Preußisches Heer
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Artillerie
Füsiliere
Grenadiere
Jäger und Schützen
Musketiere
Sappeure
Spielleute der Infanterie
Technische Truppen

Kleines Lexikon


Schellenbaum

Dienstgrade im Vergleich

Marine

Heer

- - - General-Feldmarschall
Admiral General (der Kavallerie/Infanterie)
[früher: Generaladmiral] Generaloberst
Vizeadmiral Generalleutnant
Konteradmiral Generalmajor
Flottillenadmiral Brigadegeneral
Kapitän zur See Oberst
Fregattenkapitän Oberstleutnant
Korvettenkapitän Major
Kapitänleutnant Hauptmann/Rittmeister
Fähnrich zur See Fähnrich (Offz.-Anwärter)
Bootsmann Feldwebel
Obermaat Stabsunteroffizier (StUffz)
Maat Unteroffizier (Uffz)
Matrose Husar, Schütze, Jäger....


Erster Offizier = nach dem Kapitän der Ranghöchste Offz. an Bord eines Schiffes.

Fähnrich = im Mittelalter der Fahnenträger.
ab dem 18. JH. der jüngste Offz. der Infanterie,
Fähnrich bei der Kavallerie = Kornett

Der bunte Rock

Einen blauen Waffenrock trugen alle Infanterieregimenter, Artillerie, die Technischen Truppen sowie die Dragonerregimenter.
Die Knopffarbe, die sich über die gesamten Beschläge erstreckte, war entweder gold- oder kupferfarben, oder silberfarben. Bei kupfernen Knöpfen waren die Beschläge selbstverständlich gelb.
Mannschaften hatten zur Unterscheidung der Regimenter Schulterklappen mit den unterschiedlichsten Zahlen oder Monogrammen. Die Farben der Klappen waren ebenfalls unterschiedlich.
Offiziere trugen zum Dienst Schulterstücke mit den jeweiligen Zahlen oder Monogrammen. Zur Parade oder Gala trugen nur Offiziere Epauletten.

Eine Ausnahme bildeten die Dragoner. Hier hatten auch die Mannschaften Epauletten und keine Schulterklappen. Die Offiziere hatten Schulterstücke, die Epauletten wie Infanterie.

Einen grünen Waffenrock hatten alle Jäger- und Schützen. Knopffarbe war gelb. Schulterklappen und Schulterstücke wie Infanterie. Die Kopfbedeckung war hier jedoch nicht die Pickelhaube, sondern der Tschako.

Artillerie

Unter Artillerie verstand man alle Feuerwaffen, die so schwer waren, daß sie ein einzelner Mann nicht mehr tragen konnte. Noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts war sie mehr Handwerk als Truppe, und sie besaß auch ganz eigene Rechtsvorschriften, selbst eine Lehrzeit war üblich. Im Frieden gab es nur wenige Bedienstete, die als Zeugmeister, Feuerwerker oder Büchsenmeister (Konstabler) tätig waren. Für das Feld wurden nur wenige Geschütze gebraucht und von den Büchsenmeistern und Handlangern bedient. Im 30jährigen Krieg [1618 – 1648] tauchten leichte Geschütze auf, die bei den Infanterie-Einheiten blieben, nämlich die Regimentsstücke. Damit wurde die Artillerie beweglicher, nur wenige schwere Kanonen waren im Feld.

In Brandenburg wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts die Artillerie langsam zur Truppe und ihre Bediensteten in Kompanien eingeteilt. So gab es um 1700 bereits 1 Bombardier- und 8 Kanonierkompanien. Seit 1716/17 bestand ein Feldbataillon zu 5, später 6 Kompanien und 4 Garnisonkompanien für die Bedienung der Geschütze in den Festungen. Friedrich II. [der Große, König 1740 – 1786] errichtete schon 1741 ein 2. Feldbataillon. Die Kanoniere waren zur Bedienung der Regimentsstücke aber auch der schweren Kanonen bestimmt. Daneben gab es natürlich auch Garnison-Artillerie-Einheiten. Der Siebenjährige Krieg [1756 – 1763] brachte eine bedeutende Verstärkung an Geschützen und Mannschaft, und das nun bestehende Feldartillerie-Regiment umfaßte fast 4000 Mann. Schwere Geschütze wurden schon ständig in Brigaden (Batterien) von je 10 Geschützen geteilt. In den Jahren 1762/63 geschah die neue Formation in 30 Kompanien zu 6 Bataillonen, die erst 2, dann 3 Feldartillerie-Regimenter bildeten. In diesem Krieg formierte man in Preußen auch erstmalig eine „reitende Artillerie“, die sich sehr bewährte, wenn sie auch zweimal verlorenging. Sie hatte 6pfündige Kanonen und war in Brigaden (Batterien) zu 10 Geschützen gegliedert.

Im Jahre 1772 bildete man das 4. Feldartillerie-Regiment, auch die reitende Artillerie blieb nun im Frieden aufgestellt. Die Gesamtstärke der Artillerie umfaßte 1787 schon 4 Feldartillerie-Regimenter und 3 reitende Kompanien sowie 13 Garnison-Kompanien. Als die Zahl der reitenden Kompanien sich ständig erhöhte, konnte im Jahre 1805 das "Reitende Artillerie-Regiment" aufgestellt werden.

Nach 1808 gab es zunächst 3 Brigaden, von denen jede 3 reitende und 12 Fußkompanien hatte. In den Befreiungskriegen blieb die Mannschaft bei den gleichen Geschützen in Batterien zusammen. Diese wurden nach dem Geschützkaliber benannt.

Bei der Neugestaltung des Jahres 1816 gab es 1 Garde- und 8 Linien-Brigaden (eine in jedem Divisionsbereich), wobei jede aus 3 Abteilungen bestand. Vom Jahre 1851 ab trennte man die Fuß- und die reitende Artillerie, aber auch die Feld- und Festungsartillerie. Bei der Feldartillerie bleiben die Kompanien nun bei dem gleichen Geschütz und führten fortan den Namen Batterien.
Bei der Reorganisation des Jahres 1860 schaffte man Regimenter, die man bald aber wieder Brigaden nannte, aus 3 Fußabteilungen und 1 reitenden Abteilung. Von 1864 ab sollten dann innerha1b jeder Artillerie-Brigade ein Feldartillerie-Regiment mit 4 Abteilungen und ein Festungs-Artillerie-Regiment mit 2 Abteilungen bestehen.
Die Kleidung der Artilleristen war zunächst verschieden. In Brandenburg berichtete man von braunen Tuchröcken, ab 1678 aber von blauen, rot gefütterten Röcken. Während des 1. Königs [Friedrich I., 1701 – 1713] setzte sich ein blauer, vorn geknöpfter Rock mit blauen Aufschlägen, rotem Futter und Messingknöpfen durch. Dazu wurden Lederhosen und ein Hut mit Goldtresse getragen. Beim Soldatenkönig [Friedrich Wilhelm I., 1713 – 1740] blieben diese Farben, doch glich sich der Schnitt der Infanterie an, die Unterkleider wurden paille.
Bombardiere trugen von 1731 bis 1756 eine besondere, der Füsiliermütze ähnliche Kopfbedeckung. Unter Friedrich II. [dem Großen, 1740 – 1786] blieb die Uniform unverändert, nur die schlesische Artillerie erhielt schwarze Halsbinden. Im Jahre 1787 bekam der Rock blaue Rabatten, die Unterkleider wurden weiß, auf dem nun zweiklappigen Hut saß eine platzende Granate mit dem königlichen Namenszug.
Im Jahre 1798 endlich erhielt die Artillerie die ihr gebliebene schwarze Abzeichenfarbe auf Kragen, Klappen und Aufschlägen, rote Halsbinden und den nun wieder dreieckigen Hut. Die reitende Artillerie trug seit 1801 ein Kavallerie-Kollett in den Farben der Fußartillerie, den Kavallerie-Hut mit Federbusch und kurze Husarenstiefel.

Nach 1808 bekam die Fußartillerie die Montur der Infanterie, die reitende Artillerie das Kavallerie-Kollett in den alten Farben. Die Aufschläge bei der Fußartillerie waren dabei brandenburgisch, bei der reitenden schwedisch. Der Tschako entsprach dem der Infanterie und Kavallerie, hatte aber als Dekoration eine flammende Granate. Die Garde trug den Gardestern und rotwollene Tschako-Behänge sowie Gardelitzen. Die Wandlungen der Uniformierung folgten auch hier der Infanterie und den Dragonern. Mit der Einführung von Waffenrock und Helm im Jahre 1843 erhielten diese auch die Artillerie, doch wich bald die anfangs auch getragene Spitze einer Kugel.

Quelle: Preussisch-Deutsche Uniformen von 1640 – 1918, aus dem "Orbis Verlag"

Füsiliere

Füsilier bedeutet Träger des Steinschloßgewehrs (franz. fusil), also ein Soldat, der mit einer solchen Waffe ausgerüstet ist. Als sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts diese Waffe endgültig durchgesetzt hatte, wurde der Normalinfanterist in den meisten europäischen Heeren auch so bezeichnet. In Preußen aber führte dieser traditionell den Namen Musketier weiter. Daher nannte man in Preußen diese Truppen nur kurzzeitig Füsiliere, die zuerst ausschließlich mit Flinten bewaffnet waren.

Vom Jahre 1723 ab wurde dann der Name Füsilier für neuerrichtete Regimenter gebraucht, bei denen hinsichtlich der Größe des Mannes geringere Anforderungen gestellt wurden. Weil dann aber notwendigerweise die Gewehre verkürzt werden mußten und damit deren ballistische Leistung sank, waren diese Truppen für die 2. Linie in der Schlachtordnung der Lineartaktik vorgesehen. Die Füsiliere erhielten eine besondere Kopfbedeckung, die der Grenadiermütze ähnlich sah, nur stand das Kopfteil etwas vom Vorderblech ab und war statt eines Puschels mit einer flammenden Glocke verziert.

Friedrich der Große ließ fast alle nach 1740 neuerrichteten Regimenter als Füsiliere aufstellen; die bis dahin schon bestehenden und das Regiment Prinz Ferdinand erhielten Hüte und wurden Musketierregimenter. Die Organisation und die Aufgaben dieser Füsilierregimenter entsprachen völlig der der anderen Infanterieregimenter.

Im Jahre 1787 setzte in Preußen ein völliger Bedeutungswandel des Namens Füsilier ein. Die schon vorhandenen alten Füsilierregimenter wurden alle Musketiere. Aus vorhandenen Elitetruppen wurde eine neue leichte Infanterie gebildet, die nunmehrigen Füsiliere, die für das zerstreute Gefecht besonders ausgebildet werden sollten. Die neuen Füsiliere waren in Bataillonen organisiert, davon wurden zunächst 20, später noch vier weitere aufgestellt. Tüchtige Offiziere verstanden es bald, dieser Truppe einen Elitecharakter zu geben.
Typisch wurde für sie die Ausrüstung mit dem dunkelgrünen Uniformrock und dem schwarzen Lederzeug. Die Gewehre waren leichter und es wurden besondere Seitenwaffen (Faschinenmesser) getragen. Die einzelnen Bataillone unterschieden sich dadurch, daß je 2 eine gemeinsame Abzeichenfarbe für Aufschläge, Rabatten und Kragen hatten, jedes Bataillon aber verschiedenfarbige Metallknöpfe.
Statt des zweiklappigen Hutes wurde dann ab 1801 ein zylindrischer Filztschako eingeführt. Die Jacken erhielten ein rotes Futter und auch die Abzeichen wurden geändert. Nicht mehr jedes Bataillon, sondern jede Brigade (zu je 3 Bataillone) hatte gemeinsame Abzeichen.

Nach 1808 waren die Füsiliere als eigenständige Infanterie aufgehoben. Bei den neuen Infanterieregimentern hießen die III. Bataillone "Füsilierbataillone". Die Füsiliere trugen die allgemeine Regimentsuniform, behielten aber als Kennzeichnung das schwarze Lederzeug. Zunächst hatten sie am Tschako statt des königlichen Namenszuges eine Kokarde, ab 1816 wurde aber ersterer getragen.
Wenn ein Haarbusch aufgesteckt wurde [zur Parade oder Gala], war dieser schwarz. Nach der Einführung von Helm und Waffenrock deutete nur das schwarze Lederzeug auf den Füsilier hin. Übrigens waren die Füsilierbataillone die ersten Einheiten, die nach 1848 mit dem neuen Zündnadelgewehr ausgerüstet wurden.
Seit 1889 war dann der Name Füsilier nur noch eine bloße Überlieferungsbezeichnung.

Quelle: Preussisch-Deutsche Uniformen von 1640 – 1918, aus dem "Orbis Verlag"

Grenadiere

Der Name Grenadier (Granadirer) tauchte zuerst um die Mitte des 17. Jahrhunderts auf. Man bezeichnete damit Soldaten, die aus Gußeisen oder Glas bestehende Handgranaten gegen den Feind warfen. Dazu brauchte man entschlossene und kräftige Leute, die sich freiwillig zu diesem auch für den Werfer gefährlichem Geschäft meldeten. So wurde der Name Grenadier bald eine Ehrenbezeichnung, die auch dann noch für besonders tapfere und ausgesuchte Infanteristen gebraucht wurde, als um die Mitte des 18. Jahrhunderts die gefährliche Handgranate nicht mehr eingesetzt wurde. Grenadiere sollte mittelgroße, kräftige, "soviel wie möglich bärtige Kerls, die von guten Gesichtern sind", ihre Unteroffiziere die kleinsten vom Regiment, aber ausgesucht tüchtige sein.

Die ersten Berichte über ständige Verwendung von Grenadieren in der brandenburgisch-preußischen Armee stammen von einem 1675 geworbenen Regiment Mariniers, bei denen jede Kompanie 10 Grenadiere besaß. Laut einer Verordnung von 1681 mußte sich aber bei allen Infanterie-Kompanien unter den Soldaten je 6 Grenadiere befinden. Die Grenadiere aller Kompanien eines Bataillons wurden zur Verwendung schon zu eigenen Kompanien zusammengezogen. Sie erhielten auch zuerst in der damaligen Infanterie statt der Luntengewehre die neuen Flinten, weil sie diese mit dem Gewehrriemen auf den Rücken hängen konnten und so die Arme zum Werfen frei hatten. Im Jahre 1689 erschienen im Exerzitium der Leibgarde auch die "Handgriffe der Grenadiere".

Im spanischen Erbfolgekrieg wurden die Grenadiere mehrerer preußischer Regimenter teilweise zu eigenen Bataillonen zusammengezogen, erstmalig 1703 bei Höchstätt, dann 1706 bei Cassano und Turin, eine Maßnahme, die sich im folgenden Jahrhundert oft wiederholen sollte. Zwar ging der Gebrauch der Handgranaten immer mehr zurück, doch blieben die Grenadiere die Elitetruppe. So entstanden eigene Grenadierbataillone, wie das rote oder auch große Leibbataillon und die weiße Grenadier-Garde. Außerdem hatte jede Infanteriekompanie ihre Grenadiere (12), die als Flügelgrenadiere bezeichnet wurden, weil sie im formierten Bataillon auf dem (meist) rechten Flügel zusammentraten. Vom Jahre 1735 blieben auch bei den Linien-Infanteriebataillonen die Grenadiere ständig in eigenen Kompanien beisammen, ergänzten sich aber immer noch aus bewährten Soldaten der anderen Kompanien.

Sowohl unter dem Soldatenkönig [Friedrich Wilhelm I. 1713 – 1740], als auch unter Friedrich II. [der Große, 1740 – 1786] hießen die Soldaten von des Königs Regiment (Garde) stets Grenadiere, auch wenn sie keine Grenadiermützen, sondern nur Hüte trugen. So trugen beim Regiment Friedrich des Großen, welches aus dem 1. Bataillon Garde und dem Regiment Garde (2. und 3. Bataillon) bestand, nur die Flügelgrenadiere des 1. und 2. Bataillons und das ganze 3. Bataillon Grenadiermützen. Für die Kriegsdauer traten die Grenadierkompanien von je 2 Regimentern zu einem Bataillon zusammen, es gab aber auch "ständige Grenadier-Bataillone" aus Grenadier-Kompanien der Garnison-Infanterie und der in Wesel stationierten Regimenter.

Ab 1787 bildete dann jedes Infanterie-Regiment durch Verdoppelung der Grenadier-Kompanien ein eigenes Grenadier-Bataillon. Doch wurde der alte Zustand und damit der Elitecharakter 1799 wieder hergestellt. Die zusammengestellten Grenadier-Bataillone sollten aber auch im Frieden beisammen bleiben. Es bestanden nun 29 Bataillone.

Nach dem Frieden von Tilsit hatte wieder jedes Infanterieregiment 2 Grenadier-Kompanien, die von je 2 Regimentern zu einem Bataillon zusammentraten. Im Jahre 1814 wurden dann die Grenadierbataillone zu 2 Grenadier-Regimentern vereinigt, deren Chefs die Kaiser von Rußland und Österreich waren und die 1820 Garderang erhielten. Sie hießen nun 1. und 2. Garde-Grenadier-Regiment. So blieb der Zustand bis zur Armeereform des Jahres 1860. Dann wurden 2 weitere Garde-Grenadier-Regimenter errichtet. Die alten Infanterie-Regimenter 1 – 12 hießen fortan "Grenadier-Regimenter".

Das Aussehen der Grenadiere wurde vorwiegend durch die eigenartige Kopfbedeckung bestimmt. Die Infanterie in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts trug einen breitkrempigen, recht niedrigen Hut. Da dieser sowohl beim Umhängen des Gewehrs als auch beim Werfen ziemlich hinderlich war, trug der Grenadier die übliche Lagermütze, die der Alltags- und Nachtmütze des Bürgers sehr ähnlich war. Dazu hatte er zunächst statt des Wehrgehenks ein Leibgehenk, an dem er Säbel und Bajonett, über die linke Schulter die große Granatentasche mit metallenem Luntenberger. Um 1700 wurden die Grenadiermützen allmählich höher, der Sack wurde gesteift und der Puschel ragte über das Vorderblatt, welches meist den Namenszug oder Wappen des Königs oder des Regimentschefs zeigte. Das Vorderblatt wurde auch mit Metall versteift und schließlich ganz aus Metall geprägt, wobei jedes Regiment ein eigenes Muster besaß. Auf den Patronentaschen hatten die Grenadiere in den Ecken 4 Rammen. Im Jahre 1787 wurden die Grenadiermützen (außer bei altpreuß. Nr. 6) abgeschafft. 1799 führte man eine neue Art von Grenadiermützen ein. Die Offiziere, die damals ja keine Grenadiermützen trugen, erhielten am Hut Federbüsche, statt der Stiefeletten Stiefel und verloren das Sponton als Dienstwaffe.

Nach 1808 trugen die Grenadiere am Tschako einen Adler. Zur Parade wurden Federbüsche, später ein Stutz aufgesteckt. Als nach 1842 mit dem Waffenrock der Helm eingeführt wurde, erhielten alle Truppenteile darauf einen Adler, doch unterschied sich der Grenadieradler immer noch in seiner Form. Auch wurde zur Parade ein Roßhaarbusch aufgesteckt. Das 1. Garde-Regiment erhielt im Jahre 1824 zu den Paraden Grenadiermützen für das 1. und 2. Bataillon nach russischem Vorbild. Das Füsilier-Bataillon bekam solche Mützen in etwas abgewandelter Form erst 1848.

Quelle: Preussisch-Deutsche Uniformen von 1640 – 1918, aus dem "Orbis Verlag"

Jäger und Schützen

Die Jäger waren im Heerwesen stets als kundige Wegweiser und Scharfschützen nützlich. Bald nach dem Aufkommen der gezogenen Rohre führten auch sie solche Feuerwaffen, die Büchsen, welche einen sicheren Einzelschuß gestatteten. Doch war, um eine gute Führung der Kugel zu ermöglichen, die Ladeweise recht zeitraubend und umständlich. Sie war zwar für Sonderaufgaben brauchbar, jedoch nicht für breite militärische Aufgaben.

In Brandenburg wurden schon in den Kriegsläufen des 17. Jahrhunderts Jäger und Heidereiter unter dem Befehl ihrer Oberförster zusammengezogen. Hierbei dienten sie in erster Linie als wegkundige Führer in der Aufklärung und Sicherung. Diese Einrichtung bewährte sich so, daß in Kriegszeiten darauf ständig zurückgegriffen wurde.

Zur bleibenden Einrichtung wurde sie aber erst, als im Jahre 1740 Friedrich der Große einen Oberjäger und 12 berittene Jäger als Kolonnenführer in Dienst nahm. Schon 1741 bestand dieses reitende Jägerkorps aus 60, im Jahre 1742 aus 120 Mann. Im Jahre 1744 wurden außerdem auch noch unberittene Jäger eingestellt, so daß die Gesamtstärke 2 Kompanien zu Pferd und 2 Kompanien zu Fuß betrug. Auch die Fußjäger leisteten in den schlesischen Kriegen so gute Diente, daß sie im Laufe der Zeit auf ein Bataillon und schließlich auf ein Regiment verstärkt wurden. Die Ergänzung dieses Regiments geschah grundsätzlich aus ausgelernten Jägerburschen, die dann nach beendeter Dienstzeit im Forstdienst Anstellung fanden. Dadurch hatte die Jägertruppe schon sehr früh den ihr eigenen Geist, Strafen der damals üblichen Art waren hier nicht notwendig.

Nach dem Jahre 1808 waren die Jäger ähnlich wie die anderen Infanteriebataillone gegliedert, doch erhielten sie noch ausgewählten Ersatz. Ihre Aufgaben blieben auch jetzt noch die Aufklärung, die Sicherung und das zerstreute Gefecht mit dem notwendigen sicheren Schuß. Die in der gleichen Zeit errichteten Schützenbataillone waren nach den gleichen Grundsätzen errichtet. 1845 wurden sie dann, außer dem Garde-Schützen-Bataillon, in Jägerbataillone umbenannt. Erst mit der Einführung der modernen Schnellfeuergewehre war praktisch eine Einheitsinfanterie geschaffen. Damit blieb man lediglich aus Gründen der Tradition beim Namen und der Uniform der Jäger.

Die ersten Jäger im brandenburgischen Heeresdienst besaßen keine Uniform und es wurde berichtet, daß sie in grüner oder brauner Kleidung einhergingen.

Mit der Errichtung einer stehenden Jägertruppe erhielten sie die für sie typische grüne Rockfarbe. Bis zum Jahre 1808 war sie deutlich heller grün, der Rock zunächst ohne Rabatten, aber mit rotem Kragen, Aufschlägen und Schößen und an der rechten Schulter gelbwollene Achselbänder. Der Rockschnitt folgte dem des Infanterierocks; seit dem Jahre 1787 trugen sie am Hut einen grünen Stutz.

Nach dem Jahre 1808 wurde die Uniform der übrigen Infanterie angeglichen, die Farbe des Rocks wurde dunkelgrün. Die Abzeichenfarbe bei den Jägern war rot, bei den Schützen schwarz mit rotem Vorstoß. Der Tschako entsprach dem Infanterie-Tschako, hatte aber einen schwarzen Federstutz. Bei der Einführung von Waffenrock und Helm im Jahre 1843 erhielten Jäger und Schützen zunächst ebenfalls den Helm, zur Parade mit schwarzem Haarbusch. Erst im Jahre 1854 wurde der Helm wieder vom Tschako abgelöst, der dann bis zum 1. Weltkrieg, wenn auch in niedrigerer Form, getragen werden sollte.

Quelle: Preussisch-Deutsche Uniformen von 1640 – 1918, aus dem "Orbis Verlag"

Musketiere

Musketiere nannte man die Träger der Muskete, eines schweren Feuergewehrs, welches wegen seiner größeren Wirkung um das Jahr 1600 die leichteren Handrohre verdrängt hatte. Das Kaliber der Muskete war größer, es gingen etwa 10-12 Bleikugeln auf ein Pfund. Die Waffe war somit recht schwer und mußte durch eine Gabel unterstützt werden. Die Zündung erfolgte durch eine glimmende Lunte, die das Zündpulver auf der Pfanne in Brand setzte (Luntenschloß). Im Laufe des 17. Jahrhunderts konnte das Kugelgewicht geringer gewählt werden. Es setzte sich für etwa 1 ½ Jahrhunderte das Kaliber von etwa 20 mm mit 15 Kugeln auf 1 Pfund durch (33 g). So konnte die Musketengabel fortfallen.

In der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts bestand die Infanterie überall aus etwa 2/3 Musketieren und 1/3 Pikenieren, letztere als Rückhalt gegen plötzliche Reiterangriffe. Gegen Ende dieses Jahrhunderts wurden in Preußen die Piken völlig abgelegt, der Musketier war der Normalinfanterist. Doch gleichzeitig setzten sich immer mehr die neuen Steinschloßgewehre durch. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war dann die Verdrängung der Muskete völlig abgeschlossen, auch wurden teilweise stählerne Ladestöcke eingeführt. Aber der Normalinfanterist behielt in Preußen bis zum Jahre 1918 traditionell den Namen Musketier.

Die erste stehende brandenburgische Infanterietruppe, die nicht mehr aufgelöst wurde und somit die Stammtruppe der späteren Grenadierregimenter 4 und 5 bilden sollte, war von Hillebrand v. Kracht errichtet worden. Beim Tode des Großen Kurfürsten gab es (einschließlich Garden) 16 Regimenter zu Fuß, 1713 zählte man 20, 1740 dann 32, 1786 schon 55 und 1806 gar 60 Feldregimenter der Infanterie. Dabei gliederte sich im 18. Jahrhundert jedes Infanterieregiment in 2 Bataillone zu je 5 Kompanien und 1 Grenadierkompanie, wobei die Infanteristen der „älteren“ Regimenter, die den Kern und somit das erste Treffen in der Schlachtordnung der Lineartaktik bilden sollten, Musketiere genannt wurden. Nach 1808 erhielten die Infanterieregimenter 3 Bataillone, von denen die beiden ersten als Musketiere bezeichnet wurden. Einschließlich der Garden gab es zunächst 12 Regimenter. Die Zahl stieg dann während der Befreiungskriege und der Jahre danach bis 1820 auf 44 Regimenter und blieb so bis zur Heeresvermehrung des Jahres 1860.

Schon in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts setzte sich bei der brandenburgischen Infanterie die blaue Grundfarbe weitgehend durch, dabei sollen die Gardetruppen weiße Abzeichen tragen, die Linientruppen rote. Mit dem Soldaten-König [Friedrich Wilhelm I. 1713 – 1740] wurde der Schnitt der Uniform knapper, das Haar wurde in einem Zopf gebunden. Der Rock erhielt vielfach Rabatten, die im Winter übergeknöpft werden konnten. Als Unterscheidungszeichen der Regimenter dienten besonders Abzeichenfarben (zunächst noch meist rot) für Aufschläge, Rabatten und Kragen und mit Litzen besetzte Knopflöcher. Die Knöpfe konnten gelb- oder weißmetallen sein. Die Rockschöße waren auch bei andersfarbigen Abzeichen meist stumpfrot. Die Unterkleider waren zuerst oft rot, dann aber gelblich oder weiß. Die „alten“ Regimenter, die noch vor 1740 errichtet worden waren, trugen in der Regel rote, die später errichteten schwarze Halsbinden. Die Gamaschen waren zunächst weiß und wurden im Winter, in den Feldzügen und später durchweg schwarz getragen. Im Jahre 1787 erhielten auch diejenigen Regimenter Rabatten, die vorher keine hatten. Die Unterkleider waren nun alle weiß und der Hut wurde zweiklappig.

Nach 1808 trug man eine völlig andere Art der Uniform. Der Rock hatte keine Rabatten mehr, der nun sehr hohe Kragen besaß die Provinzfarbe. Die Achselklappen wurden verschiedenfarbig nach der Numerierung der Regimenter in der Provinz (weiß, rot, gelb, hellblau). Dazu trug man einen Tschako mit verschlungenem, gelbmetallenem Namenszug. Im Jahre 1817 wurden bei allen Regimentern Kragen und Aufschläge endgültig rot, wobei sich die Regimenter nur durch die Ärmelpatten, die Farbe der Achselklappen und der eingeführten Regimentsnummer unterschieden. 1843 wurde dann bei sonst unveränderten Abzeichen der Waffenrock mit dem Helm eingeführt, sowie im Jahre 1848 die Virchow’sche Gepäcktrageweise.

Quelle: Preussisch-Deutsche Uniformen von 1640 – 1918, aus dem "Orbis Verlag"

Spielleute der Infanterie

Schon bei den Landsknechten begleitete die Fahne das "Spiel", welches aus einem Trommelschläger und einem Querpfeifer bestand, einfache Weisen spielte oder den Takt beim Marsch angab. Dieses Spiel blieb für das deutsche Fußvolk typisch und so nannte man auch Trommler und Pfeifer stets Spielleute.

Beim Tode des Großen Kurfürsten [Friedrich Wilhelm, 1640 – 1688] besaß jede Infanteriekompanie 3 Trommler und 1 Pfeifer. Beim Regimentsstab gab es zudem den Regiments-Tambour, der für die Ausbildung der Spielleute und für die Signalgebung verantwortlich war. Die Spielleute spielten kurze Stücke, die Auszeichnungs- oder Signalcharakter hatten und meist in der Dienstvorschrift vorgeschrieben waren, wie z. B. der Grenadiermarsch, Vergatterung, Wecken, Zapfenstreich, Trupp u. a. m. Märsche konnten auch von Melodien untermalt werden, die von Berufsmusikern (Hoboisten) geblasen wurden. Diese Musiker zählten nicht zu den Spielleuten und wurden als Berufsmusiker von dem Obersten zunächst auf eigene Kosten gehalten und auch höher bezahlt. Die zuerst gebrauchten Schalmeien verschwanden um 1700 zugunsten der Oboen und Klarinetten.

Unter dem Soldatenkönig [Friedrich Wilhelm I. 1713 – 1740] sollten junge, möglichst hübsche Burschen Spielleute sein, bei den Grenadieren "die allerkleinsten und gute Gesichter haben". Jedes Feldregiment hatte jetzt nur noch je 2 Pfeifer. Beim Regiment wurden 6 Musiker (Hoboisten) bezahlt, von denen einer der Chorführer sein sollte. Dieser blies auch Trompete, daneben gab es 2 Fagottisten und 3 Oboenbläser. Nur des Königs Regiment hatte eine besondere Janitscharenmusik mit 15 Mohrenpfeifern. Wesentliche Änderungen gab es erst 1787, als die Grenadierpfeifer abgeschafft wurden. Jede Kompanie sollte nun 3 Trommler haben, dazu im Bataillon 1 Hornist (Flügelhorn) für das Signalgeben an die Schützen. Bei der neuen leichten Infanterie, den Füsilieren, hatte jede Kompanie 2 Hornisten und 1 Trommler.

Nach den Befreiungskriegen besaß jede Grenadier- und Musketierkompanie 3 Trommler und 1 Hornisten, jede Füsilierkompanie 3 Hornisten und 1 Trommler. Statt der großen Halbmondflügelhörner wurden 1821 die kleinen Signalhörner eingeführt, wobei die Hornisten gleichzeitig als Pfeifer dienen sollten. Als Musiker waren in jedem Regiment zunächst 10 etatmäßig, dazu konnten aber noch 20 weitere in den Kompanien geführt werden.

Die besondere Stellung der Spielleute und der Musiker (Hoboisten) trat bei deren Kleidung deutlich hervor. Eingedenk der Inhaberrechte des Obersten trugen sie zunächst dessen Livree mit oft sehr reichem Besatz an Livreeschnüren. Damit war anfangs selbst die Farbe des Rockes oft anders als bei der Truppe. Die bemalten Holztrommeln wurden seit etwa 1700 durch Messingtrommeln abgelöst, deren Holzreifen verschieden angestrichen waren.

Ab 1715 glich die Rockfarbe der der Truppe, aber es blieb der reiche Besatz von Schnüren und Borten, die bei den meisten Regimentern immer noch die Wappenfarben eines Chefs zeigten und dann beibehalten wurden. Auch die Trommelriemen hatten solchen Bortenbesatz. Der Regiments-Tambour trug ebenfalls eine Trommel und hatte, (wie auch die Hoboisten), den mit Metallborte besetzten Hut der Unteroffiziere.

Nach 1808 verschwand der reiche Bortenbesatz und zurück blieben für Spielleute und Hoboisten die Schwalbennester, bei der Garde mit zusätzlichen Fransen. Die Borten an diesen Schwalbennestern waren bei den Spielleuten weiß, bei den Hoboisten bestanden sie aus Unteroffiziertresse des jeweiligen Truppenteils. Der Stutz am Tschako und der später bei Paraden auf dem Helm aufgesteckte Federbusch war immer rot.

Quelle: Preussisch-Deutsche Uniformen von 1640 – 1918, aus dem "Orbis Verlag"

Sappeure

Sappeure waren Belagerungspioniere und Truppenhandwerker.
Ursprünglich für den Bau von Sappen verwendet, das sind Laufgräben vor feindlichen Stellungen und Festungen. Auch für das Fällen von Bäumen und die Beseitigung von Hindernissen waren sie zuständig.

Aus den als Sappeure bezeichneten Regimentszimmerleute der Infanterie entwickelten sich im laufe der Zeit das Ingenieurkorps, die Mineure und die Pontoniere. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich einheitlich die Pioniertruppe daraus.

Auf dem Marsch gingen die Sappeure an der Regimentsspitze, um quer liegende Bäume und andere Hindernisse zu beseitigen, sowie Annäherungsgräben aus zu heben.

Sie führten neben ihrer normalen Bewaffnung eine langstielige Zimmermannsaxt, die auch zum Nahkampf verwendet wurde und auf dem Marsch in einem Lederfutteral über der linken Schulter getragen wurde. Bei diesen Arbeitseinsätzen trugen sie zum Schutze der Uniform eine Lederschürze. Die Sappeure, den Grenadierkompanien zugeordnet, trugen immer Pelzmützen, auch als die Grenadiere Tschako’s trugen.

Die im 18. Jahrhundert bestehenden Sappeureinheiten, die beim Ausheben von Annäherungsgräben in die Reichweite feindlicher Schußwaffen gelangten, trugen in einigen Armeen sogenannte Sappenpanzer. Dieser Schutz verschwand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, fand aber im 1. Weltkrieg bei den Grabenkämpfen kurzzeitig wieder Verwendung.

In Preußen wurde mit Neuaufstellung des Heeres nach 1806 eine einheitliche Pioniertruppe aufgestellt, die auch die Schanzaufgaben übernahm.

Erkennbar sind die Sappeure schon von weitem an ihrer schwarzen Bärenfellmütze (heute Imitat) mit dem Pützer. Früher war dieser aus Büffelhaar hergestellt, heute eine Art Bürste aus weißen/roten Kunstfasern. Auf der linken Seite ist der rote Flügel (Kolpak) und vorne zwei gekreuzten Äxte, das Erkennungszeichen der Sappeure, mit der weißen Fangschnur.

Die preußischblaue Uniform wird auch heute mit einer weißen Schürze getragen, dazu eine weiße Hose.

Aus der Tradition heraus marschieren die Sappeure heute bei den Bruderschaften immer vor dem Schützen-Regiment.

Technische Truppen

Die technischen Truppen waren stets als Gehilfen der Armee notwendig, sei es zum Bauen von Schanzen, zur Wegeherstellung oder Überwindung von Wasserläufen. Für letzteres brauchte man die Pontoniere, zur Herstellung von Minengängen beim Festungskrieg die Mineure und zum Aufwerfen der Laufgräben die Sappeure. Auch beim brandenburgischen Heer gab es schon früh solche Hilfskräfte, deren Arbeiten von den Ingenieuren angeleitet wurden. Im Frieden bestanden aber lediglich kleine Stämme und die Ingenieure hatten Festungsbauten zu planen, zu leiten und zu überwachen. Das ganze Ingenieurwesen war zudem eng mit der Artillerie verflochten. Auch die Pontoniere unterstanden noch lange der Artillerie. Im Siebenjährigen Kriege [3. Schlesischer Krieg, 1756 – 1763] besaß jede selbständige Armeegruppe einen eigenen Pontontrain.

Das im Jahre 1741 errichtete Regiment Pioniers war ursprünglich nur zum Ausbau und zur Besatzung der Festung Neiße bestimmt. Es besaß statt der üblichen Grenadier-Kompanien 2 Mineur-Kompanien, die aus angeworbenen Bergleuten bestehen sollten. Das Regiment wurde im Laufe der Zeit ein normales Füsilier-Regiment, doch blieben die Mineure selbständig. Im Jahre 1788 gab es davon schon 4 Kompanien, die auf die Festungen verteilt waren. Bei jeder dieser Kompanien sollten 50 Mann gelernte Bergleute, der Rest Handwerker sein.

Nach 1808 wurden die Reste der alten Mineur-, Sappeur- und Pontonierkorps bei den Ingenieuren vereinigt und nun zusammenfassend Pioniere genannt. Jeder Ingenieur-Brigade war eine Pionier-Brigade zugeteilt. Die Ingenieure mußten abwechselnd Dienst bei der Truppe leisten. Im Jahre 1815 bestanden schon 9 Feld- und 8 Festungs-Kompanien Pioniere und dazu das Mansfelder Pionier-Bataillon. Ab 1816 erhielt jede Brigade (später Division) eine Pionierabteilung. Es gab daher 1 Garde- und 8 Linien-Abteilungen. Bei der Reorganisation von 1859 bis 1861 wurden diese Abteilungen verstärkt und als Pionier-Bataillone bezeichnet.

Neben diesen Truppen waren im 17. und 18. Jahrhundert auch die Zimmerleute der Grenadiere bei Unternehmungen an der Spitze zu finden. Sie sollten Sperren und Tore aufbrechen helfen. Jede Grenadierkompanie besaß 6 solcher Zimmerleute. Seit 1748 wurden sie aber im Kriegsfall zur Bedienung der Regimentsstücke gebraucht und traten dabei zu den Musketier-Bataillonen über.

Die Zimmerleute der Grenadiere trugen stets die Grenadieruniform. Dazu legten sie einen Hellbeigen Lederschutz an und trugen das große Zimmermannsbeil. Die im Jahre 1741 errichteten Mineure trugen ganz blaue, rotgefütterte Röcke ohne Rabatten. Die Unterkleider waren orangefarben und die Knöpfe weiß. Ihre Mütze ähnelte der der Füsiliere, doch besaß sie statt der Metallflamme einen weißen Puschel. Nach 1787 erhielt der Rock dunkelblaue Rabatten aber orange Kragen, Aufschläge und Futter. Die Unterkleider waren weiß. Dazu trug man einen zweiklappigen Hut mit metallenem königlichem Namenszug und statt eines Gewehrs eine Pistole am Bandelier. Die Uniform der Pontoniere glich der der Artillerie. Im Jahre 1798 wurden die Uniformen beider Gattungen so wie bei der Artillerie. Nur der Hutbüschel war gelb-schwarz-rot.

Nach 1808 erhielten die neugeschaffenen Pioniere eine ähnliche Uniform wie die Fuß-Artillerie. Die Aufschläge waren aber schwedisch und das Knopfmetall stets weiß.

In der Folgezeit glich sich die Uniform im Schnitt der Entwicklung bei der Infanterie an, behielt aber die einmal angenommenen Farben. Das Lederzeug war stets schwarz.

Auch die Pioniere erhielten 1843 den Waffenrock und den Helm mit weißem Beschlag. Die Gardeeinheiten hatten am Kragen weiße Gardelitzen und zur Parade am Tschako und später am Helm schwarzen Federstutz bzw. Roßhaarbüsche.

Quelle: Preussisch-Deutsche Uniformen von 1640 – 1918, aus dem "Orbis Verlag"

Kleines Lexikon

Epauletten

Die Epaulette ist ein Schulterstück einer Uniform. Getragen wurden sie zu Gala und Parade. Der Name wurde vom französischen épaule (Schulter) abgeleitet. Die Epaulette besteht aus dem Halbmond, dem Feld und dem Schieber. Gehalten werden sie durch den Passanten.

Ursprünglich waren Epauletten ein Schulterschutz gegen Säbelhiebe. Später wurden sie Rangabzeichen für Offiziere. Auch bei der Kaiserlichen Marine waren um 1900 bei den Offizieren Epauletten im Einsatz.

Husaren trugen nie Epauletten.


Dienstgrade:

Subalternoffiziere:
Leutnant = einfache Epauletten
Oberleutnant = einfache Epauletten mit einem Stern
Hauptmann / Rittmeister = einfache Epauletten mit zwei Steren
Stabsoffiziere:
Major = Epauletten mit Kantillen (franz. Cannetilles)
Oberstleutnant = Epauletten mit Kantillen und einem Stern
Oberst = Epauletten mit Kantillen = Epauletten mit Kantillen und zwei Sternen

Suum Cuique - Jedem das Seine

. . geht als Grundsatz auf das antike Griechenland zurück.
Die Bedeutung: Jeder soll das Seine (für die Gemeinschaft) tun, und zwar in Art und Umfang so, wie es seinem Wesen und seinen Möglichkeiten entspricht.
Ergänzung: auch jeder soll das Seine bekommen und niemandem soll das Seine genommen werden.

Schellenbaum

Seiner Herkunft nach ist der Schellenbaum in den deutschen Heeren nicht als Instrument, sondern als Siegestrophäe aufzufassen, die der Truppe bei besonderen Anlässen symbolhaft mit Musik vorausgeführt wird. Richtigerweise wäre er daher von einem aus der Truppe auserwählten Träger und nicht von einem Mitglied des Musikkorps zu tragen.

Der Ursprung des Schellenbaumes, dessen Name bei uns von den zahlreich angehängten Schellen abgeleitet ist, liegt vermutlich in China, im Chinesischen "Schellenhut" (franz. chapeau chinois). Er ist über Indien nach Kleinasien gekommen und fand bei den Türken in den Musikgruppen der "Janitscharen" Aufnahme. Mit den Schlaginstrumenten – Trommel, Becken – und der Triangel (Vorläufer der Lyra) wurde er durch rhythmisches Schütteln zur taktbestimmenden, charakteristischen Begleitung der melodieführenden Blasinstrumente. Die "Janitscharenmusik", auch "Türkische Musik" genannt, gelangte im 18. Jahrhundert mit den Türkenkriegen in fast alle europäischen Heere. Preußen stellte eine derartige Musikbesetzung zuerst in seinem Artillerieregiment zusammen (1740). Sie bestand aus 16 "Mohren".

Der Schellenbaum hat seine äußeren Wesensmerkmale erst in den türkischen Heerscharen erhalten. Neben dem Halbmond sind es hauptsächlich die gefärbten Roßschweife, die seine türkische Abstammung unterstreichen. Sie sind von den Feldzeichen hoher militärischer Würdenträger übernommen worden. Deshalb wird der Schellenbaum auch "Mohammedsfahne" genannt. Die Engländer sprechen vom turkish crescent (türkischer Halbmond). Bei den genannten Feldzeichen hingen die Roßschweife von einem vergoldeten Halbmond herab, der über einer Kugel an einem tragenden Stab befestigt war. Diese Zeichen wurden den Befehlshabern vorangetragen bzw. vor ihren Zelten aufgestellt. Die Anzahl der Roßschweife war verschieden. Dem Sultan standen z.B. sechs zu.

Über die Entstehung der Roßschweife als türkische Abzeichen wird berichtet: "In einem Treffen gegen die Christen verloren die Türken eine wichtige Fahne und mit ihr den Mut. Alles ergriff in der größten Verwirrung die Flucht. Da der General dies wahrnahm, wußte er sich nicht anders zu helfen, als daß er einem Pferde mit seinem Säbel den Schweif abhieb, ihn auf eine Pike heftete, sie emporhob und den Fliehenden nachschrie: Hier ist die große Standarte [Feldzeichen], wer mich liebt, der folge mir. Die Türken faßten neuen Mut, schlossen sich wieder in feste Glieder, griffen den Feind herzhaft an und erkämpften den Sieg."

Der Schellenbaum wurde von einzelnen preußischen Truppenteilen bei ihrer Regimentsmusik erst eingeführt, nachdem sie einen solchen im Laufe der Feldzüge 1813/15 erobert oder erbeutet hatten. Als der König seine Erlaubnis zur Führung erteilt hatte (nur für Infanterie und Fußartillerie), wurde es zur Ehrensache, dergleichen Trophäen zu besitzen. Nach dem Kriege waren es zuerst einzelne Stände, dann auch Städte die den in ihren Provinzen oder in ihren Mauern stehenden Regimentern als Zeichen des vaterländischen Dankes solche "Siegeszeichen" stifteten.

Um in der dadurch verursachten Verschiedenartigkeit der Schellenbäume eine gewisse Gleichheit zu erzielen, erließ Kaiser Wilhelm II. die für Neuanschaffungen geltende AKO [Allerhöchste Kabinett Order] vom 27. 1. 1902.
Letzte Aktualisierung ( Freitag, 12. Mai 2017 )