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Wickrath Chronik Teil 1

Der Schaukasten am Wickrather Markt wird von
Heinz-Josef Katz verwaltet.


Geschichte Wickrath’s
Bedeutung der Ortsnamen im Stadtbezirk Wickrath
Wappen von Wickrath
100 Jahre Post Wickrath
Das Wasserwerk Wickrath

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Geschichte Wickraths

Wickrath ist ein Stadtteil von Mönchengladbach und war bis zur Gebietsreform eine eigenständige Gemeinde im Kreis Grevenbroich. 1975 wurde es im Zuge der Verschmelzung von Mönchengladbach und Rheydt eingemeindet.

Einwohner: 17.672 (Stand 1.1.2000)
Wickrath liegt in 55 - 75 m über NN. Der historische Ortskern in 60 - 72 m über NN.
Am 12. November 1852 wurde die 43,97 km lange Verbindung von Herzogenrath über Wickrath nach Rheydt von der Aachen-Düsseldorfer Eisenbahn Gesellschaft in Betrieb genommen.
ab 1905 Straßenbahn nach Rheydt,
ab 1907 Straßenbahn bis Wickrathberg (Endhaltestelle Kirche)
ab 1954 O-Bus (Oberleitungs-Bus, Linie 6) bis Wanlo (Wendeplatz-Markt)
Seit 1973 fahren Omnibusse.

Geschichte:

Erste Erwähnung von Wickrath
Wickrath wird zum ersten Mal im Jahre 971 erwähnt als Wickenrodero Marca.
Im Jahre 1200 war der Ort Wickrath so bedeutend, daß er eine eigene Kirche bekam.
Anfang des 12 Jahrhunderts wurde die Burg Wickrath erstmalig erwähnt, obwohl sie älter ist. 1363 ist die Rede von der Burg Wickrath, mit Veste und Wohnungen, dem Graben um die Burg, der Mühle, die Vorburg, den Wohnungen vor der Burg, Burgmauern u.v.m.

1488 wurde aus dem Flecken Wickrath eine Stadtfreiheit. Dies wurde möglich weil Kaiser Maximilian I. Wickrath zur Reichsherlichkeit erhob und das Lehen an den Ritter Heinrich von Hompesch übergab.
Am 6. November 1488 verlieh Kaiser Friedrich dem "Flecken zu Wickrath" Stadt und Marktrechte.

Deutung des Ortsnamens.
Die Entwicklung und Deutung des heutigen Ortsnamens ist unsicher. Das "rath" ist aus rode = Rodung entstanden und weist auf Rodungen hin, die in der späteren Zeit des Frankenreiches vorgenommen wurden. Der starke Bevölkerungszuwachs verlangte nach größeren Ackerflächen. Ortsnamen, die auf rath enden sind in der Umgebung von Wickrath häufig. Es seien nur einige genannt: Mennrath, Herrath, Beckrath, Venrath, Sasserath, Güdderath.

Ob die Silbe "Wick" von dem niederdeutschen "Wick" = Sumpf oder von einem Eigennamen herrührt, ist nicht mehr festzustellen. Nach der ersten Erklärung würde Wickrath "Rodung im Sumpf" bedeuten. Diese Auslegung paßt zum Charakter der Gegend. Noch heute gibt es Restsumpfgebiete zwischen Wickrath und Wickrathberg und zwischen Wickrath und Odenkirchen.

Grund- und Gerichtsherrschaft. Grundherr im Flecken Wickrath war seit dem Mittelalter der Herr von Wickrath als Burgherr; zur Burg gehörte der Hof "Buschhusen" heute Buscherhof zwischen Wickrath und Beckrath, etwa 1 km von der mittelalterlichen Ortslage entfernt. Die Gerichtsherrschaft (Hoch- und Niedergericht) im Flecken Wickrath besaß der Herr von Wickrath. 1338 Verlagerung der Gerichtsstätte unter die Linden in der Ortslage Wickrath.

Stellung im Territorium 1488 Flecken Wickrath Hauptort der gleichnamigen reichsunmittelbaren Herrschaft. 1798 Mairie (Bürgermeisteramt) Wickrath mit den ehemals zur Herrschaft Wickrath gehörenden Dörfern Beckrath, Herrath, Wickrathberg, Wickrathhahn, Buchholz im Kanton Odenkirchen, Arrondissement Krefeld, Roer-Departement. 1816 Bürgermeisterei Wickrath, Kreis Grevenbroich, Reg.-Bez. Düsseldorf. 1975 Stadt Mönchengladbach.


Namen und deren Bedeutung der Orte im Stadtbezirk (ehemalige Gemeinde) Wickrath


Von Kurt Jacobi

Ortsbezeichnungen bieten oft Anhaltspunkte für die Geschichte unserer Heimat. Einige Namen rühren von den Kelten her, andere sind römischen, die meisten fränkischen Ursprungs. Die Ortsnamen auf weiler, hausen, heim und hoven deuten auf Landhäuser (Villen), Herrenhäuser oder größere Höfe hin.

Die sehr vielen Ortsnamen auf rath (auch rode) geben uns Kunde davon, daß unsere Vorfahren, besonders zur Zeit der fränkischen Herrschaft, viel Wald gerodet und in Ackerland umgewandelt haben. Auf diesen Rodungen entstanden dann Höfe und Dörfer. Das urbar gemachte Land hieß Mark, Kamp, Acker oder Feld, die eingezäunten Wiesen nannte man Benden. Große Teile des Bruches, des Brachlandes und des Waldes blieben lange Zeit Gemeindebesitz der Dorfbewohner. Sie benutzten sie meistens als Weideplätze für ihr Vieh.

In manchen Orten finden wir noch die alten Namen für die Wege, die zu solchen Weideplätzen führten, z.B. in Wickrathberg der Viehweg, in Beckrath die Viehstraße. In früherer Zeit müssen die Wege sehr schlecht gewesen sein.

WICKRATH

Urkundlich kommt der Name Wickrath zuerst im Jahre 971 vor bei der Bezeichnung des Feldes als Wickerodero Marca.
In weiteren Urkunden wechselt die Schreibweise des Namens. Man findet Wickerothe, Wyckerode, Wyckrath, Wickraidt, Wickra(e).
Die Vorsilbe "Wick" wird auf verschiedene Weise zu erklären versucht. Einige meinen, es stamme von dem lateinischen Vicus = Gehöft. Andere deuten Wickrath als Rodung eines "Wicco", wieder andere deuten "Wiek" aus dem niederdeutschen Wik - Wick - Wiek - Wyk = Sumpf. Dann würde Wickrath Rodung am Sumpf oder im Sumpf bedeuten.

WICKRATHBERG

Wickrathberg wurde früher Wickrath-Berg, oder einfach Berg [Bergh] genannt.

BECKRATH

Beckrath wird wohl als Rodung am Bache zu erklären sein. Frühere Schreibweisen: Beckraidt, Beckeradt, Beckraed, Beckeroede. Von Herrath sind früher kleine Bäche durch Beckrath zur Niers geflossen.

Das Dorf Beckrath bestand einst aus drei von einander entfernt liegenden Teilen. In der Mitte lagen mehrere Höfe, von denen einer die "Freiheit" hieß. Wall und Graben, die diesen Hof umgaben; sind im 19. Jahrhundert noch vorhanden gewesen.

Die Stelle, wo der untere Wanloer Weg den Weg nach Wickrathberg kreuzt, heißt noch heute "An der Wey" (an der Weide), weil von hier der Weg zu den Viehweiden führte. Von dort nach dem Chur heiß es "Am Tömp" (am Zipfel). Der an den Straßen nach Herrath und Venrath gelegene Teil Beckraths heißt heute noch "Am End".

HERRATH

Herrath ist die Rodung auf der Höhe also Höhenrath. Hier ist die höchste Stelle, von der das Wasser einerseits zur Niers, anderseits zur Schwalm hinabfließt. Frühere Schreibweisen: Hoerath. Heraidt und Herraide.

BUCHHOLZ

Buchholz hat seinen Namen von dem Buchenwald, von dem es umgeben war. Frühere Schreibweisen: Boickholt, Bockholt.

WICKRATHHAHN

Wickrathhahn, früher auch nur Haan, Haen, Hain, Hayn oder Hane genannt. Hahn weist auf Hain hin = lichter Wald. Man nennt den Ort auch "Genhahn" [gen Hahn] (zum Wald). Der Ort lag, wie sein Name sagt, im Wickrather Wald.

WANLO

Wanlo, frühere Schreibweisen: Wanlae, Wanle, Wanloe wird urkundlich 861 zuerst als "com marca wanolen" erwähnt.

Wanlo gehörte nicht zur Herrschaft Wickrath, sondern war eine selbständige Bürgermeisterei. Nachdem 1930 die Eingemeindung Wanlos am Widerstand aller Ratsmitglieder im Wickrather Gemeinderat gescheitert war, gelang es dem damaligen Bürgermeister Dißmann am 1.8.1934 auf Grund einer Rechtsverordnung Wanlo in die Gemeinde Wickrath einzugliedern.

Wappen von Wickrath

Image
Zusammengesetztes Wappen aus schwarzem Adler und drei aufgelegten Schilden, die beiden unteren geneigt. Der obere geteilt in Silber (mit Hermelinschwänzen ) und Grün, das Linke mit silbernem, gezahntem Andreaskreuz auf Rot; das Rechte gedrittelt durch zwei silberne Wechselzinnen-Balken auf Rot.

Das Gesamtwappen hat die ungewöhnliche Form eines Adlers mit drei aufgelegten Wappenschilden. Alle vier Bestandteile versinnbildlichen Familien, die im Besitz der Herrschaft Wickrath waren. Bis 1310 gehörte sie als geldrisches Lehen den Grafen von Are-Hochstaden. Ihren Namen andeutend, führten diese den Adler (Aar) im Wappen.
1335 belehnte der geldrische Graf den Herrn von Broichhausen mit Wickrath. Dessen Wappen unterscheidet sich vom silber-grünen Schild im Wickrather Wappen nur durch fünf Steckkreuze im grünen Feld.
Auf dem rechten Adlerfang liegt das Wappen der Hompeschs; 1488 wurden sie mit Wickrath durch den Kaiser belehnt, d. h. die bisher geldrische Herrschaft Wickrath wurde reichsunmittelbar und somit ein eigenständiges "staatliches" Territorium. Die Herren von Hompesch wurden demzufolge Reichsfreiherren zu Wickrath.
Von 1502 bis zur Übernahme Wickraths durch die Franzosen 1796 waren die Herren von Quadt im Lehensbesitz der Reichsfreiherrschaft Wickrath. Ihr Wechselzinnen-Wappen liegt auf dem linken Fang des Adlers.
Besonderheit des Wappens:
Das Gesamtwappen Wickraths fällt besonders auf, da es nicht die übliche Schildform hat, sondern ein Adler-Wappen ist. Dieser Adler ist der der Ares und darf nicht als preußischer oder als Reichsadler fehl gedeutet werden, etwa wegen der ehemaligen Reichsunmittelbarkeit Wickraths. (Seit 1909 war es den Gemeinden untersagt, diese Adler in ihren Wappen zu führen.)

Das Wickrather Wappen entstand 1926, kurz bevor die Bürgermeisterei zum Amt erklärt wurde (1927). Sein Schöpfer war Professor Otto Hupp (1859-1949). Leider wird dieses Wappen immer in Wappenform gezeigt, was natürlich falsch ist!

100 Jahre Post Wickrath

Abschrift aus „Rheydter Zeitung“ 1. Januar 1933

[Den Original Zeitungsausschnitt hat Herr Walter Kamphausen, Poststraße 22 in Wickrath.]

Von der Fahr- und Reitpost zu Eisenbahn und Telegraph

Von Oberpostsekretär Willi Volkmann in Düsseldorf

Die Post in Wickrath kann am 1. Januar 1933 auf ein 100jähriges Bestehen zurückblicken. Am gleichen Tage wurde auch in dem Nachbarorte Odenkirchen eine Postexpedition eingerichtet.
Die Einwohnerschaft der Bürgermeisterei bestand damals aus 3353 Personen, 1654 männlichen und 1699 weiblichen.
Vor Einrichtung der eigenen Postanstalt bediente die Wickrather Bevölkerung sich der Post in M.Gladbach. Sie wird diese Gewohnheit auch dann nicht aufgegeben haben, als am 1. Juli 1823 das näher gelegene Postamt in Rheydt den Betrieb aufnahm. Hierfür sprechen folgende Gründe:
Die Post in M.Gladbach war infolge ihres früheren Bestehens in betrieblicher Hinsicht der Rheydter voraus und bot hierdurch den Postbenutzern Vorteile. Rheydt hatte z.B. vor dem Jahre 1829 noch keine Fahrpostgelegenheit. Das Wickrather Publikum war durch diesen Umstand bis dahin hinsichtlich seines Paket- und Geldverkehrs also ohnehin auf Gladbach angewiesen. Es bestanden daselbst vorab aber auch billigere Tarife. Hatte doch das Generalpostamt in Berlin die Einrichtung einer Postexpedition in Rheydt davon abhängig gemacht, daß die Kaufleute und sonstige Interessenten sich verpflichteten, für jeden in Rheydt eingelieferten gewöhnlichen Brief einen halben Silbergroschen mehr zu zahlen, als für Briefe, die in Gladbach zur Post gegeben wurden. Dasselbe galt für die Post in Rheydt ankommenden Briefe.

Die von der Postverwaltung gestellte Bedingung mutet uns heute zwar recht eigenartig an, von beachtlicher Seite war damals aber geäußert worden, Rheydt habe noch lange auf ein Postamt zu warten, falls die Kaufleute auf das Ansinnen nicht eingehen würden. Wielange der Sonderzustand bestanden hat, war aktenmäßig nicht festzustellen.

Die Postexpedition in Wickrath wurde bei ihrer Einrichtung dem Postamt in M.Gladbach untergeordnet; dasselbe war bei Rheydt der Fall. Die Oberpostdirektion in Düsseldorf, der gegenwärtig sämtliche Post- und Telegrafenanstalten des gleichnamigen Regierungsbezirks unterstehen, öffnete erst am 1. Januar 1850 ihre Pforten.

Zu Anfang erhielt Wickrath an Postverbindungen: Montags, Mittwochs und Freitags vormittags 8 ½ Uhr ab Rheydt über Odenkirchen eine Kariolpost, an den übrigen Tagen der Woche in umgekehrter Richtung eine Botenpost 5 Uhr vormittags ab Wickrath. Die Posten kehrten an denselben Tagen zu ihren Abgangsorten zurück.

In Rheydt, wo die Wickrather Post übergeleitet werden mußte, bestanden folgende tägliche Postverbindungen: eine Reitpost nach Krefeld, eine Botenpost M.-Gladbach – Rheydt – Fürth und seit 1. Februar 1832 eine Schnellpost Rheydt – Neuß – Düsseldorf. Auch diese Posten verkehrten am Abgangstage in umgekehrter Richtung.

Sehr strapaziös, besonders im Winter, soll die Reitpost gewesen sein. Ihre ganze Wegestrecke bestand aus Feldwegen. Von Krefeld aus konnte sie erst um 11 Uhr abends die Rückreise antreten, weil dort die Ankunft der Posten Köln – Cleve und Cleve – Köln abgewartet werden mußte. Es bestand somit für sie jedesmal eine Wegeleistung von mehr als 5 Stunden bei Nacht und Nebel. Das Lebensschicksal ihrer Begleiter, die in privaten Diensten des Gladbacher Posthalters standen, Beamteneigenschaft also nicht hatten, schilderte der Postmeister Becker in Krefeld bei einer Gelegenheit wie folgt:
„Nach Verlauf von wenigen Jahren sehen wir Menschen, die nur noch schleichen. Sie haben ihre Gesundheit zugesetzt und müssen dann ihr Brot betteln.“

Frühmorgens um 5, nach Ankunft der Reitpost, wurde in Rheydt die Schnellpost nach Düsseldorf abgefertigt. Bei glatter Fahrt kehrte diese abends um 9 Uhr zurück, vielfach bestanden aber Schwierigkeiten in Hamm beim Übersetzen über den Rhein, im besonderen bei Eisgang und Hochwasser. Die feste Brücke über den Strom entbehrte man schon damals allenthalben.

Sehr wichtige Knotenpunkte für die Umleitung der Postsendungen vieler Orte des mittleren, linken Niederrheins, also auch Wickrath, waren zu jeder Zeit Krefeld, M.Gladbach und Führt, im besonderen Krefeld, von wo aus Posten nach allen Richtungen hin verkehrten. Für Gladbach und die umliegenden Orte bestand u.a. in Bezug auf Sendungen nach Belgien, Frankreich, England usw. durch die Fahrpost Krefeld – Gladbach – Aachen, die wöchentlich 3 mal hin- und zurück verkehrte, eine günstige Versendungsgelegenheit. Führt vermittelte in Richtung Jülich – Aachen einerseits, Neuß – Düsseldorf – Elberfeld usw. andererseits; in Richtung Köln direkt nach Einlegen von Personenposten des Kurses Venlo – Köln.

So wichtig wie für die Umleitung der Postsendungen waren diese Knotenpunkte auch für den Reiseverkehr. Um das Jahr 1835 stellte die Posthalterei des sonst so kleinen Fleckchens Führt für den Zweck nicht weniger wie 26 Pferde und 10 Postillione. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, daß die meisten Posten der schlechten Wege halber vierspännig gefahren werden mußten. In Krefeld reisten in demselben Jahre mit den Posten 5246 Personen; Anfang der 50er Jahre unterhielt die Posthalterei daselbst 80 bis 90 Pferde.
Doch zurück zur Post Wickrath.
Bei ihrer Einrichtung hatte man den Steuerempfänger Eduard Büsgen zum Postexpedienten ausgewählt. Er verwaltete die Stelle neben seinen sonstigen Amtsgeschäften und erhielt hierfür von der Postverwaltung 50 Thaler Gehalt. Von den Zustellgebühren, die ihm ebenfalls zuflossen, hatte er den Zustellboten zu unterhalten; Faßbender hieß der erste.

Die Zustellgebühren waren an und für sich hoch. Für jeden gewöhnlichen Brief wurde ½, für jeden Geldbrief oder ein kleines Paketchen aber 1 ganzer Silbergroschen erhoben. Größere Pakete mußten die Empfänger selbst bei der Post abholen. Postanweisungen kannte man noch nicht. Für Postsendungen an Empfänger in Wickrathberg, Wanlo, Neukirchen [Hochneukirch] und Beckrath, die ebenfalls durch die Wickrather Post betreut wurden, erhob man den doppelten Betrag. Er verwundert daher nicht, wenn sich die Bewohner der genannten Ortschaften recht bald um eine Postanstalt bemühten, die für sie eine günstigere Lage hatte und daher auch billiger war. Sie versuchten sogar, die damalige Postinspektion in Köln zu bewegen, beim Generalpostamt dafür einzutreten, daß die Wickrather Post nach Wickrathberg verlegt werde. Ihren Antrag begründeten sie damit, Wickrathberg habe stärkere „kommerzielle“ Beziehungen wie Wickrath selbst. Zufällig trat zu jener Zeit in Wickrath auch dadurch noch ein kleiner Verkehrsrückgang ein, daß man die beiden dort in Garnison liegenden Eskadronen [Hus.-Reg. von Zieten (Brandenburgisches) Nr. 3] nach Düsseldorf verlegte. Trotz alle diesem verblieb es aber bis zum Jahre 1838, wo auch Wickrathberg eine Postanstalt erhielt, bei den bestehenden Einrichtungen.

Sehr geringe Einnahmen brachte der Post in Wickrath der Reiseverkehr zwischen den benachbarten Orten. Die Bevölkerung war von jeher an große Fußmärsche gewohnt; bei größeren Reisen aber wurden diese unmittelbar von den Stationen der Hauptkurse angetreten; je nach Reiseziel also in Gladbach, Führt usw..

Auf Verlangen der Reisenden stellten die Posthaltereien selbstredend auch Extraposten.
Leistete sich jemand von Gladbach aus eine solche nach Wickrath, so entstand für ihn folgende Rechnung:
2 Pferde á 12 ½ Sgr. = 1 Thaler 20 Sgr., Bestellgeld 4 Sgr., Wagengeld 15 Sgr., Postillonsgeld 10Sgr.. Zusammen 2 Thaler 19 Sgr. [Sgr. = Silbergroschen].
Benutzte der Reisende die gleiche Post auch zur Rückfahrt, so verdoppelte sich der Kostenbetrag.

Ende der 60er Jahre erhielt Wickrath für verhältnismäßig kurze Zeit eine eigene Posthalterei. Sie unterhielt Personenposten nach Dahlen (ab 1.9.[18] 78 in Rheindahlen umbenannt) – Wegberg und Garzweiler. Am 30. September 1873 wurden sie aber schon wieder stillgelegt. Von diesem Tage ab verstummte das Posthorn für Wickrath sozusagen für immer.

Die fahrenden Posten, die den Ort in den späteren Jahren berührten, waren Privatunternehmen und dienten hauptsächlich der Postsachenbeförderung. Ein von Postagenten Nolden in Wanlo gestelltes Fuhrwerk, das g. F. auch 5 Reisende aufnehmen konnte, diente dem Verkehr zwischen Wanlo, Wickrathberg und Wickrath viele Jahre.

Am 1. Oktober 1907 trat anstelle des Privatpersonenfuhrwerks eine fahrende Landpost. Postschaffner [Ernst] Kamphausen, [Vater von Walter K.] ein Name, der, wie wir weiter unten sehen, mit der Wickrather Post eng verknüpft ist, unterhielt sie bis zum 1.August 1922, dem Tage ihrer Aufhebung. Mehrere Jahre, die er am Kriege teilnehmen mußte, wurde er von seinem Schwager, dem Postschaffner Haberer, vertreten. [Als auch er eingezogen wurde, vertrat seine Schwester Elisabeth Kamphausen (geb. Haberer) bis Kriegsende ihren Mann Ernst Kamphausen. / Ergänzung = Walter Kamphausen 2004]
Zu guter Letzt stellte für die Postsachenbeförderung zwischen Wickrath – Wickrathberg – Wanlo der [Gemüse-] Händler Halcour [aus Wanlo] sein privates Fuhrwerk, dann benutzte die Post hierzu die Straßenbahn.
Die Landzustellung in Wickrath wurde bei Einrichtung der Postanstalt mit der Landzustellung in Odenkirchen zusammengelegt. Der Postverkehr der Landbewohner war so gering, daß eigene Zustellbezirke sich nicht verlohnten. Wie damals noch allgemein üblich, so wurden auch hier die Postsachen gelegentlich zugestellt, sei es in der Wohnung der Empfänger selbst, beim Ausgang der Kirche, im Wirtshaus oder dgl. – Der geordnete Zustelldienst, werktägliche Bestellung, galt in Preußen allgemein erst um das Jahr 1856 als durchgeführt. Ende der 60er Jahre hatte Wickrath eigene Bestellreviere. Nach und nach verkleinerten sich diese aber wieder erheblich, weil viele Wohnstätten auf Antrag ihrer Bewohner dem Ortsbestellbezirk zugeteilt wurden.

Nachdem Anfang September 1929 bei Einrichtung der Gladbacher Landkraftpost Wickrathhahn Poststelle geworden, verblieben in Wickrath selbst nur noch etwa 60 Personen, die ihre Postsachen im Wege der Landzustellung erhielten.

Im Jahre 1871 richtete die Telegraphendirektion in Köln in Wickrath eine Telegraphenstation ein; vordem bediente man sich daselbst des Bahntelegraphen. Der Telegraphenbetrieb konnte mit dem Postbetrieb nicht sogleich vereinigt werden, weil man dem schon betagten Postexpedienten Franzke das Erlernen der Kunst des Telegraphierens nicht mehr zumuten wollte. Die Station wurde daher an eine Privatperson vergeben. Am 16.September 1876, einer Zeit, wo man alle preußischen Telegraphenstationen, die noch von Kommunen oder Privatpersonen verwaltet wurden, mit dem Postbetrieb der in Betracht kommenden Orte zusammenlegte, stand diese Vereinigung auch in Wickrath statt.

Zu Beginn desselben Jahres war die Postexpedition auch in ein Postamt III umgewandelt worden.

Die Fernsprechteilnehmer in Wickrath sind von jeher an die Fernsprechvermittlungsstelle in Rheydt angeschlossen gewesen; im Jahre 1882 wurden die ersten Anschlüsse hergestellt. Eine öffentliche Fernsprechstelle befindet sich dagegen im Posthause in Wickrath selbst.

Die Königliche Regierung löste Anfang August 1857 den Postexpedienten Büsgen aus besonderen Gründen von seinem Posten als Steuerempfänger ab, die Postverwaltung mußte dieserhalb ebenfalls einen Personenwechsel vornehmen. So wurde denn der Postbetrieb in das Haus des Schreinermeisters, späteren Kaufmanns Camphausen, verlegt und die Leitung dem Wachtmeister a.D. Johann Franzke übertragen. Dieser verwaltete das Amt bis Ende April 1875, wo er geschmückt mit dem Roten Adlerorden vierter Klasse in den Ruhestand ging.

Sein Nachfolger, Postexpedient Meyer, war bis Ende Januar 1882 Vorsteher des Postamts. Alsdann ging die Verwaltung auf den jetzt in Wickrath im Ruhestand lebenden Postverwalter Albert Camphausen über. Dieser ist auch Besitzer des schönen Postgebäudes Ecke Poststraße und Bismarckallee, das am 1. Juli 1891 bezogen worden ist. Erbaut wurde es von seinem Vater, dem schon früher genannten Kaufmann Johann Camphausen. Er war auch Eigentümer des alten Postgebäudes Ecke Haupt- und Gartenstraße. Nachdem auch Postmeister Camphausen nach einer langjährigen, arbeitsreichen Dienstzeit am 1. Oktober 1911 – geschmückt mit dem Königlichen Kronenorden vierter Klasse – in den Ruhestand getreten war, übernahm Postmeister Dröttboom als Letzter im Zeitabschnitt eines Jahrhunderts die Verwaltung des Postamts. Auch er leitete es bis zu seiner Zurruhesetzung und übergab es an den Postassistenten Küppers, der es als Zweigpostamt weiter verwaltet.

Die Zeit der Orden ist vorläufig vorbei. Im Bewußtsein steter, Treuer Pflichterfüllung wird Dröttboom am Schluß seiner Amtstätigkeit aber dieselbe innere Befriedigung finden, als wenn ihm ein solcher an die Brust geheftet worden wäre.

Während der ersten 20 Jahre seines Bestehens hielt sich der Verkehr des Postamts Wickrath in sehr engen Grenzen. Erst bei Eröffnung der Eisenbahn Düsseldorf – Aachen und deren Nebenstrecken Gladbach – Homberg (Ruhrort), am 11 November 1852, trat hierin ein Umschwung ein, wie denn die Eisenbahn hinsichtlich des Verkehrswesens in allem eine grundlegende Aenderung mit sich brachte. Es waren in Wickrath von da ab sämtliche Postsachen für Odenkirchen, Wickrathberg usw. umzuarbeiten. Da gleichzeitig auch der Paketversand stärker einsetzte, mußte das Personal um das Doppelte vermehrt werden. Ab 1. Mai des folgenden Jahres benutzte die Wickrather Post die Eisenbahn ankommend und abkommend täglich 6 mal.

Eine besonders starke Verkehrszunahme machte sich Anfang der [18] 90er Jahre bemerkbar; sie steigerte sich auch weiter bis zum Ausbruch des Krieges 1914. Von 1905 ab waren beim Postamt für die Bewältigung des Verkehrs neben dem Amtsvorsteher weitere 10 Beamte erforderlich.

Der so unglücklich ausgegangene Krieg mit seinen katastrophalen Folgeerscheinungen änderte die Verkehrslage für manches entscheidend. Die Postverwaltung, zu Sparmaßnahmen gezwungen, ging dazu über, eine große Anzahl selbständiger Postanstalten in Zweigstellen benachbarter Postämter umzuwandeln. Dieses Schicksal traf auch das Postamt Wickrath. Am 1. Oktober, wenige Monate vor dem Tage seines 100jährigen Geburtstages, mußte es seine Selbständigkeit einbüßen, um Zweigpostamt von Rheydt zu werden. Da die Leit- und Zustellverhältnisse unverändert geblieben sind, werden die Postbenutzer, also Bewohner Wickraths, hierdurch jedoch in Belangen nicht geschädigt.

Abschrift vom original Zeitungsausschnitt
Ergänzungen eingefügt in [ ] von Chronist Heinz-Josef Katz

Das Wasserwerk Wickrath

Die nachfolgenden Angaben stammen von dem (damaligen) Gemeindeinspektor Sieg, dem Sachbearbeiter des Wasserwerks.

Fünfzigjährige Vergangenheit

Das Wasserwerk kann jetzt [1960] auf eine fünfzigjährige Vergangenheit zurückblicken. Damals besaß es einen 19,5 Meter tiefen Ringbrunnen. Das Wasser wurde mit Plumberpumpen, die durch Gasmotoren betrieben wurden, in den 68 Meter hohen Wasserturm gepumpt, der 250 Kubikmeter Wasser faßt. Turm und Gebäulichkeiten haben sich bis heute [1960] noch nicht wesentlich verändert. Die Gesamtplanung des Werks lag in Händen des Diplomingenieurs (Wasserwerkingenieurs) Schimpke aus Bruchhausen am Rhein. Der Brunnen wurde von der Baufirma Wwe. Stappen in Viersen errichtet, Gebäulichkeiten und Turm von der Baufirma [Anton] Wingerath, Wickrathhahn, erbaut. Die Motorenanlage wurde von der Maschinenfabrik Körting geliefert.

Das Wasserwerk wird verbessert

Der steigende Wasserbedarf der Gemeinde und die Entwicklung der Technik sorgten dafür, daß im Lauf der Jahre neue Pumpen und neue Motoren eingebaut wurden. 1930 bekam das Werk eine Plumberpumpe mit Dieselantrieb, die 65 Kubikmeter Wasser in der Stunde fördert, und 1953 wurde eine Elektrounterwasserpumpe eingebaut, die 85 Kubikmeter je Stunde schafft. Nachdem 1959 die Ortschaft Kuckum an das Wassernetz angeschlossen wurde, werden jetzt alle Orte der Gemeinde durch das Wasserwerk mit frischem Quellwasser versorgt.

Das Wasserwerk erhält ein Wohnhaus

Zu erwähnen wäre noch, daß beim Wasserwerk sofort nach dem ersten Weltkriege ein Wohnhaus für den ersten Maschinisten angebaut wurde. Der Plan zu diesem Bauvorhaben hat seine eigene Geschichte. Durch die schlechte Versorgung der Bevölkerung nach dem ersten Weltkrieg nahmen auch in der Gemeinde Wickrath die Diebstähle überhand. Unter anderm wurden aus dem Wasserwerk die Treibriemen gestohlen, mit welchen die Motoren die Pumpen antrieben. Wahrscheinlich sind diese Riemen damals zu Sohlleder verarbeitet worden. Um diesem Tun ein Ende zu bereiten, beschloß man, das Wasserwerk nicht länger ohne Aufsicht zu lassen und dem Maschinisten ein Haus zu bauen.

Das Rohrnetz reicht nicht mehr aus

Nach neueren Feststellungen reicht das Rohrnetz nicht mehr aus, besonders nicht, seitdem der neueste Feuertankwagen erhebliche Wassermengen verschlingt. Die kleinen Rohre schaffen das nicht. Auch die Gesamtkapazität der Brunnen genügt nicht mehr. Nach den Berechnungen des Wasserwirtschaftsamtes II bei der Regierung in Düsseldorf müssen zwei weitere Brunnen erstellt werden, um den 1952 von Diplomingenieur Mengel errechneten (erstellten) Plan weiter durchführen zu können.

Tatkräftige Mitarbeiter

Um das Wasserwerk und seine Leistungen haben sich in den letzten Jahren neben dem verstorbenen Gemeindebaumeister Conen seine Mitarbeiter Risch, Lingen und Haase, sowie der Gemeindeinspektor Sieg und auch der Geldeinnehmer Kiporski verdient gemacht, welch letzterer in vierwöchigem Wechsel bei 1850 Kunden die Uhren abliest. Sie alle haben sich bemüht, die Leistungen des Wasserwerks auf der Höhe zu halten.

Wasserhärte und Wasserpreis

Das Werk steht noch jetzt, wie es vor fünfzig Jahren errichtet wurde. Es wurde zwischendurch erheblich verbessert. Das Wasser, das eine Härte von 12,2 (deutsche Härte) besitzt, wird sogar von Zierfischen ohne besondere Zusätze vertragen. Der Wasserpreis stieg zwar von 25 auf 36 Dpf, (und manchmal auf 45) an, aber an den übrigen Lebenshaltungskosten gemessen, die im Durchschnitt auf 180 (über 190) vom Hundert gestiegen sind, bezieht der Wickrather Bürger sein Wasser immer noch wohlfeil und verhältnismäßig billig. Diese Erhöhung wird verständlich, wenn man erwägt, daß die am Wasserwerk notwendigen Arbeiten (wahrscheinlich) insgesamt 50000 (über 1.000.000) Dmark kosten. Ob es hierfür öffentliche Gelder gibt als Zuschüsse, ist noch ungewiß (aber anzunehmen).
Quelle: Chronik Wickrath, von Egidius Post
[* 25. Juli 1891 in Köln - + 20. März 1965 in Wickrath]
Die Chronik wurde 1959/60 erstellt.

( . . . ) Verbesserungen, handschriftlich von Egidius Post eingefügt
[ . . . ] vom Chronist Heinz-Josef Katz eingefügt

Letzte Aktualisierung ( Samstag, 15. Oktober 2011 )