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Wickrath Schloß

Das Schloß Wickrath

In der Nähe von Odenkirchen liegt Wickrath mit seinem vielbesuchten Schlosse, das uns an den alten Adelsitz der berühmten Herren von Wickrath erinnert. Schon im Jahre 1075 wird die Herrschaft Wickrath urkundlich erwähnt. Mit dem damaligen Herrn Gerlach von Wickrath, der auch Vogt zu Siegburg war, scheint die Reihe dieser Dynasten ausgestorben zu sein, da um das Jahr 1080 Graf Gerhard I. von Hochstaden als Herr von Wickrath genannt wird.

von Ernst Wassenberg 1969
von Ernst Wassenberg 1969
Diesem folgte dessen Sohn Gerhard II., der im Jahre 1139 starb und die Herrschaft seinem Schwiegervater Otto von der Ahr hinterließ. (Otto von der Ahr war ein Bruder des Grafen Lothar, des Gemahls der hl. Hildegundis von Meer) Von dem Geschlechte Ahr – Hochstaden ging Wickrath im 13. Jahrhundert an die Grafen von Geldern über, die es verschiedenen ihrer Vasallen als Lehen übergaben. So blieb es bis zum Jahre 1486. Um diese Zeit waren in den Niederlanden Unruhen ausgebrochen, und da der Graf von Geldern die Niederländer unterstützte, so eroberte der mit der Niederwerfung des Aufstandes betraute Erzherzog Maximilian das Schloß Wickrath, machte die Herrschaft reichsunmittelbar und übergab sie seinem Rate Heinrich von Hompesch als kaiserliches Lehen.

Die Regierung Heinrichs gestaltete sich für die Herrschaft sehr segensreich. Die Bewohner genossen unter ihm tatkräftige Fürsorge und Schutz gegen die Raubritter, und allenthalben herrschten Wohlstand und Zufriedenheit.



Nach Heinrichs Tode im Jahre 1502 ging die Herrschaft an dessen Stiefsöhne, die Grafen von Quadt, über, in deren Händen sie bis zur Franzosenzeit geblieben ist. Leider ist die Regierungszeit dieser Herren durch einen zweihundertjährigen, hartnäckigen Religionskampf getrübt, den jene oft genug mit bewaffneter Hand mehr schürten als schlichteten.

Schloss Wickrath  - Foto =  Heinz-Josef Katz
Schloss Wickrath - Foto = Heinz-Josef Katz
Das Schloßgebäude hat im Laufe der Zeit manchen Wechsel durchgemacht. Nachdem der vorletzte der regierenden Grafen von Quadt gegen Ende des 18. Jahrhunderts umfangreiche Erneuerungen und Verschönerungen hatte ausführen lassen, gehörte Schoß Wickrath zu den prächtigsten Burgen am Niederrhein. Doch sollten die Bewohner sich dessen nicht lange erfreuen; es nahte die französische Fremdherrschaft, und der Graf hielt es für geraten, den heimatlichen Boden zu verlassen. So kam das Schloß im Jahre 1794 in den Besitz der Franzosen, die später dort ein Gestüt einrichteten.

Unter preußischer Herrschaft baute man das Schoß anfangs zu einer Kaserne um, die bis in die dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts zwei Schwadronen Husaren beherbergte. Darauf wurde in den Gebäulichkeiten ein königliches Landgestüt untergebracht, welches bis heute noch besteht und in den landwirtschaftlichen Kreisen Rheinlands und darüber hinaus bekannt und berühmt ist. Durch die mehrfachen Änderungen waren aber die Gebäude allmählich sehr geschwächt worden; daher ließ die preußische Regierung 1859 die Burg schleifen und die Materialien verkaufen. Welch schmerzliches Bedauern diese Maßnahme bei der Bevölkerung hervorrief, sagt ein heimischer Sänger mit den Worten: "O neidisches Verderben, warum so früh schon hier, Warum wählst du zum Opfer des Tales Zierde dir?"

In den jetzigen Gebäulichkeiten ist von dem ehemaligen Schlosse außer zwei wertvollen Steinreliefs nichts mehr vorhanden; die geschichtlich-denkwürdige Stätte mit den ausgedehnten Anlagen und den schattigen Alleen gewährt indessen noch Jahr für Jahr vielen Hunderten Besuchern Schatten und Erquickung.

Abschrift aus einer unbekannten Zeitung – ohne Datum



Letzte Aktualisierung ( Montag, 1. Februar 2010 )