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Wanlo Chronik Teil 1

Chronik des Dorfes Wanlo - Teil 1

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Geschichte Wanlos
Erstorbene Romantik der Niersquellen
Urkunden und Holztafeln erzählen
Ich ging so gern nach Wanlo
Aus Wanlos alter Geschichte
Die Teufelsaustreibung zu Wanlo
Wanlo im Jahre 1929
Szenen aus der Geschichte Wanlos


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W a n l o, frühere Schreibweisen: Wanlae, Wanle, Wanloe wird urkundlich 861 zuerst als "com marca wanolen" erwähnt.

Wanlo gehörte nicht zur Herrschaft Wickrath, sondern war eine selbständige Bürgermeisterei. Nachdem 1930 die Eingemeindung Wanlos am Widerstand aller Ratsmitglieder im Wickrather Gemeinderat gescheitert war, gelang es dem damaligen Bürgermeister Dißmann am 1.8.1934 auf Grund einer Rechtsverordnung Wanlo in die Gemeinde Wickrath einzugliedern.
Am 1.1.1975 wurde die "Gemeinde Wickrath" in die Stadt Mönchengladbach eingemeindet. Somit ist Wanlo nun ein "Stadtteil" von Mönchengladbach.

Einwohner von Wanlo am 30.6. 2010 = 1171
Einwohner von Wanlo am 31.12. 2011 = 1118
Einwohner von Wanlo am 31.10. 2013 = 1123



Geschichte Wanlos.

Wanlo im Jahre 2001 - Foto: Isabella Raupold RP
Wanlo im Jahre 2001 - Foto: Isabella Raupold RP


Zusammengestellt von W. Kronenberg
Hauptlehrer in Wanlo


[Wilhelm Kronenberg 1923 bis 31.03.1926 Hauptlehrer in der kath. Volksschule Wanlo]

Wanlo, ist selbständige Bürgermeisterei, aber durch Personalunion mit Hochneukirch verbunden. Die Bürgermeisterei ist 727 Hektar groß und hat 1458 Einwohner, 5 Schulklassen mit 220 Kindern, 4 Lehrer und 1 Lehrerin. Die Einwohner sind mit einigen Ausnahmen alle katholisch.


Der Name Wanlo ist aus zwei Wörtern entstanden, aus Wan von Wanne und lo oder loh = lichter Wald. Wanlo also: lichter Wald, der in einer Wanne oder Mulde liegt. Das Dorf Wanlo ist ein alter Ort. Seine Geschichte erzählte mir eines Abends die Niers. Es war eine klare Vollmondnacht. Am östlichen Himmel stand der silberne Mond und ließ seine Strahlen in den klaren Wasserspiegel der Niers spielen. Die blinkenden Sterne glitzerten über die stillen Gehöfte, fruchtbaren Felder und saftigen Wiesen herab. Eine heilige Stille ringsum. – Leise nur plätscherte die Niers, um mir die reiche Geschichte Wanlos anzuvertrauen.

Hört! was sie erzählte:
Unser Hünengrab und der Galgenberg sind Beweise dafür, daß Wanlo schon zur Germanen- bzw. Franzosenzeit bestanden hat. An das Hünengrab knöpft sich noch eine interessante Begebenheit aus neuerer Zeit an. Im Jahre 1873 kamen jeden Sonntag Geschichtsforscher aus M.Gladbach und Rheydt, um das Hünengrab in Sauerlands Wiese abzutragen. Da brannte eines Sonntags Thelens Scheune ab. Man betrachtete das als Gottesgericht und vertrieb die Sonntagsschänder".

Urkundlich kommt Wanlo schon um das Jahr 861 in der Geschichte vor. Da wird Wanlo in einer Urkunde als Lehen des reichen Eifelklosters Prüm erwähnt. In der Folgezeit wohnten hier mehrere Ritter, was aus den noch vorhandenen Wappen an einzelnen Bauernhöfen zu ersehen ist. Im Schwalmerhaus (am Ausgang nach Kuckum, rechte Seite gelegen) bestand zu dieser Zeit ein strenges Gericht.

Urkundliches haben wir dann erst wieder aus der Zeit des 16. Jahrhunderts. Da muß ich die spanischen Kriegsgreuel in unserem Orte erwähnen, die unserer Gegend bereits die Schrecknisse des nachfolgenden Dreißigjährigen Krieges vorführten. Am 15. Mai 1586 fielen die Spanier in vier Gruppen in Wanlo ein; 13 Häuser wurden eingeäschert, 5 Pferde, 70 Rinder, 30 Schweine und 150 Schafe geraubt, die Kirche abgebrannt, und was darin war, mitgeführt. In Odenkirchen teilte man den Raub in vier Teile. Robert und Bernhard vom Wildenrathshof (am Ausgang nach Kuckum, linke Seite gelegen), Vater und Sohn, wurden 1587 getötet. Mit einem Brett hat man sie durchgesägt. Dieses Brett hat lange Zeit über der Kanzeltür der alten Kirche gehangen. Darauf stand: "Robert und Bernhard von Wildenrath, Vater und Sohn, sind 1587 erbärmlich entlaivt worden. Mit einem Eichenbrett hat man sie durchgesägt." Welch ein Anblick! Ihr frisches Blut färbte meine Wasser.

Die Zeit der Aufregung sollte nicht aufhören. Es folgte der Dreißigjährige Krieg. Brandschatzungen hielten Wanlo in beständiger Aufregung. der Wanloer Pfarrer Tetzius geriet 1624 in holländische Gefangenschaft, in der er 13 Wochen verblieb. Gegen ein hohes Lösegeld wurde er dann freigegeben. 1634 plünderten die Holländer die hiesige Kirche und verwundeten und töteten merere Einwohner. 1642 wurde der damalige Pfarrer von Wanlo verbannt, so daß lange Zeit die Kinder über meine Brücke nach Erkelenz zur Taufe gebracht werden mußten. Zur selben Zeit plünderten die Hessen das Dorf.

Im Jahre 1791 kam Wanlo unter französische Verwaltung. Am 15. Januar 1814 kam es wieder an die Krone Preußens zurück. An diesem Tage hatten die Wanloer die Ehre, die Vorposten der Alliierten (Preußen usw.) in ihrer Gemeinde zu bewillkommnen.

An diese Zeit schloß sich eine große Hungersnot an. 1817 wurde hier ein zwölfpfündiges Roggenbrot mit einem Reichstaler bezahlt. Kaum war diese Plage vorüber, als auch schon eine neue folgte; denn 1822 haben die Mäuse in den Feldern der hiesigen Bürgermeisterei gemäß einer damaligen speziellen und genauen Aufnahme einen Schaden von 12 000 Talern angerichtet. Der Haupterwerb Wanlos war Landwirtschaft. Als die Landwirte wohlhabender wurden, waren ihnen die Stege, die meine Ufer verbanden, nicht mehr gut genug. Sie bauten feste Brücken über meinen Rücken. Als ich sie fertig sah, war ich stolzer denn je. Viele sah ich über meinen Brücken dahinziehen. Ich sollte ihnen in den Wassermühlen, die an meinen Ufern angelegt waren, das Getreide, das in üppiger Fülle die fruchtbaren Fluren Wanlos geschenkt hatten, zu Mehl mahlen. Vier prächtige Wassermühlen prangten an meinen Ufern. Es waren die Wirtz-, Caspers-, Siemons- und Kappelsmühle. Ich tat mein Bestes, um die großen schweren Räder in Bewegung zu setzen. Das gleichmäßige Klappern der Mühlen und das lebhafte Plätschern meiner Wasser verschmolzen zu einer lieblichen Melodie von Glück und Wohlstand, Eintracht und Zufriedenheit Wanlos. Am östlichen und westlichen Ausgange des Dorfes standen auch noch zwei Windmühlen. Mit etwas Verachtung sahen meine Mühlen auf die beiden von jedem Wind und Wetter abhängigen Gesellen. Immer größere Mengen Getreide brachte man den fleißigen Müllern zum Mahlen.

Meine Kraft reichte nicht mehr aus, da ich kein starkes Gefälle habe. die Wanloer beschlossen, meine verborgenen Kräfte besser auszunutzen, und da erbaute ein strebsamer Wanloer Bürger, namens Esser, in Caspers Mühle, in der Nähe der prächtigen Hambuche, der malerischsten der ganzen Umgebung, eine große Turbine (Wassersparer). Es war die erste Turbine im Rheinland. Das Grab des Vaters dieses tüchtigen Mannes findest du heute noch neben der Kirche inmitten der Anlage. Allmählich aber erlahmte meine Kraft. Meine Quellen lieferten nicht mehr genügend Wasser. Sogar meine größte Quelle, der Glockensprung in Thelens Wiese, versagte. Man redete Übles von mir, meine Arbeitsweise sei veraltet. Man erzählte so etwas von Maschinen und Elektrizität, die das Getreide besser und billiger mahlen könnten als ich. Nach und nach sah ich die vier Wassermühlen, den Stolz meiner Ufer, verschwinden.

Eine kleine Genugtuung war mir der Abbruch der nun auch zwecklosen Windmühlen. Es war einmal! so kann auch ich sagen. Nichts mehr erinnert daran.

Da mir nun langweilig war, trat ich in kecker Laune oft über die Ufer, um vorwitzig das Leben und Treiben in den naheliegenden Häusern zu sehen. Glaubte ich doch ein Anrecht zu haben, das Familienleben Wanlos kennenzulernen. Das dünkte den Wanloern zu viel. Schnell gruben sie mir ein anderes Bett, fern ab vom trauten Dörflein. Wenn ich mich damals nur weinend in mein Schicksal ergab, so sehe ich doch heute ein, daß mein Opfer Wanlo nun Nutzen bringt.

Es war das Jahr 1848. Da war eines Tages in Wanlo große Aufregung. Ich hörte Rufe von Brüderlichkeit, Freiheit und Revolution. Darauf vernahm ich sogar Waffengeklirr. Von Düsseldorf hatte man eine Schwadron Husaren geschickt, die Ruhe stiften sollten. Immer weiter entfernten sich die kriegerischen Klänge. Bald sah ich die Wanloer zurückkehren, stolz darauf, daß es ihnen gelungen war, die Husaren bis Wickrathberg zurückzuschlagen. Christian Caspers *), dem Ehrenbürgermeister, gelang es unter dem Beistande des Landrats von Pröpper, der auf Schloß Hülchrath wohnte, das Volk zu beruhigen. Die Erhebungen der einzelnen Gemeinden und Städte waren nicht vergebens. Bald hörten auch die Wanloer, daß das preußische Volk Anteil an der Regierung bekommen hatte.

Neben Landwirtschaft war das einträglichste Gewerbe der damaligen Zeit im Zusammenhang mit ausgedehntem Flachsanbau hierselbst die Leinenweberei. Fast in jedem Hause war ein Webstuhl. Während des Winters wurde fleißig an surrenden Spinnrädern gesponnen. Wie oft habe ich zu dieser Zeit den Weberfrauen wichtige Dienste geleistet. Das mit großem Fleiß gesponnene Leinen wurde in meinen Wassern gewaschen. In Kriegen trugen unsere Bauern die hergestellte Leinwand bis ins Westfälische hinein.

Die Einfuhr der Baumwolle machte der Leinenherstellung langsam den Garaus. Nach 1860 ging dazu der Flachsanbau zugunsten des Weizenanbaues stark zurück. Das hier immer noch blühende Hausgewerbe nahm das Seiden- und Samtweben auf und machte noch insbesondere nach 1870 glänzende Geschäfte. Die Erfindungen der Dampfmaschine und der Elektrizität machten den idealen Hausberufen, bei denen der Vater den ganzen Tag in der Familie war, ein Ende. Überall taten sich in der Umgegend Fabriken auf, und da konnte der Handarbeiter nicht mehr mitkommen. Die Hauswebstühle verwaisten und verstaubten; immer seltener brachten die Weberfrauen die Leinwand an meine Ufer, und nur noch einige Spinnräder im Dorfe laden uns heute während des Winters ein, in gemütlichen Abendstunden ihrem Surren zu lauschen, einem weinenden Surren, das unsere Seele betrüben läßt, wenn sie von den schönen vergangenen Zeiten hört. Auch in unserem Orte hielt der Arbeiter stand seinen Einzug. Wanlo war kein rein bäuerlicher Ort mehr.

Ein großer Teil der Bewohner war Arbeiter, - Arbeiter, die morgens in entfernte Orte zur Fabrik gehen müssen und erst abends wieder zurückkehren. Gerade unsere Arbeiter im Dorfe, die zur entfernten Arbeitsstätte eilen müssen, haben den Achtstundentag, der nach dem letzten Kriege eingeführt wurde, sehr begrüßt, da die Familie nun den Vater doch wenigstens abends einige Stunden in ihrer Mitte hat. Ihr seid ja alle Arbeiter, so fuhr sie fort; denn ein jeder geht morgens an seine Tagesarbeit und kehrt erst nach Vollendung seiner Tätigkeit in seine Familie zurück.

Dieses alle umschlingende Band wird nach außen hin durch die schon über 300 Jahre alte Wanloer St.-Antoniusbruderschaft gezeigt, die den weiteren Zweck hat, Heimatliebe zu pflegen und die alten örtlichen Festfeiern zu erhalten. Alt und jung, arm und reich ist an den Prunktagen auf den Beinen. Sogar Greise sah ich die historischen Umzüge mitmachen. Möge die Bruderschaft mit dazu beitragen, daß aus der Brüderlichkeit der einzelnen Gemeinden eine wahre Volksgemeinschaft entsteht! So schloß sie.

Lange noch habe ich sinnend dort gesessen. Leise plätscherte die Niers, leise besprachen die Blätter der hohen Pappeln diese interessante Erzählung miteinander. Lange noch spiegelte sich der Mond in den raunenden wellen, bis der aufsteigende Nebel ihn meinen Augen entzog.

Anmerkung des Chronisten: Diese Geschichte ist der Schulchronik entnommen.
Das Original ist aus dem Festbuch zur Feier des 4. Bezirksturnfestes des Gladbacher Turngaues vom 1./2. u. 3. Aug. 1925 in Wanlo.

*) Christian Caspers war von 1851 bis April 1859 Bürgermeister von Wanlo.
Wanlo 1957
Wanlo 1957

Erstorbene Romantik der Niersquellen


Wanlo, wie es einmal war.
Menschen und Bauten, die in Vergessenheit gerieten


Bericht von Josef Thelen

Das liebe Wanlo ist ein Stück meiner Jugend; deshalb gehe ich so gerne hin. Dort wohnte der Großvater, allgemein Penuesch Mattes genannt, neben ihm Keckse Hannes, beides Bezeichnungen, die in mir noch heute eine wonnige Erinnerung wachrufen. Ach, es war so schön im alten Wanlo! Da lagen die Straßen voller Sonnenschein, da paradierten im Sommer die Schützenbrüder, und im Herbste erfreute ich mich an dem ergötzlichen "Ferkesmaat" [Schweinemarkt]. Die Nierslandschaft glich damals einem verwunschenen Paradies mit Wiesen, Wäldchen, unzähligen Rinnsalen und wunderlich schönen Quellen. Die Leute nannten diese Quellen recht treffend "Sprönk" und holten in ihnen das Wasser für den Hausbedarf.

Wer offenen Auges durch Wanlo geht, der gewahrt noch deutlich die auffallend vielen Pfade, die zum Bruch hinunterführen und diesen Zwecken dienten. Mein Großvater hatte das Glück, gleich hinter seinem Hause eine große schöne Quelle zu besitzen. Hier lag ich stundenlang auf einer Planke und vernahm mit Auge und Ohr den heiligen Pulsschlag der Erde. Wie bei jedem Atemzug die winzigen Stäbchen und Bröckchen emporwirbelten, um sich dann wieder zum Boden zu senken; noch waren sie nicht dort, dann trieb ein neuer Atemzug sie wieder hinauf, ein ewiges, mir unvergeßlich schönes Spiel.

Jetzt sind alle Quellen gestorben. Der Mensch hat sie gemordet, mit Bedacht und teuflisch-kühner rechnerischen Überlegung – dreihundert an der Zahl, selbst die schönste, den läutenden Glockensprung.

Drum ist auch alle Romantik dort verdorben. Trotzdem liebe ich dieses Örtchen. Da schauen die blanken Häuser, viele noch in ihrer alten tünchenden Großvätertracht, auf die breite Langstraße [heute = Heckstraße, Plattenstraße und Stahlenend], die fast das ganze Dorf einnimmt.

Um die Kirche herum wuschelt sich ein Horst von Häusern zusammen. Da lacht uns aus einem reizenden Pfarrgarten ein liebes Gebäude als Pastorat entgegen – so ungefähr müssen wir uns die ehemalige Kirche vorstellen, die um 1895 einer neuen Platz machen mußte. Wenige alte Grabsteine verkünden uns, daß hier der Friedhof lag. Etwas seitwärts hinter einer Altersmüden, durch Strebepfeiler gestützten Mauer, liegt die ehemalige Schule, ach so bescheiden und anspruchslos, wie die alten Dorfschulen damals waren. Hier hat der unvergeßliche Lehrer Dewies [Lehrer in Wanlo von 1.1.1849 bis 14.10.1898] ein ganzes Lehrerleben zugebracht.

Wanlo schaut auf eine reiche und lange Geschichte zurück. Schon 861 wird es urkundlich erwähnt und unterstand damals dem berühmten Kloster Prüm in der Eifel.

Das Rückgrat der Siedlung bilden drei rittermäßige Sitze, die auch heute noch bestehen: das Cappelsgut, das Schwalmer Haus und der Wildenrather Hof.

Das Cappelsgut am Eingang des Dorfes, früher mit einer Wassermühle verbunden, gehörte ursprünglich den Junkern von Stein, später dem Doktor Grevenbroich, dann der Margarete Cappels, nachher dem Freiherrn Pelser – Berensberg, seit 1913 Herfs von Roitzerhof bei Holzweiler; heute ist es im Besitz der Familie Heinen .[Eigentümer von 1918 bis 1932]

Das Schwalmer Haus, auch heute noch von einem schönen Weiher eingefaßt, war der Sitz der Herren von Schwalmen, wechselte dann an die Herren von Brempt über, später an Nikolaus Borgs und dann an die Familie Platen.

Der Wildenrather Hof, benannt nach den Herren gleichen Namens, kam später an die Herren von Leerode, dann an Christian Jorissen und ist heute im Besitz der Familie Sauerland.

Alle drei Höfe befinden sich in einem mustergültigen Zustande und verraten sich durch ihre imposanten Gebäulichkeiten als historische Stätten.

Noch bis zum Ausgang des vorigen Jahrhunderts gab es in Wanlo vier Wassermühlen, ein Beweis dafür, daß die Niers, eine halbe Stunde Weges von der Quelle entfernt, damals ein reicher Bach gewesen sein muß. Es waren das die Wirtz – , Simons – , Caspers – und Cappelsmühle.

Der Wanloer hört sie immer noch einmal gern, die amüsante Geschichte von den Plünderern des Hünengrabes in Sauerlands Wiesen, und darum sei sie zum Schluß erzählt. In den Wiesen des erwähnten Wildenrather Hofes befand sich ein auffallender Hügel, den die Alten das Hünengrab nannten. Die Romantik dieses Grabes hatte es geschichtsfreudigen Forschern aus M.Gladbach und Rheydt angetan, und sie faßten den Entschluß, dem Geheimnis zu Leibe zu gehen. Also kamen sie, eine wackere Gruppe, Sonntag auf Sonntag, um dort nach Herzenslust zu buddeln, so lange, bis es den Wanloern wegen der angeblichen frevlerischen Sonntagsentheiligung zu bunt wurde. Da wollte es das Unglück, daß an einem dieser Sonntage die Thelens Scheune wegbrannte. Das deuteten die eifrigen Wanloer als ein Zeichen vom Himmel. Sie stellten Dreschflegel und Mistgabeln parat, um den Frevlern einen würdigen Empfang zu bereiten. Diese aber rochen Lunte und verdufteten sich schleunigst aus dem sonst so gastfreudigen Wanlo. Sie kamen nicht wieder, und das Hünengrab ist heute noch nicht enträtselt.
von Josef Thelen

Text von einem Zeitungsausschnitt ohne Datum [zwischen 1918 und 1932 ?] und ohne Angabe der Zeitung.
[..] = Anmerkung des Chronisten

Urkunden und Holztafeln erzählen


Siegel Standesamt Wanlo
Siegel Standesamt Wanlo
Wanlo ist eine der ältesten, urkundlich hier bezeugte Ortschaft, was aus einer Urkunde aus dem Jahre 861 hervorgeht.
Ein Edelherr, Herimannus de Wanlo, kommt 1106 in einer Urkunde des Erzbischofs Friedrich I. von Köln vor.
1158 bestätigt Friedrich II., Erzbischof von Köln, dem Nonnen-Convente zu Königsdorf seine Besitzungen zu Wanlo.

Wanlo war Prümisches Lehen, das der Graf von Sayn 1222 und vor ihm der Freiherr von Millendonk im Besitze gehabt haben soll. Im Jahre 1251 fand eine Ausgleichung zwischen Erzbischof Konrad von Köln und Graf Wilhelm von Jülich wegen Wanlo statt.
1254 fordert Erzbischof Konrad den Grafen von Berg auf, dem Grafen von Jülich im Kriege keine Hilfe mehr zu leisten, weil derselbe noch immer die Herausgabe der Güter des Castells des Ritters Pil verweigere.
Wilhelm Graf zu Jülich verträgt sich 1352 mit Konrad, Herrn von der Dyck, wegen desselben Dorfes Wannel (Wanlo). Es soll dem Letzteren wie früher gehören, der Markgraf seinen sprechenden, Konrad seinen schweigenden Amtmann dort haben.
1386 verkauft Gerhard zur Dyck dem Herzog Wilhelm von Jülich, Wanlo mit Gerichten und Gefällen.
Die Schöffen von Wanlo bekennen 1553, daß sie dem Herrn Reinhard von Anradt, Prior in Grevenbroich, verkauft haben, was sie von den Eheleuten Heinrich Franken und Cäcilia erworben haben.

Bei den Zügen der Spanier nach Kerpen wurde Wanlo hart mitgenommen. "Im Jahre 1585 am 12. April", so heißt es, "hat das Hispanische Kriegsvolk das Dorf Wanlo, Keyenberg und Junker Zuyrß adelige Behausung einbekommen und spolyrt".
Am 21. und 22. Januar 1586 haben sie sich in die Dörfer Wanlohe, Keyenberg und Holzweiler eingelagert und die Unthertanen über ihr Vermögen gezwungen."

Eine weitere Niederschrift deutet heute noch Nachstehendes an: "Am 15. Mai 1586 seyndt die uf den Häuseren Odenkirchen, Horst und Glehn liegende Kriegsvolk mit den Linnichen, Uerdingischen, Kaysserß-werdischen in der Nacht, in die 200 stark, in das Dorf Wandloh gefallen, dasselb angestochen, 18 Häuser verbrannt, das ganze Dorf spolyrtt, 5 Pferd, 70 Stück Rindviehs, 30 Schweine, 150 Schaaf geraubtt, die Kirch ufgebrandt, alles was darin, mitgenommen, auch drei Hausleuth erschossen und eine Frau mit zweien Kinderen verbrannt und haben darnach den Raub zu Oderkirchen in vier Theil getheilt und ist ein jeder Hauf mit seinem Theil hingezogen."

Eine ältere Holztafel mit Wappen in der Sakristei sagt: "Anno 1587, den 14. Februar, sind die Edlen und Ehrenfesten Robert und Bernard von Wildenrath, Vater und Sohn, auf ihrem Hause zum Deyk unschuldig und erbärmlich entleibt."

Zur Zeit des spanischen Krieges haben die Schöffen drei drei Viertel Morgen Kirchenland verkaufen müssen. Nicht minder groß waren die Brandschatzungen, Kontributionen und Einquartierungen im Dreißigjährigen Kriege.

Im Jahre 1624 gerieth der Pastor Tetzius [Wilhelm T. 1606 - 1636 Pfarrer in Wanlo] in holländische Gefangenschaft und mußte dort dreizehn Wochen aushalten.
Im Jahre 1634, nach dem Feste der Unbefleckten Empfängnis, plünderten die Holländer die Kirche, vernichteten ihre Dokumente, verwundeten und töteten mehrere Einwohner.
Ein weiterer Ueberfall der Hessen, die Kirche und das Dorf plünderten, wird im Jahre 1642 gemeldet.

Wanlo mit Kuckum gehörte früher zum Amte Caster. Die damals eingepfarrten Orte Venrath und Kaulhausen gehörten unter Dahlen (jetzt Rheindahlen). In kirchlicher Beziehung war Wanlo Keyenberg unterworfen.
Im Pfarrarchiv zu Keyenberg ruht der Auszug eines Manuskriptes (ohne Datum), anscheinend aus dem Ende des 13. Jahrhunderts, welches besagt, daß neben anderen Kirchen, auch Wanlo der Herrlichkeit Keyenberg untergeordnet gewesen sei.
Dieses Verhältnis zur Mutterkirche dauerte bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts fort. Es verbrannte die Kirche in Keyenberg mit vielen Kleinodien und Literalien, nebst dem Pfarrhause und anderen Häusern.

Kriegerische Zeiten traten ein, und es empörten sich sogar die eigenen Untertanen. Ein weltlicher Sinn war in Maria im Kapitol eingerissen, auch die Vikare der unter Keyenberg stehenden Kirchen wollten nichts mehr von einem Abhängigkeitsverhältnis wissen.
Da löste sich die Herrlichkeit Keyenberg auf und die Kollation jeder Kircheit ging auf andere, auf die Grafen von Jülich Collegiatstift in Stommeln, später in Jülich und auf die Aebtissin in Essen über.

Im 14. Jahrhundert finden wir Wanlo bei Binterium mit einem Vikar als selbständige Pfarre in der Christianität Bergheim verzeichnet. Das Patronat übte der Herzog von Jülich aus.
Venrath gehörte zu Wanlo. In Venrath war eine Kapelle, wo Sonn- und Feiertags von zeitlichen Offizianten eine Frühmesse gelesen wurde.
Patron war die Gemeinde zu Venrath, der Pastor von Wanlo hatte die Investitur. Die Einkünfte bestanden in 18 Malter Roggen aus dem Zehnten des Pastors von Wanlo im Venrather Felde und 6 Malter von der Gemeinde.

Bereits 1606 war Venrath durch den Generalvikar Johannes Gelenius zu einer Pfarre erhoben worden, aber durch Ungunst der Zeiten bald wieder eingegangen. Generalvikar von Franken-Gierstorf erhob es 1750 abermals zur Pfarre, jedoch erwirkte der damalige Pfarrer Kirchbauer von Wanlo [David K. 1749 - 1779 Pfarrer in Wanlo] vom Landesherrn, dem Kurfürsten von Pfalz, einen Gegenbefehl, wodurch die neue Anordnung nicht ins Leben trat.
So blieb denn Venrath in seinem alten Verhältnisse zu Wanlo, bis 1804 am 1. März der Bischof Verdulett von Aachen ihm den Rang einer Succursalpfarre verlieh, der er Kaulhausen und die Katholiken in Beckrath und Herrath beigesellte.

In der Pfarre Wanlo befinden sich drei ritterbürtige Güter, das Cappelsgut, früher den Junkern von Stein, später dem Doktor Grevenbroich, dann der Margaretha Cappels, nunmehr dem Freiherrn von Pelser – Berensberg gehörend.

Das Schwalmerhaus, im Besitze der Herren von Schwalmen, wovon es noch den Namen hat, kam im 16. Jahrhundert in den Besitz der Junker von Bremdt und der Wildenratherhof. Es war früher Eigentum der Herren von Wildenrath, später der Familie von Leerode.
Die Kirche besitzt noch Teile aus dem 13. Jahrhundert. Der Chor rührt aus dem Jahre 1729; der Turm wurde 1748 restauriert und höher gebaut. Er stürzte 1752 am letzten Ostertage nachmittags 2 Uhr ein. Der damalige Pastor Kirchbauer [David K. 1749 - 1779] meinte, als Strafe Gottes wegen des Kartenspieles während des Gottesdienstes.

1652 wurde die Kirche geweißt; was in 200 Jahren nicht mehr geschehen war. Außer dem hohen Altare zu Ehren der in den Himmel aufgenommenen Gottesmutter Maria, befinden sich in der Kirche noch vier andere Altäre, von der hl. Katharina und dem hl. Nikolaus, Josef und Johann von Nepomuk geweiht. Sie gehörten mit Ausnahme des letzten, zu eben so vielen Benefizien.
Der Kirchhof mußte [1872], weil der alte, um die Kirche gelegene Kirchhof zu enge und auch nicht zu erweitern war, vor das Dorf verlegt werden, wo er auch noch heute liegt.[Hochstraße]

Anmerkung des Chronisten: Dies ist die wörtliche Abschrift aus einem Zeitungsausschnitt jener Zeit.
Datum und Name der Zeitung ist leider nicht bekannt.

Ich ging so gern nach Wanlo

Von Rektor und Heimatfreund Josef Thelen +

[ * 7.April 1887 | + 9. Mai 1971 ]

Der freundliche Ort Wanlo, volkstümlich Wandele oder Wannele genannt, ist eine uralte Siedlung. Das Grundwort Loh weist darauf hin, daß sie sich auf dem Gelände ursprünglicher Wälder gründete. Sie hat die Gestalt eines Langdorfes, das diese Form annahm, weil die Menschen an das Wasser gebunden waren. Dieses Wasser für Haus und Stall lieferte den ersten Menschen die Niers mit ihrem reichen Quellenbestand. Soweit mir erinnerlich ist, holten die Bewohner vor 50 und mehr Jahren noch an diesen Quellen das Wasser. Eine solche Quelle lag gleich hinter dem Hause meines Großvaters, dessen sich die alten Wanloer sicher noch erinnern werden. In Wanlo hatte nämlich jede Familie ihren Beinamen, und so hieß mein Großvater Penuesch Matthes, und da mein Vater Johann hieß, wurde ich "Penuesch Matthes – Hannes sinne Jong" genannt.

Der Großvater schickte mich, das Tragholz auf dem Nacken tragend, an dem beiderseits ein hölzerner Eimer hing, zum Spronk nach unten. Der Pfad lief den Garten hinunter, überquerte auf einer Holzplanke die Niers und führte mich zu der Quelle. Es waren da zwei Pfähle eingeschlagen, über die ein Brett genagelt war, damit man bequem schöpfen konnte. Es war ein herrliches Plätzchen, wo ich Stundenlang liegen konnte, um all die Wunder der Natur zu kosten, die sich hier boten. Dieser schönen Quelle wegen ging ich gern nach Wanlo, und selbst der Glockensprung in der Nähe, der bedeutend größer war, schien mir nicht so schön zu sein. Heute sind all diese reizenden Quellen ausgelöscht, und die Niers ist in eine trostlose Rinne gelegt – solches Tun nannte man vor 50 Jahren "Kulturarbeit".

Der Ort Wanlo bot damals ein Bild ländlicher Stille. Das Zentrum scharte sich um Kirche, Schule und Marktplatz. Damals stand die alte Kirche noch, und Pfarrer war Dorn, Johann Paul aus Rheydt bei Hüchelhoven. Die Kirche war in ihrem Grundbestandteil romanisch. Der alte Turm war am zweiten Ostertag 1752 eingestürzt; der damalige Pastor David Kirchbauer meinte, das sei die Strafe für das lästerhafte Kartenspielen während der Messe unterm Glockes [Turm]. Also so was Gotteslästerliches hatten die Wanloer betrieben! Als mein Vater mir diese Geschichte erzählte und ich den Frevel bedauerte, meinte er: "So jett kriege die Wandeler spetz" [So etwas bekommen die Wanloer fertig]. Die Pfarre hatte zwei Schulbezirke, in Wanlo eine Schule mit drei Klassen und in Kuckum eine Klasse. insgesamt betrug die Einwohnerzahl 1.294 Katholiken, 13 Protestanten und 29 Juden. Neben der Kirche lag die alte Schule (sie ist noch erhalten); als Lehrer wirkten die Herrn Settels und Dewies. Neben der Kirche liegt heute noch die schöne historische Pastorei [Pfarrhaus] inmitten eines kleinen Parks.

Zu Wanlo gehörten drei ritterbürtige Güter, das Kappelsgut am "Krüzz", [Kreuz; am Dorfanfang aus Richtung Wickrathberg] der Schwalmer Hof und der Wilderather Hof auf dem Wege nach Kuckum zu. Die Niers war so stark, daß sie hier bereits vier Mühlen treiben konnte. Die Wanloer wußten immer schöne und deftige Feste zu feiern, vor allem das Schützenfest mit der Frühkirmes [eine Woche vor Pfingsten] und die Herbstkirmes [Wochenende vor dem letzten Dienstag (Schweinemarkt) im September] mit ausgedehntem Markte, wo man Geräte aller Art für Garten und Feld kaufen konnte, für mich das Liebste war der "Ferkesmaat", [Schweinemarkt] wo sich in das Handeln und Feilschen der Bauern das nicht immer fröhliche Quietschen der "Schnaggen" [Schweinchen] gesellte.

Die alten Wanloer Ströpp sind auch heute noch nicht ausgestorben; um Fastnacht treten sie in Aktion und halten das ganze Dorf in Atem. Dabei sind die Wanloer "en Aat" [eine Art], die am Alten hält und sich nicht gern dreinreden läßt.

Das sollten um 1900 herum mal Rheydter "Schatzgräber" erfahren, die in den Benden angeblich Hünengräber entdeckt hatten und ihnen nun ihr Geheimnis entlocken wollten, vielleicht auch, um Schätze zu buddeln. So kamen sie allsonntäglich von Wickrath her zu Fuß mit Hacken und Schüppen und gingen an die Arbeit. Das war für die biederen Wanloer krasse Sonntagsschändung.

Als nun mal um diese Zeit der Blitz in Thelens Scheune schlug und alles einäscherte, da war es den Wanloer klar, daß sich hier Gottes Unmut klar gezeigt habe. Also stellten sich die Bewohner alles an Mistgabeln, Dreschflegeln und sonstigen wehrhaften Requisiten parat, um die Rheydter Frevler auszuräuchern. Ahnungslos kamen die heranmarschiert, in Ordnung, wie sich das für Schatzgräber gehörte. Wie erschraken sie, als von der Seite gegenüber der Troß der Wanloer in Rüstung wie eine Phalanx anrückte. Ein paar geflügelte Worte von „Klute“, „Miälsäck“ [Mehlsäcke] on „Hongerlier“ [und Hungerleider] in Begleitung von rasselnder Waffen - melodie genügte den Rheydtern; sie machten kehrt und kamen niemals wieder.

Die Hünengräber sind bis jetzt nicht geöffnet; aber der Blitz ist auch nicht mehr eingeschlagen. Diese lustige Geschichte hat mir "Botter–Wietz" – ihr kennt doch noch "Hongskare–Wietz"? – erzählt und "Mettle–Decke" hat dazu gesagt: "Ja Jong, so secher wie ech Mettle Decke heesch!"

Aus Wanlos alter Geschichte


Abschrift aus "Rheinische Landeszeitung" Nr. 24 vom 24.Januar 1937


Es ist immer von eigenartigem Reitz, in der Geschichte der Städte und Dörfer unserer engeren Heimat zu blättern. So stellt uns Herr Werner Oellers aus Wanlo einige Angaben über die Geschichte Wanlos zur Verfügung, aus denen man sich ein kurzes Bild der Geschichte dieser Ortschaft machen kann.

Eine sehr alte Siedlung

Der Name Wanlo ist aus zwei Silben entstanden, aus Wan oder Wanne und lo oder loh = lichter Wald. Wanlo heißt demnach lichter Wald, der in einer Wanne oder Mulde liegt.
Das Dorf Wanlo hat schon eine alte Geschichte. Ein Hünengrab und der alte Galgenberg sind Zeugen dafür, daß in frühen Jahrhunderten hier eine Gemeinschaft bestanden hat. Urkundlich kommt Wanlo schon um das Jahr 861 vor. Da wird Wanlo in einer Urkunde als Lehen des reichen Eifelklosters Prüm erwähnt. In der Folgezeit wohnten hier mehrere Ritter, was aus den noch vorhandenen Wappen an den einzelnen Bauernhöfen zu ersehen ist Schon im Jahre 861 gab es in Wanlo, wie es aus der Urkunde hervorgeht, eine christliche Gemeinde.

Ein Edelherr Herimanus de Wanlo kommt 1106 in einer Urkunde des Erzbischofs Friedrich I. von Köln vor. 1158 bestätigt Erzbischof Friedrich II. von Köln dem Nonnen-Convent zu Königsdorf seine Besitzungen zu Wanlo. 1254 fordert Erzbischof Konrad den Grafen von Berg auf, dem Grafen von Jülich keine Hilfe im Kriege zu leisten, weil derselbe noch immer die Herausgabe der Güter zu Wanlo verweigere. Wilhelm Graf zu Jülich verträgt sich 1352 mit Konrad Herrn von Dyck wegen des Dorfes Wannele. 1386 verkauft Gerhard Herr zu Dyck dem Herzog Wilhelm von Jülich Wanlo mit den Gerichten und Gefällen. Die Schöffen von Wanlo bekennen 1553, daß sie dem Herrn Reinard von Anradt Prior in Grevenbroich verkauft haben.

Das waren schlimme Zeiten

Als die Spanier in Deutschland hausten, wurde Wanlo hart mitgenommen. Darüber heißt es in der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins, III:
„Im Jahre 1585 am 12. April hat das hispanische Kriegsvolk das Dorf Wanlo, Keyenberg und Junker Zuyrß redliche Behausung in Westrich einbekommen und spoliert. Am 21. und 22. Januar 1586 haben sie sich in die Dörfer Wanlohe und Keyenberg und Holzweiler eingelagert und die Untertanen über ihr Vermögen gezwungen. Am 15. Mai 1585 sind die auf den Häusern von Odenkirchen, Horst und Glehn liegenden Kriegsleut mit den Linnischen, Uerdingischen und Kaiserswerdischen in der Nacht in die 200 stark in das Dorf Wanlo gefallen, daselbst angestochen, 13 Häuser abgebrennt, das ganze Dorf spolyrt, 5 Pferde, 70 Stück Rindvih, 30 Schweine, 150 Schafe geraubt, die Kirch ufgebrannt, alles werth was darin war mitgenommen, auch noch drei Hausleute erschossen, und eine Frau mit zwei Kindern verbrannt und haben den Raub auf Burg Odenkirchen geteilt, und ist ein jeder Hauf mit seinem Teil hingezogen.“

Eine alte hölzerne Tafel mit Wappen in der Sakristei der alten Kirche sagt:

"Anno 1587 den 14. Februar sind die edlen und ehrenfesten Robert und Bernard von Wildenrath, Vater und Sohn, auf ihrem Gute Wildenratherhof unschuldig und erbärmlich entleibt. R. i. p."

Mit einem Eichenbrett hat man sie durchgesägt.

Zur Zeit des spanischen Krieges haben die Schöffen von Wanlo 3 ¾ Morgen Kirchenland verkaufen müssen, um entstandene Lasten zu bezahlen. Nicht minder groß waren die Brandschatzungen, Kontributionen [= Beitrag, Leistung – ältere Form der Grundsteuer | Kriegskontribution = Zwangsauflage während des Krieges in Feindesland] und Einquartierungen im 30jährigen Krieg in Wanlo. 1624 geriet der Pastor Tetzius [Wilhelm Tetzius, Pfarrer in Wanlo von 1606 bis 1636] in holländische Gefangenschaft und schmachtete darin 13 Wochen lang. 1634 plünderten die Holländer die Kirche, raubten die Wertsachen, vernichteten die Dokumente und verwundeten und töteten mehrere Einwohner. 1642 wurde der damalige Vitenius [Johannes Viten (Vitenius) Pfarrer von Wanlo 1636 bis 1658] verbannt, so daß lange Zeit kein Geistlicher im Dorfe war und man die Kinder nach Erkelenz zur Taufe bringen mußte. In dieser Zeit plünderten die Hessen abermals die Kirche und das Dorf Wanlo.

Kleine Pfarrgeschichte

Wanlo mit Kuckum gehörten 1650 zum Amte Caster. Die damals eingepfarrten Orte Venrath und Kaulhausen gehörten unter Dahlem, jetzt Rheindahlen. Im 14. Jahrhundert finden wir Wanlo mit einem Vikar als selbstständige Pfarre der Christianität Bergheim verzeichnet. Das Patronat übte der Herzog von Jülich aus. Venrath und Kaulhausen gehörten zur Pfarre Wanlo. In Venrath war eine Kapelle, wo Sonn- und Feiertags eine Frühmesse gelesen wurde. 1606 war Venrath dann zur Pfarre erhoben worden. Durch die Zeitverhältnisse war die Pfarre aber alsbald wieder eingegangen.

1750 wurde Venrath wiederum zur Pfarre erhoben. Doch erwirkte der damalige Pfarrer von Wanlo [David Kirchbauer, Pfarrer in Wanlo von 1749 bis 1779] vom Landesherrn, dem Kurfürsten von der Pfalz, einen Gegenbefehl. So blieb denn Venrath in seinem alten Verhältnis zu Wanlo, bis am 1. März 1804 [Franz-Anton Hoffmann, Pfarrer von Wanlo 1779 bis 1814]der Bischof von Aachen Venrath den Rang einer Succursalpfarre [Hilfspfarre] verlieh, der er Kaulhausen, Beckrath und Herrath zugesellte.

Als der Kirchturm einstürzte

Interessant ist die Geschichte der Pfarrkirche. Wanlo hatte vor der jetzigen Kirche eine Kirche, die im Frühjahr 1898 abgerissen wurde. Diese Kirche stammte in ihren ältesten Teilen aus dem 12. Jahrhundert. [Siehe dazu „Beschreibung der neuen Pfarrkirche in Wanlo“ von Pfarrer Adolf Plönnis von 1907] Sie war eine einschiffige kleine romanische Pfeilerbasilika. Der Turm der Kirche stürzte am letzten Ostertage des Jahres 1752 ein. Der damalige Pastor Kirchbauer war der Ansicht, der Einsturz sei eine Strafe Gottes für das damals in Wanlo anscheinend sehr beliebte Kartenspiel, dem sich die Einwohner während des Gottesdienstes hingaben. Aus der alten Kirche befindet sich noch ein alter Taufstein aus dem 11.- oder 12. Jahrhundert und eine alte Glocke aus dem Jahre 1404 in der neuen Kirche. Die neue Kirche wurde in den Jahren 1899 und 1900 erbaut.

Im Jahre 1791 kam Wanlo unter französische Verwaltung. Am 15. Januar 1814 kam es wieder an die Krone Preußens zurück. An diesem Tage konnten die Wanloer die Vorposten der Alliierten (Preußen usw.) willkommen heißen.

Im Jahre 1817 herrschte in Wanlo eine große Hungersnot. Für ein zwölfpfündiges Schwarzbrot mußte man einen Reichstaler zahlen. Noch im vorigen Jahrhundert wies Wanlo eine Reihe von Wassermühlen auf, die an der Niers in Betrieb waren. Am westlichen und östlichen Ausgang des Dorfes standen zurzeit auch noch zwei Windmühlen.

Neben der Landwirtschaft betrieben die Wanloer in früherer Zeit einen ausgedehnten Flachsanbau und die Leinenweberei. Fast in jedem Hause war ein Webstuhl. Besonders während des Winters wurde fleißig gesponnen. Das dauerte etwa bis um die Mitte des vorigen [19.] Jahrhunderts.

Wanlo hatte auch einen Galgenberg, eine Richtstätte, auf der die Verbrecher hingerichtet wurden. So geschah am 2. Oktober 1758 noch die Hinrichtung von Heinrich Billstein und Michael Schiffers. Am 3. Oktober war die Tortur eines Ludwig Vieten auf dem Galgenberg.

Ehemalige Rittersitze

Wer heute nach Wanlo kommt, dem fallen besonders einige große Bauernhöfe auf, die an der Peripherie des Ortes liegen. Zunächst ist, wenn man von Wickrathberg kommt, der sogenannte Cappelshof zu sehen, der inmitten von Wiesen liegt. Am Dorfausgang auf Kuckum zu liegen der Schwalmer Hof und der Wildenrather Hof. Diese Höfe gehörten einst Rittern. Längst ist aber diese ritterliche Herrlichkeit dahin. Nur noch dem Heimatkenner, der die Geschichte aus den alten Chroniken her kennt, ist ihre Bedeutung bekannt.

Die Anmerkungen in [....] wurden vom Chronisten eingefügt.

Die Teufelsaustreibung zu Wanlo


In Wanlo lebte, es sind etwa hundert Jahre her, die Witwe Beermann mit ihrer Tochter Margrete. Sie wohnten in einem alten Lehmhäuschen am Ausgang des Dorfes und verdienten sich ihr Brot in der Weise armer Leute, im Tagelohn, in Botengängen und, wenn der Winter ins Land gekommen, mit Spinnen und Weben. Es war ein kärgliches Hausen, und es bedeutete für die beiden einen wahren Festtag, wenn sie durch ein paar übrige Groschen, was selten genug geschah, statt des groben Schwarzbrotes einen bescheidenen Kuchen sich gönnen durften.

Eines Tages hatte die Witwe es wiederum geschafft, ein süßes Weißbrot in Form eines Kranzes auf den Tisch zu stellen, und sie schärfte, der Naschhaftigkeit der Tochter eingedenk, dieser ein, ihn nicht vor der Zeit anzuschneiden, da sonst die Festtagsfreude geschmälert sei. „So schließe ihn doch in den Schrank, Mutter!“ gab diese, ein wenig schnippisch, den Rat, „und wenn dennoch der Kuchen angebissen wird, dann haben es die Heinzelmännchen getan!“

Die Witwe Beermann folgte dem wenn auch nicht ehrlich gemeinten Rat, zog den Schlüssel ab und begab sich zur Ruhe. Die Tochter aber, schlecht gesättigt und mit begehrlichen Sinnen bei dem eingeschlossenen Kuchen, zog leise den Schlüssel aus ihrer Mutter Rocktasche, öffnete den Schrank und schnitt sich ein Stück aus dem duftenden Gebäck, das sie alsbald verzehrte. Den Schlüssel steckte sie an seinen vorherigen Platz.

Am anderen Morgen, als die Glocken zum Frühgebet läuteten, stand die Witwe auf, gebot der Tochter, die Stube zu ordnen und den Tisch zu decken, während sie selbst sich in den Ziegenstall begab, um die Tiere zu füttern und zu melken, wobei sie sich auf das sie erwartende Frühstück, den Kuchen, freute. Als sie eine Weile später die Milch in die bereitstehenden Tassen füllte und dabei mit Wohlgefallen den Blick auf den Kranz heftete, den die Tochter auf ihr Geheiß aus dem Schrank geholt, fiel ihr plötzlich vor zorniger Überraschung die Schöpfkelle aus der Hand, so daß deren Inhalt sich auf den mit weißem Sand bestreuten Fußboden ergoß. „Wer hat das getan?“ fragte sie zornig und deutete auf die Lücke im Kuchen.
„Nun, wahrscheinlich doch die Heinzelmännchen, wie ich es vorausgesagt habe!“ entgegnete mit gespieltem Gleichmut die Tochter. „Du hattest ja den Schrank abgeschlossen und........“

Sie kam nicht zu Ende, denn der Mutter derbe Hand versetzte ihr einen heftigen Schlag auf die Backe. „Du Lügenaas!“ schrie sie, „du hast den Kuchen trotz meines ausdrücklichen Verbots angeschnitten, und so wollte ich denn, du hättest dir gleich den Teufel mit in den Leib gegessen!“

Das Mädchen erbleichte und fuhr mit gespreizten Händen zurück, als erblicke sie etwas Unheimliches, dem sie wehren wollte, und war von Stund an verwandelt. Sie sang schändliche, einer Jungfrau nicht geziemende Lieder, die das Laster und die Liederlichkeit verherrlichten, sang sie in rauhen, tiefen Kehllauten, als habe eine Männerstimme die ihre verdrängt.

Die erschreckte Mutter schalt, bettelte und beschwor zuletzt die Tochter, die sündhafte Art von sich zu tun, und den Herrgott zu fürchten. Aber das Mädchen lachte, die Zähne bleckend, ihr häßlich ins Gesicht und hielt ihr in boshaftem Triumph Fehler und Dinge vor, die die Mutter vor Scham erröten machten und sie gleichzeitig in die größte Bestürzung versetzten. Denn diese Entgleisungen waren vor der Geburt ihrer Tochter geschehen und konnten dieser nur von einem bösen Geiste offenbart worden sein. Als das Mädchen sich zuletzt dem Gebet und Kirchgang widersetzte und das Weihwasser, mit dem die Mutter sie besprengen wollte, fauchend abwehrte, ward es der Witwe völlig klar, daß der Teufel auf Grund ihrer unglückseligen Verwünschung in ihre Tochter gefahren war.

Diese folternde Gewißheit wie einen Alp auf dem Herzen, eilte die Frau sogleich zu ihrem Geistlichen, dem Pastor Hoffmann, [Franz Anton Hoffmann, 1779 – 1814 Pfarrer in Wanlo] und bat ihn händeringend und unter Tränen, ungesäumt zu kommen und den bösen Geist aus ihrer Tochter zu vertreiben.

Der Hirte, bestürzt darüber, daß der Teufel in seinem Kirchdorfe, inmitten seiner behüteten Herde umgehe und sich bereits ein Opfer ausgesucht habe, begab sich sogleich mit der Witwe in deren Häuschen, wo sie die Tochter, anzusehen wie eine verwilderte Gängerin, mit wirrem Haar und zerrissenen Kleidern antrafen.

Als sie den Pastor erblickte, wich sie wie in Angst vor ihm in die hinterste Ecke zurück und schrie, als er ihr folgte und die exorzierenden Worte über sie sprechen wollte, mit einer kreischenden Männerstimme: „Weiche, du Sünder, du hast keine Macht über mich! Hast du nicht selbst gegen das 7. Gebot gefrevelt und, als du noch ein barfüßiger Junge warst, Kappes [Kohl] von einem Felde gestohlen?“

Der Priester, nun vollends überzeugt, wen er vor sich habe, erwiderte ruhig: „Ich war armer Leute Kind, und wir litten allesamt Hunger. Da habe ich aus Not eines Tages einen Kohlkopf vom Feld eines Halfen gestohlen und meiner Mutter gebracht mit der Erklärung, man habe ihn mir geschenkt. Der Halfe spürte den Verlust nicht, dennoch habe ich, nachdem ich in mein Amt gefunden und über einige Mittel verfügte, den Kappes weit über seinen Wert hinaus dem Bauern bezahlt. Diese Sünde also drückt mich heute nicht mehr und ist kein Hindernis für deine Austreibung!“

Und er begann von neuem und diesmal dringlicher die exorzierenden Gebete, und als diese in das Geheiß mündeten: „Fahre aus, Vater der Lüge und Geist des Verderbens, ich heiße dich und befehle dir im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!“ da erhob der Böse ein greuliches Gezeter aus dem Munde des Mädchens, dieses ward geschüttelt und mit Wucht auf die Erde geworfen, und als es unter dem Beistand von Mutter und Priester sich erhob, sagte es zitternd und unter großem Weinen: „Nun ist er fort! Ach, wie hat er mich gequält!“ Von Stund an war das Mädchen gesund.

Der Teufel aber blieb weiter in der Gemeinde, plagte Menschen und Vieh, und ganz besonders war er zu fürchten in der Mitternachtsstunde von 12 bis 1, wo er auf die mannigfachste Weise Schaden tat an Menschen, Vieh und Geräten.

Der Pfarrer Hoffmann, erschreckt und besorgt um seine Herde, bemühte sich jetzt um einen starken Verbündeten und fand ihn in dem heiligen Michael, der einst Luzifer und seinen Anhang in den Abgrund gestoßen.

In aller Eile erbaute er ihm eine Kapelle, in der er ihn nun allnächtlich von 12 bis 1 um seinen Beistand anflehte und ihm seine Herde in beweglichen Worten empfahl. Und Sankt Michael half. In Kürze verschwand der Teufel und ward seitdem nicht mehr in Wanlo gespürt.

Quelle: Sagen und Legenden des Kreises Grevenbroich – 1965 | Seite 70 – 72
von Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle und Dr. Hans Georg Kirchhoff

Die Anmerkungen in [....] wurden vom Chronisten eingefügt.

Anm. des Chronisten:

Diese Kapelle wurde 1960 abgebrochen, da sie angeblich für den Neubau des Kindergartens im Wege stand. Noch Heute kann man nachvollziehen, daß die Kapelle für den Neubau N I C H T störte.

Wem war sie aber dann im Wege ??


Wanlo im Jahre 1929


Das Amt Wanlo, zusammengesetzt aus den Orten Wanlo und Kuckum, hat ein Gesamtflächeninhalt von 7,43 qkm. Die Einwohner beträgt augenblicklich 1452. Es entfallen also auf jeden qkm 198 Personen. Von diesen Einwohnern sind 60 % Landwirte, 30 % Gewerbetreibende, 15 % Angehöriger freier Berufe und 42 % Arbeitnehmer. 1430 Katholiken, 17 Evangelische und 5 Israeliten zählt die Gemeinde Wanlo.

Zeitungsausschnitt einer unbekannten Zeitung vom 29. Januar 1929

Szenen aus der Geschichte Wanlos.


Aus Niersbote Sonderausgabe Juni 1988

Als Siedlungsraum ist Wanlo sehr alt. Ganz erhebliche Funde u.a. von Dr. Hermann-Josef Holz, Wanlo, aus der Frühen Jungsteinzeit, der Mittleren und Jüngeren Jungsteinzeit sind dafür Beweis.

Als Ort wird Wanlo bereits genannt in einer Urkunde von 861.

Politisch war Wanlo ursprünglich Prümisches Lehen, Streitobjekt zwischen dem Erzbischof von Köln und dem Grafen von Jülich.

Das Herzogtum Jülich war in 23 „Ämter“ eingeteilt, Wanlo gehörte zum Amt Kaster. Das Gericht in Wanlo – die Unterteilung des Amtes Kaster – umfaßte: Berverath, Westrich, Keyenberg, Kuckum und Wanlo.

Kirchlich scheint Wanlo ursprünglich unter Keyenberg gestanden zu haben, ist aber offensichtlich bereits 1308 eine selbständige Pfarre. Der Pfarrbezirk umfaßt außer Wanlo: Kuckum, Venrath, Kaulhausen und Etgenbusch.

Interessanterweise gehörten Venrath und Kaulhausen politisch zum Amt Brüggen, Gericht: Dahlener Ort (Unteramt Dahlen) [Rheindahlen].

Zur Pfarre Keyenberg gehörten Berverath und Westrich.

Venrath besaß von altersher eine Kapelle, die 1478 erstmals erwähnt wird.

Der immer wieder unternommene Versuch, aus Venrath eine selbständige Pfarrstelle zu machen, gelang erst am 1. März 1804 bei Bischof Marcus Antonius Berdolet (1. Bistum Aachen). Die Pfarre umfaßte Venrath mit Kaulhausen und Etgenbusch – dazu die Katholiken von Beckrath und Herrath.

Fazit: Wanlo muß politisch als Gerichtsbezirk und Pfarrbezirk recht bedeutend gewesen sein.

Die Kirche zu Wanlo trägt den Titel „Mariä Himmelfahrt“. Die jetzige Kirche ist ein Neubau aus ca. 1899, ausgenommen der Turm. Dieser stammt von der Vorgängerkirche von 1752 und wurde um 1900 um ein Geschoß erhöht.

An die älteste Kirche erinnert noch die Glocke von 1453, gegossen von Jan Jacob aus Venlo.

Interessant ist, daß bei der Visitation vom Februar 1560 der damalige Pastor Frantz Fluchens (Flohrs, Flohes), Wanlo 1548 – 1574, in seinem Bücherschrank u.a. die "Institutio Christanae Religionis" von Johannes Calvin und die Postille von Heinrich Bullinger aufbewahrte.

Ein weiterer erwähnenswerter Pastor, er wurde bekannt durch seine Aufzeichnungen über die Franzosenzeit bis hin zum Kommen der ersten Kosaken nach Wanlo am 16. Januar 1814, war Pfarrer Franz Anton Hoffmann. Er war in Wanlo von 1779 bis 1814 tätig.

[Weitere Pfarrer von Wanlo siehe Pfarrer von Wanlo ]

Interessant dürfen auch Fakten zu den Rittergütern und Mühlen in Wanlo sein.
Da wäre zunächst der Dycker- oder Wilderater Rittersitz. Mit diesem sind die Familien von Wilderath, von Leerodt (seit 1858 bürgerlich) sowie Josef Sauerland (daher auch zeitweise Sauerlandhof genannt) zu erwähnen. Am 1. Januar 1946 erfolgte die Übernahme durch die Eheleute Hans und Anny Hoffmann. [Eltern von Hans-Ludwig = heutiger Eigentümer]

Markant das feste Haus Schwalmen, zu verbinden mit den Familien von Schwalmen, von Millendonk, Rittmeister de Haye, von Lennep, von Ingenhoven, von Overheid und von Wolf sowie ab 1711 mit dem Namen Ägidius Herseler Frantz (seit 1784 Freiherr von Frantz). Nach 1804 bürgerlicher Besitz und am 24. November 1934 auf die Familie Johann Peter Neulen übergegangen. [heutige Eigentümer = Hans-Josef Neulen]

Letztendlich sei hingewiesen auf den Kappelshof. Er erinnert an Ritter von Papeler, Junker von Steinen, Coppartz (vom Volksmund in Kappels umgewandelt, daher Kappelshof), Grevenbroich, von Contzen, von Lezaack und von Pelser-Berensberg sowie ab 1918 an die Familie Heinen, heutige Pächterfamilie. [heutige Eigentümer = Familie Oertel]

Zu jedem Rittersitz gehörte in Wanlo eine Niersmühle. Dazu gab es eine viele, die Voll-, Zour’sche-, Hanxler’sche-, Brandsmühle, besser bekannt als Plätsch-Mühle.

Die Mühlenbesitzer erhielten von den Landesherren den Mühlenzwang verliehen.

Auf den vier Niersmühlen in Wanlo wurde das Getreide gemahlen von Hochneukirch, Borschemich, Holz, Wanlo, Kuckum, Berverath, Westrich, Kaulhausen, Venrath, Keyenberg und Immerath.

Zu den vier Wassermühlen gesellte sich eine größere Zahl von Windmühlen. Sie erhielten bei entsprechender Zahlung von ihrem jeweiligen Landesherren ebenfalls den Mühlenzwang verliehen, waren aber wesentlich unbedeutender als die wassergetriebenen Mühlen an der Niers.
Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 2. August 2016 )