Kirche Wanlo 2
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Abschrift aus: "Geschichte der Pfarreien der Erzdiöcese Köln"


Geschichte der Pfarreien der Erzdiöcese Köln von Dr. K. Th. Dumont, XXII Dekanat Grevenbroich von Dechant H.H. Giersberg

Pfarreien der Erzdiöcese Köln - Giersberg
Pfarreien der Erzdiöcese Köln - Giersberg
Herausgegeben von Dr. K. Th. Dumont, Domcapitular.
Nach den einzelnen Dekanaten geordnet.
XXII. Dekanat Grevenbroich. Von H.H. Giersberg, Dechant
Verlag J. P. Bachem, Köln 1883.“

Latein wurde von Herrn Meurer, (Lateinlehrer) aus Odenkirchen im Auftrag von Chronist Heinz-Josef Katz übersetzt.

23. Wanlo

Pfarrort

Wanlo, Dorf in der Bürgermeisterei gleichen Namens, im Amtsgerichtsbezirk und Kreise Grevenbroich, zählt mit Kuckum 1384 Einwohner, worunter acht Protestanten, außerdem 47 Juden, hat eine Postanstalt und ist von Neuß vier ein halb, von Köln acht Stunden entfernt.

Pfarrgeschichte

Wanlo ist eine der ältesten, urkundlich bezeugten Ortschaften. In einer Urkunde vom Jahre 861 heißt es: beneficium Sigari in commarca Wanolen in pago Molensi. [Lehen des Sigarus in Gemarkung Wanlo im Mülgau] Es war also schon damals in Wanlo im Mühlgaue eine christliche Gemeinde.
Ein Edelherr, Herimannus de Wanlo, kommt 1106 in einer Urkunde des Erzbischofs Friedrich I. von Köln vor. 1158 bestätigt Friedrich II., Erzbischof von Köln, dem Nonnen=Convente zu Königsdorf seine Besitzungen zu Wanlo.

Wanlo war Prümisches Lehen, das der Graf von Sayn 1222 und vor ihm der Freiherr von Millendonk im Besitz gehabt haben soll.
1251 fand eine Ausgleichung zwischen Erzbischof Konrad von Köln und Graf Wilhelm von Jülich wegen Wanlo statt. De Wanlo, quod comes Juliacensis emit, sic est concordatum, quod, si bona illa sunt bona ministerialia vel vasallica ecclesicae Coloniensis, tunc comes Juliacensis ea tenere non potuit absque archiepiscopi voluntate. [Über Wanlo, das der Graf von Jülich kaufte, ist man übereingekommen worden, daß, wenn jene Güter Ministerialen Güter oder Lehnsgüter der Kölner Kirche sind, daß dann der Graf von Jülich diese nicht halten konnte nach dem Willen des Erzbischofs.]

1254 fordert Erzbischof Konrad den Grafen von Berg auf, dem Grafen von Jülich keine Hülfe im Kriege zu leisten, weil derselbe noch immer die Herausgabe der Güter zu Wanlo und des Ritters Pil verweigere.
1319 kommen im Testamente des Domcanonich Adolf von Köln bona apud Wannele vor. [Domherrn Adolf von Köln Güter bei Wanlo vor.]
Wilhelm Graf zu Jülich verträgt sich 1352 mit Konrad Herrn von der Dyck wegen desselben Dorfes Wannel. Es soll dem Letztern wie früher gehören, der Markgraf seinen sprechenden, Konrad seinen schweigenden Amtmann dort haben.

1386 verkauft Gerard Herr zur Dyck dem Herzoge Wilhelm von Jülich Wanlo mit den Gerichten und Gefällen.
Die Scheffen von Wanlo bekennen 1553, daß sie dem Herrn Reinard von Anradt, Prior in Grevenbroich, verkauft haben, was sie von den Eheleuten Heinrich Franken und Cäcilia erworben.

Bei den Zügen der Spanier nach Kerpen wurde Wanlo hart mitgenommen. Darüber heißt es in der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins, III: "Im Jahre 1585 am 12. April hat das Hispanische Kriegsvolk das Dorf Wanlo, Keyenberg und Junker Zuyrß adelige Behausung einbekommen und spolyrt. Am 21. und 22. Januar 1586 haben sie sich in die Dörffer Wanlohe, Keyenberg und Holzweiler eingelagert und die Underthanen über ir Vermögen gezwungen.
Am 15. May 1586 seyndt die uf den Häußeren Odenkirchen, Horst und Glehn ligende Kriegsleuth mit den Linnichen, Urdingischen und Kayserßwerdischen in der Nacht, in die 200 stark, in das Dorff Wandloh gefallen, dasselb angestochen, 13 Häußer abgebrennt, das ganze Dorf spolyrtt, 5 Pferdt, 70 Stück Rindviehs, 30 Schweine, 150 Schaaf geraubtt, die Kirch ufgebrandt, alles, was darin, mitgenommen, auch drey Haußleuth erschossen und eine Frau mit zweien Kinderen verbrannt und haben dernacher den Raub zu Odenkirchen in vier Theil getheilt, und ist ein jeder Hauf mit seinem Theil hingezogen."

Eine alte hölzerne Tafel mit Wappen in der Sacristei sagt: "Anno 1587 den 14. Februar sind die Edlen und Ehrenfesten Robert und Bernard von Wildenrath, Vater und Sohn, auf ihrem Hause zum Deyk unschuldig und erbärmlich entleibt. R. i. p. "

Zur Zeit des spanischen Krieges haben die Schöffen drei drei viertel Morgen Kirchenland verkaufen müssen.
Nicht minder groß waren die Brandschatzungen, Contributionen [= geforderte Geldzahlung von einem besiegten Land] und Einquartierungen im dreißigjährigen Kriege.

1624 gerieth der Pastor Tetzius in holländische Gefangenschaft und schmachtete darin dreizehn Wochen lang.

1634 nach dem Feste der unbefleckten Empfängniß plünderten die Holländer die Kirche, vernichteten ihre Documente, verwundeten und töteten mehrere Einwohner.

1642 war der Pastor Vitenius exilirt,[ins Exil geschickt, verbannt] kein Geistlicher in Wanlo; ein ganzes Jahr lang brachte man die Kinder nach Erkelenz zur Taufe. Während dieser Zeit plünderten die Hessen nach der Niederlage des Lamboy abermals Kirche und Dorf.

Wanlo mit Kuckum gehöhrte zum Amte Caster; die damals eingepfarrten Orte Venrath und Kaulhausen unter Dahlen, jetzt Rheindahlen. In kirchlicher Beziehung war Wanlo Keyenberg unterworfen.
Im Pfarrarchiv zu Keyenberg beruht der Auszug eines Manuscriptes ohne Datum *), anscheinend aus dem Ende des 13. Jahrhunderts, welches besagt, daß neben anderen Kirchen auch Wanlo der Herrlichkeit Keyenberg untergeordnet gewesen, "so daß die sacelani [Kapläne] selbiger Kirche alle Jahre in coena Domini [beim Abendmahl] in der Kirche sanctae Crucis [des heiligen Kreuzes] zu Keyenberg das Osterlamm empfangen mußten ex manibus reverendi domini pastoris [aus den Händen des ehrwürdigen Herrn Pastors] und selbigem in parasceve Domini et vigilia paschatis [..?.. des Herrn und Vigil **) des Osterfestes ] in dem officio [im Amt] beistehen."

*) Dasselbe befand sich 1720 im Regulirherren=Kloster Hogenbusch bei Erkelenz und wurde durch den dortigen Subprior Camp extrahirt. Der vollständige Titel des Extractes lautet: "Extractus libri manuscripti in charactere vetusto existentis in monasterio canonicorum regularium ordinis sactae crucis in Hogenbusch prope Ercliniam descriptus per adm. rever. et eximium Petrum Godefidum Camp, subpriorem quondam ibidem, circa annum 1720."

**) Vigil = Nachtwache; in der kath. Kirche Vorbereitungsfeier am Abend vor bestimmten Festen.

Ferner wenn Einer ex sacellanis [von den Kaplänen] jener Kapellen befördert worden oder mit Tod abgegangen, wurde in der vacirenden capella vel ab abbatissa Capitolii B.M.V. = Beatae Mariae Virginis (?) intra Coloniam vel a venerabili domino pastore in Keyenberg, vel ab utroque simul Einer ex vicriis,
[unbesetzten (freien) Geistlichkeit oder von der Abtissin des Kapitols der Seligen Jungfrau Maria in Köln oder vom ehrwürdigen Herrn Pastor in Keyenberg, oder von beiden auch von den Stellvertretern]
welche beim Pastor zu Keyenberg wohnten, eingestellt cum promissa prius obedientia et subiectione ad venerabilem dominum pastorem in Keyenberg, sub cuius directione in omnes dependebant, ut obedientes filii. [mit einer versprochenem Gehorsam und Unterwürfigkeit beim (zum) ehrwürdigen Herrn Pastor in Keyenberg unter dessen Richtung (Leitung) sich auf alle neigten wie teilnehmende Söhne. (obire = 9 Bedeutungen) ]

Dieses Verhältnis zu Mutterkirche dauerte nach jenem Auszuge bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts fort. Es verbrannte die Kirche in Keyenberg mit vielen Kleinodien und Literalien nebst dem Pfarrhause und anderen Häusern; kriegerische Zeiten traten ein, und es empörten sich sogar die eigenen Unterthanen; ein weltlicher Sinn war in Maria im Capito eingerissen, auch die Vicare der unter Keyenberg stehenden Kirchen wollten nichts mehr von einem Abhängigkeits = Verhältnisse wissen; da löste sich die Herrlichkeit Keyenberg auf, und die Collation [Gaben] jener Kirchen ging auf Andere, auf die grafen von Jülich, das Collegiatstift in Stommeln, später in Jülich, und auf die Abtissin in Essen über.
(Fußzeile = Da das Stift in Stommeln nur drei Jahre, von 1339 – 1342 bestand, so würde man die Zeit der Anfertigung jenes Manuscriptes kennen.)

Im 14. Jahrhundert finden wir Wanlo im liber valoris [Buch der Geltung] bei Binterim mit einem Vicar als selbtändige Pfarre in der Christianität Bergheim verzeichnet. Das Patronat übte der Herzog von Jülich aus.

Venrath gehörte zu Wanlo. In Venrath war eine Kapelle, wo Sonn= und Feiertags vom zeitlichen Officianten [Gottesdiensthaltender kath. Geistlicher] eine Frühmesse gelesen wurde.
Patron war die Gemeinde zu Venrath, der Pastor von Wanlo hatte die Investitur. [=Einkleidung; in der kath. Kirche die Besitzeinweisung in eine niedere (Pfarr-) Pfründe.]

Die Einkünfte bestanden in 18 Malter Roggen aus dem Zehnten des Pastors von Wanlo im Venratherfelde und sechs Malter von der Gemeinde. Bereits 1606 war Venrath durch den Generalvicar Johannes Gelenius zu einer Pfarre erhoben worden, aber durch die Ungunst der Zeiten bald wieder eingegangen.
Generalvicar Johann Andreas von Franken-Gierstorff erhob es 1750 abermals zur Pfarre, jedoch erwirkte der damalige Pfarrer Kirchbauer von Wanlo [David Kirchbauer 1749 – 1779 Pfarrer in Wanlo] vom Landesherrn, dem Churfürsten von der Pfalz, einen Gegenbefehl, wodurch die neue Anordnung nicht in’s Leben trat.
So blieb denn Venrath in seinem alten Verhältnisse zu Wanlo, bis 1804 am ersten März der Bischof Berdolet von Aachen demselben den Rang einer Succursalpfarre [Hilfspfarre] verlieh, der er Kaulhausen und die Katholiken in Beckerath und Herrath beigestellte.

In der Pfarre Wanlo befinden sich drei ritterbürtige Güter, das Cappelsgut, früher den Junkern von Stein, später dem Doctor Grevenbroich, dann der Margaretha Cappels, nunmehr dem Freiherrn von Pelser=Berensberg gehörend;
das Schwalmer Haus, im Besitze der Herren von Schwalmen, wovon es noch den Namen hat, und im 16. Jahrhundert im Besitze der Junker von Bremt;
und der Wildenrather Hof, früher Eigenthum der Herren von Wildenrath, später der Familie von Leerode.

Pfarrkirche:

Die Kirche ist unter dem Titel Maria = Himmelfahrt geweiht. Theile derselben gehören dem 13. Jahrhundert an. Die Hauptkirche ist romanischen Stiles, im Tuffsteinbau mit charakteristischen Rundbogen.
Der Chor rührt her aus dem Jahre 1729; der Thurm wurde 1748 restaurirt und höher aufgeführt. Derselbe stürzte 1752 am letzten Ostertage Nachmittags zwei Uhr ein; der damalige Pastor Kirchbauer meinte als Strafe Gottes wegen des Kartenspieles während des Gottesdienstes.

1652 wurde die Kirche geweißt, was in zweihundert Jahren nicht mehr geschehen war. Pastor Vitenius [Johannes Viten, 1636 bis 1658] fand in dem fast vermoderten Triumphkreuze ein kupfernes Kreuz mit Reliquien in Leinwand gewickelt, welche wundersam erhalten war.
Ein Pergamentstreifen enthielt die Inschrift: "U Reliquiae de corpore s. Sebastiani. Item de veste s. Silvestri. Item de veste s. Caeciliae. In hanc crucem has presetes reliquias reposui ego, Henricus de Düsborg, pastor in Wanlo , sub anno domini 1337 in crastino b. Petri et Pauli apostolorum, quo tempore eadem crux de novo fuit depicta. Haec observata digna fideliter annotavi pro memoria bene mentionatorum Sanctorum, sicut et mei indigni Ioannis Vitenii, sacerdotis, p. t. pastoris in Wanlo anno reparatae salutis 1682. Oretur pro peccatore."
[Reliquien vom Körper des heiligen Sebastian. Ebenso von der Kleidung des heiligen Silvesters. Ebenso von der Kleidung der heiligen Cäcilia. In dieses Kreuz habe ich die präsenten Reliquien beigesetzt ich, Heinrich von Düsborg, Pastor in Wanlo, im Jahre des Herrn 1337 am folgenden Tag des Apostel Petrus und Paulus, zu welcher Zeit eben dasselbe Kreuz von . . . . gemalt war. Diese beobachteten Werte habe ich getreulich bemerkt zur Erinnerung gut erwähnter Heiliger, sowie auch meines unwürdigen Johannes Vitenii, des (eines) Priesters, p.t. [?] des Pastors in Wanlo im Jahre des . . . .Heils 1682. Es möge für den Sünder gebetet werden.]

Beneficien:

Außer dem hohen Altare zu Ehren der in den Himmel aufgenommenen Gottesmutter Maria befinden sich in der Kirche noch vier andere Altäre, der h. Katharina und den Heiligen Nicolaus, Joseph und Johann von Nepomuk geweiht. Sie gehörten mit Ausnahme des letzten zu eben so vielen Beneficien. Die Gemeinde Wanlo hatte das Katharina=Beneficium zu vergeben. Der Pastor ertheilte die Investitur.

Die Einkünfte bestanden 1767 in 28 Morgen Land, zwei Morgen Gras, 22 Malter Roggen Erbpacht und 15 Reichsthalern.
Der Beneficiat hatte an Sonn= und Feiertagen die Frühmesse mit Katechese zu halten. Auch war ihm eine eigene Wohnung mit Garten angewiesen. Alles ging außer einer kleinen Wiese und 1 1/2 Morgen Land verloren.

Das Nicolai=Beneficium war eine uralte Stiftung. Die Einkünfte betrugen 28 Malter Roggen und 4 Reichsthaler 50 Albus, worauf die Verpflichtung zu einer Dinstags= und Donnerstags= Messe ruthe. Auch sie fiehlen den Domainen anheim, nur die kleine Geldrente, weil beschwert mit drei Anniversarien, wurde gerettet.

Das Familien=Beneficium St. Josephi hatte den Pastor Teinertz zum Stifter. [Nikolaus Teinertz, 1716 – 1749 Pfarrer in Wanlo] Patron war der Besitzer des elterlichen Hauses in Stockum, Pfarre Düningen, in der Herrschaft des Grafen de Wiltz.
Wenn ein solcher aber nicht katholisch sei, sollte das Patronat auf den Generalvicar zu Köln übergehen. Die Verpflichtung bestand in zwei Wochenmessen, Montags und Mittwochs. Das Beneficium besaß ein Eichenbüschchen bei Kuckum, einen Morgen groß, einen halben Morgen Baumgarten, worauf die Wohnung des Beneficianten stand, und drei Morgen Ackerland, zwei Malter Erbpacht und etwa 2283 Reichsthaler Capitalien.

Davon sind Haus, Garten und Baumgarten, die drei Morgen Land und die Erbpacht zu den Domainen eingezogen resp. verkauft worden. Das Büschchen und 1446 Reichthaler blieben verschwiegen.
Der Kirchenvorstand reclamirte obige Güter, anfangs ohne Erfolg, nur daß dem damals noch lebenden Beneficiaten eine jährliche Entschädigung von 35 Thalern angewiesen wurde. Nach dessen Tode im Jahre 1824 reclamirte der Kirchenvorstand auf Grund der Allerhöchsten Cabinetsordre vom 23. Mai 1818 jene Güter von neuem für die Kirche, worauf im Jahre 1828 jene 1446 Reichsthaler und das Büschchen der Kirche von der Königlichen Regierung wieder überwiesen wurden.

Mit dem Josephs=Beneficium war noch eine wöchentliche Samstagsmesse verbunden, gestiftet von Robert Tetz; der Ertrag dieser Stiftung bestand in zehn Reichsthalern.
Die genannten Altäre sind noch vorhanden, der Josephs=Altar mit dem Wappen des Pastors Teinertz geschmückt.

Einen der ältesten Taufsteine, vielleicht aus dem 11. oder 12. Jahrhundert, bewahrt noch die Kirche. Leider hat derselbe im Laufe der Zeiten viel gelitten.

Von den drei Glocken trägt die älteste die Inschrift: "Anno Domini MCCCCIIII. [1404] S. Sanguis Domini nostri Jesu Christi, qui fuit pretium totius saeculi, liberet nos a laesione fulguris et tonitrui. Amen Jan Jacob de Venlo Clockegeter. Jesus, Maria vocor. Johannes."
[Die Jahreszahl wurde im Buch handschriftlich geändert in: MCCCCLIII.=1453 !]
[Im Jahre des Herrn 1404 des hl. Blutes unseres Herrn Jesus Christus, der der Preis des ganzen Jahrhunderts war, möge uns von der Verletzung durch Blitz und Donner befreien. Amen.]

Die zweite und dritte Glocke sind aus dem Jahre 1660. Die größere heißt Anna Maria, Joseph; die kleinere Sebastianus und Antonius.
Sie wurden gegossen von "Gördt von Stummelen und geweiht durch den Dechanten Peter Wirz, Pastor in Kirchherten, anno Domini 1660, 8 va 7 bris." [im Jahre des Herrn am 8. September 1660]

Auf dem Chore befindet sich neben dem Josephsaltare die Grabstätte des Pastors Teinertz [1716 bis 1749 Pastor in Wanlo] mit folgender Inschrift:
"Anno Domini MDCCXXXXIX die XXV. [handschriftliche Änderung im Buch = XXIV.] Junii pie obiit adm. reverendus et doctissimus D. D. Nicolaus Teinertz, parochus in Wanlo, 34 annis pastor, altaris s. Josephi fundator, confraternitatis ss. rosarii promotor aet. 72, sac. 45. Cuius ossa sub hoc choro requiescunt. Memento !"
[Im Jahre des Herrn 1749 am Tag des 24. Juni starb der bewundernswerte, zu verehrende und sehr gelehrte D.D. [?] Nikolaus Teinertz, Pfarrer in Wanlo, 34 Jahre Pastor, Gründer des Altares des hl. Joseph, Förderer der Bruderschaft des hl. Rosenkranzes, 72 Jahre alt, 45 Jahre Priester. Seine Gebeine ruhen unter diesem Chor. Gedenke !]

Jahrgedächtnisse sind in Wanlo 70 gestiftet, darunter zwei pro praenobilibus Roberto et Maria de Wildenrath.
Ferner für die Pastoren Syben, Hoffmann, Hermanns und Klören, für die Vikare Sybertz, Joopen und Niclas Joseph Wirtz, für die Eheleute Hermanns und Wirtz, Tetz und Esser, Dohmen und Bongartz, Esser und Settels, Franken und Nolden, Broich und Fischer, die anderen für die Familien Schloßberg, Helpenstein, Thomassen, Daniels, Fischer, Hahn, Katz, Kamphausen und Andere.

Bruderschaft:

Die Bruderschaft unter dem Schutze der hh. Antonius und Sebastianus, errichtet unter dem Pastor Vitenius (1636 – 1658), wurde 1801 unter Pastor Hoffmann [Franz Anton Hoffmann Kaplan in Wanlo 1773 bis 1779; Pfarrer in Wanlo 1779 bis 1814] erneuert.

Die Rosenkranz=Bruderschaft gründete 1717 der Pastor Teinertz, die von Jesus, Maria, Joseph Pastor Kirchbauer 1768. Sie wurden den kirchlichen Vorschriften gemäß unter dem Pfarrer und Definitor Jansen [Hermann Josef Jansen 1869 – 1891 Pfarrer in Wanlo] neu errichtet.

Der Kirchhof mußte, weil der alte, um die Kirche gelegene Kirchhof zu enge und auch nicht zu erweitern war, vor’s Dorf verlegt werden.

Pfarrstelle:

Das Pfarrhaus liegt unmittelbar mit dem Garten an der Kirche. Früher beruhte die Baupflicht beim Herzoge von Jülich, nunmehr bei der katholischen Gemeinde.
Ueber die Entstehung der Pfarrdotation [Pfarrausstattung mit Vermögen] ist nichts bekannt. Winterim sagt nach einem Manuscripte aus dem 16. Jahrhundert: "Wanlo hat an Land 66 Morgen, item [ebenfalls] zu Venrath ein Zehnten, thut 18 Malter Roggen, 18 Malter Gerste, 10 Malter Weizen und 10 Malter Hafer, an Sackrenten drei Malter Roggen, vom Blutzehnten ungefähr drei Lämmer und 18 Hühner, tenetur ad taurum et verrem (mußte das Zielvieh halten). [wird gehalten für den Stier und den Eber]"
Damit übereinstimmend der Status omnium beneficiorum ducatus Juliacensis de anno 1676 von Holthausen. [alle Pfründe des Jülich. Herzogtums vom Jahre 1676]
Dagegen heißt es in einer Specificatio redituum parochiae in Wanlo de anno 1767, [Einkünfteregister in Wanlo vom Jahre 1767] aufgestellt von Pastor Kirchbauer [David Kirchbauer 1749 – 1779 Pfarrer in Wanlo]:
"Reditus pastorales [Pfarreinkünfte] bestehen in 74 Morgen Ackerland, von denen sieben Morgen Zehnten geben; ferner dreizehn Morgen, im Amte Grevenbroich gelegen, welche ebenfalls Zehnten austragen, und drei und einen halben Morgen, in der Herrschaft Wickrath gelegen, müssen gemeine Lasten tragen."

Der Blutzehnte brachte 24 ein halbes Huhn ein.
An Grund und Sackrenten hatte die Pastorat im Dorfe Wanlo, in Kuckum, Venrath, Kaulhausen, Neukirchen [Hochneukirch] und Borschemich sieben Malter vier Sümmer Roggen und sechs Viertel Weizen.

Von einem Baumgarten im Dorfe, genannt am Rennbaum, ungefähr einen halben Morgen groß, mußte die Pastorat an den Prädicanten [Prediger] zu Wickrathberg jährlich zwei Kapäune [Kapaun = kastrierter Hahn] liefern und an die eigene Kirche in Wanlo fünf viertel Pfund Wachs.

Die Gebühren waren für eine Copulation [Paarung] ein Reichsthaler, oder ein halber Reichsthaler, oder ein Gulden und ein Schnupftuch nach Vermögen der Person; die Armen zahlten nichts.
Für eine Taufe ein Schilling, die Armen zahlten nichts.
Für das Begräbniß eines Erwachsenen mit Amt auch nach Vermögen der Person ein Gulden, oder 20 Stüber, eines Armen gratis pro Deo; [für Gott] hatte er noch nicht communicirt, ein Schilling. So die Specificatio [Einzelaufzählung] von Kirchbauer.

Reihenfolge der Pfarrer:

[Siehe auch unter "Pfarrer" = Zusammenstellung von Chronist Heinz-Josef Katz]

Als Parrer von Wanlo kommen vor:
Heinrich von Düsburg, 1337.
Mathias Girys, um das Jahr 1541.
Franciscus Flohrs.
Dionisius Dionysi, 1567.
Wilhelmus Tetzius, 1606 – 1636.
von ihm sagt das Visitations=Protokoll des Dechanten Crays vom Jahre 1622 Unrühmliches. Unter anderem heißt es: "Extremae unctionis sacramentum non petitur."[Das Sakrament der letzten Ölung wird nicht erstrebt (nicht verlangt).]
Als Strafe für seine Vergehen mußte er ein Malter Korn an die Armen und vier Goldgulden ad fabricam ecclesiae [an die Kirch- (Dom) Bauhütte] geben.

Wie es damals in der Nachbarschaft aussah, besagt eine Notiz der Annalen der Christianität Bergheim von Camerarius Zehnpfennig, wonach um 1632 der Pastor von Borschemich, Johann Conrads, in Ermangelung eines Pfarrhauses nicht in seiner Pfarre, sondern in Wanlo wohnte, welches viele Unzukömmlichkeiten, namentlich die Vernachlässigung der Katechese zur Folge hatte.

Johannes Vitenius, aus Erkelenz, von 1636 – 1658.
Am 1. November 1648 verkündigte er das Decret des Concils von Trient gegen die clandestinen [heimlichen] Ehen. Das darüber aufgenommene Protokoll, Actum in loco residentiae pastoralis die octava mensis Novembris 1648, [Gegeben am Ort des Pfarrer-Wohnsitzes am 8. Tag des Monats November 1648] unterzeichneten mit dem Pastor: Jacob Jansen als Kirchmeister und Sendscheffen und Seyb Seybertz, Sendscheffen.

Petrus Sybenius, starb 1697.
Ernestus Henseler. Er war Doctor beider Rechte, [kirchl. u. weltl. Recht] sehr gelehrt, aber auch sehr ehrgeizig. Nach dem Tode des Dechanten Kleefisch 1707 gab er sich alle Mühe, dessen Nachfolger zu werden. Da ihm dieses nicht gelang, verließ er 1716 auch die Pfarre.

Nicolaus Teinertz, 1716 – 1749. Er stiftete den Josephaltar, eine ewige Lampe und errichtete auch die Rosenkranz=Bruderschaft. Was er ersparte, gab er zu guten Zwecken hin.

David Kirchbauer, aus Düssel, von 1749 – 1779.
Sein Leben in Wanlo ward verbittert durch zwei Prozesse, den einen mit der Gemeinde Venrath, den anderen mit der ganzen Pfarre. Zwar gewann er beide, aber er verlor in seinem Ansehen und in seiner Wirksamkeit, so daß er sich genöthigt sah, abzudanken.
Er starb am 6. Oktober 1781 und wurde im Chore in der Nähe des dem h. Johannes von Nepomuk geweihten Altares begraben. Fuit vir castus et absque dolo, zelans gloriam Dei. [Er war ein keuscher Mann und ohne Betrug (Täuschung), liebend den Ruhm Gottes.] So ein Kirchenbuch.

Es folgte Franz Anton Hoffmann.
Derselbe erbaute die Michaelskapelle auf dem Kirchhofe, in deren Nähe er auch begraben liegt; er starb 1814.

Johann Wilhelm Syben, aus Spenrath, Pfarre Otzenrath, wurde Priester 1793, Pastor in Rheydt 1799, in Wanlo 1814 – 1843. Syben war auch Dechant.

Johann Joseph Kloeren, aus Neersen, geboren 1800, zum Priester geweiht 1826, wirkte, nachdem er Vikar in Bedburg=Reifferscheid und in Odenkirchen gewesen, neun Jahre als Pfarrer in Grevenbroich, darauf 25 Jahre in Wanlo mit rastlosem Eifer.
Auch bekleidete er 25 Jahre das Amt eines Schulpflegers und war 14 Jahre Landdechant; er starb am 11. März 1869 gottselig im Herrn. "Sein priesterlicher Wandel," sagt der Todtenzettel, "in Reinheit, in Erkenntniß, in Langmuth, in Milde, im heiligen Geiste, in wahrheitsrede, in Gottesfurcht (2. Kor. 6, 6 – 7), seine Leutseligkeit, mit der er Allen Alles zu werden auchte, sichern ihm bei seinen Pfarrkindern ein bleibendes Andenken."

Hermann Joseph Jansen, aus Doveren, geboren 1815, Priester 1839. Zuerst Vikar in Bedburdyck, dann Kaplan in St. Peter in Köln und zum h. Michael in Aachen, wurde er Pfarrer in Recht, Dekanat St. Vith, und in Arsbeck, Dekanat Wassenberg, wo er auch das Amt eines Dechanten bekleidete, und seit 1869 Pfarrer in Wanlo und Definitor.

Vikariestelle:

Aus dem Vorhergehenden ist zu ersehen, daß seit alten Zeiten in Wanlo drei Beneficien bestanden, die aber nie zusammen besetzt waren. Jedoch hatte das eine oder andere stets seinen Deservitor, der dem Pfarrer in der Seelsorge behülflich war. So führt denn auch Binterim bereits im 14. Jahrhundert Wanlo mit einer Vicarie auf.
Als Vicare können nur folgende namhaft gemacht werden:
Vor 1582 Johann von Klein=Gladbach.
1582 Johann Conrads, von Wanlo
Peter Eskens, 1714, vicarius s. Catharinae.
Franz Anton Hoffmann, von 1773 – 1779, wurde hier Pastor.
Johann Peter Siebertz, Beneficiat ad s. Nicolaum, starb 1795 (Siehe Schule)
Nicolaus Joseph Wirtz, aus Wanlo, Beneficiat s. Josephi, starb 1824 im 82. Jahre seines Alters.
Heinrich Nießen, vicarus ad s. Catharinam, starb 1806 am 13. Mai, 68 Jahre alt.
Winand Joopen, aus Kückhoven bei Erkelenz, aus dem Orden des h. Franciscus, starb am 2. Oktober 1815.
Laurenz Bontenackels, geboren in Hinsbeck 1785, Priester 1815, von da ab Vicar in Wanlo bis 1841. Er starb als Vicar in Gereonsweiler 1871.
Johann Heinrich Clefisch, aus Wanlo, von 1841 – 1844.
Johann Arnold Wolff, aus Weisweiler, geboren 1820, Priester 1844, Vicar in Wanlo bis 1851.
Sebastian Theodor Planker, aus der Pfarre Hohenbudberg, geboren 1828, Priester 1851, von da bis 1861 Vicar, wo er als Pfarrer nach Otzenrath überging.
Nach dem Tode des seligen Kloeren 1869 wurde er Dechant des Dekanates Grevenbroich und 1872 als Oberpfarrer zum h. Petrus in Aachen befördert.
Albert Dimmers, aus Werden, geboren 1837, Priester 1860, versah die Vicarie in Wanlo bis 1872, wo er als Pfarrer nach Paffrath ernannt wurde.
Johann Wilhelm Hendsch, aus Köln, geboren 1820, Priester 1849, bekleidet seit 1872 die Vicariestelle.
Das Vicariehaus ist 1828 erworben worden.

Kuckum:

In der Kapelle zu Kuckum, die aus Fachwerk gebaut ist, wird kein Gottesdienst gehalten.
In Kuckum hatte die Abtei Gladbach einen Fahrzins, so genannt von der Gefahr, welche dem Zinspflichtigen drohte, der nicht an bestimmtem Tage seine Schuldigkeit erledigte. Dieser war für Kuckum der Andreastag.
Hier entspringt auch die Niers, welche hinter Wickrath das Dekanat verläßt.
Die Küsterstelle ist dotiert mit zwei Morgen Land und einigen abgelösten Renten.

Schulen:

Auch in Wanlo stand die Schule als kirchliches Institut im engsten Zusammenhange mit der Kirche, bis die neuere Gesetzgebung darin eine Aenderung brachte.
Bereits 1559 war dort eine Schule und der Küster Lehrer. Er bezog aus Bruderschaftsmitteln drei Malter Roggen.

1775 hatte Vicar Giebertz eine lateinische Schule mit einem Pensionate eröffnet. Sie war für zwölf Knaben eingerichtet, die im Lateinischen, Französischen und Deutschen wohl unterrichtet wurden. Für Wohnung mit gutem Essen nebst freier Wäsche, Untericht mit einbegriffen, zahlten sie jährlichs nur 65 Reichsthaler Species. (Niederrheinischer Geschichtsfreund von 1882, Nro.4.)
Gegenwärtig sind in Wanlo drei Schulklassen, in Kuckum eine.

Armenwesen:

Die Armenrenten bestanden 1767 in acht Malter Roggen und 52 Reichsthalern. Kuckum hatte für sich fünf Malter Roggen und zwölf Reichsthaler.
In jüngster Zeit hat eine Frau Nepes der bürgerlichen Armenverwaltung 1000 Thaler und Dechant Kloeren der kirchlichen eine gleiche Summe vermacht. Auch sind einige Anniversarien mit Armenspende verbunden.

Personen geistlichen Standes aus der Pfarre Wanlo.

Gottfried von Wanlo, war 1414 Vicecuratus in Niedermorken und 1430 dort Pastor.
Heinrich von Wanlo, einer der ersten Brüder aus dem Orden des h. Franciscus in St. Niclas bei der Dyck, starb 1457. Von ihm sagt das Necrologium: "Multum fidelis in labore continuo."
1582 ist Johann Conrads, von Wanlo, dort Vicar.
Gottfried von Wanlo, 1623 Subprior im Regulirherren=Kloster zu Neuß.
Johannes Fabritius, von 1626 – 1663 Pastor in Hoisten.
Theodorus Krahe, aus Wanlo, donatus veste alba in Knechtsteden 1688, assumtus pro laico intuitu artis victoriae per annos 12 insigniter exercitae, obiit 1716. Er war also Faßbinder.
Gregorus Breyel, Benedictiner in Gladbach, legte 1744 die Gelübde ab und starb 1746 als Diaconus.
Nicolaus Joseph Wirtz, geboren 1743, starb 1824 als Beneficiat des Joseph=Altares.
Dessen Neffe Johann Wilhelm Wirtz war 1773 geboren, 1797 Priester, Pastor in Hemmerden von 1806 – 1861, wo er am 10. Mai das Zeitliche segnete.
Franciscus Hermanns, geboren 1773 trat im Kloster zu Erkelenz in den Fraciscaner=Orden, empfing 1796 zu Mecheln die Priesterweihe, wurde nach Aufhebung der Klöster Kaplan in Dahlen [Rheindahlen] und 1812 Pfarrer in Hüls. Hier entwickelte er sein thätiges Leben und seine wissenschaftlichen Kenntnisse, die er in einsamer Klosterzelle sich erworben hatte.
Eine gänzliche Neuorganisation des Elementarschulwesens lag ihm sehr am Herzen. Er bildete selbst Lehrer, die er nicht nur zur Ausbildung des Verstandes, sondern auch des Herzens anleitete. Innige Pietät gegen geistliche und weltliche Obrigkeit suchte er bei seinen Untergebenen zu wecken und zu fördern. So starb er, ein großer Wohlthäter Vieler, am 14. Juli 1848, als Jubilar des Priestertums, selig im Herrn.

Johann Peter Esser, geboren 1795, Priester 1820, Pfarrer in Merheim bei Köln von 1828 – 1872. Esser hat sich um den Kirchen= und Pfarrhausbau daselbst sehr verdient gemacht.
Johann Heinrich Clefisch, geboren 1805, Priester 1835, starb als Dechant und Pfarrer in Hüchelhoven, Dekanat Bergheim, am 15.Juli 1877.
Heinrich Joseph Settels, aus Kuckum, geboren 1827, Vicar in Hemmerden von 1853 – 1863, dann als solcher in Kelz. Er wurde im Jahre 1867 zum Pfarrer von Wallerode, Kreis Malmedy, ernannt.

Anmerkung des Chronisten Heinz-Josef Katz: Dies ist die originale Abschrift aus dem oben genannten Buch. In [...] eingefügt = Übersetzung aus dem lateinischen und Ergänzungen des Chronisten.

Johann Andreas Katz

[geboren = 13.07.1795 in Wanlo
Priesterweihe = 06.05.1819
gestorben = 10.08.1849 in Richterich.
Er war Pfarrer in Karken von 1823 – 1837.
Ab 1.1.1837 war er Pfarrer in Richterich.]

Letzte Aktualisierung ( Freitag, 28. Oktober 2011 )