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Beckrath Chronik
Chronik des Denkmalpflege- und Heimatverein Beckrath
Gefallene und Vermißte aus Beckrath
Die Beckrather Mühle
Der letzte Müller von Beckrath

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Chronik des Denkmalpflege- und Heimatvereins Beckrath

Vereinsgeschichte:

Anfang des Jahres 1920 versammelten sich die Dorfbewohner in der Ev. Schule, um einen Ausschuß zu wählen, der die Planungen und Vorbereitungen zur Errichtung eines Denkmals zur Aufgabe haben sollte. Welche Personen aber in diesen Dorfausschuß gewählt wurden, ist leider nicht bekannt, denn in der Chronik der Ev. Schule, in der man sehr viel aus den Jahren 1914 – 1968 nachlesen kann, sind keine Namen zu finden.

Es ist anzunehmen, daß die Vorsitzenden der Ortsvereine, der Schulleiter und eine Reihe ehrenwerter Bürger Mitglieder dieses Ausschusses waren. Im Rahmen eines Wettbewerbs wurden mehrere Entwürfe für ein Denkmal vorgestellt, von denen der des Malers und Anstreichers Peter Schraub, Beckrath am besten gefiel.

Die Ausführung wurde dem Bildhauer Hermann Wilms aus Erkelenz übertragen. Nach gut einjähriger Schaffenszeit erfolgte am 4. September 1921 die feierliche Einweihung mit einem Festzug durch das Dorf unter Beteiligung von Jung und Alt.

Noch im gleichen Monat gründete man den Denkmalpflegeverein, der das Denkmal mit seinem Vorplatz in seiner Schönheit erhalten sollte.

Am 25. und 26. Juli 1925 veranstalteten die Ortsvereine ein Heimatfest aus Anlaß der Jahrtausendfeier der Zugehörigkeit unserer rheinischen Heimat zum Deutschen Reich. Unter Mitwirkung des MGV, damals noch einem gemischten Chor mit seinem ersten öffentlichen Auftritt, dem Turnverein und vieler Schulkinder wurde ein vielseitiges Programm geboten. Schon damals gehörten ein Festzug durch das Dorf und eine Kranzniederlegung am Denkmal zum Ablauf des Heimatfestes.

In der schon erwähnten Schulchronik gibt es zwischen Januar 1929 und dem 20.06.1936 keine Aufzeichnungen, auch protokollarischen Anmerkungen gibt es nicht.
Viele Beckrather erinnern sich aber noch genau an die erste eigene Kirmes 1938, die im Zelt auf der Weide von August Quack, heute Herta Quack gefeiert wurde. Bis dahin feierte Beckrath nämlich zusammen mit Wickrathberg im Oktober die Kirmestage!

In den Kriegs- und Nachkriegsjahren 1939 – 1946 fanden keine Kirmesfeierlichkeiten statt - die Menschen hatten andere Sorgen!

Doch schon bald begann sich das Leben zu normalisieren. Im Oktober 1946 fand die erste demokratische Wahl statt und Herr Johann Schrey (Schmiedemeister) kam für Beckrath in den Gemeinderat.
Erste Kirmes
Das Vereinsleben bekam wieder seinen Stellenwert und die Dorfgemeinschaft feierte am 30./31. August 1947 ihre erste Kirmes nach dem 2. Weltkrieg, die vom Dorfausschuß vorbereitet worden war.

Am 27.06.48 um 13.30 Uhr fand bei Martin Kamphausen eine Versammlung aller Beckrather Bürger statt. Der Ortsvorsteher Johann Schrey hatte zu einer Aussprache über das diesjährige Heimatfest eingeladen. Der Beschluß der Versammlung lautete, auch 1948 ein Heimatfest wie im vergangenen Jahr zu feiern. Wiederum sollte der Dorfausschuß die Vorbereitung und Durchführung des Festes übernehmen.

Dem Dorfausschuß gehörten Mitglieder der verschiedenen Ortsvereine an.
Vom Turnverein: Fritz Kamerichs, Johann Kamphausen, Otto Schrey, Karl Quack .
Vom MGV: Hermann Quack, Willi Schraub, Walter Schrey, Hans Mehr.
Von der Freiwilligen Feuerwehr: Jakob Coenen, Heinrich Esser.
Weitere Dorfausschußmitglieder: Julius Wöstemeyer, Lehrer Meyer und Johann Schrey als Ausschuß-Leiter.

Der Dorf- und Heimatabend soll laut Beschluß folgendermaßen ablaufen:
Mit einem Festzug und einer Kranzniederlegung am Denkmal geht es zum Saal Kamphausen. Der Saal wird erst bei Ankunft des Festzuges geöffnet, damit alle einen Platz finden. Der Eintrittspreis beträgt 1.- DM. Der Reinerlös des Festes soll einem guten Zweck, evtl. der Anschaffung eines Klaviers für die Schule, zugeführt werden, so der Vorschlag von Johann Schrey. Der Ortsvorsteher will sich darüber hinaus beim Bürgermeister für die „Niederschlagung der Lustbarkeitssteuer“ einsetzen.

Die Versammlung wünscht, daß die Kirmes auch von Marktbeschickern zahlreich beschickt wird. Die Bilanz nach dem Fest zeigt - bei Einnahmen von DM 463,50 und Ausgaben von DM 348,50 (z.B. GEMA-Gebühren DM 12.-!) - einen Überschuß von DM 115,-.
Die Festlichkeiten am Sonntag und Montag lagen übrigens in der Hand der Gastwirte Martin Kamphausen und Gerhard Heynen.

An der ersten Sitzung des Dorfausschusses im Jahr 1949, am 25. Februar, nahm ein Elternbeirat teil. Unter Pkt. 1 der Tagesordnung wurde die Einrichtung eines Kindergartens für Beckrath und Herrath besprochen. Dazu soll die Kirchengemeinde Wickrathberg um einen jährlichen Zuschuß von DM 1200.- bis 1500.- ersucht werden. Dieser wurde aber mit einem Schreiben vom 5. Mai 1949 seitens des Presbyteriums abgelehnt.

Während der Dorfversammlung vom 23.03.1950 in der Schule wurde über den unwürdigen Zustand des Ehrenmals gesprochen.

Die Anregung, einen neue gärtnerische Anlage und eine dauerhafte Einfriedung des Denkmals zu schaffen, findet Anklang. Mit der Durchführung soll der Verein für Denkmalpflege, der z. Zt. ruht, betraut und wieder ins Leben gerufen werden. Dem Verein soll dazu das Geld vom Dorf- und Heimatfest 1949 übergeben werden.

Wie wichtig die Dorfversammlung vom 26.10.1953 war, erkennt man daran, daß aus jeder Familie eine Person erwartet wurde.

Tagesordnung dieser Versammlung:

1. Dringende Schulangelegenheit,
2. Bau einer Turnhalle,
3. Instandsetzung der Straßendecke,
4. Straßennamen,
5. Verkehrsfragen (Buslinie),
6. Gründung eines Heimatvereins,
7. Verschiedenes.

Von allen wichtigen Punkten ist für die Geschichte unseres DHV Punkt 6 der Tagesordnung von großer Bedeutung, wurde dort doch die Namensgebung beschlossen! Da der 1921 gegründete und in der Dorfversammlung 1950 wieder ins Leben gerufene Verein für Denkmalpflege nun auch die Aufgabe erhielt, den Dorf- und Heimatabend auszurichten, war der neue Name „Denkmalpflege- und Heimatverein“ schnell gefunden.
Kurz darauf, am 30.10.1953, erfolgte die ordnungsgemäße Auflösung des Dorfausschusses.
Die Vorstandszusammensetzung des neuen Vereines zeigt die Namensliste einer Versammlung vom 05.01.1954: Willi Schraub, Peter Schraub, Otto Schrey, Frau Staß, Hubert Oversberg, Heinrich Block, Gerd Fischer, Ernst van Bürck, Hermann Quack, Heinrich Hörchens, Johann Laermann und Lehrer Meyer.

Da eine Neugestaltung des Denkmals erforderlich wurde, um die Opfer des 2. Weltkrieges zu ehren und auch die Ortsmitte neu zu gestalten, wurde am 02.07.1955 eine Dorfversammlung bei Gerhard Heynen abgehalten.

In mehreren Vorstandssitzungen hatte man geeignete Pläne und Vorschläge erarbeitet. Die Schwierigkeit, alle Namen (etwa 75) auf dem Denkmal unterzubringen und über Jahre leserlich zu halten, führte nach ausgiebiger Diskussion zu dem einmütigen Beschluß der Versammlung, dem Antrag von Johann Schrey zu folgen, ein Denkmal ohne Namen zu errichten und in einer Dorfchronik die Gefallenen mit Bild und Daten festzuhalten. Diese von Peter Schraub hergestellte Urkunde mit allen Namen wurde dann in der Schule Ortsmitte angebracht und hängt heute im ev. Gemeindehaus.

Die Kosten für das erweiterte und an jetziger Stelle aufgestellte Denkmal beliefen sich auf 3810.- DM, die gärtnerischen Anlagen auf etwa 1500.- DM. Die Ausführung der Arbeiten lag in Händen von Johann Laermann aus Beckrath und Steinmetz Gröters aus Odenkirchen. Die festliche Einweihung fand am Totensonntag, dem 20.11.1955, statt.

Im Rahmen der Neugestaltung der Ortsmitte konnte auch der Bau einer neuen Turnhalle in den Jahren 1954/55 schnell vorangetrieben werden, deren Einweihung bereits am 3. Sonntag im September 1955 erfolgte.

Die Heimatabende zum Auftakt der Kirmes am Samstag fanden in den Jahren nach dem Krieg bis 1952 großen Anklang bei den Beckrather Bürgern. Mit einem reichhaltigen Programm unter Mitwirkung der Ortsvereine, besonders von TVB und MGV, und anschließendem Tanz - oft bis 2 Uhr früh! - traf man wohl genau den Geschmack von Jung und Alt. Das hatte vielleicht mit einem gewissen Nachholbedarf nach dem schrecklichen und entbehrungsreichen Krieg zu tun.

Doch schon im Jahr 1953 bedurfte es einer besonderen Aufforderung in Form von Handzetteln an alle Bürger, durch guten Besuch des Dorf- und Heimatabends die Bemühungen der Ortsvereine zu unterstützen.

Schon damals wurde streng darauf geachtet, daß Veranstaltungen oder Versammlungen gleichmäßig auf beide Gaststätten des Dorfes - Heynen und Kamphausen - verteilt wurden. So fand z. B. der Dorf- und Heimatabend des Jahres 1950 im Festzelt bei Gerhard Heynen statt.

Im Jahr 1955 hatte sich eine Gesangsgruppe (Sextett) zusammengefunden, die mit dem unvergessenen Hubert Oversberg als Conferencier mit ihren Vorträgen alle Gäste begeisterte. Nach Auflösung des Sextetts 1961 wurden die Schwierigkeiten, den Heimatabend mit eigenen Kräften zu gestalten, immer deutlicher.

Aus vielen Protokollen der Jahre 1949 bis 1962 erkennt man das große Anliegen zunächst des Dorfausschusses, dann des DHV, in Beckrath einen Kindergarten einzurichten. 14 Jahre lang war das Thema stets aktuell und ist mit vielen Bürgern, der Gemeindeverwaltung und der Kirchengemeinde beraten worden. Fehlende Räume, Grundstücks- und Finanzierungsschwierigkeiten führten am Ende zur Aufgabe dieses Gedankens. So liest man im Protokoll der JHV vom 18.05.1962.

Neben den satzungsmäßigen Zielen des DHV war und ist er immer auch Ansprechpartner der Kommunalverwaltung in Angelegenheiten des Ortes gewesen. Da laut Satzung die Vorsitzenden der übrigen Ortsvereine dem Vorstand des DHV angehören, können die Interessen aller Vereine auch nach außen hin vertreten werden. Das hat sich in der Vergangenheit als sehr vorteilhaft erwiesen und den Bürgern des Dorfes sehr geholfen.

Besonders kurz nach dem Krieg, als auch für Beckrath viele Dinge einer Regelung bedurften:
Kanalisation mit Straßenausbau, Bau der Turnhalle mit Neugestaltung der Ortsmitte, Erweiterung des Denkmals, das Aufstellen von Verkehrsschildern, Vorschläge für Straßennamen, usw. usw.

Die Vertreter des Ortes im Gemeinderat waren laut früherer Satzung ebenfalls gewachsene Mitglieder im Vorstand des DHV, oft sogar dessen Vorsitzende, z.B. Johann Schrey, Willi Schraub und Friedrich Niehoff. Durch den persönlichen Kontakt im Gemeinderat oder heute in der Bezirksvertretung konnte und kann oft schnelle und unbürokratische Hilfe erfolgen.

Bis Mitte der 1960er Jahre war es zudem in Beckrath üblich, die Kandidaten für die Wahl zum Gemeinderat aus einer Dorfversammlung heraus vorzuschlagen, danach war es den politischen Parteien überlassen. Bei der Gemeinderatswahl am 19.03.1961 bekam Beckrath überraschend drei Vertreter in den Rat: Friedrich Niehoff, Heinrich Palmen und Herbert Hörchens.

Auf der JHV am 19.03.1965 wurde über eine Beitragserhöhung von 2.- DM auf 3.- DM diskutiert. Die Versammlung kam zu dem Entschluß, zunächst eine Mitgliederwerbung durchzuführen. Diese wurde ein voller Erfolg: 90 neue Mitglieder konnten geworben werden, so daß der DHV nun 194 Mitglieder zählte. Der Gedanke, durch ständige Mitgliederwerbung bei nur geringem Jahresbeitrag eine gute finanzielle Grundlage zu halten, ist bis heute erfolgreich geblieben (1996: 320 Mitglieder).

Zu dieser JHV war der damalige Bürgermeister Karsch eingeladen, der einen ausführlichen Bericht zum Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ vortrug. Seine Ausführungen fanden im Verein ein offenes Ohr, und noch im selben Jahr beteiligte sich Beckrath zum ersten Mal an diesem Wettbewerb.

Als die Gemeinde 1968 die Grundstücke an der alten Schule verkaufen wollte, konnte dies durch den Einsatz des DHV verhindert werden. Er überzeugte den Gemeinderat davon, daß Beckrath eine öffentliche Fläche für verschiedene Veranstaltungen benötige.

Diese Fläche fand zum ersten Mal Nutzung, als der MGV 1969 an den Kirmestagen sein 90-jähriges Bestehen in einem Zelt feierte, da der Saal von Kamphausen nicht mehr zur Verfügung stand.

Am 21.03.1970 fand die erste Bürgerversammlung zum Thema „Kommunale Neugliederung“ in der Gaststätte Heynen statt. Gemeindedirektor Krane berichtete ausführlich darüber. Die Absicht der Gemeinde Wickrath, zusammen mit Hochneukirch eine große Flächeneinheit als Gegengewicht zur Großstadt Mönchengladbach / Rheydt zu bilden, wurde sehr begrüßt. So wäre eine große, ländliche Gemeinde erhalten geblieben. Dieses Thema wurde in den nächsten Jahren ständig diskutiert und endete 1974 in der Aktion „Bürgerwille“ gegen die Eingemeindung in die Stadt Mönchengladbach.

Aber alle Bemühungen waren vergeblich: seit dem 01.01.1975 gehört die Gemeinde Wickrath und damit auch Beckrath zur Stadt Mönchengladbach.

Im Juli 1970 wurde unter der Leitung von Bauunternehmer Johann Laermann und mit Hilfe Beckrather Bürger die alte Schule abgerissen. Brauchbares Material wurde an Interessenten verteilt, Landwirte halfen beim Abfahren von Bauschutt. Für besonderen Einsatz bei dieser Arbeit bekam Max Leipold ein Extra-Lob.

Zum ersten Mal wurden alle drei Kirmestage vom 29. - 31.08.1970 vom DHV ausgerichtet. Samstags fand ein Tanzabend mit Darbietungen von TVB und MGV statt. Sonntags spielte von 16 - 19 Uhr die Beatkapelle „The Highbrowers“ aus Hochneukirch für die Dorfjugend. Ab 20 Uhr war Tanzabend und Montag ab 17 Uhr Klompenball. Der gute Erfolg dieser Kirmestage zeigt sich auch im Überschuß von 1590.- DM.

Die Bevölkerung war froh, nach vielen Mühen nun ein ausreichend großes Areal in der Ortsmitte zu haben.

Auf diesem Areal neben dem Denkmal, befindet sich auch ein Kinderspielplatz, die Turnhalle und es ist Platz für ein Zelt und Schausteller.

Die Ausrichtung der Kirmestage durch den DHV geschah mit der Übereinkunft der übrigen Ortsvereine, Plus und Minus auf alle zu verteilen: DHV 40%, TVB 20%, MGV 20%, FFW 20%.

In der DHV-Vorstandssitzung am 22.06.1978 wurde der Beschluß gefaßt, allen Mitbürgern zu hohen Geburtstagen mit einem Geschenk zu gratulieren (80.-85.-90.-91.usw.)

Die JHV 1979 beschloß, den Mitgliedsbeitrag auf DM 5.- pro Jahr anzuheben. Auch sollte die Satzung bis zum nächsten Jahr überarbeitet werden. Der JHV am 14.03.1980 lag sie dann beschlußfertig vor.

Die Ausrichtung der Kirmestage in den Jahren 1979 und 1980 übernahmen einmal der MGV und zum Anderen die FFW, jeweils aus Anlaß des 100-jährigen Bestehens.

Eine besondere Ehrung mit einem Wappenteller der Gemeinde Wickrath erfuhr Herr Albert Frentzen für seine langjährige Tätigkeit als Kassierer des DHV. 23 Jahre lang hatte er diesen Posten geführt.

Am 25.06.1980 startete eine Besichtigungsfahrt ins Braunkohlerevier, zu der das RWE eingeladen hatte. Alle Teilnehmer waren begeistert, so daß 1984 eine Wiederholung stattfand.

Im Jahr 1981 starben 7 Vereinsmitglieder, darunter drei ehemalige Vorsitzende: Otto Paulussen, Johann Laermann und Friedrich Niehoff.

Um den veränderten Bewertungskriterien des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“ Rechnung tragen zu können, fand am 18.06.1986 eine Ortsbegehung mit Herrn Schäfertöns vom Grünflächenamt und einigen Vorstandsmitgliedern statt.

Die von Herrn Schäfertöns gegebenen Empfehlungen zu Fassadenbegrünungen und Baumpflanzungen konnten zwar nur teilweise in die Tat umgesetzt werden, jedoch hatten eine Reihe von Tips und Hinweisen zur Folge, daß Beckrath in den folgenden Jahren gute 2. Plätze erreichen konnte.

Aus Anlaß der 500-Jahr-Feier der ehemaligen Herrschaft Wickrath im Jahr 1988 wollten alle Orte der ehemaligen Gemeinde den Festzug mitgestalten. Nach einigem Hin und Her entschloß sich auch der DHV zur Teilnahme.

Im Festausschuß wurde überlegt, welchen Beitrag man zum Thema „Landwirtschaft und Handwerk vor 100 Jahren“ leisten konnte. Etwa 40 Beckrather wirkten mit, als der Festzug am 12.06.1988 durch Wickrath zog.

Von der Saat bis zum fertigen Brot wurde die Landwirtschaft unter Mitwirkung der Landfrauen sehr originell dargestellt. Im Mittelpunkt stand die Beckrather Mühle, die mit viel Fleiß nachgebaut worden war. Sie wurde von einem Pferdewagen gezogen. Der „echte Müller“, Bauern und Bäuerinnen waren mit dabei.

Auch Fußgruppen mit Sämann, Sichel und Dreschflegel, Handwagen und Bäcker gaben das Dorfleben vor etwa 100 Jahren wieder. Das Handwerk hatte einen 2. Pferdewagen gestellt, auf dem eine Feldschmiede vom Hufschmied und seinem Gesellen eingeheizt wurde. Schreiner und Stellmacher mit ihrem Handwerkszeug waren auch dabei. So wurde der Ort Beckrath auch einmal außerhalb würdig vertreten und der Beweis erbracht, daß gemeinsam vieles möglich ist!

Ein weiterer Beweis von Gemeinschaftssinn in unserer schnellebigen Zeit sind die Laienspiele zur Kirmes, die 1989 mit dem Stück „Berta Bach in Beckraths Breiten“ ihren Auftakt hatten.
In den darauffolgenden Jahren folgten als Uraufführungen „... und damit Basta!“, „Glockenspiele“, „Tücken der Wahrheit“, „...daß der auch nie die Treppe schrubbt“, “Schneewitti“ und „Unser neuer Pfarrer“.

Stets mit viel Beifall bedacht, waren die Stücke eine tolle Bereicherung des Samstagabends. An dieser Stelle sei allen Mitwirkenden noch mal besonderer Dank gesagt! In den 1970er Jahren wurden während des eintrittsfreien Frühschoppens oftmals Sammlungen zur Unterstützung der Finanzierung der Blaskapelle abgehalten. 1990 verwirklichte man die Idee zu einer Sammlung für die Kinder-Krebshilfe, die eine Summe von 500.-DM erbrachte.

Als weitere Aktivität des DHV ist die erste Familien- und Fußgängerralley am 28.04.1991 zu nennen, bei der viele Bürger begeistert mitmachten. Bei der Neuauflage am 17.04.1994 war die Beteiligung aber mit 21 Personen so gering, daß auf Wiederholungen verzichtet wurde.

Als Mitte April 1992 der Zustrom von Asylbewerbern einen Höhepunkt erreichte, wurden auf dem Sportplatz 11 Bundeswehrzelte aufgebaut, in denen ca. 100 Personen Platz fanden. Die zunächst befürchteten Schwierigkeiten traten dank des einsichtigen Verhaltens der Beckrather Bürger nicht auf. Dafür gab es abschließend ein besonderes Lob der Stadtverwaltung. Zu Beginn der kalten Jahreszeit im Oktober konnte man diese Menschen dann auch in festen Unterkünften unterbringen.

Ein besonderes Reizthema war die Müllverbrennung, Kompostierung und Mülldeponie vor unserer Haustür. In den Jahren 1992 und 1993 vertrat der DHV, gemeinsam mit den Heimatvereinen der Nachbarorte, die Interessen der Bürger. In vielen Gesprächen mit Politikern und Verwaltung, wurde bereits im Vorfeld aller Planungen versucht, die MVA zu verhindern.
Die 1994 gegründete „Beckrather Bürgerinitiative gegen die MVA“ führte dann, gemeinsam mit den „Vereinigten Bürgerinitiativen für eine sozialverträgliche Abfallpolitik“, diese Arbeit weiter.

Um dem gestiegenen Informationsbedarf Rechnung zu tragen, wurden vom DHV drei Info-Kästen angeschafft, die von allen Vereinen genutzt werden können.

Die Installation eines Strahlers am Denkmal läßt es in einem „neuen Licht“ erscheinen. Dieses wird von den Beckrathern positiv aufgenommen.

Der Verein für Gartenkultur und Ortsverschönerung Rath-Anhoven hatte zur 75-Jahr-Feier eingeladen. Unter dem Motto „75 Jahre Leben auf dem Lande“ nahm der DHV mit einer Fußgruppe und der Beckrather Mühle im Festzug am 17.04.1994 teil.

Die vom DHV als Halbtagestour angebotene Besichtigungsfahrt zur Zuckerfabrik Wevelinghoven am 06.10.1995 mit Abschluß im Weystübel wird den 22 Teilnehmern noch in guter Erinnerung sein.

Neben den traditionellen Aufgaben des DHV im Jahresablauf 1995 stand die Vorbereitung für die 75-Jahr-Feier an den Kirmestagen vom 23.-26.08.96 im Mittelpunkt.

In seinem Jubeljahr hat der DHV den 15. Bürgertreff mit dem 4. Beckrather Dorflauf ausgerichtet, den der TVB dankenswerterweise abgetreten hat. Der zu erwartende Überschuß soll zur Deckung der Gesamtkosten dienen.

Ein lange gehegter Wunsch des DHV ist die Neugestaltung des Denkmalvorplatzes. Da seitens der Stadt nur mit einem geringen Zuschuß zu rechnen ist, wird viel Eigenleistung nötig sein, um diese Aufgabe zu bewältigen. Auch hier zeigt sich einmal mehr, daß auf die Beckrather Bürger Verlaß ist, denn die Umgestaltung des Denkmals wird zwar mit relativ geringen Kosten, dafür aber mit sehr viel Eigenleistung möglich gemacht. Stellvertretend für alle Mitbeteiligten, sind hier die Brüder Friedel und Kurt Kramer zu nennen, die ihre gesamte Freizeit für die Arbeiten am Denkmal opfern.

„Gemeinsam geht’s besser“, das ist Beckrath !

Zum Gedenken:

Die Gedenkfeiern zu Ehren der Opfer beider Weltkriege finden jährlich am Volkstrauertag statt, doch in Beckrath wird diese Feierstunde traditionell am Totensonntag gehalten.
Einen würdigen Rahmen für diese Feier bilden eine Blasmusik (seit 1977 Musikvereinigung Keyenberg), die Freiwillige Feuerwehr Beckrath, der Männergesangverein mit Liedern, die Fahnen von Turnverein und MGV und viele Mitglieder dieser Vereine. Aber auch oder gerade die erinnernden und mahnenden Worte der Redner - Lehrer Reuschel, Friedrich Niehoff und Prof. Laermann - um nur einige zu nennen, waren es, denen viele Bürger immer wieder aufmerksam zuhörten.

Aber auch an den Kirmestagen wird alljährlich der Toten gedacht und ein Kranz am Denkmal niedergelegt.

Unseren Vätern und Söhnen zum steten Gedenken

Gefallene und Vermißte aus Beckrath

2. Weltkrieg 1939 – 1945

Gefallene:

Name

Datum

Name

Datum

Peter Jennessen 24.09.1940 Heinrich Heinen 1940
Heinrich Jennessen 21.09.1941 Bruno Medau 23.09.1941
Friedrich Frentzen 07.10.1941 Hubert Jaeger 30.12.1941
Heinrich Baltes 01.02.1942 Johann Bisges 18.03.1942
Theodor Schrey 28.08.1942 Wilhelm Harsch 09.09.1942
Rudi Dannhäuser 1942 Hans Laube 03.03.1943
Wener Laube 09.03.1943 Heinrich Wöstemeyer 22.03.1943
Gerhard Heynen 23.03.1943 Heinrich Kuhlen 31.03.1943
Wilhelm Syben 25.06.1943 Willy von Gehlen 06.07.1943
Hermann Croon 18.08.1943 Heinrich Hilberts 14.09.1943
Gustav Scheulen 09.10.1943 Klaus Trips 05.11.1943
Heinrich Rix 1943 Helene Rix 1943
Werner Pfeifer 24.01.1944 Ernst Evertz 22.02.1944
Karl Rix 06.06.1944 Werner Jennessen 24.06.1944
Johannes Lüngen 31.07.1944 Hermann Jansen 22.08.1944
Hubert Hurtz 23.09.1944 Hans Plücken 13.10.1944
Erich Bisges 06.11.1944 Johannes Lüngen 16.11.1944
Hermann Frentzen 1944 Kurt Kremers 02.02.1945
Heinz Kamp 09.02.1945 Wilhelm Heck 30.03.1945
Emil Schrey ?.02./03.1945 Hans von Gehlen 18.04.1945
Walter Kuhlen 27.04.1945 Jakob Coenen 19.05.1945
Gerhard Schrey 1945 Peter Junker 1945
Heinrich Engels 1945 Gottfried Steffens 1945
Oswald Schmitz 1945 Hermann Kamphausen 07.09.1947

Vermisste:

Herbert Kamphausen 17.04.1942 Heinrich Lüngen 22.12.1942
Erich Vaahsen 03.09.1943 Hans-Wilhelm Trips 27.09.1943
Ernst Vitz 1943 Hans Wermuth 22.06.1944
Karl Kamphausen 24.06.1944 Heinrich Engels 04.07.1944
Peter Küppers 20.08.1944 Heinrich Esser 24.08.1944
Willy Engels 25.08.1944 Wilhelm Frentzen Dez.1944
Ewald Lüngen 23.12.1944 Kurt Werner 1944
Gregor Gemke 1944 Otto Melchert Jun.1944
Anton Wirtz 05.01.1945 Richard Schmidt Jan.1945
Albert Kuhlen 12.01.1945 Hermann Coenen 15.01.1945
Hermann Kamphausen Jan.1945 Hermann Kamphausen 06.02.1945
Franz Oellers 1945 Willi Engels 1945
Heinz Maibaum 1945 Werner Jansen 1952

Beckrather Mühle

Quelle: Beckrather Chronik 1996
Die Beckrather Mühle, weithin sichtbar, den alten Dorfbewohnern noch aus eigener Erinnerung bestens bekannt, stellt die Verbindung Landwirtschaft mit verarbeitendem Gewerbe in klassischer Weise her!

Die Windmühle stand am Feldweg nach Buchholz, 300 m hinter dem heutigen Bahnübergang, an der Eisenbahnstrecke Mönchengladbach-Aachen, auf der rechten Feldseite. Bis zum Gehöft des Müllers sind es noch 100m an der Feld-Wegkreuzung Herrath-Wickrathhahn-Buchholz.

Dieser Standort ist wichtig wegen des ungehemmten Windeinfalls im freien Gelände. Die Niveaulinie beträgt hier 81m über NN, also einer der höchsten Punkte im Beckrather Feld.

Der Bau der Mühle dürfte um das Jahr 1750 erfolgt sein. Es handelt sich anfangs um eine Pachtmühle, die von mehreren Pächtern nacheinander bewirtschaftet wird.

Verläßliche Unterlagen sind aus dieser Frühzeit nicht mehr auffindbar. Sie sind wahrscheinlich durch kriegerische Ereignisse verloren gegangen. Der ursprüngliche Eigentümer ist namentlich nicht feststellbar. Der Vorpächter Franz Liffers verläßt das Anwesen und übernimmt am 1.10.1885 die Gerkerather Mühle bei Rheindahlen.

Anschließend gibt es einige Jahre Stillstand, bis die Familie Coenen 1890 als neuer Pächter nach Beckrath kommt, und der Großvater von Heinrich Coenen (Müehle Heini) den Betrieb 1898 ankauft.

Sein Sohn, Wilhelm Coenen, als gebürtiger Niederländer mit der Mühlenwirtschaft gut vertraut, heiratet 1906. Er bewirtschaftet mit seiner Großmutter und zwei Brüdern (Johann und Gerhard) den Betrieb, also Landwirtschaft und Müllerei.

Das Mahlwerk ermöglicht die Herstellung von Viehfutter aus Gerste, Hafer und Roggen.

Auch Schroten von Roggen für das Backen des Rheinischen Schwarzbrotes und Feinmahlen von Weizen wird ausgeführt. Allerdings nicht in der heute üblichen Feinheit (z.B. Mehl-Type 405).

Da aber in der damaligen Zeit in jedem Haushalt und Bauernhof ein rundes Haarsieb vorhanden ist, besteht die Möglichkeit, das Weizenmehl durch Aussieben der Körnerschalen (Kleie) zu verfeinern. Die Kleie ist ein vorzügliches Viehfutter und als Beimischung zu Wurst und Panhas bei der Hausschlachtung bestens verwendbar.

Der Verzehr dieser Stoffe ist viel gesünder als unsere heutige Lebensweise, mit dem hohen Anteil an Weizenmehl und Gebäckwaren. Für teures Geld kauft man Kleie in Reformhäusern, um durch nachträgliche Beimischung die Nahrungswerte zu verbessern.

Bei guten Windverhältnissen können 8 bis 10 Zentner (400 - 500 kg) Getreide stündlich gemahlen werden. Als Mahllohn werden 8 Pfund Getreide von 100 Pfund Anlieferung einbehalten. Der Müller hat nun die Möglichkeit, über Viehmast und -verkauf wieder Bargeld zu erzielen. 8 Pfund Roggen oder Weizen entsprechen im Jahre 1938 etwas 1,70 RM bei einem Doppelzentner-Preis von 42 Reichsmark (RM).

Landwirte lassen größere Mengen schroten, die beim Dorfbäcker deponiert werden. Beim Einkauf der Schwarzbrote rechnet man das Gewicht von der gelieferten Schrotmenge ab, bis der Vorrat verzehrt ist.

Nach dem 1.Weltkrieg um 1920 wird neben der Mühle ein Benzinmotor aufgestellt, der über einen Treibriemen bei Windstille das Mahlwerk in Gang setzt. Der Motor ist nach dem damaligen Stand der Technik so groß, daß ein besonderer Schuppen hierfür errichtet wird.

Es gibt viel zu tun, müssen doch die Getreidesäcke in Beckrath, Herrath, Buchholz und Wickrathhahn mit einem vierrädrigen Planwagen geholt und am Wochenende das Mahlgut zurückgebracht werden. Die Landwirte liefern größere Getreidemengen mit eigenem Fuhrwerk an. Schwierig wird es, wenn längere Windstille den Mahlbetrieb unmöglich macht. Oberstes Gebot ist also die Ausnutzung der Windkraft, deshalb wird auch - wenn die Situation es erfordert - nachts und sonntags gemahlen.

Daten zur Mühle:
Der Durchmesser am Fuß betrug etwa 7 m und oben 5 m.
Die Gesamthöhe der Mühle mit Drehhaube betrug 10 m.
Das Ziegelmauerwerk war unten 80 cm stark und verjüngte sich zur Mauerkrone auf 50 cm.

Die Holzflügel, mit aufrollbaren Leinenplanen bespannt, konnten mit der Drehhaube entsprechend der Windrichtung ausgerichtet werden. Mittels einer Stützvorrichtung wurde die Drehhaube bewegt und über Ketten und Zugvorrichtung an eingerammten Holzpfählen festgelegt.

Eine schmale Holztreppe führte innen wendelförmig bis zur Mühlenkrone. Die Deckenbalken bestanden aus 20 x 40 cm starkem Eichenholz, da neben der Last aus Getreide und Mehlsäcken auch das Mahlwerk mit den schweren Mühlsteinen (40 cm dick und 140 cm Durchmesser) gehalten wurde.

Die Getreidesäcke gelangen mit einem Kettenzug in die obere Mühlenplattform, wo über ein Schüttelrost das Getreide gesiebt in das Mahlwerk läuft. Die Doppelklappe im Boden fällt nach dem Durchgang des 100 kg schweren Sackes wieder zu, ein guter Unfallschutz!

Im Jahre 1935 wird das Ende der Windmüllerei durch ein Gewitter eingeleitet. Der Blitzschlag beschädigt zwei Mühlenflügel so stark, daß ein Mahlen mit Wind nicht mehr möglich ist.

Nun läßt Familie Coenen für den Antrieb einen Elektro-Motor von 20 PS in der Mühle aufstellen. Die Montage erfolgt durch den Installateur und Klempner Wilhelm Kuhlen aus Beckrath.

Trotz dieser Modernisierung bleibt die Müllerei eine schwere Arbeit, da noch vieles von Menschenhand zu erledigen ist. Man kann sich kaum vorstellen, wieviel tausende Zentner Getreide im Laufe der Jahrzehnte durch das Mahlwerk gelaufen sind.

Das endgültige Ende der Beckrather Mühle ist wieder ein Gewaltakt! Am 27. Februar 1945, im letzten Kriegsjahr, wird der massive Mühlenturm durch amerikanische Artillerie und Panzergranaten so zerschossen, daß nur noch eine Ruine übrigbleibt.

Am Vortag sind deutsche Soldaten, die hier eine Beobachtungs- und Funkstation errichtet hatten, bereits abgerückt. Die Beschießung ist also völlig sinnlos, wie so vieles im Krieg!

Die Familie Coenen muß abermals einen großen wirtschaftlichen Verlust tragen.

Nach Kriegsende wurde der Motor und der Rest des Mahlwerks aus den Trümmern geborgen und im Sommer ein provisorischer Mahlbetrieb mit einem Mahlgang auf dem Hof eingerichtet.

Wilhelm Coenen, der Vater von Heinrich Coenen, stirbt im Jahr 1948 mit 72 Jahren, wenige Wochen bevor auf dem Hofgelände ein Neubau für die Mühlen-Anlage errichtet wird.

1960 werden die Trümmer abgeräumt, damit die Feldbestellung ungehindert erfolgen kann.

Das Wohnhaus 1995, davor ein alter Mühlstein (etwa 80 Jahre alt), der nach 10jähriger Betriebszeit vom Steinmetz nachgearbeitet wird, bevor er weiter seinen Dienst erfüllt.

Der mächtige Mühlstein erinnert an das alte Gewerbe, wenn auch die Mühle nicht mehr vorhanden ist.

Heinrich Coenen betreibt zusätzlich noch eine Saatreinigung.

Anbau nach 1945, in dem der Mühlenbetrieb bis zum Jahre 1973 weiterläuft. Zunächst entwickelt sich der Absatz infolge des allgemeinen Wirtschaftsaufschwungs zufriedenstellend. Aber im Zuge der fortschreitenden Landtechnik stellen immer mehr Landwirte eine eigene Mühle auf. Der Absatz an die Bäckereien wird ständig geringer, die Mehlqualitäten und Vielfalt der Brotsorten können von einer Landmühle nicht mehr erbracht werden.

Der letzte Müller, Heinrich Coenen, stellt nach 75jährigem Familienbetrieb die Müllerei ein. Eine Rendite ist nicht mehr zu erzielen. Die Landwirtschaft wird noch nebenberuflich weitergeführt.

Heinrich Coenen arbeitet noch 10 Jahre in einem Rheydter Maschinenbau-Unternehmen und lebt heute im wohlverdienten Ruhestand. Gerne plaudert er noch mit allen Spaziergängern über die vergangenen Zeiten. Ein ausgestorbener Berufszweig, jedoch ein unvergessenes Kapitel dörflichen Lebens!

Über dem Hauseingang trägt der Türbalken die Inschrift: H.O.M.S.

Der letzte Müller von Beckrath

Niersbote-Nr. 22-1998 von Willi Gilles

Die Beckrather Mühle, längst geschleift, ist nach wie vor in den Köpfen und Herzen der Menschen gegenwärtig. Das war wohl auch ein Grund dafür, daß Hans Roelen der just von ihm geschriebenen "Beckrather Chronik" dieses Gebäude als Titelbild gab.
Jetzt rückt der letzte Müller von Beckrath, Heinrich Coenen, allgemein "Müehle Hein" genannt, in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Am 5. Juni 1998 wurde er 80 Lenze.

Am 5. Juni 1918 wurde Heinrich Coenen in der ehemaligen Beckrather Mühle geboren. Seine Eltern waren aus Tüddern nach Beckrath gezogen. Wilhelm und Brigitte Coenen lebten in einer Großfamiliengemeinschaft und fühlten sich in ihrem Domizil wohl. Sohn Heinrich, der Altersjubilar, mußte schon als Schuljunge in der Mühle helfen. Das machte ihm Freude und beeinflußte Arbeit und Leistung als Schüler von Lehrer Purrio und später von Konrektor Anton Beeker in keiner Weise negativ. Im Gegenteil, neben Wissen lernte er in der Schule eine gewisse Anstelligkeit.

So weiß er heute noch, wie man mit wenigen Keilen und Schlägen einen riesigen Baum fällt, Wege in Gärten und Anlagen dauerhaft anlegt und manches mehr.

Nach dem Tode seines Vaters übernahm er, wie hätte es anders sein können, die nach Kriegszerstörung neu aufgebaute Mühle, die natürlich. kräftesparend elektrisch betrieben wurde. Mit Pferd und Wagen, später mit dem Traktor, fuhr Heinrich Coenen das Mehl zu den Auftraggebern. Überall wurde ein kleiner Klatsch gehalten. So war der Altersjubilar stets über alle Interna in seinem Arbeitsbereich informiert.

Seine längst verstorbene Ehefrau, Gertrud Deußen, stammte aus Oberbruch. In den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges kam sie auf der Flucht vor den einziehenden Amerikanern mit Pferden, Kühen, Wagen und mit aller Habe an der Beckrather Mühle an. Ihre Eltern baten um Quartier. Es wurde gewährt. Die Familie von Gertrud Deußen ging wenige Monate später heim. Gertrud blieb, lernte den Müller schätzen und lieben, gründete mit ihm eine Familie, in der bald Hubertine, Wilfried und Brigitte als Kinder herumsprangen und versorgt werden wollten.

Vor allem Tochter Brigitte, heute Vorsitzende des TV Beckrath, weithin bekannt mit Wohnsitz im Mühlenanbau, half ihrem Vater, der auch noch eine Landwirtschaft betrieb, gerne bei der Arbeit. Aber die Umstrukturierung des Marktes hatte in den 60-er Jahren zur Folge, daß der längst zum Meister avancierte Heinrich Coenen seine Familie aus, der Arbeit als Müller kaum noch standesgemäß "ernähren" konnte. Schweren Herzens gab der Altersjubilar die Mühle auf und arbeitete fortan im Hauptberuf bei der Firma Trütschler bis zum 65. Lebensjahr. Das Reinigen des Saatgutes, das ihm die Landwirte brachten, behielt er bei. War Großarbeitsanfall auf diesem Gebiete, nahm er dafür bei Trütschler Urlaub.

1982 verstarb Ehefrau Gertrud. Es wurde still auf dem ehemaligen Mühlengrund, zumal alle Kinder auswärts Familien gegründet oder eine Wohnung bezogen hatten.

Kleine Landwirtschaft, Garten und Gebäude blieben dem Altersjubilar, der wegen seine Jahre nicht mehr in einem Gesangverein seine Stimme erklingen ließ.

War es Schicksal oder Zufall, daß er eines Tages so ganz nebenbei, später aber voll gezielt beobachtete, daß die in Buchholz wohnende Christine Kremer als Spaziergängerin mit Hund regelmäßig an seinem Anwesen vorbei kam und offensichtlich die herrliche Wickenhecke am Grundstück bewunderte.

Eines Tages schritt der Ex-Müller zur Tat. Er schenkte der freundlichen Frau einen Strauß schönster Wicken. Die Folge, aus Bekanntschaft wurde Freundschaft und eine Lebensgemeinschaft bis auf den heutigen Tag.

Zum Duo gehört übrigens der mehr als 90 Menschenjahre alte Mischling Timo, der sogar beim Fernsehen Familienanschluß hat.

War Heinrich Coenen über 65 Jahre seines Lebens kaum einmal aus dem Bereich Wickrath – Erkelenz herausgekommen, so faßte er eines Tages den Entschluß, mit seiner Lebensgefährtin nach Mallorca zu fliegen. Bei seiner Rückkehr meinte er zu seiner ihn am Flughafen abholenden Tochter Brigitte, die mit Ehemann Dr. Gunnar Schwieger einen Teil des Anwesens Beckrather Mühle 89 bewohnt: "Dat woer wunderbar, ech meut am levste wier enstiege on terrückfleje ..." [Das war wunderbar, ich möchte am liebsten wieder einsteigen und zurückfliegen...] Nun, das Duo verreiste noch oft. Gesundheitliche Probleme haben der Reiselust zur Zeit allerdings Grenzen gesetzt.

Heinrich Coenen reflektiert gerne sein Leben und Müller würde er immer wieder werden. So bedeutet es ihm eine Freude, in Fest-Umzügen auf einem mit einer Mühle bestückten Wagen - oft an der Seite der Ur-Beckratherin Anni Palluch (80) - als Müller in Erscheinung zu treten.

Heinrich Coenen, der übrigens einige Pfündchen abgespeckt hat, hofft sehr, daß ihn viele Gratulanten am 5. Juni in seinem Domizil besuchen und ihm helfen, alte Zeiten wieder wach werden zu lassen.
Letzte Aktualisierung ( Freitag, 12. Mai 2017 )