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Wanlo Chronik Teil 3

Chronik des Dorfes Wanlo - Teil 3

Der Kirch- und Friedhof von Wanlo
Der jüdische Friedhof in Wanlo
Bau eines neuen Jugendheimes in Wanlo (1964 – 1966)
Geschichten vom Wildenrather–Hof – Wanlo
Marienkapelle am Rittergut Wildenrath – Wanlo
Fahrrad-Pilgerreise (2007) von Alfred Brücher - Wanlo
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Bericht mit Fotos von der Stolperstein Verlegung in der
"Bürgerzeitung Mönchengladbach" von Josef Katz:

Stolperstein Verlegung in Wanlo


Der Kirch- und Friedhof von Wanlo


Die Toten fanden im Mittelalter im Umfeld der Pfarrkirche ihre letzte Ruhestätte. Diese hieß deshalb Kirchhof. Die Bestattung in der Kirche blieb den Pfarrern, Adeligen und Begüterten vorbehalten.

Da die alten Kirchhöfe verhältnismäßig klein waren und nicht vergrößert werden konnten, mussten die Gräber oft geöffnet und neu belegt werden. Die dabei ausgegrabenen Gebeine wurden gesammelt und in Beinhäuser beigesetzt. Dies ist 1642 für Wanlo bezeugt.

Durch Platzmangel, staatliche Anordnungen und Hygiene - Vorschriften war Wanlo gezwungen den Kirchhof an den Dorfrand zu verlegen.

Der neue Begräbnisplatz wurde 1872 an den Ortsausgang der (heutigen) Hochstraße verlegt und wurde nun Friedhof genannt.

Quelle: Erkelenzer Börde und Niersquellengebiet von Karl L. Mackes
[Der Chronist Heinrich Küppers bezeichnete dieses Buch als Teil der Chronik des Dorfes Wanlo]

Der jüdische Friedhof in Wanlo

Der jüdische Friedhof von Wanlo ist ca. 721 qm groß und liegt östlich vom Stahlenend am Hochneukircher Fließ und ist über den alten Odenkirchener Weg zu erreichen. Er steht heute im Eigentum des Landesverbandes der jüdischen Kultusgemeinde von Nordrhein in Düsseldorf.
(Stadtarchiv MG - Wickrath 26 c)
Der Friedhof dürfte schon etwa 300 Jahre lang bestehen. Die Wanloer Israeliten stellten am 18.2.1869 den Antrag, ihren Begräbnisplatz vergrößern zu dürfen. Er bestand zu dieser Zeit aus einer nur wenige Ruten großen Parzelle des Kappelshofes und lag am Schramberg. Die hiesigen Juden konnten ihrem Antrag keinen Besitztitel über das Grundstück beifügen. Sie beriefen sich darauf, daß ein früherer Inhaber des Kappelshofes vor etwa 200 Jahren das Stück Ödland, auf dem der Friedhof errichtet wurde, der Wanloer jüdischen Gemeinde geschenkt habe. Nach dem vorgesehenen Ankauf von weiteren 19 – 20 Ruten Land wurde den Israeliten ein rechtsgültiger Besitztitel vom Inhaber des Kappelshofes in Aussicht gestellt.
(HSTAD Reg. Düsseldorf 11 147, Begräbnisplatz zu Wanlo 1836 – 66; ebd. Landratsamt Grevenbroich 245)
Auszug aus "Juden in Mönchengladbach, Band 2, Günter Erckens, 1989, Seite 485":

Der jüdische Friedhof in Wanlo.
Dieser außerhalb des Dorfkerns gelegene Friedhof am Stahlenend, zwischen Wirtschaftsweg und dem Hochneukirchen Flieth in der Nähe der Landstraße L 368 zwischen Wickrath und Wanlo gelegen und 721 Quadratmeter groß, war schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg eingeebnet worden. Obwohl er damals "komplett belegt" war, erinnert heute nichts mehr an seine Existenz. Es sind auch keine Grabsteine von ihm erhalten.
Adresse: Stahlenend (am Stollenend), zwischen Wirtschaftsweg und Hochneukirchener Flieth in der Nähe der Landstraße L368 (Flur 1, Nr. 7)

Der Jüdische Friedhof war vollständig belegt als er 1939 nach Erwerb durch einen Landwirt eingeebnet wurde. Heute ist der Begräbnisplatz nicht mehr zu erkennen.

An der Stelle, wo früher der jüdische Friedhof war (Schramberg), wurde ein großer Gedenkstein mit Schrifttafel errichtet.

Bau eines neuen Jugendheimes (1964 – 1966)


Von Chronist Heinrich Küppers +

Das alte Jugendheim, das zusammen mit der Küsterwohnung an der Kirchstraße stand, war im 2. Weltkrieg durch eine Bombe stark beschädigt worden. Unter Pfarrer Gau [Adolf Gau, Pfarrer in Wanlo von 1947 bis 1957] wurde das Gebäude, der damaligen, allgemeinen Notlage entsprechend, durch "Eigenleistungen" wieder aufgebaut. Für Jugendräume standen nur zwei Zimmer zur Verfügung.

1956 übernahm Lehrer Küppers [Chronist Küppers] die Jugendgruppe der älteren Jahrgänge (18 bis 23 Jahre alt), während Pfarrer Gau die jüngeren Jahrgänge betreute. Da die Gruppe der älteren Jahrgänge reges Interesse an den Abenden hatte, wurden diese zum „Jugend – Seminar“ umgestaltet, an dem auch auswärtige „Referenten“, sei es vom Bistum [Aachen], von der Gemeinde [Wickrath] oder vom Kreis [Grevenbroich], zur Verfügung gestellt wurden. Von den genannten Amtsstellen wurden auch finanzielle Mittel bereit gestellt.

1962 wurden dann die ersten Kurse für Erwachsene, wie Zuschneide – und Kochkurse und später Abende mit Themen über Ehe, Familie, Erziehung, Religion, Kirche u.a.m. durchgeführt. Zu allen Kursen wurden fast stets auswärtige Referenten herangezogen.

Für den Ort Wanlo war der Besuch der Veranstaltungen sehr rege. Zunächst fanden die „Erwachsenen – Kurse“ im Schulgebäude statt, doch schien es angebracht, ein neues Jugendheim zu errichten, das der Jugend – und Erwachsenenbildung einen „angepaßten“ äußeren Rahmen vorzuweisen hatte.

Nach der Vorlage eines Kostenvoranschlages durch den Architekten Herrn Eberhard Corcilius [Ehefrau = geb. Schön - Wanlo] wurde ein Termin mit der Finanzabteilung des Bistums Aachen vereinbart, an dem Herr Horst vom Kreisjugendamt Grevenbroich, Herr Architekt Corcilius und Herr Hauptlehrer [Heinrich] Küppers teilnahmen.

Zunächst wurden vom Bistum nur 90.000,--DM für den Bau vorgeschlagen. Nach Darlegung der regen Tätigkeiten in der Erwachsenenbildung und der Zusage des Kreises Grevenbroich, sich an einer höheren Finanzierung zu beteiligen, wurde die Höhe der Kosten auf 150.000,--DM festgelegt.

Einige Wochen später fand dann ein Gespräch mit dem Landschaftsverband Rheinland in Köln statt. An diesem Gespräch nahmen Pfarrer Erb [Paul Gottfried Erb, Pfarrer in Wanlo von 1958 bis 1969], Herr Corcilius und Herr Hauptlehrer Küppers teil. Der Landschaftsverband war mit dem Bau des Jugendheimes und der Verteilung der Bausumme auf die einzelnen Körperschaften einverstanden und bewilligte ebenfalls einen Zuschuß.

Am 4. 4. 1966 wurde mit den Baumaßnahmen begonnen. Eröffnung und Einweihung durch Pfarrer Erb erfolgte am 27.11.1966. Die Gesamtkosten betrugen einschließlich Nebenkosten und Einrichtung 115.000,--DM.

Geschichten vom Wildenrather–Hof – Wanlo


von Hans-Ludwig Hoffmann und Heinz-Josef Katz

Abseits, am Südausgang des Dorfes Wanlo an der Niers, liegt (Richtung Kuckum) der Wildenratherhof.

Der Ort Wanlo, erstmalig in der fränkischen Zeit im Jahre 861 in einer Urkunde erwähnt, liegt an einer alten Römerstraße von Rheydt – Mülfort nach Jackerath. Die am Südhang des Dorfes vorbeifließende Niers entspringt im Bruch, in der Nähe des früheren, zur Bürgermeisterei Wanlo gehörenden Dorfes Kuckum.

Während man am linken Niederrhein viel von Wasserburgen spricht, so nennt man hier im Quellgebiet der Niers den Wildenratherhof das „Haus“, ein durch Wassergräben und starkem Torbau mit Fallbrücke geschütztes Herrengut. Im Jahre 1586 fielen spanische Truppen in Wanlo ein und zerstörten neben anderen Häusern den Wildenratherhof. Robert und Bernhard von Wildenrath = Vater und Sohn, Besitzer des Wildenratherhofes, wurden 1587 getötet. Mit einem Brett soll man ihnen den Kopf abgesägt haben. Dieses Brett ist lange in der hiesigen Kirche aufbewahrt worden und eine Tafel in der Sakristei erinnert noch an dieses Ereignis. (Leider nicht mehr vorhanden)

In den Friedensjahrzehnten, die dem Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) folgten, wurde der Hof wieder neu aufgebaut bzw. umgebaut. Die Fallbrücke wurde dabei durch eine steinerne ersetzt, die Fenster vergrößert und stark vergittert, die Wirtschaftsräume erweitert und nach außen hin durch eine starke Mauer abgeschlossen. Das Wohnhaus wurde im Barockstil mit Freitreppe ausgestattet. Die Haus- und Hofanlage zeigte niederfränkischen Baustil, das heißt, das Wohnhaus mit Toreinfahrt, Stallungen, Scheune und Backhaus (Backes) umschlossen einen Hofraum mit Dunghaufen.

Während früher in der Regel Getreide-, Kartoffel- und Flachsanbau betrieben wurde, werden seit der Zuckergewinnung aus Zuckerrüben um 1870 herum intensiv Zuckerrüben angebaut, wobei natürlich der entsprechende Halmfrucht- und Futteranbau planmäßig in die Fruchtfolge einbezogen wurde.

Saftige Niers-Weiden lieferten das Futter für eine große Viehherde. Auch die Hengst–Zucht war bedingt durch die Nähe des preußischen Landgestütes Wickrath, unter dem damaligen Besitzer des Wildenratherhofes Josef Sauerland aus Buchholz bei Bedburg / Erft, sehr umfangreich

Mit fortschreitendem Alter des Hofes und bedingt durch Kriegseinwirkungen wurde in den letzten Jahren (ab 1947) manche bauliche Instandsetzung bzw. rationelle Umänderung erforderlich, ohne damit den Gebäulichkeiten auch nur annähernd den Charakter des alten Hauses zu nehmen.

Am 1.1.1946 Übernahme des Wildenratherhofes durch die Eheleute Anny und Hans Hoffmann. Betriebsgröße = 53,50 Hektar.

* 1960 Abschaffung des gesamten Viehbestandes und Aufstallung einer Herdbuchherde (32) – tbc und abortus bang frei.

* Seit Juli 1965 Bullenmast (Fleckvieh / Frühentwöhnung)

* Oktober 1965 Verkauf der gesamten Herdbuchtiere über eine Auktion in Krefeld. Renovierung des Kuhstalles.

* 1967 Entfernung der Dungstätte aus dem Hofraum und Verlegung längs des Kuhstalles nach außen.

* Seit 1967 werden 30 ha in Holzheim bei Neuß (Erbschaft von Hans Hoffmann) von Wanlo aus mit bewirtschaftet, teilweise Landverlagerung von Holzheim nach Wanlo, durch Landkauf in Wanlo und durch Flurbereinigung.

* Nach Aufgabe der Bullenmast 1968 Umbruch aller Niersweiden, begünstigt durch die Absenkung des Grundwasserspiegels durch "Rheinbraun".

Scheune und Kuhstall wurden umgebaut und dienen als Lagerraum für Getreide. Dazu wurden in der Scheune 4 Silos aufgestellt mit einem Fassungsvermögen von je 400 dt Ferner stehen 3 Düngersilos mit einem Fassungsvermögen von je 30 to zur Verfügung.

Rheinbraun legte 1974 einen 26 m tiefen Brunnen zur Speisung des Ringgrabens um den Hof an, im Zusammenhang mit der Grundwasserabsenkung. Zwei Hofzufahrten, Abstellplatz entlang des früheren Kuhstalles und der gesamte Hofraum wurden mit Verbundsteinen gepflastert.

Zahlreiche Anpflanzungen von Bäumen, Sträuchern und wechselnden Blumen zieren die Umgebung des Wildenratherhofes mit seiner Gesamtgröße von 105,27 ha.

Vom Adelssitz zum bürgerlichen Anwesen

Gelesen im "Niersbote" vom 4. Juli 2003

Am Ortsrand von Wanlo liegt an der Niers ein von Wassergräben umgebenes stattliches Gehöft. Es war bis zum 19. Jahrhundert ein landtagsfähiges Rittergut. Der Adelssitz, der einst dem Grafen von Arce–Hochstaden gehörte, fiel über den Herrn von Dyck vor 1251 durch Kauf an die Grafen von Jülich. Am Ende des 14. Jahrhunderts übertrugen die Herzöge von Jülich den Rittersitz Dyck zu Wanlo an die Edelherren von Wildenrath zu Erbpachtrecht.

Die Edelherren von Wildenrath zu Wanlo führten 1526 in ihrem Spiegel einen Schild mit 3 Querbalken und auf dem Helm einen nach rechts gewandten wachenden Löwen. Der Spiegelschild des Robert von Wildenrath von Hagen war 1640 senkrecht in 2 Hälften geteilt. Die rechte zierte die 3 Wildenrath’schen Querbalken, die linke zwei sich kreuzende Stäbe.

Generationen dieser Familie saßen auf dem nach ihr benannten Rittersitz Wildenrath zu Wanlo. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts blieben neben Generationen der Freiherren und Grafen von Leerodt im Bezirk des Wildenrather Hofes. Ihre Nachkommen und Verwandten führten am 28. Oktober 1845 eine Erbauseinandersetzung durch.

Der gesamte Leerodtsche Besitz wurde in verschiedene Lose aufgeteilt. Das II. Los mit dem Wanloer Rittersitz fiel an die Freifrau Adelheid von Maillot geborene von Leerodt.
Am 16. Juli 1858 veräußerten Freiherr Maximillian und Adelheid von Maillot den Wildenrather Hof an die Eheleute Christian Jorissen und Christine geborene Jopen, Ackersleute in Wanlo. Damit kam der Hof erstmalig in bäuerlichen Besitz.
Um 1890 erwarb Josef Sauerland den Hof. Er hielt 1927 10 Pferde, 35 Stück Rindvieh und 15 Schweine. Das Gut war 55 ha groß. Josef Sauerland verstarb 1943 kinderlos, das Anwesen vermachte er seinem Neffen Ludwig Decker.
Dieser übertrug den Hof 1946 seiner jüngsten Tochter Anny Hoffmann – Decker.
Seit 1977 befindet sich das Rittergut Wildenrath im Alleineigentum ihres Sohnes Hans-Ludwig Hoffmann, der heute auf dem Rittergut Wildenrath eine Gastronomie, einen Streichelzoo und eine 18-Loch-Golfanlage betreibt.


Marienkapelle am Rittergut Wildenrath - Wanlo


Marienkapelle - Foto: KATZ
Marienkapelle - Foto: KATZ
Am 13. Mai 2007 wurde die Marienkapelle am Rittergut Wildenrath vom Wanloer Pfarrer Hans-Josef Schuck eingesegnet.

Die Kapelle, mit den Maßen zwei mal zwei Meter, steht am Rande vor dem Eingang zur Gastronomie "Göpel". Hans-Ludwig Hoffmann, der Eigentümer des Rittergutes, hat diese Kapelle im Herbst 2006 eigenhändig gebaut. Lediglich das Dach, das Schmiedeeiserne Tor und die Marmorarbeiten wurden von Fachfirmen ausgeführt. Noch hängt links vom Eingang eine Glocke, die in einer Glockengießerei in der Eifel extra für diese Marienkapelle gegossen wurde. Diese Glocke kommt in Kürze in einen kleinen Glockenturm auf die Kapelle.

Madonna in der Marienkapelle
Madonna in der Marienkapelle


Der Marienverehrer Hans-Ludwig Hoffmann hat für diese Kapelle extra im Schwarzwald, bei einem Holzschnitzer, eine Madonna anfertigen lassen. Diese kann in der Kapelle durch das Tor betrachtet werden.

Vorbei pilgernde Matthias-Bruderschaften können, nach Voranmeldung, früh Morgens an der Kapelle besinnlich innehalten und werden von Hans-Ludwig Hoffmann persönlich empfangen und zum Frühstück in der Gastronomie versorgt. Den Pilgern, aber auch Hochzeits-Paaren, die im Rittergut feiern, wird natürlich das schwere Eisentor geöffnet.
Schön, daß es in der heutigen Zeit noch Menschen gibt, die so etwas machen!
Text und Fotos: Chronist Heinz-Josef Katz




Fahrrad-Pilgerreise von Alfred Brücher im Jahre 2007

Alfred Brücher
Alfred Brücher
Alfred Brücher, Gormannsgasse 10, 41189 Mönchengladbach-Wanlo.

Strecke: Mönchengladbach-Wanlo über Vlodrop/NL, durch Belgien, Frankreich und über den Jakobsweg nach Santiago de Compostela/Spanien.

Santiago de Compostela (S.d.C.) ist die Hauptstadt der Autonomen Gemeinschaft Galicien und hat rund 93.000 Einwohner (Stand 2005). Die Stadt ist katholischer Erzbischofsitz und Wallfahrtsort, Ziel des Jakobswegs.

Der Name setzt sich zusammen aus Santiago (deutsch: heiliger Jakob)
Der zweite Namensteil wird verschieden gedeutet. Wegen der Erwähnung einer Lichterscheinung in Zusammenhang mit dem Jakobsgrab wird gern das lateinische campus stellae – Sternenfeld angenommen. Allgemein geht man heute von einem Friedhof an einer Straße als Namensgeber aus und erklärt etwa mit lateinisch compostum – Friedhof.

Pilgerreise in drei Etappen:

1. Etappe: 20.05. – 26.05. 2007 = 7 Tage
2.Etappe: 03.07. – 11.07. 2007 = 9 Tage
3.Etappe: 04.08. – 15.08. 2007 = 12 Tage

Vorwort:

Während meines gesamten „Rentnerlebens“, also seit fast 6 Jahren, war es ein großer Wunsch von mir, einmal von meinem Wohnort Wanlo bis nach Santiago de Compostela in Spanien (Jakobsweg) mit dem Fahrrad zu fahren. Da ich jedoch während dieser Zeit „innerfamiliär arbeitsmäßig“ eingebunden war, schob ich diesen Wunsch immer wieder nach hinten.

Im April des Jahres 2007 befasste ich mich nun ernsthaft mit der Angelegenheit und begann mit der Organisation der Reise. Zudem suchte ich in meinem Umfeld nach Mitfahrer. Die Suche nach einem Mitfahrer verlief leider negativ. Zudem wurde ich für mein Vorhaben aus meinem Bekanntenkreis für „verrückt“ erklärt.
Also beschloss ich, die Fahrt alleine durchzuführen. Da ich bereits für Juni und Juli jeweils einen zweiwöchigen Urlaub nach Ägypten und in Tunesien gebucht hatte, blieb mir nichts anderes übrig, als die Reise auf 3 Etappen zu verteilen oder aber erst im August antreten. Ich entschied mich jedoch für die Verteilung auf 3 Etappen.

1. Etappe vom 20.05. – 26.05. 2007
von Wanlo nach Orleans/Frankreich

Am 18.05. nahm ich noch an einer Familienfeier teil und starte am Morgen des 20.05. mit 16 kg Gepäck und 21 kg schwerem Fahrrad. Die erste Tagesreise führte mich über Erkelenz, Wassenberg nach Vlodrop/NL. Ab dort fuhr ich dann weiter Richtung Belgien bis ich nach 147 km zur Übernachtung in Huy/Belgien ankam. Hier gab es den ersten Hinweis auf den Jakobsweg. Eine Jakobsmuschel aus Messing war vor der Kirche in den Gehweg eingelassen. Immer entlang der Maas radelte ich bis nach Revin in Nordfrankreich wo die 2. Übernachtung stattfand. In zügiger Fahrt ging es über Charlesville-Meziers bis kurz vor Reims. Am 4. Tag durchquerte ich bei schönem Frühsommerwetter die sehenswerte Champagne und fuhr 112 km bergauf und bergab bis nach La Ferthe Gaucher zu einer weiteren Übernachtung. Ein sonniger und warmer Tag begleitete mich durch hügeliges Gelände über 114 km zur Übernachtung nach Nemours. Eine unspektakuläre Strecke führte mich nun so langsam in Richtung Loire, die ich bei dem schönen Ort Chateauneuf erreichte. Auf dem Loiredeich radelte ich bei sehr schwülem Wetter bis nach Orleans. Weil der Wetterbericht für mehrere Tage Gewitter/Regenwetter meldete, entschloss ich mich dazu, hier die 1. Teilstrecke nach 703 km zu beenden und die Rückreise anzutreten.

Um zurück in Richtung Deutschland zu kommen, fuhr ich zuerst mit dem Zug bis nach Paris. Dort musste ich – weil die Metro keine Fahrräder befördert – am Freitagabend vor Pfingsten im Hauptberufsverkehr mit meinem Rad vom Bahnhof Paris-Austerlitz quer durch das Zentrum von Paris zum Bahnhof Gare de Est fahren, um dann weiter über Metz und Luxemburg, Deutschland zu erreichen. Die 4 bis 5 km mit dem Rad durch Paris waren schon recht abenteuerlich, zumal während der Fahrt auch noch ein kräftiges Gewitter niederging.

Bei dieser „Vortour“ (vom 20. bis 26.05.) stellte ich fest, dass ich nicht nur zuviel Gepäck beförderte, meine Ausrüstung – trotz guter Vorbereitung – nicht optimal war und zusätzlich mein Fahrrad mir als zu schwer erschien. Hatte ich doch die bergigen Ardennen und das hügelige Gelände der Champagne passiert und dabei heftig in die Pedale treten müssen und auch kräftig geschwitzt.

Nach meiner Rückkehr kaufte ich mir zuerst ein ca. 5 kg leichteres Fahrrad, jedoch mit noch besserer technischer (27-Gang-Schaltung und Hydraulikbremsen) Ausstattung. Selbstverständlich war mein Rad auch mit „unplattbaren Reifen“ ausgestattet, was sich positiv auswirkte, da ich mir auf der gesamten Strecke keinen „Platten“ fuhr. Ich optimierte die Ausrüstung und startete in einen „Sonnenurlaub“.

2. Etappe vom 03.07. – 11.07. 2007
von Orleans nach St. Jean Pied de Port

Am 03.07. fuhr ich mit meinem PKW nebst neuem Fahrrad und der besseren Ausrüstung Richtung Orleans. Dort verblieb ich eine Nacht, stellte meinen PKW „sicher“ ab und startet am 04.07. zur 2. Etappe, die mich zuerst von Orleans entlang der Loire bis Tours führte. Auf diesem Teilstück hatte ich mit heftigem Gegenwind und Schauern zu kämpfen. Durch welliges und hügeliges Gelände strampelte ich in nun 2 Tage – immer entlang der Vienne - in südliche Richtung. Etwa 20 km südlich von Confolens verließ ich den Verlauf der Vienne um am 3. Fahrtag der 2. Etappe und nach 330 km die Kleinstadt La Rochefoucaud östlich von Angouleme zur erreichen. Der folgende Tag zeigte sich von der sonnigen und warmen Seite. Ich radelte 110 km durch welliges und hügeliges Gelände mit traumhaften Sonnenblumenfeldern bis nach Coutras. Der 5. Fahrtag führte mich durch die Weinbaugebiete Emillion und Bordeaux und über Libourne (östlich Bordeaux) nach Cadillac. Ab hier ging es nun ca. 100 km durch das riesige und fast menschenleere Naturschutzgebiet „Les Landes.“ Ich sah nur Straße und Grün – Bäume und Farn. Ein Gewitter- und Regentag vermieste zum ersten Mal die Stimmung. Im Hotel in Hagetmau wurde diese durch ein gutes französisches Essen aufgehellt. Leider sprach im Hotel niemand englisch, und ich kein französisch – es hat jedoch alles geklappt. Am nächsten Tag hatte ich mir vorgenommen, bis St. Jean Pied de Port am Fuße der Pyrenäen zu fahren.

Diesen netten und lebhaften Ort erreichte ich nach einer anstrengenden Fahrt von 94 km am frühen Nachmittag. Gegenwind und bergiges Gelände machten das Vorankommen nicht einfach! Dieser Ort ist wohl einer der bekanntesten Startorte für den Jakobsweg, wenn man aus dem Norden oder Osten kommt. Sehr viele Jakobswegpilger starten hier, um dann über die Pyrenäen Richtung Pamplona und weiter nach Santiago de Compostela zu gelangen.

In 7 einsamen Fahrtagen strampelte ich ab Orleans 756 km. Etwas enttäuschend für mich war, dass ich auf der gesamten Strecke keinen einzigen Radpilger sah. Am gleichen Abend fuhr ich dann doch gemeinsam mit einem deutschen Radpilger, welcher mich im Bahnhof ansprach, mit der Eisenbahn in einer Nachtfahrt nach Orleans um von dort mit meinem PKW die Heimreise anzutreten. In Wanlo traf ich dann am 11.07. gegen 15 Uhr wieder ein.

3. Etappe vom 04.08. - 15.08.2007
von Pamplona/Spanien nach Santiago de Compostela / Jakobsweg

Nach einem Urlaub in Nordafrika startete ich dann zur 3. und letzten – der Königsetappe – am 04.08. wiederum mit meinem PKW (einschl. Fahrrad/Gepäck) um in die Pyrenäen zu fahren und meine Reise jetzt auf dem Jakobsweg (ab Pamplona = Real Camino Frances) fortzusetzen.

Vor mir lagen nun ca. 800 km bergauf und bergab in exakt westliche Richtung auf Spaniens Straßen. Fast immer parallel oder in Sichtweite zum St. Jakobus- Fußwanderweg. Hinter Pamplona ging es zur Einstimmung erst einmal hoch auf 690 m und zum Nachtstop 74 km nach Los Arcos. Nach einem weiteren Anstieg auf 1035 m fuhr ich 91 km weiter zum 2. Nachtstop nach Santo Domingo de Calzada. Hier leben übrigens zwei weiße Hühner in der Kathedrale – zur Erinnerung an eine wundersame Lebensrettung.

Jetzt ging’s in Richtung Burgos, welches ich am 3. Tag – trotz eines Gangschaltungsproblems – erreichte. Durch einen verkürzten Fahrtag konnte ich dort mein Rad erfolgreich reparieren lassen, nachdem der 1. Versuch in Logrono an der Fachkompetenz des Mechanikers scheiterte. Zudem verblieb Zeit zur Stadterkundung.

Bei der Fahrt in Richtung Burgos durchquerte ich nicht nur das Weinanbaugebiet des bekannten Rioja-Weines, sondern traf auch noch auf ein Radpilgerehepaar aus Melbourne in Australien. Ich machte einen Abstecher zum Kloster/Bodega Irache und probierte am dortigen „Weinbrunnen“ den Rioja-Rotwein. Dieser fließt jedoch nur in homöopathischen Mengen, damit die Kondition erhalten bleibt!
In Burgos besichtigte ich u.a. die 3.größte Kathedrale Spaniens. Jetzt ging es bei schönem Sommerwetter und guten Strassen-/Windverhältnissen zügig zum Nachtstop in Sahagun (133 km) um am Folgetag weiter in Richtung Leon und durch die Meseta 105 km bis Astorga zu radeln.
Auf den Teilstrecken waren – es war ja Urlaubszeit – sehr viele Fußpilger unterwegs. Vor allem viele junge Leute aus Spanien. Wer in Spanien – so erzählte man mir – eine Compostela (Bescheinigung, dass man den Jakobsweg/Camino gemacht hat) bei einer Bewerbung um einen Arbeitsplatz vorlegen kann, soll größere Einstellungschancen besitzen. Immer wieder traf ich auf Radlergruppen. Einzelfahrer gab es so gut wie gar nicht.

Bei meinen Beobachtungen stellte ich fest, dass ich wohl der älteste Radpilger (68 Jahre) auf der „Piste“ war. Einmal traf ich auf einen Belgier, welcher 61 Jahre alt war. Dann gab es noch einen 28jährigen Holländer sowie eine ca. 50jährige Französin als Einzelfahrer.

Ansonsten bei den Gruppenradlern nur junge Leute mit MTB´s und Paare bis etwa 50 Jahre. In Astorga (hier steht eine grosse Kathedrale, ein markanter Bau von Gaudi sowie ein markanter „Plaza Mayor“) traf ich auf ein Team des ZDF, welches eine Reportage über die Pilger auf dem Jakobsweg drehte.

Am 10. 8. war nun der Radfahrspaß für einen Flachländler endgültig vorbei. Es ging richtig in die Berge! Ab Astorga ging es stetig bergauf (bei ca. 30°) bis auf 1505 m zum „Cruz de Ferro“. Eine Bergspitze mit einem Steinhaufen und einem einfachen Kreuz, jedoch mit Symbolbedeutung. Unterhalb des Kreuzes legen die Pilger traditionell einen „Sorgenstein“ aus der Heimat oder vom Pilgerweg ab. Auch ich legte einen ca. "100-karätigen" Kieselstein aus Wanlo beschriftet mit Namen und Datum ab.

In einer teils gefährlichen und steilen Abfahrt ging es dann runter bis auf 600 m. An der Abfahrtstrecke gab es mehrere Kreuze, die an Todesfälle von Pilgern erinnerten. Am Folgetag sollte es noch etwas härter kommen, weil die Bergraufstrecke auf den Cebreiro Pass (1395 m) noch etwas steiler war. Von dort ging es innerhalb von ca. 10 Km nochmals auf 1335 und dann auf 1270 m bevor es wieder angenehm bergab ging.

In den letzten beiden Tagen wurde mir bewusst, was eine wirkliche Pilgerreise ist, wobei ich diese nicht aus religiösen Gründen, sondern aus dem im Vorwort genannten Grund machte. Mir taten die vielen Pilger leid, die ihre schweren Rucksäcke schleppten. Anderseits erhielt ich „Mitleidbekundungen“ von den Fußpilgern, die meinten, dass die Radstrecke wohl anstrengender wäre. Sei es wie es sei, eine Tortour ist es allemal!

Überhaupt trifft man auf Pilger aus der gesamten Welt. So habe ich neben den Australiern viele Deutsche, Europäer, Pilger aus Japan, Südkorea und Lateinamerika getroffen. Ein Ehepaar aus Holland war mit Kind, welches auf der Pilgerstrecke ein Jahr alt wurde, zu Fuß von Holland unterwegs und zudem auf Hochzeitsreise. Einfach unvorstellbar, welche Leute man trifft!

Hinter Astorga gab es die folgenden Nachtstopps: Villafranca del Bierzo = 85 km, Triacastela = 62 km und Melide = 86 km.
Am Sonntag, den 12.8. bewegte ich mich auf einem Höhenniveau wie im Hochsauerland, immer so zwischen 600 – 800 Höhenmeter und war am Abend nur noch ca. 50 – 60 km von meinem großen Ziel Santiago de Compostela entfernt!

Nachdem ich die Provinzen Navarra und Kastilien durchfahren hatte, befand ich mich jetzt in Galicien. Energiegeladen und voller Freude – die wenigen letzten Anstiege ignorierte ich – machte ich mich am 13.08. auf die letzte Tagesreise, die nach 55 km vor der Kathedrale in Santiago de Compostela endete. Es war ein tolles Gefühl nach einer weiteren Teilstrecke von 775 km in S.d.C. anzukommen.
Die begehrte Urkunde Compostela
Die begehrte Urkunde Compostela
Ich will nicht verschweigen, dass es mich berührte, als Autofahrer mich bei der Einfahrt nach S.d.C. freundlich anhupten und mehrere Fußgänger mir „Bravo“ oder ähnliches zuriefen obwohl sie ja gar nicht wussten, woher ich kam. Es waren einfach nur Glückwünsche zum Ankommen.

In Santiago nutzte ich dann die Zeit, mir die Kathedale anzusehen und im Pilgerbüro den letzten Stempel im Pilgerpass sowie die "Compostella" abzuholen. [klick auf Bild rechts]

Am Folgetag, das war der 14.08. besuchte ich in der Kathedrale die Pilgermesse. Obwohl die Messe in spanischer Sprache gehalten wurde, war dies ein nachhaltig beeindruckendes Erlebnis. Anschließend absolvierte ich die restlichen Stadtbesichtigungen und fuhr am späten Abend mit dem Fernbus (Fahrradmitnahme) 800 km über Nacht nach Pamplona zurück. Ab dort trat ich dann mit meinem PKW in einer weiteren Tag-/Nachtfahrt die Heimreise nach Wanlo an, wo ich am Vormittag des 16. August 2007 gegen 10 Uhr nach 1370 Autobahnkilometer eintraf.

Resümee:

Nach vielen schweißtreibenden Anstiegen, prickelnden Bergabstrecken, öden oder schattenlosen Geradeauspassagen, einsame Strecken in Naturschutzgebieten, Besichtigungen von Kirchen und anderen Baudenkmälern sowie interessanten Gesprächen mit anderen Pilgern kam ich nach genau 2233 km, die ich in 22 Fahrtagen (101,5 km pro Tag) ohne große Blessuren in Santiago de Compostela an.
Die Gesamt-Reisezeit mit allen An- und Abreisetage betrug 28 Tage. Während der Reise saß ich insgesamt 147,5 Stunden im Sattel. Die Durchschnittgeschwindigkeit betrug 15,05 km/h und die Höchstgeschwindigkeit 57,75 km/h.

Zum Wetter sei zu sagen, dass ich alle Facetten durchlebte. Von Regen/Gewitter in Belgien und Frankreich über Schönwettertage und von nur + 7 Grad in Burgos bis weit über 30 Grad in der Region Leon. Auch heftigster Gegenwind in Frankreich erschwerte mir das Vorankommen, aber all das erschütterte mich nicht, wollte ich doch einfach nur in Santiago de Compostela ankommen. Weiter hatte ich mir vorgenommen, täglich mindestens eine Teilstrecke auf den Wanderweg der Fußpilger zu fahren. Das setzte ich auch in die Tat um, ohne jedoch Pilger zu gefährden. Zudem ist zu erwähnen, dass ich auf der gesamten Strecke keinen Radfahrer traf, der älter war als ich.

Hätte ich es noch mal zu tun, so würde ich die Reise ca. 5 Jahre oder besser noch früher machen. Mit fast 68 Jahren sind einige Teilstrecken sowie die relativ hohe Tageskilometerleistung doch schon eine erhebliche körperliche Belastung, die ich eigentlich gut überstand. Es ist schon etwas besonderes, eine solche Reise zu unternehmen.

Die durchleben Gefühle und Gedanken - besonders auf dem Jakobsweg - möchte ich an dieser Stelle nicht kommentieren.

Irgendwie hatte der Jakobsweg, der bereits seit dem 10./11. Jahrhundert wohl der bekannteste Pilgerweg Europas ist, auch für mich etwas Mystisches an sich.

Ich bin davon überzeugt, dass ich es mit der Verteilung auf drei fast gleichlangen Etappen richtig gemacht habe, wenn es auch etwas teurer und aufwendiger war. Ich weiß von (jüngeren) Radpilgern, die die Strecke ab Deutschland in 1 Etappe gefahren sind, dass Sie trotz gelegentlicher Ruhetage doch erheblich „geschlaucht“ das Ziel erreichten.

Für die Verteilung auf 3 Etappen waren zusätzlich noch die folgenden Leistungen erforderlich:
Bahnfahrt: Orleans – Hochneukirch und St. Jean Pied de Port – Orleans ca. 1400 km
Autofahrt: Wanlo – Orleans und zurück, Wanlo – Pamplona und zurück, insgesamt 3970 km
Busfahrt: Santiago de Compostela – Pamplona ca. 800 km

Zur „ Compostella“ sei noch zu erwähnen: Dieses Dokument (DIN A4) in lateinischer Sprache des Pilgerbüros in S.d.C. bescheinigt, dass man die letzten 100 km zu Fuß, oder die letzten 200 km vor S.d.C. mit dem Rad oder auf dem Pferd zurückgelegt hat. Den Nachweis muss man über den offiziellen Pilgerpass durch täglichen Stempel von Refugios *), Hotels oder anderen Stellen erbringen.

*) Pilgerherbergen am Jakobsweg in Spanien. Übernachtungen sind dort ausschließlich für Pilger möglich, die ihre Pilgerschaft zu Fuß, per Fahrrad oder Pferd nachweisen.

Von der Möglichkeit der „verkürzten“ 100-km Pilgerreise wurde reichlich Gebrauch gemacht, vor allem von spanischen Pilgern, so mein Eindruck. Andere europäische Pilger gehen/fahren doch meist ab St. Jean Pied de Port/Frankreich oder ab Pamplona.

Überhaupt ist der Pilgerweg kräftig kommerzialisiert. So transportieren z.B. Autos die Rucksäcke der Pilger – gegen Gebühr – über die Etappen, damit die Fußpilger nur mit leichtem Notgepäck und Getränke unterwegs sind. Stark hat mich der junge Spanier beeindruckt, der seinen kranken Vater in einem Krankenrollstuhl bereits ab San Sebastian schob. Das Zusammentreffen fand in bergiger Region auf etwa 1.300 m Höhe statt.

Noch einen Satz zur Fahrstrecke. Auf den gesamten 2233 km habe ich mich, weil ich nicht aufpasste, zwei Mal um insgesamt ca. 15 km verfahren. Und das war nicht in den Großstädten, sondern in den kleineren Städten Logrono und Ponferrada.

Kathedrale in Santiago de Compostela
Kathedrale in Santiago de Compostela
Übernachtet habe ich auf der gesamten Strecke in Hotels, die ich mir überwiegend am Nachmittag telefonisch oder per Internet reservierte. Nur 1 x -am Wochenende 12.08.- gab es ein Unterkunftsproblem, welches jedoch von einem sehr hilfsbereiten Spanier gelöst wurde. (Gutes Privatzimmer mit Dusche.)

Beim meiner ca. 1250 km langen Fahrt durch Frankreich meisterte ich die Verständigung – mangels französischer Sprachkenntnisse – in englischer Sprache. In den wenigen Fällen, wo keine englische Verständigung möglich war, klappt es mit Zeigen, Gestikulieren und viel beiderseitigem gutem Willen. Nicht bestätigen kann ich die landläufige Meinung: die Franzosen sprechen nur französisch und bemühen sich auch nicht eine andere Sprache zu sprechen oder zu verstehen. Ich habe genau entgegengesetzte Erfahrungen gemacht und diese waren alle sehr positiv. Eine jede auf ihre eigene Art. Auf der spanischen Strecke gab es absolut keine Sprachprobleme.

Schlusswort:

Dieser Bericht ist nur eine Kürzung aller Erlebnisse. Ich könnte ebenso wie H.P.Kerkeling sicherlich über diese Reise ein Buch schreiben, so reich war diese an Erlebnisse und Erfahrungen. Da ich jedoch keinen „prominenten Namen“ habe, ließe sich das (mein) Buch auch nicht mehr als 2 Millionen mal verkaufen – und darum verzichte ich darauf!

Der Chronist Heinz-Josef Katz hat von Alfred Brücher die Erlaubnis, diesen Bericht einer breiten Öffentlichkeit per Internet bekannt zu machen.
(Nun haben mehr als 2 Millionen Menschen die Möglichkeit, diesen Bericht zu lesen.)

Anmerkung: Alfred Brücher ist bisher der einzige Wanloer und einer der wenigen Mönchengladbacher Bürger der diese Radpilgerreise unternommen hat. Dafür gebührt Alfred Brücher höchste Anerkennung und Bewunderung!
Dieser Bericht ist es wert, in die „Chronik des Dorfes Wanlo“ aufgenommen zu werden.
Letzte Aktualisierung ( Montag, 14. November 2011 )