundkörper in einen räumlichen Zusammenhang. So beschreibt es die Künstlerin selbst. Sie sieht darin verkörpert die Stadt, das Individuum, die Hierarchie und den Anlaß.

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Gladbachs Bezirksbundesmeister Horst Thoren, der mit Stadtoffizier Heinz-Josef Katz die Künstlerin in Brauchtumsfragen beriet und begleitete, freut sich über die Aufmerksamkeit, die das Adler-gekrönte Kunstwerk erzeugt und wertet das Projekt als Erfolg. "Brauchtum braucht Aufmerksamkeit", sagt Thoren und sieht sich durch den Kulturdezernenten der Stadt Dr. Gert Fischer bestätigt, der die Bruderschaften als "älteste freie Vereinigung Deutschlands ausmacht." Suse Weber, unterstützt von Dr. Susanne Titz vom Museum Abteiberg, hat in den Vereinen Westdeutschlands die demokratische Grundverfassung erkannt. Dazu Dr. Fischer: "Diktaturen kennen keine freien Vereine." So war auch der Vogelschuß zur Eröffnung als Freiheitsakt gedacht. Suse Weber ließ ihren PVC-Adler durch den Ausstellungsraum segeln, nachdem Horst Thoren mit einer Papp-Flinte angelegt hatte:
"Piff, paff - derr Vurel mot eraff."



Erich Oberem als Lehrmeister für Schützen

Zwei, drei, vier marschieren wir. Nach preußischem Vorbild, aber mit rheinischer Fröhlichkeit ziehen hierzulande die Schützen auf. Wie aber korrekt marschiert, paradiert und gegrüßt wird, wissen längst nicht alle. Darum hatte der Ausschuß für Geschichte und Brauchtum des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften in Korschenbroich zu einer Sitzung unter Vorsitz von Horst Thoren eingeladen und als fachkundigen Ratgeber Erich Oberem geworben. Der Gladbacher Kommunalpolitiker, einst Major bei der Bundeswehr, referierte im Schützenkreis über gute Ordnung, richtige Haltung und innere Einstellung. Oberem: "Schützen demonstrieren über ihr Auftreten die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft." Dabei müsse die Haltung nicht militärisch, wohl aber ordentlich sein. Auf die Einheitlichkeit komme es an. Gerade beim Parademarsch - wo neben Gleichschritt auch die identische Armbewegung gefordert sei.

Da nickte zustimmend Rittmeister zu Fuß Heinz-Josef Katz, der als Schützenoffizier Regeln für Aufzug und Parademarsch zusammengestellt hat und sich durch Oberem bestätigt fühlt. Die wichtigste Grundregel für einen Schützen in der Gruppe: Ausrichten auf Vorder- und Seitenmann. Damit die Regeln auch verstanden werden, haben die Gladbacher Schützen die Illustratorin Birgitta Ronge geworben. Sie soll aufmalen, was Oberem und Katz formuliert haben. So wird es demnächst ein bebildertes Reglement geben, dessen Zeichnungen Vorbild-Charakter haben.


Pflegeanleitung für Standarten und Fahnen

von Hubert Schüler / Mönchengladbach

Wichtige Hinweise zur Erhaltung und Pflege einer Fahne.

# Grundsätzlich sollte eine Standarte / Fahne nicht mit bloßen Händen von der Fahnenstange auf- und abgezogen werden.
# Am besten arbeitet man mit Handschuhen um das wertvolle Material vor Staub und Flecken zu schützen.
# Eine Schutzhülle für Regen und Transport ist immer anzuraten. [Aber nur dann....!]
# Keinesfalls sollte die Fahne über längere Zeit in einer Kunststoffhülle aufbewahrt werden, da das Material ansonsten erstickt und brüchig wird.
# Der größte Feind der Fahne ist Feuchtigkeit und Staub.
# Die meisten Fehler bei der Behandlung einer Fahne entstehen nach einer Repräsentation, wenn die Fahne feucht zusammengerollt lagert. Jetzt kann sich in den Garnen Fäulnis verbreiten.
# Nach Gebrauch die Fahne immer hängend in einem Raum trocknen lassen.
# Anschließend die Fahne hängend (gegen Staub und Schmutz geschützt mit einem Baumwolltuch umhüllt) in einem Schrank aufbewahren.

Achtung:

# Niemals Flecken (Wachs, Oel, Alkohol und sonstige Verschmutzungen) selbst zu reinigen versuchen.
# Insbesondere Wachsflecken nicht mit einem Bügeleisen behandeln.

Fahne immer nur in einer Spezialreinigung pflegen lassen.

# Eine Reinigung kann immer nur einwandfreie Arbeit garantieren, wenn keine Vorbehandlung (Selbstversuch) gegeben war.

Besonders zu empfehlen:

Die Böden der Schränke in denen die Fahnen / Standarten aufbewahrt werden mit Veloursteppich auslegen.
(Veloursteppich ist antistatisch und bindet daher den Staub.)

Brauchtumsstein am Dicken Turm

Ein langgehegter Wunsch der Bruderschaften ging in Erfüllung: In der Gladbacher Altstadt, vor dem "Dicken Turm", weist seit August 2004 ein Bruderschaftsstein auf die große Tradition der Bruderschaftsbewegung hin. Gestiftet hat den schweren Stein Brauchtumsfreund Dieter Röhlen. In türkischen Basalt ließ Röhlen einmeißeln, was den Schützen Zeichen ihrer Ideale "Für Glaube, Sitte und Heimat" sein soll. Zu sehen ist der Bruderschaftspatron und Märtyrer Sankt Sebastianus, gefesselt am Baum, dessen Wurzeln das Gladbacher Münster umfassen. Dazu der Schriftzug "Bruder sein ist mehr". Der Stein, dessen Motiv der Jubiläumskette der Bruderschaften, die vom Bezirksbundesmeister getragen wird, nachempfunden ist, wurde zum Silberputz, im Vorfeld des Stadtschützenfestes 2004 offiziell vorgestellt.

Die Geschichte über den Gedenkstein „Am dicken Turm“.

Brauchtumsstein am Dicken Turm
Brauchtumsstein am Dicken Turm
von Dieter Röhlen

Beim Stadtschützenfest 2003 sprach mich unser oberster Schützenbruder Horst Thoren mit den Worten an: „Wenn du mich fragen würdest, was ich mir wünschen würde, dann würde ich mir einen Gedenkstein vor dem Dicken Turm wünschen“.

Ich habe dies mit einem Schmunzeln registriert und beim nächsten Einkauf für meinen Steinmetzbetrieb einen Felsen, der auch von der Optik her zum Horst Thoren paßt, ausgesucht.

Der Felsen ist ein Unikat, [wie Thoren] es gibt ihn nur einmal auf der ganzen Welt. Er stammt aus der Türkei und ist ganz gewiß über eine Million Jahre alt. Es ist ein Basaltgestein. Die Gestaltung habe ich dann mit Horst Thoren gemeinsam vorgenommen.

Der Bezirksbundesmeister Horst Thoren trägt bei Schützenfesten die Plakette mit dem Gladbacher Münster die von Wurzeln umrankt wird und an dem Baum den hl. Sebastianus gefesselt und hingerichtet darstellt. Wir haben diese Symbolik in den Stein eingemeißelt und darunter den Satz, der für mich sehr starke Bedeutung hat „Bruder sein ist mehr“ hinzugefügt.

Das Beet vor dem Dicken Turm wurde von einem halben Qubikmeter Schutt und Dreck gereinigt. Es wurde ein kräftiges Fundament betoniert und der Stein mit Dübeln befestigt. Der Stein wiegt übrigens 700 kg.

Meine Frau Ingrid und ich waren uns einig diesen Stein den Schützenbrüdern der Stadt Mönchengladbach zu stiften und sind sehr stolz darauf. Wir haben neben dem Stein noch einen kleinen Felsen gesetzt in dem wir unsere Verbundenheit mit den Schützen der Stadt zum Ausdruck bringen.

Hier mehr zu Ingrid und Dieter Röhlen


Letzte Aktualisierung ( Samstag, 28. Juni 2014 )