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Chronik 2 Bezirksverband

Bezirksverband der
Historischen Deutschen Schützenbruderschaften
Mönchengladbach, Rheydt, Korschenbroich

Chronik Teil 2

Wissenswertes über den Bezirksverband (1972)
DAS GLADBACHER SCHÜTZENFEST 1853

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Wissenswertes über den Bezirksverband
Mönchengladbach, Rheydt, Viersen und Umgebung


Aus dem Festheft zum XX. Bundeskönigsschießen 23. – 25. September 1972

Dem hiesigen Bezirksverband sind 31 Schützenbruderschaften in den Städten Mönchengladbach und Rheydt sowie in den benachbarten Gemeinden Kleinenbroich, Korschenbroich, Liedberg, Pesch und Wickrath, die zum Kreis Grevenbroich gehören, angeschlossen. Zwei Schützenbruderschaften sind beim Bund als ruhend gemeldet, die St. Laurentius-Schützenbruderschaft in Odenkirchen ist zur Zeit mit der Wiederbegründung beschäftigt.

Im einzelnen gibt es in Mönchengladbach 20 Schützenbruderschaften, in Rheydt und Korschenbroich je 4, in Kleinenbroich, Liedberg und Wickrath je eine. Die stärksten Mitgliederzahlen weisen die Bruderschaften in Korschenbroich, Kleinenbroich, Neuwerk, Bettrath und Venn auf. Sieht man jedoch die Anzahl der Bruderschaftier in Relation zur Einwohnerzahl, so schneidet die Bruderschaft in Wickrathhahn am günstigsten ab.

Auch heute noch erfreuen sich die Bruderschaften im heimischen Raum eines hohen Ansehens und großen Wohlwollens bei der Bevölkerung; dies gilt vorzugsweise für die Bruderschafen in den ländlichen Gemeinden. Aber auch für die städtischen Bruderschaften trifft dies in hohem Maße zu.

Doch auch im öffentlichen Leben kommt den Bruderschaften eine gewisse Wertschätzung zu. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, daß in jüngster Vergangenheit mehrere Ratsherren und Verwaltungsbeamte sich in ihren Bruderschaften mit Erfolg um die Königswürde bewarben. Von Interesse dürfte auch die Tatsache sein, daß der Protektor des diesjährigen Bundeskönigs- und Bundesprinzenschießens, Herr Oberbürgermeister Wilhelm Wachtendonk, Träger des St. Sebastianus-Ehrenkreuzes ist.
Herr Oberbürgermeister Fritz Rahmen (Rheydt) ist Inhaber der Großen Dr. Peter-Louis-Medaille. Der Landrat des Kreises Grevenbroich,
Herr Matthias Hoeren, ist gleichzeitig Präsident der Korschenbroicher St. Sebastianus-Bruderschaft und Träger des St. Sebastianus-Ehrenkreuzes.

Der hiesige Bezirksverband wurde bereits 1925, also vor der Gründung der Erzbruderschaft vom hl. Sebastianus (dem heutigen Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften) gegründet. Wertvolle Unterlagen über diese Zeit und die nachfolgenden Jahre sind in den Wirren des 2. Weltkrieges verloren gegangen. Im Jahre 1949 bereits erfolgte die Wiederbegründung, und zum Bundesmeister wurde Josef Bell gewählt, der selbst nur kurze Zeit im Amt blieb und dem in kurzen Abständen Karl Zaum und Paul Lennartz als Bundesmeister folgten.

Wir Schützenbrüder verdanken Willi Müller viel. Von 1959 bis 1964 war er auch Diözesanbundesmeister. Für seine verdienstvolle Tätigkeit für uns und unsere Sache wurde er zum Ehren-Diözesanbundesmeister, zum Ehren-Bezirksbundesmeister und zum Ehren-Präsidenten seiner Westender Bruderschaft ernannt. Ihm wurde das St. Sebastianus-Ehrenkreuz mit Schulterband und Stern verliehen.

Seit 1951 versieht Pastor Wilhelm Ruland sein Amt als Bezirkspräses. Den größten Teil seiner Freizeit widmet er seinen geliebten Schützen. Daß diese Arbeit nicht ohne Erfolg geblieben ist, sieht man alljährlich bei der Eröffnung des Winterprogramms mit einem Tag der Einkehr und Besinnung, am Winterprogramm selbst und bei dem Ausspracheabend zwischen Bruderrat, Präsides und Präsidenten.

Aus Anlaß des 25jährigen Bestehens des Zentralverbandes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften fand im März 1953 in Mönchengladbach eine Großkundgebung statt. Über die "Abendländische Verpflichtung des katholischen Deutschen Schützenbruders" referierte der damalige Hochmeister Seine Durchlaucht Franz Fürst zu Salm-Reifferscheidt-Dyck. Der damalige Generalpräses Dr. Peter Louis sprach "Über den Geist der Historischen Deutschen Schützenbruderschaft".

Da 1953 erstmalig ein Bundeskönigsschießen (in Köln) stattfand, veranstaltete der Bezirksverband aus diesem Anlaß zum erstenmal ein Bezirkskönigsschießen, das die Holter Bruderschaft ausrichtete und das großen Anklang bei Teilnehmern und Besuchern fand. Erster Bezirkskönig wurde Hilarius Dreimüller aus Dahl.

Im folgenden Jahr stiftete der damalige Mönchengladbacher Oberbürgermeister und Ehren-Bundesmeister Dr. jur. Wilhelm Finger das wertvolle Bezirks-Königssilber. Während eines Festgottesdienstes in der Münsterkirche wurde dieses feierlich durch Propst Kauff gesegnet. Erster Träger dieses Königssilbers war übrigens der Rheydter Ratsherr Lorenz Görtz.

1955 wurde aus Anlaß des Bezirkskönigsschießens in Rheydt erstmalig die neue Bezirksstandarte getragen. Sie ist eine Stiftung der Stadt Rheydt und wurde durch den damaligen Oberbürgermeister Scheulen dem Bezirksverband übergeben. An dieser Übergabe nahm auch der Hochmeister Seine Durchlaucht Franz Fürst zu Salm-Reifferscheidt-Dyck teil.

1956 fand im Oktober das 4. Bundeskönigsschießen in Mönchengladbach statt. Schirmherr war der damalige Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer. Der Zufall wollte es, daß auch ein Rhöndorfer Schützenbruder, Hans Hostert, Bundeskönig wurde. Aus Anlaß des Bundeskönigsschießens wurde in der Bungt ein neuer Scheibenstand errichtet, der in diesem Jahr aus dem gleichen Grund vollkommen renoviert wurde.

Wer erinnert sich nicht noch des Autokorsos, der nach dem Schießen sich von der Bungt durch die Stadt zum Rathaus bewegte, wo die feierliche Proklamation des neuen Bundeskönigs stattfand!

Das Pontifikalamt am Fuße des Münsters zelebrierte der Aachener Weihbischof Dr. Friedrich Hünermann. Die Festpredigt hielt für den erkrankten Generalpräses Propst Kauft über das Thema: Wir leben vom Worte, das aus dem Munde Gottes kommt.

Beim Festakt hielt Innenminister a.D. Dr. Franz Meyers die Festrede. Während des Umzuges und der Parade vor dem Landgericht auf der Hohenzollernstraße hatte es leider geregnet.

1960 fand am Christi-Himmelfahrtstag in Mönchengladbach der 5. Königinnentag statt. Die Königin ist mehr als die Gattin eines Schützenkönigs, mehr als schmückendes Beiwerk zu Kirmes und Prunk. An der großen Festveranstaltung in der Kaiser-Friedrich-Halle, die von Künstlern der Vereinigten Städtischen Bühnen Krefeld und Mönchengladbach gestaltet wurde, nahmen auch der damalige Hochmeister Christoph Bernhard Graf von Galen und der damalige Generalpräses Pfarrer Lambertz teil. Als das Fernsehen zu Aufnahmen erschien, wurde sogar eine Polonaise durch den Bunten Garten durchgeführt.

1962 beim Bezirkskönigsschießen in Korschenbroich wurde in Anwesenheit des damaligen Bundeskönigspaares Vondenhoff die neue Majestät erstmalig nicht mehr durch Scheibenschießen sondern durch traditionelles Vogelschießen ermittelt.

1964 wurde Karl Gaida aus Korschenbroich-Pesch Diözesankönig, 1970 Hans Gert Löwenforst aus Lürrip.

Die Würde eines Diözesanprinzen errangen:
1966 Alfred Peltzer aus Lürrip,
1967 Manfred Arnolds aus Eicken,
1969 Helmut Haves aus Broich-Peel.

1964 wurde Theo Wirtz aus Lürrip in Euskirchen mit 285 Ringen Verbandsmeister der Schützenklasse im Luftgewehrschießen.

1965 errang derselbe Schütze die gleiche Meisterschaft in Köln-Deutz mit 282 Ringen. Seine Bruderschaft, die St. Petrus- und Paulus-Pfarrbruderschaft, wurde mit 1107 Ringen Verbandsmeister der Schützenklasse im Luftgewehrschießen.

Heute schießen 5 Mannschaften in der Diözesanklasse bzw. Diözesanbereichsklasse, und zwar die ersten Mannschaften von Broich-Peel (Diözesanklasse), Wickrathhahn, Venn, Lürrip und Kleinenbroich.

1971 nahmen die Bruderschaften des Bezirksverbandes erstmalig an einem Rheinischen Schützenabend innerhalb der Rheydter Blumenwoche teil. Nach langer Zeit zog zum erstenmal wieder ein Schützenkönig durch die Innenstadt von Rheydt. Die Festhalle war viel zu klein, um alle Eintrittswilligen aufnehmen zu können.

1972 stifteten Oberbürgermeister Wilhelm Wachtendonk (Mönchengladbach), Oberbürgermeister Fritz Rahmen (Rheydt) und Landrat Matthias Hoeren (Grevenbroich) eine kostbare Bezirksprinzenkette.

Willi Heise (Bezirks-Schießmeister) – | – Dr. Josef Merten (Bezirks-Bundesmeister)

Bruderrat des Bezirksverbandes


Mönchengladbach, Rheydt und Umgebung 1972

Pfarrer Wilhelm Ruland = Bezirkspräses
Pfarrer Aloys Keuchel = stellv. Bezirkspräses
Willi Müller = Ehrenbundesmeister
Dr. Josef Merten = Bezirksbundesmeister
Willi Heise = stellv. Bezirksbundesmeister und Bezirksschießmeister
Hermann Josef Kronen = Kassierer
Paul Frehn = stellv. Kassierer
Hans Böhmer = Diözesan- und Bezirksjungschützenmeister
Karl Bongartz = Beisitzer
Theo Borgs = Beisitzer
Peter Josef Heinrichs = Beisitzer
Peter Nilgen = Beisitzer
Andreas Scheulen = Beisitzer
Hermann Weuthen = Beisitzer
Bezirkskönig 1972
Helmut Königs = Bezirkskönig 1971
Willi Bolten = Bezirkskönig 1970
Hans Willi Jaspers = Bezirkskönig 1969

Ehrenliste der Bezirkskönige


1953 Hilarius Dreimüller (Dahl)
1954 Lorenz Goertz (Giesenkirchen)
1955 Theo Esser (Korschenbroich)
1956 Josef Stevens (Wickrathhahn)
1957 Toni Ropertz (Eicken)
1958 Addi Hecker (Hardterbroich)
1959 Willy Weißweiler (Venn)
1960 Heinz Pauen (Korschenbroich)
1961 Peter Vieten (Geistenbeck)
1962 Willy Lennartz (Geistenbeck)
1963 Theo Schiefers (Windberg)
1964 Willy Schmitz (Schelsen)
1965 Peter Nilgen (Lürrip)
1966 Hermann Wickopp (Dahl)
1967 Hermann-Josef Kronen (Korschenbroich)
1968 Helmut Herkenrath (Eicken)
1969 Willy Jaspers (Hardt)
1970 Willi Bolten (Venn)
1971 Helmut Königs (Waldhausen)
1972 Peter Bodewig (Geistenbeck)

DAS GLADBACHER SCHÜTZENFEST 1853


Schon in den Tagen vor dem Fest waren mit emsigem Fleiß die Vorbereitungen getroffen worden. Man hatte auf dem Bökel einen Festplatz planiert. Links, in der Richtung zum heutigen Dorinthotel, war der umzäunte Scheibenstand aufgebaut, in der Mitte ein großes Hauptzelt, dazu Nebenzelte, Schau- und Marktbuden, Eß- und Trinkhallen, Karussells, und sogar ein Zirkus mit Namen Cortie kam zum Fest.

Schützenfest 1836
Schützenfest 1836
Aber auch in der Stadt wurde fleißig geschmückt. Auf dem Markt gegenüber der Wirtschaft Noever wurde von Schreinermeister Jansen ein hoher Thron gebaut. Daneben wurden Masten mit Girlanden, Fahnen und Bändern aufgestellt. Als Besonderheit standen vom Markt bis zum Festplatz am Bökel Triumphbögen und Birkenbäumchen, sogar an den vielen Stellen, wo noch keine Häuser standen. Bei Noever auf dem Markt war der alte Saal abgebrannt. Nun wurde Tag und Nacht an der Errichtung eines neuen Saales gearbeitet.

Als am Samstag abend das Fest eröffnet wurde, zeigten Böllerschüsse das an, und mit klingendem Spiel zog eine Militärkapelle durch die Stadt. Wie bei den Schützenfesten üblich, war am Sonntag morgen frühzeitiges Wecken durch die Hornisten und durch Böllerschüsse, denn jetzt galt es, die zahlreichen Gäste und Schützen aus Viersen, Dülken, Süchteln, Aachen, Erkelenz, Rheydt, Dahlen usw. in Empfang zu nehmen. Um zehn Uhr zog der ganze Zug Angekommener und Einheimischer unter Anführung der Musik zum Bökel, wo Preisschießen und Tanz stattfanden.

Schützenfest 1853
Schützenfest 1853
Montags war das Hauptfest mit Volksbelustigungen aller Art. Ganz Gladbach war auf den Beinen, der Festplatz wurde zu klein, und die beiden Polizisten Siry und Schott waren kaum in der Lage, Ordnung zu halten.

Nachdem der schon zuvor erwähnte Otto Roeder den Vogel abgeschossen hatte, wählte er Fräulein Quack zu seiner Königin. Jetzt zogen alle Schützen von Musik begleitet wieder zum Markt. König und Königin folgten in einer Equipage. An der Spitze des Zuges machte ein Zeremonienmeister seine Späße und Sprünge. Es war der Wirt Antweiler von der Wirtschaft "Zur Linde" an der Waldhausener Straße. Er war bunt gekleidet mit Kniehose und Strümpfen in Weiß, Frack und Weste in Rot und schwarzem Dreieckhut. Wie schon erwähnt, fuhren in offener Equipage der König und die Königin, gefolgt von Wagen mit Hofdamen. Auf dem Markt bestiegen die Majestäten unter Hochrufen den Thron; es ertönte die Nationalhymne; dann schritt der König mit den Herren Landrat Rumschöttel und Bürgermeister Rottländer die Front der angetretenen Schützen ab. Nach der Zeremonie bewegte sich der ganze Zug zurück zum Bökel. Es war ein schöner, heißer Tag. Auf dem Festplatz dort begann der Tanz in den Zelten. Es ging fröhlich, heiter und ungezwungen zu.

Hier gab es jetzt auch Volksbelustigungen aller Art, wie Sacklaufen, Eselreiten, Balancieren über einen glatten, runden Balken, neben dem rechts und links Mulden mit Mehl und Ruß waren. Wer fiel, wurde schwarz oder weiß, wem aber der Lauf über den Balken gelang, gewann fünf Silbergroschen. Es war ein hoher Holzmast errichtet worden mit einem Kranz an der Spitze, an dem als Preise Taschenmesser, Pfeifen, Taschentücher und sogar eine Uhr hingen. Zur Hälfte war der Mast mit Schmierseife bestrichen. Die Schlauen machten sich alle Taschen voll Sand und versuchten so den Aufstieg. Jeder durfte nur einen Preis nehmen.

Zwanzig Orgelspieler und auch Bänkelsänger waren da, also eine richtige Kirmes. Abends um neun Uhr fing der Königsball an mit Polonaise, dazu Feuerwerk, Böller und Blechmusik. Im Hauptzelt wurde nur Wein ausgeschenkt, an diesem Abend allein 1200 Liter. Es war ein gelungenes Fest; in Gladbach und Umgebung blieb es noch lange in Erinnerung.

Quelle: "Damals – im alten Gladbach".
Schriftenreihe des Heimat- und Geschichtsvereins Mönchengladbach e.V.
Letzte Aktualisierung ( Freitag, 12. Mai 2017 )