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Wickrath Chronik Teil 2
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Die Preußen kommen
Aus vergangener Zeit – Alte Gaststätten

Google-Map-Plan von WICKRATH

Das Schloß Wickrath

In der Nähe von Odenkirchen liegt Wickrath mit seinem vielbesuchten Schlosse, das uns an den alten Adelsitz der berühmten Herren von Wickrath erinnert. Schon im Jahre 1075 wird die Herrschaft Wickrath urkundlich erwähnt. Mit dem damaligen Herrn Gerlach von Wickrath, der auch Vogt zu Siegburg war, scheint die Reihe dieser Dynasten ausgestorben zu sein, da um das Jahr 1080 Graf Gerhard I. von Hochstaden als Herr von Wickrath genannt wird.

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Diesem folgte dessen Sohn Gerhard II., der im Jahre 1139 starb und die Herrschaft seinem Schwiegervater Otto von der Ahr hinterließ. (Otto von der Ahr war ein Bruder des Grafen Lothar, des Gemahls der hl. Hildegundis von Meer) Von dem Geschlechte Ahr – Hochstaden ging Wickrath im 13. Jahrhundert an die Grafen von Geldern über, die es verschiedenen ihrer Vasallen als Lehen übergaben. So blieb es bis zum Jahre 1486. Um diese Zeit waren in den Niederlanden Unruhen ausgebrochen, und da der Graf von Geldern die Niederländer unterstützte, so eroberte der mit der Niederwerfung des Aufstandes betraute Erzherzog Maximilian das Schloß Wickrath, machte die Herrschaft reichsunmittelbar und übergab sie seinem Rate Heinrich von Hompesch als kaiserliches Lehen.

Die Regierung Heinrichs gestaltete sich für die Herrschaft sehr segensreich. Die Bewohner genossen unter ihm tatkräftige Fürsorge und Schutz gegen die Raubritter, und allenthalben herrschten Wohlstand und Zufriedenheit.



Nach Heinrichs Tode im Jahre 1502 ging die Herrschaft an dessen Stiefsöhne, die Grafen von Quadt, über, in deren Händen sie bis zur Franzosenzeit geblieben ist. Leider ist die Regierungszeit dieser Herren durch einen zweihundertjährigen, hartnäckigen Religionskampf getrübt, den jene oft genug mit bewaffneter Hand mehr schürten als schlichteten.

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Das Schloßgebäude hat im Laufe der Zeit manchen Wechsel durchgemacht. Nachdem der vorletzte der regierenden Grafen von Quadt gegen Ende des 18. Jahrhunderts umfangreiche Erneuerungen und Verschönerungen hatte ausführen lassen, gehörte Schoß Wickrath zu den prächtigsten Burgen am Niederrhein. Doch sollten die Bewohner sich dessen nicht lange erfreuen; es nahte die französische Fremdherrschaft, und der Graf hielt es für geraten, den heimatlichen Boden zu verlassen. So kam das Schloß im Jahre 1794 in den Besitz der Franzosen, die später dort ein Gestüt einrichteten.

Unter preußischer Herrschaft baute man das Schoß anfangs zu einer Kaserne um, die bis in die dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts zwei Schwadronen Husaren beherbergte. Darauf wurde in den Gebäulichkeiten ein königliches Landgestüt untergebracht, welches bis heute noch besteht und in den landwirtschaftlichen Kreisen Rheinlands und darüber hinaus bekannt und berühmt ist. Durch die mehrfachen Änderungen waren aber die Gebäude allmählich sehr geschwächt worden; daher ließ die preußische Regierung 1859 die Burg schleifen und die Materialien verkaufen. Welch schmerzliches Bedauern diese Maßnahme bei der Bevölkerung hervorrief, sagt ein heimischer Sänger mit den Worten: "O neidisches Verderben, warum so früh schon hier, Warum wählst du zum Opfer des Tales Zierde dir?"

In den jetzigen Gebäulichkeiten ist von dem ehemaligen Schlosse außer zwei wertvollen Steinreliefs nichts mehr vorhanden; die geschichtlich-denkwürdige Stätte mit den ausgedehnten Anlagen und den schattigen Alleen gewährt indessen noch Jahr für Jahr vielen Hunderten Besuchern Schatten und Erquickung.

Abschrift aus einer unbekannten Zeitung – ohne Datum


Die Preußen kommen

Wickrath wird Garnisonsstadt
von Kurt Jacobi

Von 1794 bis 1813 hatten Napoleons Armeen weite Teile Deutschlands besetzt gehalten. Der Krieg in Rußland hatte Napoleon eine vernichtende Niederlage gebracht. Ein Gedicht aus jener Zeit erzählt:

"Mit Mann und Roß und Wagen,
so hat sie Gott geschlagen.
Es irrt durch Schnee und Wald umher
das große, mächtige Franzosenheer:
der Kaiser auf der Flucht,
Soldaten ohne Zucht.
Mit Mann und Roß und Wagen,
so hat sie Gott geschlagen".



Mit ihnen schlug er Deutschlands Väter und Mütter, deren Söhne in Eis und Schnee starben. Auch mancher Rheinländer, den man in die große französische Armee gezwungen hatte, kehrte nicht wieder nach Hause zurück. Napoleons Glanz war erloschen, aber der Ruhm und die Ausstrahlung des Kaisers lebte noch lange fort. Denn nicht alles, was Napoleon den Deutschen hinterließ war verdammenswert. Die vorbildliche Gesetzgebung, der Code Napoleon, die einheitlichen Maße, Münzen und Gewichte, die Einführung des Dezimalsystems, der Aufbau einer gut organisierten Verwaltung sind geblieben.

Noch im November 1813 lagen französische Chasseurs (1) in Quartier in Wickrath. im Januar 1814 rückten russische Kosaken in Wickrath ein, die durch ihr wüstes Benehmen die Einwohner in Angst und Schrecken versetzten. Die russischen Kosaken (2) waren leidenschaftliche Brandweintrinker, wie die Historie erzählt. Die Alliance, der Dreibund zwischen Rußland, Österreich und Preußen führte dazu, daß im Kampf mit den Franzosen nun Truppenteile aus allen Ländern in Wickrath Quartier nahmen. Neben den Einquartierungslasten wurden den schwergeprüften Bürgern der Gemeinde Wickrath auch noch besondere Leistungen auferlegt. Die Bevölkerung war so verarmt, daß keine Begeisterung aufkam, als durch den Wiener Kongreß (1814 – 1815) die linke Rheinseite und damit auch Wickrath dem Königreich Preußen einverleibt wurde.

Erster Bürgermeister der Gemeinde Wickrath wurde Franz Schaumburg, der bereits dem Grafen als Schloßamtmann gedient hatte. Aus Altersgründen hat er dieses Amt nicht lange ausgeübt, denn am 28. Oktober 1816 übernahm Wilhelm Valentin Denhard das Amt des Bürgermeisters. Denhard war zugleich Schankwirt in Wickrath (3). Durch die vielen Einquartierungen und Durchzüge fremder Truppen, aber auch durch Deserteure war manches lichtscheue Gesindel unterwegs, die nächtlicherweise ihre Beutezüge betrieben.

Zur Aufrechterhaltung der Ordnung und zur Sicherheit der Bürger wurde in Wickrath eine Bürgermiliz eingerichtet. Chef der Bürgermiliz und deren Hauptmann wurde der Bürgermeister Denhard. Noch bis 1816 hatte im Schloß der französische Gestütsdirektor (Chef du Depot) gewohnt. Die Preußische Militärverwaltung begann 1818 mit dem Umbau des Schlosses zu einer Kaserne mit einem Kostenaufwand von 60.000 Talern. Am 16.Juli 1819 bezogen die 3. und 4. Schwadron (4) des 3. Husaren Regiments (Brandenburgisches) die neue Kaserne. Regimentskommandeur war Oberstleutnant von Klinkowström (5), Chef der 3. Schwadron Rittmeister von Ruloff und Chef der 4. Schwadron war Rittmeister Schach von Wittenau, der zugleich die Aufgabe eines Garnisons – Kommandeurs von Wickrath wahrnahm.

Eine Schwadron bewohnte das Schloß, die andere den westlichen Flügel der Vorburg. Die Reitbahn für die Kavallerie war auf der Ewigkeit (heute Schloßacker). Später, 1828 wurde noch eine weitere Reitbahn gebaut. Der Übungs- und Exerzierplatz hatte eine Größe von 35 Morgen (6) und lag zwischen Wickrath und Wickrathberg.

Die Scheibenstände (7) für das Schießen mit dem Karabiner waren auf der Ewigkeit. Die Husaren des 3. Husaren Regiments blieben nicht lange in Wickrath. Bereits 1820 wurden die zwei Schwadronen nach Torgau verlegt. Zwei Schwadronen des 8. Husaren Regiments rückten nunmehr in Wickrath ein8. Es war ein Ereignis für Wickrath, als am 9. Februar 1821 der Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen, der spätere König Friedrich Wilhelm IV. (9) in Wickrath erschien, um die zwei Schwadronen zu besichtigen. Die Reiter des 8. Husaren Regiments blieben bis zum 16. November 1832 in Wickrath (8), dann wurden sie verlegt und zwei Schwadronen des 5. Ulanen Regiments traten an ihre Stelle.

Die Bevölkerung von Wickrath hatte sich an die preußischen Kavalleristen gewöhnt, ja sie waren hoch erfreut über die Verdienstmöglichkeiten, die die Garnison erbrachte. Doch das Ende der Garnisonstadt Wickrath kam durch Ereignisse, die aus heutiger Sicht, merkwürdig waren. Bereits im Jahre 1823 war in der Kaserne unter den Soldaten Wechselfieber (10) ausgebrochen. Man führte es auf die von dem Grafen um das Schloß angelegte Gewässer zurück, die inzwischen verschilft waren. Die Militärverwaltung verfügte die Trockenlegung der Schloßweiher. Seit dieser Zeit sind die Gräben und Teiche ohne Wasser geblieben, erst vor wenigen Jahren (1960) sind die Teiche durch Anstauungen wieder mit Wasser gefüllt worden.

Anfang des Jahres 1834 brach erneut das Wechselfieber, welches auch als gastrich – nervöses Fieber bezeichnet wurde, aus. Nun beschloß die Militärbehörde die Aufhebung der Garnison zu beantragen, welche durch königliche Verordnung erfolgte. Die Aufhebung der Garnison bedeutete einen schweren Schlag für die Bevölkerung in Wickrath, hatten doch viele Bürger von der Garnison gelebt. Die Bürgerschaft mit dem Bürgermeister an der Spitze wandten sich in einem Bittgesuch um „Beibehaltung der Garnison“ an den König Friedrich Wilhelm III. (11) Doch der König entschied, daß die Garnison aus „Gesundheitsrücksichten“ verlegt worden sei. Wiederholte Gesuche des Bürgermeisters Denhard auf eine anderweitige Verwendung des Schloßgebäudes und der Vorburg blieben vorehrst unerfüllt. Zwei mal besuchte der Kronprinz Friedrich Wilhelm (9) das Schloß, schließlich besichtigte der damalige Oberpräsident der Rheinprovinz das Schloß und stellte in Aussicht, die Stallungen der Vorburg für die Aufnahme von Gestütspferden einzurichten. So kam 1839 das königliche Landgestüt von Engers nach Wickrath.

Anmerkungen des Chronisten Heinz - Josef Katz:
1- Chasseurs (frz.) = "Jäger", in der französischen Armee = leichte Infanterie. Chasseurs à cheval = Jäger zu Pferd = leichte Kavallerie.
2- Kosaken = gefürchtete, leichte Reiterei des Zaren-Heeres.
3- Nach "Alte Gaststätten in Wickrath" von 1989 (Herausgeber = HuVV Wickrath) war Albert Denhard (Bruder des Bürgermeisters) Inhaber von "Hotel Denhard", das auf dem Marktplatze stand und 1913 abgerissen wurde.
4- Schwadron wurde bei den Husaren grundsätzlich Eskadron genannt.
5- Oberstleutnant von Klinowstroem war von 1.2.1817 bis 30.3.1832 Kommandeur des Regimentes. (Quelle = Deutschlands Heere bis 1918, Band 7, von G. Voigt)
* Rittmeister = Dienstgrad in der Kavallerie, in der Infanterie = Hauptmann.
6- 1 Morgen = 25 bis 36 Ar. Also handelte es sich hier um 8,75 bis 12,6 Hektar (ha).
7- Schießstände
8- Garnison des 8. Hus.-Reg. = 1820 = 1+2, 1822 = 1+2, 1824 = 3+4, 1824 = 2+3, 1829 = 3+4 Eskadron. Quelle = Deutschlands Heere……
9- König von 1840 bis 1861, ab 1858 war Wilhelm, der spätere König und Kaiser Regent.
10- Wechselfieber = auf- und absteigendes Fieber, charakteristisch für Malaria, aber auch bei vielen anderen Krankheiten.
11- König von 1797 bis 1840.

Aus vergangener Zeit – Alte Gaststätten in Wickrath


von Kurt Jacobi
Abschrift aus der Broschüre der Ausstellung im HuVV-Pavillon vom 29.4. bis 15.5.1989

Das älteste Dokument über Gaststätten in Wickrath finden wir im Hauptstaatsarchiv von Düsseldorf unter Reichsherrschaft Wickrath Nr. 30. Wir erfahren, daß im Jahre 1602 Klage über die Bierwirte erhoben wird. Bei Strafe wird befohlen, daß nach 8 Uhr abends nicht mehr "gezappt" werden darf. Auch ist das Bier von den Probemeistern auf seinen Gehalt zu prüfen, darüber hinaus haben die Prüfer, "Koermeister" genannt, die Menge des Bieres festzustellen. Schon damals galt das noch heute gültige Reinheitsgebot für Bier. Wasser, Malz, Hopfen und Hefe sind die einzigen Bestandteile des Bieres. Hopfen, ein Schlinggewächs, ähnlich der Weinrebe wurde auch in Wickrath angebaut. Die Bezeichnung "Hoppekamp" oder der heutige Straßenname "Im Hopfengarten", erinnern daran.

Zu jeder Brauerei gehörte damals auch ein Eisweiher. Sobald im Winter das Eis dick genug war, wurde es in Stücke geschlagen oder auch gesägt und in den Eiskeller gelassen. Dieser lag neben dem Lagerkeller und der Zweck war, das Bier kühl und haltbar zu lagern.

Das Bier, das in unseren Hausbrauereien gebraut wurde, war obergäriges Bier. Gezapft wurde direkt im Keller aus den Holzlagerfässern in Kupfer- oder Holzkannen. Man trank aus Holz- Zinn- oder Steinkrügen.

Als im Jahre 1491 Heinrich von Hompesch und seine Frau das Kreuzherrenkloster stiftete, wurde auch eine Klosterbrauerei eingerichtet. Erst nach Auflösung des Klosters durch die Franzosen 1803 erfahren wir von einem A. Faßbender, der in den geeigneten Gebäuden und Kellern des Klosters wieder eine Hausbrauerei und Gaststätte führte.

Die Herren und Grafen von Quadt-Wickrath unterhielten eine eigene Hausbrauerei. Aus einem Bericht des Bürgermeisters Denhard [Wilhelm Valentin Denhard 1816 bis1856] wissen wir, daß in der westlichen Vorburg ein Brauhaus von 15 Fuß Höhe, 30 Fuß Länge und 30 Fuß Breite existierte. Fast jeder Wirt in der Herrschaft Wickrath braute seinen Bedarf an Bier selber und mußte davon eine Steuer, die „Accise“ entrichten.

Im 16. Jahrhundert ist auch von einem Weinhaus am Markt berichtet, welches in Pacht von Angehörigen der Familie Quadt von Kinkelbach unterhalten wurde. Ob Gasthaus oder Kneipe, jede in Wickrath hatte ihre eigene Geschichte und Eigenart.

Beschreibungen der Wickrather Gaststätten:

DEUTSCHES HAUS
Ecke Poststraße und Bahnhofsplatz kaufte Adam Küppers um 1900 das Wohnhaus der Familie Naken (Tuchfabrik Naken später Wilhelm Rees) und richtete dort ein Hotel und eine Gaststätte ein. Der nahe Bahnhof und die Entwicklung Wickraths zum kleinen Industrieort boten das an. Die Gesellschaft „Erholung“ hatte zwei Gastzimmer und einen Weinkeller angemietet. Später wurde noch ein kleiner Saal angebaut.

BAHNHOFS GASTSTÄTTE
Im Jahre 1852 wurde die Eisenbahnstrecke Wickrath – Herzogenrath eröffnet und es entstand der Bahnhof Wickrath. Eine Gaststätte im Bahnhof gab es erst seit etwa 1880. Langjährige Wirte waren: Bonaventura Niehof, Franz Lennartz aus Aachen, Wilhelm Behle, Josef Küppers. Der Architekt Lennartz gestaltete einen Raum als kleines Museum. Die Tische zeigten unter einer Glasplatte eine umfangreiche Sammlung von Inflationsgeld. An den Wänden hingen sinnvolle Sprüche.

RESTAURANT BOSS
Bäckerei und Restaurantion der Familie Boss lagen auf der oberen Hauptstraße nebeneinander. Heute ist dort in einem Neubau auf der Quadt Straße die Volksbank untergebracht.
Wegen seiner niedrigen Decken hieß das Lokal zeitweise auf „Cafe Duckdich“. Der langjährige Gastwirt Carl Boss war lange zeit Kreistagsabgeordneter der Zentumspartei der Gemeinde Wickrath. Das war der Grund, weshalb das Lokal im Volksmund zeitweise auch „Im Vatikan“ genannt wurde.

RESTAURANT ERHOLUNG
Peter Niepmann war Gastwirt in der gut gehenden Gastwirtschaft auf der Rheindahlenerstraße, die heute von der Familie Bede geführt wird. Es war ein Lokal mit fester Kundschaft, beliebt auch bei den Arbeitern der Spinnerei und Weberei Friedrich Lühl.

DER LINDENHOF
Am Lindenplatz, früher „op de Dränk“ gelegen wurde um 1880 schon von dem Wirt und Bierhändler Josef Frohn betrieben. Nach dem ersten Weltkrieg war Heinrich Severins und später sein Sohn Eigentümer und Gastwirt. Wie fast alle bürgerlichen Gasthöfe mit Kegelbahn ausgestattet in der Ortsmitte gelegen, war sie immer ein gut besuchter Bürgertreff.

A. FAßBENDER, im früheren Kloster.
Auch die Kreuzherrenbrüder haben schon im Kloster eine Brauerei betrieben. Lange nach Auflösung des Klosters um 1804 und vor dem Erwerb der Gebäude durch Carl Rente, hat A. Faßbender die geeigneten Räume und tiefen, gewölbten Keller noch einmal als Hausbrauerei und wirtschaftlich genutzt. Es ist uns berichtet, daß der Turnverein Wickrath um 1862/64 dort ein erstes Übungs- und Vereinslokal hatte.

HINTER DEM TRESEN

DER BIERWAGEN,
zweispännig mit schweren Kaltblutpferden und dem Verdeck, auch „Hufwagen“ genannt. Unter dem Wagen, an 4 Ketten aufgehängt, befand sich „dr Kaaß“ [der Kasten] in dem Futtersäcke mit Hafer, das Kissen mit Kork gefüllt, zum abladen der Holzfässer und manchmal auch der Spitz [Hund]. Auf dem Verdeck ist der Name der Brauerei Rothermund aus Rheydt zu lesen, einst ein namhafter Betrieb.

HOTEL DENHARD
stand auf dem Marktplatz in Wickrath. Inhaber war Albert Denhard, der Bruder des ehemaligen Bürgermeisters. [Bürgermeister 1816 bis 1856, Wilhelm Valentin Denhard ] Es war Hotel, Weinhaus, auch Weinllandlung. Um die Jahrhundertwende eines der ersten Häuser Wickraths. 1913 wurde das alte Haus abgerissen, und an dieser Stelle der Wolkenkratzer gebaut.

SÄNGERS GROTTENHALLE
war Cafe und Restauration im alten Wickrath. Carl Sänger war der Schenkwirt mit seiner herzensguten Frau Minna. Er hatte einen kleinen Saal aus Lavagestein wie eine Grotte gestaltet. Vielfach tagte dort nach der Sitzung auch der Gemeinderat. In den Zwanziger Jahren wurde in diesem Saal durch die Familie Deußen das erste Kino eingerichtet.

NIEDERRHEINISCHER HOF
Die Familie Franzmann unterhielt auf der Beckrather Straße eine Hausbrauerei und Gastwirtschaft. Das Wasser zum Brauen wurde dem Mortersmühlenbach entnommen. Später wurde die Gaststätte von der Familie Sax übernommen. Am 26. Februar 1945 wurde das Anwesen durch einen Fliegerangriff zerstört.

AUSFLUGSLOKAL HALBINSEL
Um 1900 durfte Wickrath als Luftkurort bezeichnet werden. Wohl nach dem Vorbild des „Badhotel“ in Odenkirchen baute die Familie Esser auf der Halbinsel ein Ausflugslokal mit der Möglichkeit zum Kahnfahren auf dem Flutgraben und einer Badeanstalt, die durch Bretterbohlen eingezäunt war, gegen Einsicht von außen. [Auskunft von Hubert Broicher: auch der Boden war aus Holzbohlen, damit man nicht im Boden versank und zur Sicherheit der Nichtschwimmer. Dieses „Freibad“ wurde nach dem 1. Weltkrieg von den Belgier mit Handgranaten aus Spaß zerstört.] Im Sommer kamen viele Städter zum Spaziergang an der Niers vorbei zum Schoß und den schattigen Alleen und besuchten die darauf eingestellten Gasthöfe.

HOTEL UND GASTSTÄTTE ABELS
Seit 1865 war das Haus von Conrad Abels bewirtschaftet, nachdem vorher die Familie Brosch Eigentümer war, die die Gaststätte schon von der Familie Hansen gekauft hatte. Das Haus ist um 1830 gebaut. Bekannt war Abels durch den großen Saal und die Vereinsfeste, den Biergarten mit den sonntäglichen Militärkonzerten.

GASTSTÄTTE FRANZ KLERSY
Als Gegenstück zu Abels, auch gegenüber Schloß und Alleen, auf der anderen Ecke der Trompeterallee hatte um 1851 Alex Häuser sein Restaurant mit schönem Garten gebaut. Franz Klersy, von der Lahn stammend und Schwager des Sattelmeisters Rother, hat es später übernommen und zu einem beliebten Bürgerlokal gestaltet. Im Garten fanden sonntags auch gut besuchte Konzerte statt. Im Februar 1945 wurde die ganze Straßenzeile durch Bomben zerstört.

RESTAURANT und SAAL von PETER FRENTZEN
Auf der Odenkirchener Straße, heute Hochstadenstraße, schon bald an Wettschewell grenzend, war das große Anwesen von Frentzens Pitter. Im großen Saal feierten die Wickrather Vereine Winterfeste und ihre sonstigen Veranstaltungen. Nach dem 2. Weltkrieg fand eine Näherei dort Unterkunft für ihre Betriebsräume. 1955 wurden die Gebäude abgebrochen und das Grundstück mit Wohnhäusern bebaut.

GASTWIRTSCHAFT QUACK
Jakob Quack geb. 1847 von Beruf Küfermeister und Wirt betrieb seit 1888 auf der Rheydter Straße eine Gastwirtschaft mit Logiermöglichkeiten, nachdem er vorher an anderer Stelle den Beruf schon ausübte. Sein Sohn Karl Quack übte auch beide Berufe aus und führte die Wirtschaft weiter. Er war passionierter Turner und richtete einen Raum zum Umkleiden der Sportler des nahen Spielplatzes ein. Heute bestellt die Gaststätte nicht mehr.

Ergänzung zu "Gaststätten in Wickrath"


Wie man in einem Zeitungsbericht des "Gladbacher Kreisblattes" vom 01.01.1853 aus dem Stadtarchiv Mönchengladbach entnehmen kann, wurde bereits zum 01.01.1853 die Restauration auf dem provisorischen Bahnhof Wickrath zur Verpachtung angeboten.

Demnach hat der Bahnhof Wickrath seit 1853 eine Gaststätte gehabt.

Es sei noch aus den Geschäftsberichten der Aachen Düsseldorfer Eisenbahn AG erwähnt, daß der Bahnhof Wickrath im Herbst 1853 definitiv fertiggestellt war und zu jenem Zeitpunkt bezogen wurde. 1863 erhielt das Stationsgebäude Wickrath wegen Erweiterung der Büroräume einen Anbau.
Dabei kann es sich nur um den südlichen Anbau handeln, so daß der Bahnhof Wickrath das heutige Aussehen erst seit 1863 hat.

Anmerkungen von Hubert Broicher, Wickrath:

"Es gab eine Zeit, da gab es in Wickrath drei Gaststätten rund um de Fott":

"Abels Fottes" war allgemein Hotel Abels, auf der Odenkirchener Straße, jetzt Hochstadenstraße.

"de Büll" war Walter Severins (Gaststätte Lindenhof) auf der Hauptstraße, jetzt Quadtstraße.

"Kaumanns Stief" war der Wirt der Gaststätte Kaumanns, vorher Niepmann auf der Rheindahlener Straße.


Letzte Aktualisierung ( Freitag, 12. Mai 2017 )