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Kirche Wanlo
Zur Geschichte der Kirche und Pfarre St. Mariä Himmelfahrt in Wanlo
Beschreibung der neuen Kirche 1907
Orgelgeschichte Wanlo von Heinz-Josef Clemens
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Zur Geschichte der Kirche und Pfarre
St. Mariä Himmelfahrt in Wanlo



Obwohl Wanlo eine der ältesten Kirchen am Oberlauf der Niers besitzt, beginnt die urkundliche Überlieferung über deren Geschichte erst 1300. Es gibt aber andere Zeugen der Vergangenheit, die uns Hinweise auf das Alter der Pfarre geben.

So stammte der romanische Kern der 1898/99 abgebrochenen Kirche aus dem 13. und der Taufstein aus dem 12. Jahrhundert. Daraus ergibt sich, daß Wanlo bereits im 12. oder 13. Jahrhundert eine Pfarrkirche besessen haben dürfte.(1)

Die schriftliche Überlieferung über den Wanloer Pastor und Vikar beginnt erst mit dem "Libe Valoris" von 1308.(2)
In Wanlo übte der erwähnte ortsansässige Pastor die Seelsorge aus, während der abwesende Vikar nur eine Pfarrpfründe* besaß.

Der erste namentlich bekannte Pastor, der in Wanlo tätig war, hieß Konstantin von Horn, der aber sein Amt aufgeben musste.
Am 30.November 1327 befahl nämlich Papst Johannes XXII. [1316 – 1334] dem Kölner Erzbischof, dem Heinrich, genannt "Vertichimarck von Dusborg", einem Kleriker [Priester] der dortigen Diözese, die Pfarrkirche in Wanlo zu übertragen.
Diese war frei geworden, weil deren Inhaber, Konstantin von Horn (de Cornu), nicht innerhalb der gestellten Frist die Priesterweihe empfangen hatte.3
Die Berufung des Vierzigmark von Duisburg nach Wanlo scheint aber zunächst an dessen unehelicher Geburt gescheitert zu sein. Er bat deshalb den Papst um seine Unterstützung. Dieser dispensierte [befreite] am 2.Juni 1329 den Priester Heinrich Vertichmark, Sohn des Albert, von dem Makel der unehelichen Geburt, weil die Schmach der Herkunft durch dessen Tugenden und den ehrbaren Lebenswandel ausgeglichen würden.
Er erteilte ihm die Sondergenehmigung, die Seelsorge auszuüben und kirchliche Ämter zu bekleiden.(Vertichmark hatte vorher nach einer ersten päpstlichen Dispens [Befreiung] die Kölner Kapelle St. Lambertus betreut, mit der keine Seelsorge verbunden war).
Der Papst gestattete ihm nun, die Wanloer Pfarrstelle anzutreten.(4)

Am gleichen Tage beauftragte er die drei Vollstrecker der römischen Kurie*, [römisch-katholische Zentralbehörde in Rom] Vertichmark in die Pfarrkirche zu Wanlo einzuweisen.(5)
Heinrich von Duisburg, wie er sich nun nannte, wurde nach der päpstlichen Dispens als Pfarrer von Wanlo akzeptiert.
Aus dessen Amtszeit stammte ein kupfernes Kreuz, das der Wanloer Pastor Johannes Vitenius (1636 – 1658) in einem fast vermoderten Triumphkreuz entdeckte. Es enthielt in Leinwand gewickelte Reliquien und einen Pergamentstreifen mit der Inschrift:
"Reliquiae de corpore s. Sebastiani. Item de veste s. Silvestri. Item de veste s. Caeciliae. In hanc crucem has presentes reliquias reposui ego. Henricus de Dusborg, pastor in Wanlo , sub anno domini 1337 in crastino b. Petri et Pauli apostolorum, quo tempore eadem crux de novo fuit depicta. . . ."
(Reliquien vom Körper des hl. Sebastian, von der Kleidung des hl. Silvesters und der hl. Cäcilia. Ich, Heinrich von Dusburg, Pastor in Wanlo, habe die erwähnten Reliquien wieder in dieses Kreuz eingeschlossen. So geschehen am Tage nach Peter und Paul (30 Juni) 1337 zu der Zeit, als das Kreuz neu bemalt wurde).(6)

Am 28.Mai 1330 sicherte Papst Johannes XXII. dem Kölner Kleriker Gorswinus von Wanle ein kirchliches Beneficium zu. Dessen Einkünfte sollen sich auf 20 Silbermark belaufen, wenn damit die Verpflichtung zur Seelsorge verbunden sei. Entfiele diese, sollte die Pfründe nur 15 Silbermark einbringen. Die Zuweisung dürfe nicht daran scheitern, daß der Geistliche bereits ein zeitlich begrenztes Vikariat in der Pfarrkirche zu Wanlo besitze.(7)

1378 erhielt Johann von Schonenbach, gen. Quentini, nach der Abdankung des Gobelinus von Ratingen die Pfarrstelle in Wanlo. Er stritt um die Kirche allerdings noch 1404.(8)

1436 ist Heinrich N. als Kirchspielherr* in Wanlo nachzuweisen.(9)

Der Herzog von Jülich scheint mit dem Kauf des Dorfes Wanlo 1386 auch das Patronatsrecht der dortigen Kirche von den Herren von Dyck erworben zu haben. Denn nach dem Bericht des Dechanten Insulanus von 1549 an den Erzbischof hat der Herzog, da die Kirche 2 Jahre unbesetzt war, einen Rektor angestellt, obwohl Wanlo dem Weisungsrecht des Erzbischofs unterstand.(10)

Quelle: Erkelenzer Börde und Niersquellengebiet, Mackes.(Seite 390-392)

1 = P. Clemen, W. Zimmermann, Die Kunstdenkmäler des Kreises Grevenbroich, Düsseldorf 1897.
2 = Fr. W. Oedinger, Der Liber Valoris, Bonn 1967.
3 = Sauerland II, 1337
4 = Sauerland II, 1725
5 = Sauerland II, 1726
6 = H. H. Giersberg, Geschichte der Pfarreien des Dekanates Grevenbroich, Köln 1883.
7 = Sauerland II, 1912
8 = Sauerland VI, 1073, VII, 412
9 = U B Harff 370a (Hochstaden 18)
10 = Stadtarchiv Köln Alftersche Haus 27, fol. 292

* = Anmerkungen des Chronisten.
[….] = Anmerkungen des Chronisten im Text.
* Pfründe = in der kath. Kirche die Einkünfte aus Kirchengütern, die mit einem geistlichem Amt verbunden sind.
* Kanoniker = Mitglied eines Kirchen- oder Dom- Kapitels; die Titelverleihung ist meist mit einer Pfründe verbunden.
* Kirchspiel = Kirchsprengel, der Bereich einer Pfarrei.
* Kurie = die römisch-katholische Zentralbehörde in Rom.

Beschreibung der neuen Kirche 1907


von Pfarrer Adolf Plönnis



Die Kirchengemeinde Wanlo, in der Bürgermeisterei gleichen Namens, im Kreise Grevenbroich, im Reg.- Bezirk Düsseldorf, in der Erzdiözese Köln, zählt mit dem Nebendorf Kuckum ca. 1350 Einwohner, worunter ca. 5 Protestanten und 40 Juden sind.

alte + neue Kirche in Wanlo
alte + neue Kirche in Wanlo
Eine Geschichte der neuen Pfarrkirche wird den Bau der alten abgebrochenen Pfarrkirche zuerst beschreiben müssen.

Die alte Pfarrkirche stammte in ihrem ältesten Teile aus dem dreizehnten Jahrhundert; sie war eine einschiffige kleine romantische Pfeilerbasilika.
Im laufe der Zeit für die Pfarreingesessenen zu klein, brach man 1729 die Chorabsis ab, verlängerte das Hauptschiff mit einer frühgotischen unschönen polygonen Chorabsis und fügte zwei ebenso unschöne Seitenschiffe an.

Auch diese vergrößerte Kirche erwies sich schon längst für die Pfarrgemeinde zu klein; sie war teils feucht; die Gewölbe waren morsch; im Innern war sie roh gekälkt, die Fenster mit Fensterglas unschön verbleit, die ganze Kirche befand sich in einem innerlich und äußerlich sehr vernachlässigten Zustande.

Mit dem Bau der neuen Kirche wurde der Reg.-Baumeister Julius Busch in Neuß betraut.

Nach eingeholter Genehmigung der Baupläne durch die weltlichen und geistlichen Behörden und nach erhaltener Erlaubnis einer Haus- und Kirchenkollekte wurde im Frühjahr 1898 der Chor der alten Kirche abgebrochen und neu gebaut.
Der Gottesdienst wurde in dem alten Teile der Kirche gehalten. Als der Chor der neuen Kirche vollendet war, wurde auch diese abgebrochen und neu gebaut.

Auch der Turm wurde erneuert. Der alte Turm war, laut der Chronik des Pfarrarchivs, am dritten Ostertage des Jahres 1752, am 4. April, eingestürzt.
Am 14. Juni desselben Jahres wurde der Grundstein zu dem jetzigen Turme gelegt. Da dieser für die neue Kirche zu niedrig war, wurde das dritte Geschoß desselben erhöht und ein Achteck mit Helm aufgesetzt. Das geschah im Jahre 1900.

Kirche von 1900 in Wanlo
Kirche von 1900 in Wanlo
Die neue Kirche ist ein Ziegelbau; sie ist in der einfachsten Weise, ohne Fenstermaßwerk und ohne steinerne Ornamentik, im frühgotischen Stiele erbaut.
Ihre Länge beträgt incl. Turm: 38 Meter; ihre Breite: 15,50 Meter; die Höhe des Hauptschiffes: 12 Meter; die Höhe des Turmes: 45; sie ist erbaut auf der Stelle der alten Pfarrkirche; unter teilweiser Benutzung der alten Fundamente.

Der Baupreis beträgt: 70,000 Mk.; 27,000 Mk. brachten die beiden Kollekten, 3000 Mk. wurden bei der Provinziallandesbank in Düsseldorf für den neuen Bau aufgenommen und werden zu 80 – 85 Prozent der Einkommensteuer durch Umlage auf die Gemeinde abgetragen.
Die Mauerarbeiten führten die Gebr. Görtz aus Gazweiler aus; die Zimmerarbeiten der Zimmermeister von Werden von hier; die Dachdeckerarbeiten Meister Könen von hier; die Klempnerarbeiten Meister Wert in Wickrath; die Schlosserarbeiten der Meister Wirts von hier; die Schreinerarbeiten Meister Franz Pisters von hier; die Pliesterarbeiten [Putzarbeiten] Meister Sauer aus Keyenberg.


Der Titel der neuen Kirche ist der der alten: Das Geheimnis der Himmelfahrt Mariä.

Die Kirche, eine frühgotische kleine Basilika, hat drei Schiffe, deren Mittelschiff die Seitenschiffe überragt; ein Querschiff in der Höhe des Mittelschiffes; als Verlängerung des Hauptschiffes ein polygone Chorabsis. Als Stützen der Gewölbe dienen vier Vierungspfeiler mit drei Säulen; in den Seitenschiffen werden die Gewölbe von Wandkonsolen aufgenommen. Das Hauptschiff hat vier Joche.

Neben dem Turme ist auf der Südseite ein Eingangsportal in der Westseite des Turmes; in der Nordseite des Turmes die Taufkapelle. Die Seitenschiffe haben keine Apsiden wegen den dahinter liegenden zweigeschossigen Sakristeien.

Um den Bau der Kirche haben den größten Verdienst erworben: der in den Ruhestand getretene Bürgermeister Wilh. Müllers [Johann Wilhelm Müllers 1875 – Dez. 1906] und der verst. Ortsvorsteher Hubert Heinen, welch’ edlen Männern an dieser Stelle der wärmste Dank für ihre vielen Mühen nochmals abgestattet sein soll!

In der Wand hinter dem Hochaltar ist eine Sandsteinplatte eingelassen, auf der die Worte eingeschrieben stehen:

Wandtafel in der Kirche zu Wanlo
Wandtafel in der Kirche zu Wanlo

Haec ecclesia in hon. b. virg.
Mariae assumptae
exstructa est a. 1898 – 1899
Papa Leone XIII.
Archip. Phillippo Krementz card. presb.
Parocho Ad. Plönnis.



[Papst Leo XIII. 1878 – 1903
Adolf Plönnis 1896 – 1908 Pfarrer von Wanlo]

Das Innere der Kirche macht einen erhebenden, feierlichen und zur Andacht stimmenden Eindruck, den das durch die gemalten Fenster gemilderte Licht noch steigert.
Die Kirche hat drei Altäre, zu welchen, ebenso wie zu der Kommunionbank, das edelste Material, der schneeweiße karrarische Marmor verwendet wurde. Diese Marmorarbeiten wurden von der Firma Peters und Sneyers in Düsseldorf ausgeführt.

Hochaltar

Der Hochaltar erhebt sich auf einem Unterbau mit drei Stufen aus schwarzem belgischen Granit. In der Mensa des Hochaltares, deren Säulen aus rötlich geädertem schwedischen Marmor, mit vergoldeten Kapitellen, hergestellt sind, finden sich, auf vergoldeten Kupferplatten gemalt, die Bilder: Abraham und Melchisidech, Abrahams Opfer und das Mahl des Opferlamms.

Tabernakel

Das Tabernakel sowie das Expositorium für die Monstranz sind vergoldet; ersteres mit einem Kranze von vergoldeten Blättern und Halbedelsteinen eingerahmt, zeigt in schwarzem Riello auf Glanzgold das Bild der Verkündigung Mariä, sich beziehend auf das allerheiligste Altarsakrament, das Wunder einer neuen Menschwerdung.
Das Tabernakel wird überragt von dem hohen gotischen Baldachin, aus weißem Marmor, der in der Kreuzblume endigt. Neben dem Tabernakel hängen an Stangen, mit gotisch stilisiertem Blattornament, Teppiche mit seidengestickten Bildern, die an Werktagen von Vorhängen aus seidenem Goldbrokat überdeckt sind. In den Lauben, die den hohen Baldachin des Tabernakels zur Seite flankieren, stehen vergoldete Engel mit Spruchbändern, deren Worte sich auf das hl. Meßopfer beziehen.
Die Leuchterbänke sind mit Einlagen aus Hinterglasmalerei geschmückt, Laubornamente mit Spruchbändern enthaltend. Die Säulen an den drei Altären sind aus grünlichem südamerikanischem Onyx.

Seitenaltären

Von den beiden Seitenaltären, die ganz im Stile des Hochaltares stilisiert sind, ist der linke dem hlst. Herzen Jesu, der rechte der hl. Familie geweiht. Alle Bilder in denselben sind auf vergoldete Kupferplatten gemalt.
Die Herz-Jesu Statue ist von Tillmanns in Erkelenz; die lieblichen kleinen Engel von R. Grüters in Köln-Nippes; aufs feinste polychromiert von Gustav Kaspers von hier.

Kommunionbank

Die Kommunionbank, aus weißem karrarischen Marmor, mit Säulchen aus rötlich-weißem schwedischen Onyx und vergoldeten Kapitellen, flankieren zwei Engen, Kerzen tragend, auf Marmorsäulen, von Tillmanns in Erkelenz.
In der Mitte das Bild des Heilandes mit den Emausjüngern; ihm zur Seite je ein Engel, welche dem hl. Stanislaus Kostka und dem hl. Alonsius die hl. Kommunion reichen. Die Kanzel, aus feinstem Pariser Sandstein aus Savonieres, in Reliefs die Bergpredigt darstellend, ist von Laumen und Tillmanns in Erkelenz hergestellt.
Das gegenüberstehende Votivaltärchen, in demselben Material wie die Kanzel, die Stiftung des Rosenkranzes in Relief von R. Grüters in Köln-Nippes.

Taufbecken der Kirche Wanlo
Taufbecken der Kirche Wanlo

Taufstein

Der Taufstein in der Taufkapelle ist der der alten Kirche. Die Pfünte aus dem 12. Jahrhundert, wurde aber mit einem neuen Deckel geschmückt; ebenso ist die Basis mit den Granitsäulen erneuert.
Das Kruzifix mit Maria und Johannes in der Taufkapelle ist von dem Kreuzaltar der alten Kirche.

Kreuzwegstationsbilder

Die Kreuzwegstationsbilder, im linken und rechten Seitenschiffe einander unmittelbar sich folgend, sind Kopien des Kreuzweges von Prof. Klein in Wien; auf vergoldete Kupferplatten gemalt, umrahmt mit Sandstein-Einfassung.

Die Kirche wurde in mustergültig stilisierter Zeichnung vom Maler Gustav Kaspers von hier [Wanlo] in vornehmster Weise polychromiert; auf dem Triumphbogen, auf schraffiertem Goldgrunde, die Anbetung des Lammes Gottes von Engelchören nach einem Karton von Karl Müller in Düsseldorf für die Appollinariskirche.

Glasmalerei

Betrachten wir nun die überaus herrlichen Glasmalereien der Kirche, hergestellt von der Firma Binsfeld & Jansen in Trier; sie bilden neben den prachtvollen Altären ihren Hauptschmuck und schildern das Leben Mariens in seinen ersten Anfängen bis zu ihrer Himmelfahrt; dieselben sind in spätgotischen Stiele gehalten, umrahmt von reichen, spätgotischen Architekturen.
In ihrer Charakteristik suchte man den spätgotischen Charakter mit dem modernen Empfinden möglichst zu verschmelzen. Ihr Colorit ist von wundervollen Reizen und ihre Lichter glänzen, das grelle Tageslicht milde dämpfend, in wundervollem kristallinischem Leuchten.

Unten links im Seitenschiff, am ersten Fenster, fleht der Prophet Elias auf dem Berge Karmel um Regen; es erscheint ihm in der Regenwolke die Mutter Gottes mit dem Kindlein; gegenüber alttestamentliche Frauen, als Vorbilder Mariä.
Im zweiten Bilde links verkündet der Engel Gabriel der alten Mutter Anna die Geburt eines Töchterleins; gegenüber die unbefleckte Empfängnis, Stiftung zur Erinnerung an das fünfund-zwanzigste Amtsjubiläum des Bürgermeisters Wilhelm Müllers. [Johann Wilhelm Müllers 1875 bis Dezember 1906]
Im weiteren Fenster links opfern Joachim und Anna ihr Töchterlein im Tempel; gegenüber erklärt die alte Mutter Anna ihrem Töchterlein eine messianische Weissagung. Die Zeichnung dieser Bilder sowie ihre Ornamentik ist von miniaturähnlicher Feinheit, und ihre schönen Lichteffekte verursacht das zu denselben verwandte Unterfangsglas.
Im ersten großen Fenster links im Seitenschiff lehrt die Mutter Gottes den kleinen Knaben gehen; er greift nach den Freuden des kindlichen Lebens, nach Häschen und Blumen. Das dunkle Schattenbild des kreuztragenden Heilandes über ihr deutet aber den Weg an, den derselbe dereinst wandern wird. Dieses herrliche Bild ist von unsagbarer Schönheit der Zeichnung, der Landschaft, in der freudenverklärtesten Farbenstimmung.
Gegenüber im großen Bilde unterrichtet der hl. Joseph den kleinen Knaben im alten Gesetze. Dieses herrliche Bild entspricht an Schönheit seinem gegenüberstehenden.
In dem großen Bilde weiter links die Vermählung der Eltern des Heilandes. In diesem Bilde ist die Gestalt der hl. Jungfrau von größter Anmut, Reinheit und Holdseligkeit.
Gegenüber im Bilde die Großeltern des Heilandes. Joachim und Anna treffen sich, infolge einer inneren Einsprache Gottes, vor der goldenen Pforte des salomonischen Tempels, um ein Lamm zu opfern.

In dem Fenster links vor dem Herz-Jesu-Altare: die hl. Margaretha Alacoque erhält in einer Verzückung den Auftrag zur Verbreitung der Herz-Jesu-Andacht. Gegenüber am Altare der hl. Familie opfert sich der hl. Aloysius als kleiner Prinz der Mutter Gottes in Loreto; ein Bild von ergreifender Lieblichkeit.

Die drei Fenster des Hochchores verherrlichen die drei Hauptgnaden in dem Leben Mariens; ihre sündenlose Geburt, ihren seligen Tod und ihre himmlische Krönung durch die allerheiligste Dreifaltigkeit.
In dem Geburtsbilde bewundern wir die Pracht der Farben und ihrer harmonischen Wirkungen; in dem mittleren Bilde ist die knieend schwebende Gestalt Mariens von wunderbarer Schönheit des Ausdruckes und zartester Andacht.
Als Titelbild der Kirche schwebt sie über dem Hochaltare unter der allerheiligsten Dreifaltigkeit; so aller Blicke und Herzen in Andacht zu sich und zu Gott hinziehend.
Diese drei Glasgemälde gehören zum schönsten, was die erneuerte Glasmalerei in Deutschland hervorgebracht.

Reliquienkreuze

Die zwei Reliquienkreuze auf den Wandpfeilern enthalten die Reliquien aus der alten Kirche von berühmten Martyrern, Jungfrauen und Bekennern; ohne Authentik.

Glocken

Die Glocken der alten Kirche sind geblieben.
Die älteste ist aus dem Jahre 1403; sie trägt die Inschrift: Das hl. Blut unseres Herrn Jesu Christi bewahre uns vor Blitz und Ungewitter; sie ist getauft auf die Namen: Jesus, Maria, Johannes.
Die zweite Glocke ist gerissen und bedarf eines Umgusses; sie stammt aus dem Jahre 1660 und trägt die Namen: Anna, Maria, Joseph.
Die kleinere Glocke aus demselben Jahre ist mit den Namen Sebastianus und Antonius bezeichnet.

Die Anlagen auf dem alten Kirchhofe sind gärtnerisch erneuert und umrahmen das frühere Kirchhofkreuz. Der neue Kirchhof wurde 1874 angelegt und benutzt; er gehört der Zivilgemeinde.

Kapelle

Die Kapelle auf dem alten Kirchhofe im Pfarrgarten ist 1810 vom Pfarrer Hoffmann [Franz Anton Hoffmann 1779 – 1814] errichtet worden; sie wurde 1898 gänzlich erneuert, vom Maler Gustav Kaspers neu gemalt; sie erhielt einen neuen Kreuzweg, sowie eine Pieta und ein Glasfenster von Oidtmann in Linnich mit einem schmerzhaften Engel; sie dient jetzt als Gnadenkapelle der Andacht der Gläubigen, welche in ihren Nöten bei der schmerzhaften Mutter Gottes Trost und Hülfe suchen.

Die Kirche besitzt einen schönen Schatz an Paramenten aus den ersten Stickateliers Deutschlands; einen kostbaren Baldachin für Prozessionen; eine neue gotische Monstranz; zwölf neue vergoldete Leuchter und einen neuen vergoldeten, fein stilisierten Osterleuchter.

Zum Kirchenvorstande gehören die Mitglieder: Pfr. Plönnis, Vorsitzender; Joh. Jansen von hier, stellvertretender Vorsitzender; August Jorissen, Rendant; Heinrich Conen; Theod. Mundt; Jos. Hurtz und Joh. Jansen aus Kuckum. Die Herren liegen mit großer Gewissenhaftigkeit ihrem Amte ob.
Die Vikariestelle ist wegen Priestermangel unbesetzt.
Die Küsterstelle hat inne: Anton Nießen, welcher mit größter Sorgfalt für die Reinheit des Äußeren und Inneren der Kirche waltet. Kirchenschweizer ist Adam Meinz.

Am Schlusse dieser Arbeit kann ich es mir nicht versagen, hier den großen Opfersinn der Gemeinde für den Bau und die innere Ausstattung der Kirche lobend und rührend hervorzuheben!
Alle, Reich und Arm, brachten mit Freude ihr Scherflein zur Verschönerung des Hauses Gottes; für alle Wohltäter der Kirche, für die kleinen und die großen, wird jeden Sonntag im Hochamte das Gebet verrichtet, mit den Worten: Allmächtiger, ewiger Gott, wir bitten Dich, Du wollest alle Wohltäter dieses Gotteshauses mit geistlichen Gütern und himmlischen Gnaden belohnen, gemäß Deinen Verheißungen, auf die wir fest vertrauen, durch Christum unseren Herrn.

Ja, tiefster, herzlicher Dank sei euch, ihr Lieben Pfarrkinder, dargebracht für all das Gute, das ihr mir, für eure Pfarrkirche getan und noch tut, in welcher ihr getauft seid, in welcher ihr die erste heilige Kommunion empfangen und von welcher aus man euch dereinstens zur ewigen Ruhe bestatten wird.
Alles, was ihr getan, wird euch der liebe Gott in besseren Welten vergelten, und der jüngste Tag wird es laut verkünden! –
"Gesegnet werden sein, die dich aufbauen!" Tob. 13, 16.

Orgelgeschichte Wanlo

Bericht von November 2013
Laut GVO 2 I (Generalvikariats Ordner) wurde erstmals 1826 eine Orgel in Wanlo erwähnt. Zu dieser Zeit, so lesen wir im Budget des Jahres 1826, gab es einen Organisten, der bezahlt wurde. Der Orgelstimmer erhielt eine jährliche Entlohnung von 2 Talern 90 Silbergroschen und 3 Pfennigen.

1851 plante man, eine bereits vorhandene Orgel unbekannten Alters, Größe und Erbauers reparieren zu lassen. Im Budget wurden 400 Taler dafür veranschlagt. Es wurde ein Antrag an das erzbischöfliche Generalvikariat in Cöln gestellt zur Genehmigung dieser Orgelreparatur. Hier taucht der Name Wilhelm Koulen, Orgelbauer aus Heinsberg auf. Im Budget 1852 taucht allerdings nur die Summe von 100 Talern für die Orgelreparatur auf.

Die Orgelbauer Koulen waren ein Familienbetrieb und hatten die Werkstatt zunächst von 1838 bis 1845 in Waldfeucht, von 1846 bis 1889 in Heinsberg. Der Sohn Heinrich gründete 1872 eine eigene Firma in Straßburg, während der letzte Nachfahre aus dem Betrieb im Rheinland 1954 verstarb.

1930 wurde in Wanlo durch die Firma Stahlhuth aus Aachen eine neue Orgel gebaut. Es wurden 7.500 Mark als Anzahlung gegeben und bei Aufstellung 2.500 Mark. Diese Orgel wurde dann 1959 ebenfalls durch die Firma Stahlhuth elektrifiziert.

Wieso auf dem Firmenschild am Spieltisch nun der Name Orgelbau Karl Bach steht, ist noch nicht geklärt.

Info: Heinz-Josef Clemens, Organist aus MG-Eicken
Letzte Aktualisierung ( Freitag, 12. Mai 2017 )