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Wickrather Schützengesellschaft - Chronik
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Themen auf dieser Seite:

Chronik der Bruderschaft/Schützengesellschaft von Kurt Jacobi †
Chronik der Wickrather Bruderschaften - Hausarbeit von Uta Kirsten Remmers (MA)
Chronik der Wickrather Schützengesellschaft St. Antonius - von Dr. Britta Spies
KIRMES UND BRUDERSCHAFTEN IN WICKRATH


* * * Chronik * * *

Die Schützenbruderschaft und Schützengesellschaft in Wickrath

von Kurt Jacobi, Wickrath 1988

Die Wickrather Schützengesellschaft von 1967 hat in diesem Jahr, dem Jahr der 500- Jahrfeier, ein prunkvolles Schützenfest gefeiert. Stolz zeigte da der Wickrather Schützenkönig Hans Krappen das Schützensilber, das vor dem 2. Weltkrieg von der St. Antonius – Bruderschaft getragen wurde.

Die älteste „Schützengesellschaft“ Deutschlands war die St. Johannis Schützengilde in Oldenburg, die wahrscheinlich schon im Jahre 1192 gestiftet wurde. Die Schützenfeste stammen aus Schlesien. Im Jahre 1286 wurde in Schweidnitz von dem schlesischen Herzog Bolelaus ein Volksfest für die Bürger geschaffen. Er ließ eine Stange mit einem hölzernen Vogel errichten und setzte für den besten Treffer auf Kopf, Flügel und Schwanz Preise aus und wer den Vogel von der Stange schoß, erhielt den ersten Preis.

In Wickrath wird die erste Bruderschaft 1418 erwähnt. Die Urkunden unterscheiden zwei Bruderschaften, die „Unserer lieben Frau“ und die Bruderschaft zu Ehren der Heiligen Antonius, Fabianus und Sebastianus. Um 1460 wurden die Bruderschaften vereint.

Die Bruderschaft stand in enger Verbindung zur Kirche, deren Fürsorge sie genoß und deren Feste sie verschönten.

Die Mitglieder der Bruderschaft verpflichteten sich auch, ihrem Landesherren Beistand zu leisten in der Verteidigung gegen Raubritter und herumstreifende Söldner. Aber auch zu den Zeiten der ansteckenden Krankheiten, namentlich der Pest, leisteten sie vortreffliche Dienste. Sie sorgten für die Wegschaffung der Toten und bewachten die ausgestorbenen Häuser. (1636 herrschte in Wickrath die Pest).

Damit die Schützen im Waffengebrauch kundig blieben, fanden sie sich zu dem „Freischießen“ zusammen. Die Schießbahn „binnen der Freiheit Wickrath“ wird bereits 1552 erwähnt. Sie befand sich auf der Poststraße an der Stelle, an der die Firma Rees ihren Textilbetrieb hat.

Aus dem 17. und 18. Jahrhundert ist wenig bekannt über die Tätigkeit der Bruderschaft. Jedenfalls war mit der französischen Revolution und dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen 1794 jegliche Betätigung der religiösen Bruderschaften verboten.

Unter den Preußen wurde 1814 nach den Befreiungskriegen eine Bürgermiliz eingerichtet, sie sollte die öffentliche Ordnung sicherstellen. Durch die Durchzüge fremder Truppen trieben sich zahlreiche Deserteure und lichtscheues Gesindel herum.

Zunächst wurde 1848 eine Bürgerwehr eingerichtet, doch am 28. April 1848 beschloß der Gemeinderat der Bürgermeisterei Wickrath die Einrichtung der Bürgergarde für die Ortschaften der Bürgermeisterei Wickrath. Die Bewaffnung waren 60 Lanzen, die durch freiwillige Beiträge angeschafft wurden. Da war kein Raum mehr für Bruderschaft. Jedenfalls ist nichts bekannt über die Tätigkeit der Bruderschaft.

In Wickrath ist die St. Antonius-Bruderschaft erst 1925 wieder aktiv geworden. Im 1.Weltkrieg und in der anschließenden Besatzungszeit waren Schützenzüge nicht genehmigt worden.

In der Zeit vor dem 1.Weltkrieg, also nach 1900 war wohl eine Bruderschaft in Wickrath, aber Aufzeichnungen und Fotos darüber sind unbekannt. Vielleicht gibt es noch welche! Für die Chronik der Schützen wären diese doch sehr interessant.

Nach dem 2.Weltkrieg bestand zunächst keine Neigung die Bruderschaft aufleben zu lassen. Die Kirche war zerstört, die Ortsmitte von Wickrath mußte wieder aufgebaut werden. Auch der katholische Geistliche Oberpfarrer Biermann stand einer Neugründung der Bruderschaft sehr skeptisch gegenüber.

Es war der Verdienst von Hans Maaßen (*21.12.1930 - †10.4.2011), der 1967 die Gründung der Wickrather Schützengesellschaft betrieb. Am 10. März 1967 lud Hans Maaßen alle interessierten Bürger zur Gründungsversammlung in die Gaststätte Walter Severins ein. Bei der ersten Vollversammlung am 9.Juni 1967 betrug die Zahl der Mitglieder bereits 170 Bürger aus Wickrath. Der erste Schützenkönig war 1968 Anton Küppers. Von Jahr zu Jahr kamen immer mehr Schützengruppen hinzu. Heute ist die Wickrather Schützengesellschaft eine aktive Gemeinschaft von vielen Gruppen, die beim Schützenfest 1988, welches zusammen mit der 500-Jahrfeier des Stadtbezirks Wickrath fiel, gezeigt haben, welch glänzende Paraden sie feiern können.

Zurückblickend auf eine lange Tradition des Ortes Wickrath wurde dieser Bericht von dem Heimatfreund Kurt Jacobi 1988 geschrieben. In die Zukunft schauend für eine erfolgreiche Tätigkeit in der Wickrather Schützengesellschaft, die sich für die Wahrung der Tradition und für die Liebe zur Heimat einsetzen wird.

Im Jahre 2006 wurde die Schützengesellschaft Mitglied im

Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften

und somit auch im

Bezirksverband Mönchengladbach – Rheydt – Korschenbroich


Teil der Hausarbeit von Uta Kirsten Remmers (MA)

St. Sebastianus-Bruderschaft Wickrath (1418 erwähnt)

"In Wickrath ist ab 1418 eine Bruderschaft des hl. Märtyrers Sebastian belegt. Sie verdankt sehr wahrscheinlich ihre Entstehung wie andere Sebastianus-Bruderschaften im Rheinland, dem religiösen Aufbruch (...) bei den Pestepidemien.(...)

Im Jahr 1452 erscheint diese Bruderschaft mit einer oder zwei anderen vereinigt oder um die Verehrung zweier Heiliger erweitert. In einer Urkunde dieses Jahres wird zum ersten Mal die Bruderschaft der hl. Antonius, Sebastianus und Fabianus erwähnt.

Im Jahr 1462 wurden alle Wickrather Bruderschaften in einer vereinigt, die sowohl Männern wie Frauen zugänglich war. [145]

Ein möglicher Zusammenhang mit dem Raubritterwesen sollte wegen des zeitlichen Rahmens auch hier ins Auge gefaßt werden.

Ob es sich bei dieser um eine Gebetsbruderschaft handelte oder ob auch der Vogelschuß gepflegt wurde, ist nicht mehr feststellbar. Auch die Namensgebung gibt darüber keinen Aufschluß.

Über die Entwicklung sowie das Ende dieser Bruderschaft ist nichts bekannt. Der Vollständigkeit halber wurde sie in die Betrachtung mit aufgenommen, denn es kann nicht ausgeschlossen werden, daß sie zeitweise die typischen Merkmale einer Schützenbruderschaft erfüllt hat.
[145] Löhr, W. , 1994, S.452.

Bruderschaft Unserer Lieben Frau Wickrath (1453 erwähnt)

"Im Jahr 1453 findet die Bruderschaft Unserer Lieben Frau den ersten uns erhaltenen schriftlichen Niederschlag." [195]

Auch bei dieser soll es sich um eine Bruderschaft gehandelt haben, die in Zeiten der Pest entstanden ist. [196] Das würde bedeuten, daß die Bruderschaft wesentlich älter gewesen wäre, als diese Ersterwähnung angibt. Die letzte zurückliegende Pestwelle war in Gladbach im Jahr 1349 gewesen. Möglich ist aber auch ein direkter Zusammenhang mit dem Raubritterwesen in der Umgebung von Wickrath.

Der Name der Bruderschaft könnte bedeuten, daß es sich um eine Gebetsbruderschaft gehandelt hat, es ist aber mangels anderer Quellen nicht auszuschließen, daß die Bruderschaftler auch auf den Vogel geschossen haben. [197] Weitere Informationen über diese heute nicht mehr existierende Bruderschaft gibt es nicht.
[195] Löhr, W. 1994 S. 452
[196] Ebenda
[197] Vgl. dazu die Liebfrauenbruderschaft in Odenkirchen, die auch Schützenbruderschaft gewesen ist.

St. Antonius-Bruderschaft Wickrath (1924)

1924 gründete sich in Wickrath eine Schützenbruderschaft, die wie die Kirche in Wickrath unter dem Patrozinium des hl. Antonius des Einsiedlers stand. Ein Antonius-Patrozinium ist in Wickrath schon 1491 belegt. [233] Die Bruderschaft St. Antonius Wickrath hat sich offenbar während des Zweiten Weltkrieges aufgelöst.

Die "Wickrather Schützengesellschaft", die sich 1967 gründete, hat das Königssilber der St. Antonius-Bruderschaft übernommen und möchte die Tradition der kirchlichen Bruderschaft fortsetzen. [234]
Sie ist aber nicht Mitglied im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften.

[233] So: Mennen / Walter: Die mittelalterliche Burg Gripekoven und die Herrschaft Dahlen. Der gescheiterte Versuch, eine niederrheinische Herrschaft zu errichten. Teil 1. Die Wickrath-Hochstaden Are und das Kirchspiel Dahlen. ohne Ort, 1990. hier S.31.
[234] Angaben aus : 25 Jahre Wickrather Schützengesellschaft, 1992, S. 51

Quelle: Hausarbeit zur Erlangung des Akademischen Grades eines Magister Artium. (Bestanden mit der Note 2) von Uta Kirsten Remmers, Mönchengladbach im Juni 1996


Chronik der Wickrather Schützengesellschaft St. Antonius

Quelle: Schützen – Glanz und Gloria | Von Dr. Britta Spies – Herausgeber Horst Thoren
[© Veröffentlichung in andere Medien verboten ]

Obwohl schon für das 15. Jahrhundert mehrere Bruderschaften in Wickrath nachweisbar sind, ist unklar, ob und wie lange diese auch als Schützenbruderschaften in Erscheinung traten. Gesicherte Erkenntnisse liegen erst ab 1925 vor. In diesem Jahr schlossen sich die Männer in Wickrath zur St. Antonius Bruderschaft zusammen. Trotz der langen Vakanz sahen sich die Gründungsmitglieder in der Tradition der alten Bruderschaft. So ließ der erste König in sein Erinnerungsschild eingravieren: „Zur Erinnerung an die Wiederaufrichtung der St. Antonius Bruderschaft“. Sein Schild ist nicht das einzige aus dem Gründungsjahr.

Außer ihm sind noch eine gekrönte Medaille mit dem Schriftzug „St. Antonius Bruderschaft Wickrath“ sowie zwei weitere Schilde, einer „Gewidmet vom Bürger Kegelclub Wickrath“ und einer „Gewidmet vom Bahnhofs-Restaurateur Franz Lennartz Wickrath“, erhalten. Ein Kegelclub und ein Wirt unterstützen also die Aktivitäten der neugegründeten Bruderschaft – ein Zeichen für die Verankerung der neuen Bruderschaft in der Bevölkerung von Wickrath.

Diese Schilde sowie das Fehlen von religiösen Symbolen – nicht einmal ein Bild des Schützenpatrons findet sich – ist vielleicht ein Zeichen dafür, daß der gesellige Aspekt bei dieser Bruderschaft zunächst im Vordergrund stand. Aber hierin waren die Wickrather durchaus erfolgreich. In den folgenden Jahren fand regelmäßig eine Prunkfeier statt und so ist auch aus jedem Jahr bis 1936 ein Erinnerungsschild bzw. aus einem Jahr ein Silbervogel vorhanden. Nach 1936 stellte die Gemeinschaft wie die meisten anderen Schützenbruderschaften in dieser Zeit die Aktivitäten ein.

Nach Kriegsende fand sich zunächst niemand, der die Initiative zur Reaktivierung der Bruderschaft übernahm. Als jedoch 1967 Hans Maaßen schützenbegeisterte Bürger zur Neugründung aufrief, stieß er auf großes Interesse. Bereits im ersten Jahr zählte die Wickrather Schützengesellschaft, wie sich die Schützen nun nannten, 170 Mitglieder.

Anton Küppers - König 1968
Anton Küppers - König 1968
Trotz der veränderten Ausrichtung nutzte man weiterhin das Königssilber der alten Bruderschaft und 1968 trug Anton Küppers als erster König des neuen Vereins die Kette von 1925. In den Folgejahren wuchs die Kette durch die regelmäßig neu angebrachten Schilde sehr stark an und sie bedeckte bald fast vollständig den Oberkörper des jeweiligen Königs. Aber gerade bei so einer großen Kette, die nur schwer zu transportieren ist und bei der die verschiedenen Anhänger immer wieder aneinander schlagen, kann es leicht zu Beschädigungen der Platten kommen.

Da es mit der Zeit immer schwieriger wurde, die alte Silberkette in Ordnung zu halten und zu reparieren, entschlossen sich die Wickrather Schützen zur Anschaffung eines neuen Königssilbers. Mit der Anfertigung wurde der Goldschmied Norbert van Ooyen aus Kevelaer beauftragt.

Wie die meisten Schützenvereine und -bruderschaften in den letzten Jahren entschieden sich auch die Wickrather für eine Kette mit gravierbaren Gliedern und einer großen Zentralplatte. Aus Verbundenheit mit ihrer Heimat wählten sie als Motiv für diese Platte das alte Wappen von Wickrath. Zwei Anhänger wurden von der alten Kette übernommen und erinnern so die Gründungszeit: Zunächst eine sternförmige Plakette von 1925, die auf dem Rücken getragen wird und die Inschrift trägt: „St. Antonius Bruderschaft Wickrath“. Der zweite übernommen Anhänger ist der Vogel der alten Kette mit den ungewöhnlich prägnant ausgeformten Flügeln, der 1935 vom damaligen König Heinrich Thelen gestiftet wurde.

2006 war das neue Silber fertig. Dieses Jahr brachte aber noch eine weitere Veränderung. Denn die Schützengemeinschaft, die sich als Gesellschaft wiederbegründet hatte, trat dem Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften bei. Und das Ereignisse, bei dem der neue Status sichtbar wurde, war die feierliche Messe in der Kirche St. Antonius in Wickrath am 25. Juni 2006, während der das neue Silber gesegnet und der jungen Bruderschaft mit der langen Tradition übergeben wurde.
© beachten!

KIRMES UND BRUDERSCHAFTEN IN WICKRATH

Volksbelustigungen, glänzende Schützenfeste, Aufzüge und Paraden sind zur Tradition geworden. Das trifft sei frühester Zeit auch für Wickrath zu. Seit nahezu drei Jahrzehnten hat die Kirmes nur noch weltlichen Charakter. Die Frühkirmes findet seitdem eine Woche nach der Odenkirchener statt. Früher wurde sie „Prunk“ im Volksmunde genannt.

Von dem „Prunkhaften“ aus der guten alten Zeit ist nur noch die Jahrmarktsbelustigung übriggeblieben. Durch ihren heute ausschließlich weltlichen Charakter hat die Kirmes von ihrem Ursprung Wesentliches eingebüßt.
Die Frühkirmes
Die Frühkirmes gründet sich, auf ein religiöses Brauchtum und geht auf das Bruderschaftswesen zurück, wie überhaupt ihre Herkunft von der Kirchweih und der Kirchmesse abzuleiten ist. Der Jahrestag der Kirchweihe wurde schon seit dem 9. Jahrhundert am Niederrhein als Volksfest (Kirchmesse) begangen, das vielerorts bis heute mit verschiedenen Bräuchen, wie Jahrmarkt, Volksbelustigung, Festzug, Vogelschuß, Schützenzug u.a.m. erhalten geblieben ist.
Die kirchliche Bruderschaft in Wickrath ist eingegangen
Bis vor nahezu dreißig Jahren existierte auch in Wickrath noch eine kirchliche Bruderschaft, ihr war eine weltliche Schützengesellschaft angegliedert, die interkonfessionell war. Diese für Wickrath damals Organisation scheint, bedingt durch die unglücklichen Zeitereignisse der letzten Jahrzehnte, leider ganz in Vergessenheit geraten zu sein.

Noch leben manche alten Wickrather, die selber freudig ihren Dienst in der blühenden „St. Antonius-Bruderschaft“ versehen haben oder der Schützengesellschaft angehörten. Im Jahre 1950 waren Bestrebungen im Gange, die kirchliche Bruderschaft wieder aufleben zu lassen. Es ist nicht dazu gekommen.
Wickrath hat fünf kirchliche Bruderschaften gehabt.
Wäre es, in Hinblick auf die Nachbarorte wie Wanlo (Kuckum, Wickrathhahn) Hochneukirch, Jüchen, Odenkirchen, Geistenbeck, Rheindahlen, selbst Rheydt, wo blühende Bruderschaften bestehen, jetzt nicht an der Zeit, diesen Gedanken wieder aufzugreifen, zumal das Wickrather Bruderschaftswesen eine uralte Vergangenheit hat, wie es wohl selten eine Pfarre im Umkreis nachweisen kann?

Im Zeitenlauf von mehr als fünf Jahrhunderten hat Wickrath allein fünf kirchliche Bruderschaften gehabt, was sicherlich auf die Existenz des im Jahre 1491 gegründeten Kreuzherrenordens zurückzuführen ist. Das Dasein einer St.-Sebastianus-Bruderschaft ist schon im Jahre 1453 in den Wickrather Geschichtsannalen vermerkt. Die Bruderschaft zählte mit zu den ältesten im damaligen Erzstift Köln, deren Gründungen zumeist in den Jahren 1463 bis 1480 erfolgten.

Die Unterlagen im Provinzialarchiv zu Düsseldorf erwähnen die Wickrather Bruderschaften wie folgt: „Katharina Roeser von Krekenbeck übergibt zufolge Vergleichs vom 24. Juli 1453 mit den Brudermeistern und mit Genehmigung des Lehnsherrn Johann, Herrn zu Wickrath, der genannten Bruderschaft fünf Morgen Land „am Heiligenstock“ (Flurbezeichnung). ....1455, den 1. Oktober: Die Eheleute Bruynken von Gunhaven (Günhoven) und Katharina verschreiben der Bruderschaft zu Wickrath eine Erbrente von 1 Malter Roggen und 5 Morgen Busch....

Im Jahre 1474 erfolgte die Bestätigung der Wickrather „St.- Sabastianus-Bruderschaft“ durch den derzeitigen Kurfürst und Erzbischof Ruprecht, von der Pfalz. Sie erhielt damit den einheitlichen Charakter der schon bestehenden Bruderschaften im Erzstift Köln.
Die Rosenkranz-Bruderschaft
Wer erinnert sich nicht noch des feierlichen Aufzuges der Ehrengarde der Bruderschaft, in festlich schwarzem Anzug, weißer Schärpe, Diplomatenhut mit weißem Federbusch, bei der jährlichen Fronleichnamsprozession! Auch bei verschiedenen weltlichen Anlässen gab die Bruderschaft stets ein festliches Gepräge.

Neben dieser ersten Bruderschaft - die Geschichte weist nicht nach, wie lange sie bestanden hat - existierte nach dem Dreißigjährigen Kriege in Wickrath noch eine Rosenkranz-Bruderschaft. Sie wurde am 8. Dezember 1652 gegründet durch den Dominikanerpater lector thel. Konrad Schagens, auf Bitten des derzeitigen Pfarrers und Priors das Wickrather Kreuzherrenklosters Geradus Gelasius (Glaas) mit Erlaubnis des Kölner Erzbischöflichen Stuhles. Diese Bruderschaft erfüllte nebenbei caritative Aufgaben.

Die Geschichte erwähnt, daß ihre Mitglieder in den Jahren 1782 bis 1799 Gelder für die Armen sammelten und Gaben verteilten. In dem bis zum Jahre 1857 geführten Bruderschaftsregister sind namhafte Persönlichkeiten unter den Mitgliedern nachgewiesen, so unter anderm: 1703 Franz Robert Stregen, Präfekt, Burg Odenkirchen; 1712 Wilhelm Ernst, Baron von Pallant auf Haus Borschemich; 1730 Lucas, chirurgus (Arzt) in Wickrath, (Präfekt der Bruderschaft); 1743, 1748 und 1758 war der Lehrer und Küster Johannes Goebels Präfekt „per plurima (vota) electus“. Er vermachte seinen ganzen Haus- und Grundbesitz der Bruderschaft.
Bruderschaft von der „Ewigen Anbetung“
In den Wickrather Urkunden wird im Jahre 1765 eine weitere Bruderschaft unter dem Titel der „Ewigen Anbetung“ erwähnt. Jedes Mitglied hatte seine festgesetzte Betstunde, die es in der Kirche, zu Hause oder auf der Reise halten konnte. Mit der Aufhebung des Kreuzherrenklosters, durch napoleonisches Dekret vom 9. Juni 1802, ist leider diese sinnvolle Bruderschaft eingegangen.
Bruderschaft „Vom Unbefleckten Herzen Mariä“ und „St.-Antonius-Bruderschaft“
Während der Zeit des Pfarrers Lambert Bäumer in Wickrath (1836 bis 1893) wurde von ihm eine weitere Bruderschaft errichtet, die den Namen vom „Unbefleckten Herzen Mariä“ trug. Sie hatte keine lange Lebensdauer. Die alte Bruderschaftstradition lebte in der bis zum Jahre 1933 bestandenen „St.-Antonius-Bruderschaft“ weiter. Beherzte Wickrather errichteten sie wieder im Jahre 1925 und stellten sie unter den Schutz des hl. Antonius, ihres Pfarrpatrons.

Mit dieser kirchlichen Organisation wurde gleichzeitig eine „Schützengesellschaft“ mit rein weltlichem Charakter gegründet und ihr angeschlossen. Die Angehörigen der Bruderschaft, welche die früheren kirchlichen Verpflichtungen und Bestimmungen beibehielten, waren zumeist auch Mitglieder der Schützengesellschaft. [HJK]
Ende 1933
Diese Vereinigung war nicht konfessionell gebunden, um allen Bürgern von Wickrath die Möglichkeit zu geben, sich aktiv mit an den jährlich stattfindenden Schützenfeierlichkeiten (Königsvogelschuß, Kirmesprunkzügen und -paraden u.a.) zu beteiligen. Leider setzten die Zeitverhältnisse im Jahre 1933 der Bruderschaft mit Schützenvereinigung ein Ende. Bis beute sind beide nicht wiedererstanden. Das von den Vätern übernommene Väter- und Volksgut scheint in Vergessenheit geraten zu sein. Wie schön wäre es, wenn es auch hier wieder aufleben würde. F.O.

Abschrift von Chronist Heinz-Josef Katz aus der „Chronik Wickrath“ von Egidius Post
[* 25. Juli 1891 in Köln - + 20. März 1965 in Wickrath]
Die Chronik wurde 1959/60 erstellt.

Letzte Aktualisierung ( Montag, 21. September 2020 )