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Aus Alter Zeit

Unter dem Titel "Aus Alter Zeit" hat der Heimatkundler Kurt Jacobi viele Berichte im Niersboten verfasst, die der Chronist Heinz-Josef Katz hier wieder gibt.


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Bombenangriff auf Wickraths Ortsmitte
Schützenbruderschaft bzw. Schützengesellschaft in Wickrath
Historische Funde am Wickrather Marktplatz
Die ersten Bewohner an der Niers
Das Kreuzherrenkloster in Wickrath

Ein schwarzer Tag in der Geschichte Wickraths -
Bombenangriff auf Wickraths Ortsmitte


Als nach dem Kriege, die aus Wickrath evakuierten Frauen und Kinder, aber auch später, die aus der Kriegsgefangenschaft entlassenen Soldaten nach Wickrath zurückkamen, da vermißten sie den so vertrauten, markanten Wickrather Kirchturm. Der Zwiebelturm der schönen Wickrather Kirche war ein bedeutendes Charakteristikum der Landschaft.

Am 26. Februar 1945 erlebte Wickrath den dunkelsten Tag seiner Geschichte. Bei strahlende8ftSonnensohein flogen zwei Bombergeschwader aus Richtung Beckrath kommend, um. 14.15 Uhr Wickrath an und luden ihre Bombenlast auf die Ortsmitte ab. Kirche und Pfarrhaus wurden vollständig zerstört. Im Keller des Pfarrhauses fanden der Oberpfarrer Dr. Lohmann [Dr.Heinrich Lohmann, Pfarrer in Wickrath von 1927 bis 1945, PW 1905] der Kaplan Esser und weitere 16 Wickrather den Tod.

Die zerstörte Kirche stammte in ihren Hauptteilen aus den Jahren 1200 – 1205. Graf Otto III., Herr zu Wickrath ließ die Kirche in den genannten Jahren erbauen. Am 3. Februar 1205 wurde sie durch Philipp Bischof von Ratzeburg im Auftrage des Bischofs Hugo von Lüttich als St. Salvator-Kirche eingeweiht. Der ältere romanische Bau war eine dreischiffige Pfeilerbasilika von 21 m Länge und 12,70 m Breite ohne den Turm. Dieser Teil bestand aus Tuff und rohen Feldsteinen aus der hiesigen Gegend. Dies ist auch der Grund, warum die Kirche so restlos zerstört wurde.

Der Prior vom Kreuzherrenkloster Matthias Neesen hat 1694 umfangreiche Umbauten an der Kirche durch geführt, so wurde das Mittelschiff erhöht. Das Mittelschiff war, wie fast bei allen romanischen Kirchen jener Zeit mit einer flachen Decke versehen. Der mächtige Turm wurde unter dem Prior Neesen 1702 und 1703 aus Feldbranntsteinen erbaut. Der Turm war gekrönt durch eine geschweifte, barocke geschieferte Haube. Über dem Portal war ein roter Sandstein zu sehen mit einer einfachen Darstellung des Lammes Gottes mit der Inschrift: „Redemptor sanctifica 1205“ (Erlöser heiliger) und ein zweiter Stein am Turm zeigte die Lobpreisung: „Coeli enarrant gloriam die“ (Die Himmel rühmen die Ehre Gottes)

Weitere Umgestaltungen brachte das 19. Jahrhundert. 1889 wurde unter Leitung des Regierungsbaumeisters Julius Busch aus Neuß im Langhaus die Zwischenpfeiler herausgenommen und nach Norden und Süden neue Seitenschiffe angelegt.

1897 wurde die Kirche nochmal umgebaut, an der Nord- und Südseite wurden zwei Joche hinzugefügt. Bei diesen Umbauarbeiten wurde auch der mit einer Marmorplatte abgedeckte Eingang zur Familiengruft der Reichsgrafen zu Wickrath geöffnet. In den Gewölben wurden 20 Särge gefunden. Die Grafen zu Wickrath hatten auch nachdem sie sich der Reformation zugewandt hatten, das Recht behalten ihre Verstorbenen in der kath. Kirche Wickrath beizusetzen. So wurde 1724 Friedrich Wilhelm Thomas regierender Herr der Reichsgrafschaft Wickrath und Schwanenburg in der Gruft beigesetzt. Seine Tochter Irmgard Maria folgte ihm 1790. Es war die letzte Beisetzung in der gräflichen Gruft.

Als am 5. Mai 1889 der Blitz in den Turm und in die Kirche einschlug, es war während des Gottesdienstes, wurde ein Frau getötet und 20 Kirchenbesucher verletzt, dabei wurde auch die Orgel zerstört. Der Blitz durchschlug die Steinplatten über der Gruft und drang in dieselbe ein. Dabei wurde die Gruft den Särgen erheblich beschädigt.

Bei den Gründungsarbeiten der neuen Kirche stieß man auf die Gruft. Man fand noch einige Skelette der gräflichen Familie. Leider hatte man damals, es war 1955, kein Interesse an historischen Dingen. Die Gruft wurde mit einer Planierraupe eingedrückt.

Eine neue Kirche, von dem Mönchengladbacher Architekten Schüren gebaut, erhebt sich nun auf dem „Antoniusberg“.

Die Erinnerung an die alte Kirche und seinem Kirchturm
mit der geschweiften barocken Haube wird weiter bestehen.
Es ist ein Stück der interessanten Geschichte Wickraths .



Die Schützenbruderschaft bzw.
Schützengesellschaft in Wickrath


von Kurt Jacobi, Wickrath 1988


Die Wickrather Schützengesellschaft von 1967 hat in diesem Jahr [1988], dem Jahr der 500- Jahrfeier, ein prunkvolles Schützenfest gefeiert. Stolz zeigte da der Wickrather Schützenkönig Hans Krappen das Schützensilber, das vor dem 2. Weltkrieg von der St. Antonius – Bruderschaft getragen wurde.

Die älteste „Schützengesellschaft“ Deutschlands war die St. Johannis Schützengilde in Oldenburg, die wahrscheinlich schon im Jahre 1192 gestiftet wurde. Die Schützenfeste stammen aus Schlesien. Im Jahre 1286 wurde in Schweidnitz von dem schlesischen Herzog Bolelaus ein Volksfest für die Bürger geschaffen. Er ließ eine Stange mit einem hölzernen Vogel errichten und setzte für den besten Treffer auf Kopf, Flügel und Schwanz Preise aus und wer den Vogel von der Stange schoß, erhielt den ersten Preis.

In Wickrath wird die erste Bruderschaft 1418 erwähnt. Die Urkunden unterscheiden zwei Bruderschaften, die „Unserer lieben Frau“ und die Bruderschaft zu Ehren der Heiligen Antonius, Fabianus und Sebastianus. Um 1460 wurden beide Bruderschaften vereint. Die Bruderschaft stand in enger Verbindung zur Kirche, deren Fürsorge sie genoß und deren Feste sie verschönten.

Die Mitglieder der Bruderschaft verpflichteten sich auch, ihrem Landesherren Beistand zu leisten in der Verteidigung gegen Raubritter und herumstreifende Söldner. Aber auch zu den Zeiten der ansteckenden Krankheiten, namentlich der Pest, leisteten sie vortreffliche Dienste. Sie sorgten für die Wegschaffung der Toten und bewachten die ausgestorbenen Häuser. (1636 herrschte in Wickrath die Pest). Damit die Schützen im Waffengebrauch kundig blieben, fanden sie sich zu dem „Freischießen“ zusammen. Die Schießbahn „binnen der Freiheit Wickrath“ wird bereits 1552 erwähnt. Sie befand sich auf der Poststraße an der Stelle, an der die Firma Rees ihren Textilbetrieb hat.

Aus dem 17. und 18. Jahrhundert ist wenig bekannt über die Tätigkeit der Bruderschaft. Jedenfalls war mit der französischen Revolution und dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen 1794 jegliche Betätigung der religiösen Bruderschaften verboten. Unter den Preußen wurde 1814 nach den Befreiungskriegen eine Bürgermiliz eingerichtet, sie sollte die öffentliche Ordnung sicherstellen. Durch die Durchzüge fremder Truppen trieben sich zahlreiche Deserteure und lichtscheues Gesindel herum.

Zunächst wurde 1848 eine Bürgerwehr eingerichtet, doch am 28. April 1848 beschloß der Gemeinderat der Bürgermeisterei Wickrath die Einrichtung der Bürgergarde für die Ortschaften der Bürgermeisterei Wickrath. Die Bewaffnung waren 60 Lanzen, die durch freiwillige Beiträge angeschafft wurden. Da war kein Raum mehr für Bruderschaft. Jedenfalls ist nichts bekannt über die Tätigkeit der Bruderschaft.

In Wanlo hatte es 1870 bis 1883 eine sehr rege Bruderschaft gegeben. Im Jahre 1883 kam es in Wanlo zu einem tödlichen Unfall. Am Sonntag vor Pfingsten waren die Schützen zur Parade angetreten. Um die Wirkung des Vorbeimarsches zu erhöhen, schossen die Schützen Platzpatronen ab. Plötzlich brach der Spieß Johann Thomaßen tot zusammen. In einem Lauf der Gewehre hatte noch eine Kugel gesessen. Sogleich wurde die Parade abgebrochen. Die Bruderschaft wurde darauf hin verboten. Erst nach 39-jähriger Unterbrechung wurde die Wanloer Prunk 1922 wieder durchgeführt.

In Wickrath ist die St. Antonius-Bruderschaft erst 1925 wieder aktiv geworden. Im 1.Weltkrieg und in der anschließenden Besatzungszeit waren Schützenzüge nicht genehmigt worden. In der Zeit vor dem 1.Weltkrieg, also nach 1900 war wohl eine Bruderschaft in Wickrath, aber Aufzeichnungen und Fotos darüber sind unbekannt. Vielleicht gibt es noch welche! Für die Chronik der Schützen wären diese doch sehr interessant.

Ab 1925 waren in der St. Antonius-Bruderschaft folgende Schützenkönige:
1925 – Theodor Abels
1926 – Josef Langen
1927 – Theodor Wirtz
1928 – Wilhelm Wolf
1929 – Ludwig Hogen
1930 – Johann Krappen
1931 – nicht bekannt
1932 – Josef Froitzheim
1933 – Josef Mehls
1934 – nicht bekannt
1935 – Heinrich Thelen
1936 – Roman Schinke

Nach dem 2.Weltkrieg bestand zunächst keine Neigung die Bruderschaft aufleben zu lassen. Die Kirche war zerstört, die Ortsmitte von Wickrath mußte wieder aufgebaut werden. Auch der katholische Geistliche Oberpfarrer Biermann [Arnold Biermanns, Pfarrer in Wickrath = vom 19.November 1950 bis 1.September 1967 – am 1.August 1976 verstorben] stand einer Neugründung der Bruderschaft sehr skeptisch gegenüber.

Es war der Verdienst von Hans Maaßen, der 1967 die Gründung der Wickrather Schützengesellschaft betrieb. Am 10. März 1967 lud Hans Maaßen alle interessierten Bürger zur Gründungsversammlung in die Gaststätte Walter Severins ein. Bei der ersten Vollversammlung am 9.Juni 1967 betrug die Zahl der Mitglieder bereits 170 Bürger aus Wickrath.

Der erste Schützenkönig war 1968 Anton Küppers. Von Jahr zu Jahr kamen immer mehr Schützengruppen hinzu. Heute ist die Wickrather Schützengesellschaft eine aktive Gemeinschaft von vielen Gruppen, die beim Schützenfest 1988, welches zusammen mit der 500-Jahrfeier des Stadtbezirks Wickrath fiel, gezeigt haben, welch glänzende Paraden sie feiern können. In den Jahren von 1968 bis 1988 waren folgende Schützenkönige inthronisiert:

1968 – Anton Küppers
1969 – Peter Laumanns
1970 – Wilfried Siebel
1971 – Josef Odermatt
1972 – Günter Klingen
1973 – Jakob Franken
1974 – Hans Elsenheimer
1975 – Josef Kraft
1976 – Hans Peter Jansen [1.X]
1977 – Hubert Wolters
1978 – Ludger Lüke
1979 – Hans Peter Jansen [2.X]
1980 – Willi Haus
1981 – Dieter Hampel
1982 – Fred Mertens
1983 – Hans Maaßen
1984 – Hans Paschy
1985 – Dieter Hampel
1986 – Ewald Ludwig
1987 – Rolf Zimmermann
1988 – Hans Krappen
20 Jahre sind seit der Gründung der Wickrather Schützengesellschaft vergangen. Zurückblickend auf eine lange Tradition des Ortes Wickrath. In die Zukunft schauend für eine erfolgreiche Tätigkeit in der Wickrather Schützengesellschaft, die sich für die Wahrung der Tradition und für die Liebe zur Heimat einsetzen wird.

Historische Funde am Wickrather Marktplatz
Wer versteckte die Münzen?

von Kurt Jacobi

Wer heute durch Europa reist, ärgert sich oft über die Vielzahl der Münzen. Man mag sich fragen, wann in der EG, in der europäischen Gemeinschaft eine einheitliche Währung geschaffen wird. In der geschichtlichen Vergangenheit, in der Zeit der Herrschaft der Grafen, war in der alten Reichsherrlichkeit Wickrath, die Münzenvielfalt groß.

Vor 500 Jahren, als Wickrath die Stadt- und Marktrechte von Kaiser Friedrich III. erhielt, waren in Wickrath folgende Münzen als Zahlungsmittel üblich: 1 Reichstaler = 4 Florin und 1 Florin waren 24 Albus. Ein Albus hatte wiederum 12 Heller.

Die genauen Aufzeichnungen, die der Klosterprior Thomas Buchlerus über die Ein- und Ausgaben des Wickrather Kreuzherrenklosters gemacht hat, ermöglichen es uns heute, über die Lebensverhältnisse, Preise und Zahlungsmittel dieser Zeit ausführliche Kenntnisse zu gewinnen.

Eine andere Quelle, aus der wir ein gutes Wissen über die damaligen Zahlungsmittel in Wickrath gewinnen können, sind die Münzschatzfunde, die am 5. Oktober 1958 bei Ausschachtungsarbeiten auf dem Grundstück des Herrn Anton Kieven, Wickrath, Markt gemacht wurden.

Arbeiter fanden in einer Kammer eines Brunnenschachtes einen Tonkrug mit Gold- und Silbermünzen. Die Arbeiter nahmen die Münzen an sich und verteilten sie unter sich. Erst nach Einschaltung der Kriminalpolizei konnten alle Münzen, bis auf 4 Goldmünzen wieder beschafft werden.

Das Fundgefäß und insgesamt 46 Münzen wurden dem Rheinischen Landesmuseum zur wissenschaftlichen Auswertung vorgelegt. Bei dem Gefäß handelt es sich um einen einhenkeligen Krug (Langeweher Ware) 12,3 cm hoch aus hartgrau gebranntem Ton, mit einer außen dunkelbraunen Salzglasur. Man fand Reste eines Leinensäckchen. Die 46 Münzen, 10 goldene und 36 silberne, gehören dem 1. Viertel des 15. Jahrhunderts an. Die Münzen müssen nach 1423 versteckt worden sein.

Wer sie versteckt hat und aus welchem Grund ist unbekannt. Zu der damaligen Zeit gab es weder Banken noch Sparkassen und es war allgemein üblich, sein Geld in einem Beutel, in einem Krug oder in einer Schatztruhe zu verwahren.

Der hohe Wert der Münzen läßt darauf schließen, daß es sich um einen vermögenden Mann gehandelt hat, das Versteck im Brunnenschacht zeugt davon, daß Gefahr bestand und der Mann einen gesicherten Platz gesucht hat. Man kann nur Vermutungen anstellen.

Das Jahr 1474 brachte über Wickrath namenloses Elend. „Karl der Kühne“ von Burgund [geb. 10. November 1433 in Dijon – gest. 5. Januar 1477 bei Nancy] belagerte Neuß 11 Monate lang vergeblich, ohne die Stadt einnehmen zu können. Der Kölner Söldnerführer Johann von Elsig lag vor Hülchrath. Von dort fiel er mit seinen Söldnern in die Herrlichkeit Wickrath ein. In der Nacht brachen sie in die Häuser ein, raubten, mordeten und plünderten.

Nur wenige Jahre später wurde Wickrath wieder von Soldaten heimgesucht. Erzherzog Maximilian von Osterreich brachte mit „bewaffneter Hand“ Schloß und Freiheit Wickrath an sich und setzte seinen Rat und Vertrauten Heinrich von Hompesch ein. Vielleicht hat bei den Kämpfen der Mann, der das Geld versteckte, den Tod gefunden.

Leider wurde dem Landeskonservator zu spät Mitteilung gemacht. Der eingesetzte Bagger hatte Fundamentmauern von 1,40 mtr Breite freigelegt. Als der Ausgrabungsleiter Tholen vom Landesmuseum Bonn an der Baustelle eintraf, war die Fundstelle bereits mit Beton vergossen. Alle Mutmaßungen, es handele sich bei der Fundstelle um die Reste einer Burg der Herren von Wickrath, sind wohl nicht richtig. Vieles deutet vielmehr darauf hin, daß hier ein befestigtes Haus der Vögte und Lehnstatthalter der Grafen von Wickrath gestanden hat.

Wir wissen, daß der Vogt Grambusch, der allerdings später gelebt hat, hier seinen Wohnsitz hatte. Der Wickrather Vogt führte zuweilen auch den Titel „Lehnvogt, Statthalter, Drosseth, Richter und Praefectus“.

Der Vogt von Wickrath hatte sein eigenes Siegel mit der Umschrift: „Sigillum praefecti“.

Alle gefundenen Münzen sind verzeichnet im Bonner Jahrbuch Heft 159 des Rheinischen Landesmuseums in Bonn. Hier sollen nur die wichtigsten Goldmünzen aufgeführt werden, die in Wickrath gefunden wurden:

* Herzogtum Jülich, Reinald 1402 - 1423 = 1 Goldgulden,
* Bistum Utrecht, Friedrich v. Blankenheim 1394 - 1423 = 1 Goldgulden,
* Herzogtum v. Geldern, Arnold 1423 – 1473 = 2 Goldgulden,
* Grafschaft Holland, Wilhelm VI. 14O4 - 1411 = 4 Goldener Schild,
* Herzogtum Brabant, Johann IV. 1415 - 27 = Goldener Schild,
* Grafschaft Holland, Johann v. Bayern 1421 - 1425 = 1 Goldgulden.

Die ersten Bewohner an der Niers im Raume Wickrath

von Kurt Jacobi, Wickrath 1987

[mit Ergänzungen von Heinz-Josef Katz]

Im Jahre 1488 verlieh der deutsche Kaiser Friedrich III. [aus dem Hause Habsburg; Kaiser des Heiligen Römischen Reiches; * 21. September 1415 in Innsbruck, + 19. August 1493 in Linz; Grabmal im Wiener Stephansdom] dem Flecken Wickrath Stadt- und Marktrechte, unter der ausdrücklichen Bestimmung, daß Schloß und Herrschaft nur unmittelbar vom Kaiser und dessen Nachfolger zu Lehen gegeben werden sollte.

Aber was wissen wir von der Vorgeschichte Wickrath’s?
Im Jahre 1975 wurden beim Autobahnbau in Wanlo mehrere Siedlungsplätze der Bandkeramik (neolithische Besiedlung) aus der Zeit um 4.000 vor Christi freigelegt. Aber auch aus der Römerzeit sind zahlreiche Fundstellen bekannt geworden, so in Wickrathberg und in Beckrath. Der ehrenamtliche Mitarbeiter des Rheinischen Landesmuseum in Bonn, Herr H.-J. Holz [Dr. Hermann-Josef Holz] aus Wanlo, hat großen Anteil an der Erfassung der archäologischen Fundplätze.

Im Jahre 486 nach Christi vernichteten die Franken die letzten Reste der römischen Herrschaft. Es gab in unserem Raume nur wenige fränkische Siedlungen, denn das Nierstal war ein großes Sumpfgebiet und die Niers führte sehr viel mehr Wasser als heute. Eine Urbarmachung der Sümpfe und Niederungen, sowie die Rodung der Niederungswälder war schwierig. Die ältesten Siedlungen in unserem Abschnitt der Niers sind zwischen 800 und 1.000 nach Christi entstanden. Es waren Wickrath und Wanlo; Wickrathberg wird nicht wesendlich später entstanden sein.

Der Zerfall des Karolingischen Reiches, unter den Nachfolgern Karls des Großen, aus dem schließlich Frankreich und Deutschland hervorgingen, führte zu einer erheblichen Schwächung des Reiches. Dies lockte die Normannen (Wikinger) in das Rhein–Maasgebiet. Im Jahre 881 kamen die Normannen mit schnellen Schiffen flußaufwärts gefahren und plünderten die Bevölkerung. Die Bewohner flüchteten in die sumpfigen Täler. Hier schütteten sie künstliche Erdplateaus auf und umgaben diese mit Palisaden. Aus den fränkischen Adelshöfen wurden wehrhafte Burgen.

Um diese Zeit wird der Ort Wickrath (Wick = Sumpf, Rath = rode / Rodung) entstanden sein. Man sicherte später den Sitz des Grundherren, indem man auf dem nochmals erhöhten Erdhügel einer sogenannten „Motte“, einen hölzernen Wohnturm baute. Dann ersetzte man ihn durch einen festen, aus Stein gebauten Turm. Wir sind über das Aussehen solcher Fluchtburgen (Motte) gut unterrichtet.

Beim Braunkohlen-Abbau, in der Nähe von Frimmersdorf [/Grevenbroich], ist eine solche Motte freigelegt worden. Es handelte sich um die Stammburg der Hochstaden, der „Huster-Knupp“. Eine ähnliche Burg hat wahrscheinlich auch in Wickrath gestanden, denn auch hier waren die Hochstaden ansässig.

Der erste „Dynast“ von Wickrath war Gerlacus de Wickerode, er wird urkundlich 1064 erstmals erwähnt. Das Geschlecht der Hochstaden war in der damaligen Zeit eine berühmte Adelsfamilie. Durch Freundschaft war der Herr zu Wickrath eng mit Anno, Erzbischof zu Köln (1056 – 1075 aus dem Hause der Hochstaden), verbunden.

Um 1200 muß Wickrath schon ein bedeutender Ort gewesen sein, denn Otto III., Herr zu Wickrath, ebenfalls aus dem Geschlecht der Hochstaden, ließ 1200 – 1205 eine Kirche bauen. Diese Kirche wurde auf einem Hügel errichtet, als Baumaterial benutzte man rohe Feldsteine aus der hiesigen Gegend. Fast zur gleichen Zeit ist auch die Kirche in Wickrathberg gebaut worden.

Auch die Burg des Grafen zu Wickrath muß um diese Zeit schon ausgebaut worden sein, denn 1363 ist die Rede von der Burg Wickrath mit Veste und Wohnungen, mit Gräben und Fischerei, dem Graben um die Burg, der Mühle, der Vorburg, den Wohnungen vor der Burg um die Kirchspiel-Kirche, Mannen und Burgmauern.

Der letzte männliche Erbe des Hauses Hochstaden-Wickrath war Otto V.. Als er starb, hatte er, da seine Ehe mit Katharina kinderlos geblieben war, dem Herzog von Geldern, Wickrath zu Lehen aufgetragen. Eine friedliche Zeit, unter der Herrschaft der Hochstaden, ging in Wickrath zu Ende.

Das Kreuzherrenkloster in Wickrath

Abschrift aus dem Heftchen zur Ausstellung 1990
Der Stifter des Ordens war Theodorus von Celles, 1166 auf der Burg Celles im Lütticher Land als Sohn des Barons von Celles geboren. Seine Erziehung wurde frommen und gelehrten Männern anvertraut. Nach Vollendung seiner Studien schickte ihn sein Vater an den Hof des Bischofs von Lüttich Rudolf von Zeringen.

Als der deutsche Kaiser Barbarossa den 3. Kreuzzug 1189 - 1191 in das Heilige Land unternahm, zog auch der Bischof von Lüttich mit und in seinem Gefolge Theodorus von Celles. Nach dem Tode Kaiser Barbarossas kehrte er mit dem Bischof nach Hause zurück. Theodorus von Celles hat in den Jahren von 1211 bis 1212 zusammen mit fünf Kanonikern in Clair-Lieu bei Huy/Belgien (an der Maas zwischen Lüttich und Namur gelegen) den Orden gegründet.

Die Kirche, die ihnen von dem damaligen Bischof zugewiesen wurde, war dem hl. Theobaldus geweiht. Sie nannten sich Brüder vom Heiligen Kreuz, weil sie sich selbst heiligen und in der Liturgie das Kreuz Christi predigen wollten. Der Ordensgründer legte den Kreuzbrüdern – oder auch Kreuzherren genannt – die Regeln des hl. Augustinus zugrunde.

Papst Honorius (1216 – 1227) bestätigte 1217 den Orden. Papst Johannes XXII. (1316 - 1334) stellte ihn 1318 unter den Schutz des Heiligen Stuhles. Die Ordenstracht bestand aus einer weißen Soutaue und einem schwarzen Skapulier mit einem rot-weißen Kreuz. Neben samaritären Aufgaben wie Betreuung der Kranken, pflegten die Kreuzherren das Studium, die Predigt, die Mission, die Seelsorge sowie die Erziehung der Jugend zum Priesternachwuchs. Auf wissenschaftlichem Gebiet leisteten sie Hervorragendes durch Abschreiben alter Schriften und der Bibel.

Nachdem sich der Orden, in Frankreich, Belgien, Holland und auch in Deutschland schnell verbreitete, stiftete Ritter Heinrich von Hompesch, regierender Herr zu Wickrath und Marschall zu Jülich und seine Frau Sophia am 22. Januar 1491 das Kreuzherrenkloster zu Wickrath. Ritter von Hompesch war im Jahre 1488 von Kaiser Friedrich III. (1440 - 1493) mit der Herrschaft Wickrath belohnt worden. Heinrich von Hompesch war ein leuchtendes Beispiel in der Betätigung religiösen Lebens und von großer Wohltätigkeit gegenüber kirchlichen Einrichtungen.

Die Pfarrkirche zum hl. Salvator - 1200 bis 1205 erbaut - wurde mit allen Einnahmen dem Kloster einverleibt, nämlich:
Die Einkünfte des Pfarrers,
die Einkünfte des Altars zum hl. Geiste,
die Einkünfte des Altars des hl. Petrus,
die Einkünfte des Altars der hl. Jungfrauen Agatha und Gertrud,
die Einkünfte des Altars des hl. Antonius des Einsiedlers,
die Einkünfte des Altares der Märtyrer Fabianus und Sebastianus,
die Einkünfte des Altares der Gottesmutter und
die Einkünfte der Kapelle in Wetschewell

Die Einrichtung des Klosters verursachte dem Stifter Heinrich von Hompesch enorme Kosten. Zum Ankauf des "alten Hauses an der Kirche" gab er 45 Goldgulden aus. Das alte Haus dürfte der erste Beginn des Klosters gewesen sein. Über den Ausbau des Klosters ist nicht viel bekannt. Unter dem Prior Thomas Buchlerus (1627 – 1636) wurde der Ambitus (Umgang) gebaut. Prior Matthias Neesen ließ 1693 den Gang zwischen Kloster und Kirche, 1697 den westlichen Flügel des Klosters errichten. Das Kloster hatte nun die Form eines Vierecks. Die vier Gebäudeflügel schlossen einen Innenhof ein.

Der heute noch vorhandene Torbogen - erbaut aus Aachener Blausteinen - verband das Kloster mit dem Wirtschaftstrakt. Prior Neesen führte an dem Kloster umfangreiche Bauarbeiten durch. Als Steinhauer werden zur damaligen Zeit genannt die Meister Tilmanns aus Gladbach und Laurentius und Robbartus aus Aachen. Über die Bauarbeiten seines Vorgängers fällte Prior Neesen in einer Randnotiz ein hartes Urteil. "Kostete viel, taugte wenig, wie wir in unserer Zeit erfahren haben, da es überall einzustürzen drohte."

Während seiner Zeit als Prior hatte Wickrath und auch das Kloster unter den Wirren des Dreißigjährigen Krieges zu leiden. Eine rohe Soldateska durchstreifte beutemachend Wickrath. Häuser gingen in Flammen auf; viele Menschen wurden erschlagen. Das Kloster wurde mehrfach heimgesucht und geplündert.

Im Frühjahr wütete in Wickrath die Pest. Viele Bewohner wurden von der Seuche befallen und starben. Auch der damalige Prior Buchlerus wurde von dieser schrecklichen Seuche heimgesucht und starb nach wenigen Tagen. Das Kloster verlor in ihm einen bedeutenden Mann, der sehr viel für das Ansehen der Lateinschule getan hatte. 1595 war er Rektor der Lateinschule. In dieser Zeit hatte er eine große schriftstellerische Tätigkeit entfaltet. Ein Mann von solcher Gelehrsamkeit zog so manchen Lernbegierigen nach Wickrath. Auch nach dem Tode von Prior Buchlerus behielt die Klosterschule ihren guten Ruf und um 1627 wurde ein Konvikt (Schülerheim) angegliedert.

Das Kloster hatte ein umfangreiches Vermögen an Grundstücken und zahlreiche Einnahmen aus Verpachtungen. So gehörten der Priorshof und der Voigtshof zum Kloster. In der Blütezeit des Klosters diente der Priorshof den Prioren als Erholungsstätte.

Hier muß auf die im Kreuzbrüderkloster angelegten Kopiare hingewiesen werden, die von 1292 bis 1727 reichen. Der Inhalt betrifft im wesentlichen die Stiftung des Klosters und die nach 1491 vom Konvent gemachten Erwerbungen an Liegenschaften und rentbaren Werten. Aus den alten Pergamenten und Papieren läßt sich ein gutes Bild über die alltäglichen Sorgen der eingesessenen Bevölkerung machen. Aufschlußreich die Nachrichten über Höfe und darauf wohnenden Familien, den landesüblichen Feldbau und manches über die gemeindliche und gerichtliche Organisation der Herrschaft Wickrath. Nicht zuletzt geben die Aufzeichnungen gute Rückschlüsse auf das Milieu im Kloster und dessen Einstellung zu den politischen und geistigen Auseinandersetzungen des 17. und 18. Jahrhunderts.

In Gladbach ging 1794, als die französischen Revolutionsheere Einzug hielten, die Bibliothek der Benediktinerabtei St. Vitus für immer verloren. Was geschah zur selben Zeit mit der umfangreichen Bibliothek des Kreuzherrnklosters in Wickrath? Die Kreuzherren hatten seit der Stiftung des Klosters im Jahre 1491 eine Bibliothek von unschätzbarem Wert geschaffen. Der Prior Matthias von Bree (1540 bis 1556) hatte im "antiqus liber copiarum", dem alten Kopiarenbuch, 87 Urkunden.

Johann von Bongart war von 1559 bis 1570 Prior zu Wickrath. Er ordnete die Klosterbibliothek und fertigte einen Katalog der vorhandenen Bücher an. Er schriebt "Laß nicht nach, unter aufrichtiger Führung die Schriften gelehrter Männer zu durchforsten, damit Du die Sätze der Wahrheit und Irrtümer erkennst, und die Sitten und Zeiten der Christgläubigen".

Thomas Buchlerus, Prior des Klosters von 1627 bis 1636 hat sehr viel für das Ansehen des Klosters und seiner Lateinschule getan. Seine Ausbildung erhielt er vermutlich in der Klosterschule zu Wickrath, die unter der Leitung seines Onkels Johannes Buchlerus stand. Thomas Buchlerus begann 1627 mit der Aufstellung eines Taufbuches. Es war das erste in der Pfarrgemeinde Wickrath.

Noch einmal wurde von Prior Matthias Neesen die Klosterbibliothek mit großer Sorgfalt geordnet; dann kam 1793 das Ende des Kreuzherrenklosters durch die französische Revolution und den Einmarsch der Revolutionstruppen in Wickrath. Aber schon früher war der Erhalt des Klosters gefährdet. 1550 trat der Herr von Wickrath, Freiherr von Quadt, zum Protestantismus über und es folgten ihm seine Familie, sein Hausgesinde und alle, die in seinen Diensten standen. Die neue Lehre wollte er auch in seiner ganzen Herrschaft einführen.

Das gelang ihm in Wickrathberg, Herrath und Schwanenberg. Die Kreuzherren in Wickrath wollten nichts von der neuen Lehre wissen und hielten am alten Glauben fest. Da brauchte der Herr von Wickrath, der Graf Quadt, Gewalt und vertrieb 1558 den Prior aus der Pfarrkirche und setzte dort einen protestantischen Prediger ein. Diese Handlung war nicht allein dem Kloster durch den Stifter verliehenen Gerechtsamen, sondern auch dem Passauer Vertrag vom 16. Juli 1552 und dem Augsburger Religionsfrieden vom 25. September 1555 zuwider. Das Kloster machte Anzeige beim Ordensgeneral in Huy.

Dieser wandte sich klagend an den deutschen Kaiser und setzte am 14. Mai 1560 als Prior im Kloster zu Wickrath den Johannes von Bongart ein, der vorher Prior des Kreuzherrenklosters zu Köln war. Prior Bongart war ein Mann von großem Glaubenseifer und unermüdlicher Tätigkeit. Nach elfjähriger Dauer der evangelischen Nutzung der Kirche, sandte der deutsche Kaiser einen Abgesandten, mit militärischem Gefolge nach Wickrath und am 19. März 1569 konnte der Prior mit seinen Brüdern wieder in die Kirche einziehen. Für das Kloster und die Kirche herrschte nun Ruhe bis zum Jahre 1651.

Erneut begannen die Herren von Wickrath, die Grafen von Quadt, das Kloster zu dranglasieren. Dies geschah zuerst von Friedrich von Quadt, Herr zu Wickrath, später durch Thomas und Wilhelm Bertram von Quadt. Sie wollten das Kloster zur Zahlung von Steuern, zur Besoldung ihrer Dienerschaft, ja sogar zur Unterhaltung der Jagdhunde heranziehen.

Da das Kloster sich weigerte und auf die Stiftungsurkunde verwies, wonach es frei von allen weltlichen und bürgerlichen Abgaben, Steuern, Zehnten und persönlichen Diensten sei, ließ der Graf auf dem Pachthofe des Klosters Gerätschaften pfänden und öffentlich verkaufen. Weiter ließ der Graf den Weg der Fronleichnams-prozession versperren, das Tor von Wickrath schließen, durch das die Prozession alle Zeit gezogen war.

Das Kloster wandte sich an das Reichskammergericht. Dieses erkannte das Recht des Klosters an und gab dem Freiherrn von Quadt auf, das Kloster in Ruhe zu lassen und das Geraubte zu ersetzen.

Der deutsche Kaiser Leopold stellte am 4. März 1677 Kloster und Kirche erneut unter seinen Schutz.

Das störte den Grafen von Quadt zunächst nicht. Doch dann wurde er gezwungen auf Intervention des Kurfürsten Maximilian Heinrich von Köln und des Pfalzgrafen Friedrich Wilhelm, daß er, der Freiherr Wilhelm Bertram von Quadt, am 14. April 1681 die freie Religionsausübung der Katholiken und die Immunität und Parochialrechte des Klosters zu ratifizieren (Concordat).

Im Jahre 1794 waren franzöische Revolutionstruppen in Wickrath eingerückt. Sie erschienen an der "Grünen Pforte" des Klosters und forderten 30 Golddukaten. Das Kloster wurde gezwungen, Gold, Silber und Nahrungsmittel an Kontributionen an die Franzosen zu leisten. Der Wein des Klosters wurde beschlagnahmt. Den regulären Truppen folgte stets ein Schwarm von Marodeuren, die raubten und plünderten.

Am 9. Juni 1802 wurde aufgrund eines Dekrets Napoleons I. das Kloster aufgehoben. Es wurde 1804 an Josef Ott, Weinhändler zu Wickrath, verkauft. Der Verkauf führte zu Streitigkeiten zwischen der Kirche und Ott. Gestützt auf das Dekret Napoleons, laut dem beim Verkauf von Klöstern, mit denen Pfarreien verbunden waren, dem Pfarrer eine angemessene Wohnung verbleiben sollte, wurde über den zu verkaufenden Teil des Klosters ein Gutachten erstellt. Dies ergab, daß drei Flügel verkauft werden sollten, während ein Flügel nach der Kirche hin gelegen, mit dem anschließenden Weihergarten für den Pfarrer reserviert bleiben sollte.

Ein Ordensbruder, Petrus Andreas Draak, "clericus" blieb nach Auflösung des Klosters in Wickrath, ging aber wegen Streitigkeiten mit dem Kirchenvorstand nach Rheindahlen. Er nahm eine große Zahl Urkunden, Bücher und Schriften aus dem Kloster mit. Nach seinem Tode 1822 kamen sie teilweise wieder nach Wickrath zurück. Das Inventarverzeichnis war bis 1939 noch vorhanden.

Aus der Klosterbibliothek war eine Pfarrbibliothek geworden. Sie war im westlichen Flügel des Klosters, in dem Teil, in dem auch der Pfarrer seine Wohnung hatte, untergebracht.

1896 hatte ein Amin Tille das nunmehrige Pfarrarchiv kursorisch (fortlaufend) aufgezeichnet. Offenbar in Verbindung mit dieser Arbeit versah der Oberpfarrer Hubert Giesen im gleichen Jahr die Pergamente mit kurzen Notizen. Sein Nachfolger, Oberpfarrer Husmann, verfaßte den Bestand des Archivs in seinen beiden Wickrather Geschichtsbänden.

Danach waren zu diesem Zeitpunkt vorhanden: 24 Pergamenturkunden, vier Kopiare, ein Band Kirchenrechnungen aus dem 15. Jahrhundert und vier Verzeichnisse von Renten, Einkünften und Pachten des Klosters. Daß das Pfarrarchiv dem Bombenangriff vom 26. Februar 1945, bei dem die Pfarrkirche und der wesentliche Teil des Klosters zerstört wurde, teilweise entging, ist ein Verdienst des Pfarrers Franz Rixen aus Odenkirchen.

Pfarrer Rixen hatte schon 1942 Teile der Pfarrbibliothek im Luftschutzkeller der Pfarrkirche St. Laurentius, Odenkirchen, in Sicherheit gebracht. Zahlreiche Bücher und Bilder, die in Wickrath im Pfarrhaus verblieben waren, gingen bei dem Bombenangriff verloren. Darunter waren auch die Ölgemälde der Prioren des Wickrather Kreuzherrenklosters.

In den Tagen der Zerstörung und des allgemeinen Chaos während des Einmarsches amerikanischer Truppen, sind durch persönliche Initiativen Wickrather Bürger viele Bücher aus Trümmern und Schutt geborgen worden. Leider ist dabei auch manches Buch verschwunden, oder besser gesagt, rechtswidrig angeeignet worden. Es bleibt zu hoffen, daß sie eines Tages schließlich doch wieder in das Kirchenarchiv zurückgelangen.

Rudolf Brandts hat 1951 im Auftrage der Archivberatungsstelle beim Landschaftsverband Rheinland ein Inventarverzeichnis des Archivs der Pfarrkirche St. Antonius in Wickrath erstellt. Jahrelang haben dann die noch vorhandenen Bücher und Schriften eine nicht sachgerechte Aufbewahrung im Keller der neuen Kirche gefunden. Der Keller war feucht und nicht beheizt, so daß die kostbaren Bücher und Schriften zu vermodern drohten.

Inzwischen ist das Archiv vom städtischen Archivamt Mönchengladbach in gut klimatisierten Räumen übernommen worden. Die Pfarrgemeinde St. Antonius, Wickrath, erhielt über den Bestand im Jahre 1987 ein Findbuch. Danach liegen in mehr als 54 Archivkartons der Gesamtbestand mit 23 Handschriftenbänden, 24 Urkunden und 473 Aktenbänden. Im Stadtarchiv lagern auch 400 erhalten gebliebene Bände der Bibliothek des ehemaligen Kreuzherrenklosters.

Nachwort: Die Säkulärisation traf nicht nur die Geistlichkeit, nicht nur das ehemalige Kirchengut; es gingen gleichzeitig Kulturgüter von unersetzlichem Wert verloren. Das, was erhalten blieb, zu bewahren, aber auch zu durchforschen und auszuwerten, wird sicherlich auch Aufgabe der Zukunft sein.

Wickrath im Mai 1990 - Kurt Jacobi und Martin Otten

Quellenverzeichnis
a) Literatur
Husmann, J.u.T. Trippel: Geschichte der ehemaligen Herrlichkeit bzw. Reichsgrafschaft und der Pfarre Wickrath T. 1.2.1909 – 1911.

Haas, Robert: Die Kreuzherren in den Rheinlanden, 1932.

Klompen, Wilma: Die Säkularisation im Arrondissement Krefeld, 1962.

van den Bosch, Pater Dr. O.S.C.: Die Geschichte der Kreuzherren "Sie teilten mit Jedermann".

Aretz, Hugo: Die Kreuzherren von Hohenbusch, Erkelenz 1982.

Löhr, Wolfgang Dr.: Rheinischer Städteatlas Wickrath, 1978.

Brandts, Rudolf: Inventur des Archivs der Pfarre St. Antonius, Wickrath.

Rheinische Post: Urkunden aus Wickrath fanden neuen Platz im Stadtarchiv Magazin, 10.03.1988.

b) Archive
Düsseldorf, Hauptstaatsarchiv

Mönchengladbach, Stadtarchiv - Pfarrarchiv Wickrath (Depositum) 1987

Bonn-Beuel, Historisches Institut der Kreuzherren
Abschrift aus dem originalen Heftchen der Ausstellung: Heinz-Josef Katz, Wickrath
Letzte Aktualisierung ( Samstag, 30. Mai 2015 )