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Der Spielverein Wickrathberg 1906 e.V. gibt bekannt:
Stephan Nelz ist nicht mehr Trainer des SV Wickrathberg
Nach mehr als 5 sehr erfolgreichen Jahren endet die Tätigkeit von Trainer Stephan Nelz beim SV Wickrathberg. Nelz führte die 1. Mannschaft des Vereins mit engagierter, beharrlicher und äußerst kompetenter Arbeit nach Jahrzehnten erstmals wieder in die Kreisliga A. Bei einer offenen Aussprache zwischen Trainer und Mannschaft wurde jetzt leider deutlich, dass Nelz in der Mannschaft nicht mehr die nötige Unterstützung für seinen Weg hat. Wir bedauern diese Entwicklung sehr und verstehen die Enttäuschung von Stephan Nelz darüber sehr gut. Der Verein verliert einen hervorragenden Trainer, dem wir zu großem Dank verpflichtet sind.
Neuer Trainer wird Harald Eßer (49), der dem Verein seit über 30 Jahren als Spieler, Vorstandsmitglied und aktueller Betreuer der Reserve verbunden ist. Eßer hat u.a. als lizensierter Trainer von 1998 bis 2007 bei Germania Kückhoven und im Jugendbereich des FC Wegberg-Beeck gearbeitet.
Veranstaltungskalender Wickrathberg 2010
Leider noch keine Termine gemeldet
Diese Seite steht natürlich allen Wickrathberger Vereinen offen!
Samstag, 14. November
Treffen der "Ehemaligen" des Kriegsgefangenenlagers Wickrathberg
Treffen der „Ehemaligen“ des Gefangenenlagers in Wickrathberg
Der Verein für Heimat- und Denkmalpflege, unter der Leitung von Peter Neuß, hatte zum Vortag des Volkstrauertages wieder die „Ehemaligen“ des „Kriegsgefangenenlagers Wickrathberg” eingeladen. Diesmal gingen die Einladungen allerdings „nur“ an diejenigen, die im Umkreis von Wickrathberg wohnen. Somit hatten die weiteste Anreise ein „Ehemaliger“ aus Köln und einer aus Bonn-Bad Godesberg.
Peter Neuß, der Vorsitzende des Vereins für Heimat- und Denkmalpflege Wickrathberg, begrüßte die Gäste und betonte dabei, daß noch weit mehr kommen könnten, aber viele verdrängen das im Lager erlebte. Es kamen auch einige Angehörige von den ehemaligen Lagerinsassen. Sie nahmen einige Bücher zu diesem Thema mit und bemerkten, daß sie einzig nur wissen, daß ihr Vater in diesem Lager war, aber der verdrängt dies, indem er nicht darüber spricht. Ebenfalls konnte Neuß die Witwe des verstorbenen Buchautors Herbert Reiners begrüßen.
Zwischenzeitlich war auch der neue Bezirksvorsteher Arno Oellers eingetroffen. Auch er begrüßte die Gäste und bemerkte, daß das eine sehr gute Entscheidung des Heimatvereins ist, dieses Treffen in regelmäßigen Abständen auszurichten. Es sollte dem Verein eine Verpflichtung sein, dieses Treffen auch weiterhin auszurichten.
Die Gäste wurden hervorragend von den Damen des Heimatvereins und von den Damen der evangelischen Frauenhilfe beköstigt. Zu Beginn gab es Kaffee und Kuchen. Dabei spielte Peter Neuß zwei Tonkassetten mit einem Interview und einer erzählten Geschichte zweier „Ehemaligen“ ab. Dabei konnte man von vielen ein Zustimmendes Nicken erkennen. Man sah aber auch bei einigen Tränen in den Augen.
Dann aber wurde es Still im Saal. Der „Ehemalige“ Heinz Pankuweit aus Bad-Godesberg trat an Mikrofon. Er hatte die Geschichte, so wie er es erlebt hatte aufgeschrieben und las das nun vor. Er korrigierte aber auch den Buchautor Herbert Reiners in einigen Punkten. Er bedankte sich beim Vorsitzenden des Heimatvereins und bei den Damen und Herrn, die für die umfangreichen Vorbereitungen Zeit, Arbeit und Ideen eingebracht hatten. „Ein derart aufmerksamer Empfang tut uns allen gut“ bemerkte er noch. Auch da konnte man von Allen zustimmendes Kopfnicken sehen. (Bericht von Heinz Pankuweit siehe unten)
Nach diesem Vortrag, gingen alle noch mal zum Gedenkstein, der von der Stadt Mönchengladbach neu gestaltet wurde. Alle freuten sich darüber, das sich auch die Stadt für den Gedenkstein einsetzt, der auch ein Mahnmal gegen das Vergessen ist.
Kriegsgefangenenlager Wickrathberg 1945
Vortrag von Heinz Pankuweit am 14. November 2009
am Ehrenmal der Gefallenen der Weltkriege aus Wickrathberg
Wir erinnern uns an eine bittere Zeit, an eine Zeit des Leidens und der Demütigung, wir erinnern uns an Stacheldraht und nackte Erde.
Wir hatten alles verloren,
und litten schreckliche Not,
waren wir auserkoren,
zu hungern bis zum Tod?
Wir lagen bei Kälte und Regen
schutzlos auf freiem Feld,
ein Acker ohne Segen,
für uns war er schlecht bestellt.
Ohne Zelt, ohne Mantel und Decken,
durchnäßt bis auf die Haut,
waren viele nicht mehr zu wecken,
in dem Erdloch, das sie sich gebaut.
Ohne zu essen und ohne zu trinken
froren wir immerzu,
wir ließen die Hoffnung sinken
und wollten nur unsere Ruh’.
Im Morast einer fruchtbaren Meile
siechten viele langsam dahin,
der Tod zeigte wenig Eile,
für ihn war’s ein sicherer Gewinn.
Er wählte die Schwächsten der Schwachen
und schleppte sie mit sich fort,
wir konnten nur beten und wachen,
Hilfe gab’s nicht vor Ort.
Doch brachten Hoffnung uns wieder
die Menschen von nebenan,
die Sonne blickte hernieder
und bot ihre Wärme an.
Die Menschen, die selber litten,
teilten mit uns ihr Brot,
sie hörten das Flehen und Bitten
und linderten unsere Not.
Die Zeit prägte unser Leben,
heute blicken wir dankbar zurück
auf das, was Gott uns gegeben:
die Freiheit – der Menschen Glück!
Gemeinsam betrauern wir jeden,
der blieb an diesem Ort,
Tausende ruhen in Frieden,
sie leben in uns fort.
Gemeinsam denken wir heute
an den, den’s getroffen hat,
er litt an meiner Seite
mein armer Kamerad
Vereine in Wickrathberg
Evangelischer Kirchenchor Wickrathberg
Vorsitzende Johanna Heckermann, Kuckumer Acker 7, 41812 Erkelenz
Freiwillige Feuerwehr Mönchengladbach, Einheit Wickrathberg
Klaus Scheffer, Berger Dorfstraße 16, 41189 Wickrathberg
Förderverein der Ev. Kirchengemeinde Wickrathberg
Vorsitzender: Christoph Strunk, Schillingstaler Weg 37, 41189 Wickrath
Tel. 02166-54475
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Gesangverein "Eintracht" Wickrathberg
Vorsitzender: Jochem Enzenmüller, Sperlingweg 9, 41189 Wickrathberg
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Spielverein Wickrathberg 1906 e.V.
Vorsitzender: Klaus Brüser, Hochneukircher Weg 19, 41189 Wickrathberg
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Verein für Heimat- und Denkmalpflege Wickrathberg
Vorsitzender: Peter Neuß, Am Büschgen 26, 41189 Wickrathberg
Tel.: 02166-58076
Internetseiten aus Wickrathberg:
Ev. Kirchengemeinde Wickrathberg
Förderverein der Ev. Kirchengemeinde Wickrathberg
Spielverein Wickrathberg
Niersstraße
Gesangverein Wickrathberg
Chronik des Vereins für Heimat- und Denkmalpflege Wickrathberg
Auszug aus der Chronik des Vereins für Heimat- und Denkmalpflege Wickrathberg (VHD)
Quelle: UNSER DORF in Worten und Bildern
Die Angaben in (s. S. .....) beziehen sich auf die Seiten aus diesem Buch.
Mit der Einweihung des Denkmals für die Gefallenen neben der ev. Kirche am 12.10.1930 war auch der Heimat- und Denkmalpflegeverein gegründet. Die Arbeit des Vereins ruhte ab 1945. Im Jahre 1954 wurde der Verein neubegründet. Durch die Kriegswirren existieren leider keine Unterlagen aus der Zeit des ersten Vereins.
Am 18. März 1954 fand die erste Vorstandssitzung des Vereins für Heimat- und Denkmalpflege Wickrathberg nach dem Krieg statt, der bald eine zweite am 6. Mai des gleichen Jahres folgte. Bei der zweiten Vorstandssitzung übergab der Vorsitzende Otto Offermann das von 1945 stammende Sparbuch dem Kassierer und bat ihn, bei der Sparkasse Wickrath eine Nachtragung der aufgewerteten DM-Beträge vornehmen zu lassen. Zur allgemeinen Freude wurde festgestellt, dass die Mitgliederwerbung 274 neue Mitglieder gebracht hatte.
* Erste Aufgaben des Vereins waren die Instandsetzung des Denkmals an der Kirche und das Bemühen, neue Straßennamen für das Dorf zu finden! So gab es im Dorf zwölf verschiedene Häuser mit der Hausnummer 19. Der Vorschlag des Vereins für Heimat- und Denkmalpflege sah folgende Straßenbezeichnungen vor: Straße von Wickrath bis Gaststätte Bresser: "Damm", von Bresser bis Ortsausgang Wanlo: "Dorfstraße", von Bresser bis Ortsausgang Beckrath: "Beckrather Straße", heute "Niersstraße", von Haus P. Barten bis Ortsausgang Richtung Güdderath: "Taubengasse", von der Dorfstraße längs des Pfarrhauses: "Viehweg", heute "Am Pastorat", zwischen Taubengasse und Viehweg. "Am Tannenwäldchen". Die Straße durch die Siedlung: "Siedlung", heute "Am Büschgen", Verbindungsweg zwischen Damm und Siedlung. "Postillionsweg", abgehend von der Beckrather Straße: "Kinkelbach", abgehend von der Beckrather Straße zum Broicherhof: "Broicherweg", von der Dorfstraße in Richtung Hochneukirch: "Hochneukircher Straße". Auf jeder Straße links musste mit 1 und rechts mit 2 angefangen werden. Es dauerte schließlich bis zum Jahre 1960, die Neubenennungen durchzuführen.
* Bei der Jahreshauptversammlung am 10. August 1960 wurde der Wunsch geäußert, einen Kinderspielplatz im Pfarrgarten anzulegen. Pfarrer Dr. Erich Gehring erklärte sich seitens der evangelischen Kirchengemeinde bereit, der Gemeinde Wickrath einen Teil des Pfarrgartens zu verpachten. Dadurch hatte der Verein für Heimat- und Denkmalpflege die Vorbedingung zur Anlage eines Kinderspielplatzes geschaffen. Der Verein gab eine Geldspende von 200,-- DM und bat alle Bürger ihr Scherflein beizutragen. Die Übergabe des Kinderspielplatzes erfolgte am 17.6.1961 (s. S. 98).
* Im Verein hatte es in der Zwischenzeit einen Wechsel im Vorstand gegeben. Fritz Barten führte seit 1955 den Verein als Vorsitzender. Dieses Amt führte er mit viel Engagement bis 1973.
* Bei der Jahreshauptversammlung im November 1973 gab es im Vorstand eine Wachablösung. Nach 18 Jahren als 1. Vorsitzender gab Fritz Barten seinen Posten an Cornelius Goeters weiter.
Der 2. Vorsitzende wurde Kurt Sattelmeyer, Schriftführer Heinz Coonen, Kassenführer Günter Teich. Unter großem Beifall dankte Helmut Barten dem scheidenden Vorstand für die geleistete Arbeit.
* Das neue Bebauungsgebiet im Unterdorf sollte auf Vorschlag des Heimatvereins folgende Namen erhalten: "Im Schlaun", "Eilbrachtweg", "Bachovenweg".
* Im Zuge der kommunalen Neugliederung, die trotz des örtlichen Widerstandes nicht zu verhindern war, mussten einige Straßen umbenannt werden. Neu war die "Berger Dorfstraße", aus "Viehweg" wurde "Am Pastorat", aus "Amselweg" wurde "Pirolweg" und aus "Wiesenweg" wurde "Eisvogelweg". Die Vorschläge des Vereins wurden unverändert übernommen.
* Am 4. Mai 1975 wurde die neue große Stadt Mönchengladbach (einschließlich Rheydt und Wickrath) in 10 Bezirke eingeteilt. Der 10. Bezirk wurde Wickrath-Ortskern und Wickrath-Land.
* Im Jahre 1976 wurde das neue evangelische Gemeindehaus fertiggestellt.
* Als 1977 in Beckrath, Herrath, Buchholz und Wickrathhahn die Poststellen bereits wegrationalisiert worden waren führte der Heimatverein mit dem damaligen Postminister Gscheidle einen Schriftverkehr. Als Ergebnis wurde mitgeteilt, dass der Minister nicht daran denke, die Poststelle aufzulösen.
* Das Ehrenmal an der Kirche wurde mit Namen der Gefallenen in den Weltkriegen bestückt.
* Im Jahre 1979 kam zum ersten Mal das Thema "Ehrenmal Kriegsgefangenenlager Wickrathberg" auf.
* Bei den Jahreshauptversammlungen der letzten Jahre, so auch 1980, nahmen durchweg 150 Gäste teil.
* An dieser Stelle sei auch einmal erwähnt, daß der Verein für Heimat- und Denkmalpflege Wickrathberg in Herrn Stadtverwaltungsrat Hans-Josef Pisters einen Menschen und Partner hatte, der sich stets um die Belange des Dorfes Wickrathberg in hervorragender Weise bemühte. Der Verein für Heimat- und Denkmalpflege sagt ganz herzlich Danke.
* Am 21. März 1981 erhielt Cornelius Goeters den Benediktpreis.
* Im Jahre 1981 zählte der Verein für Heimat- und Denkmalpflege 335 Mitglieder.
* Mitte des Jahres 1982 erschien völlig überraschend im Schloßhotel Wickrath Graf Peter von Quadt mit seiner Frau. Er war auf der Rückfahrt aus dem Ruhrgebiet nach München und wollte die Heimat seiner Vorfahren einmal sehen. Bei einem Kaffeeklatsch trafen sich Heimatfreund Wilhelm Kuhlen und Gemahlin, sowie der Vorsitzende des Vereins für Heimat- und Denkmalpflege Cornelius Goeters mit Gemahlin und sprachen mit dem Grafen über Historie und Gegenwart. Peter von Quadt wollte daraufhin den regierenden Fürsten Paul zu Quadt-Isny informieren und weitere Kontakte zwischen den "letzten Herren" von Wickrath und den jetzigen Heimatfreunden der ehemaligen Reichsherrlichkeit knüpfen.
* Ende 1982 wurde das Ehrenmal an der Kirche restauriert. Laut Kostenvoranschlägen beliefen sich die Kosten des ersten Bauabschnitts auf mehr als 10.000,-- DM. Die Stadt Mönchengladbach erklärte sich bereit, hiervon 6.000,-- DM zu übernehmen. Die auf Papier festgehaltenen Namen der Toten der Kriege 1914-1918 und 1939-1945 wurden in einer Kapsel im Innern des Denkmals gelagert. Der Begleittext zur Kapsel hatte folgenden Wortlaut:
"Heute, am 9. November 1982, sind nach einer Umgestaltung des Denkmals die Platten, die bisher die Namen unserer Toten trugen, ersetzt worden. Die einliegenden Blätter enthalten die Namen der Toten unserer Dorfgemeinschaft aus beiden Weltkriegen. Wir leben in der Hoffnung, daß unseren Menschen nie wieder ein solches Leid widerfahrt".
* Die Jahreshauptversammlung am 15. November 1983 ergab eine einstimmige Wiederwahl des bisherigen Vorstandes. Es waren dies im Einzelnen: 1.Vorsitzender Cornelius Goeters, 2.Vorsitzender Herbert Junge, Kassierer Irmhild Bend, Schriftführer Gerd Kamphausen, Beisitzer Qtto Andes, Heinz Coonen, Gert Lüderitz. Es war wieder ein volles Haus von etwa 130 Teilnehmern zu verzeichnen.
* Bei der Jahreshauptversammlung am 20. November 1984 wurde der gesamte Vorstand wiedergewählt. Besonders hervorgehoben wurde der 80jährige Geburtstag von Fritz Barten, der den Verein für Heimat- und Denkmalpflege 18 Jahre als 1. Vorsitzender geführt hatte und die 20jährige Mitarbeit im Vorstand von Gert Lüderitz.
* Im Jahre 1984 gab es auch einen Wechsel in der Poststelle in Wickrathberg. Frau Irmhild Bend übernahm die Führung der Poststelle von Irmgard Kremers, die mit entsprechenden Dankesworten für ihre Arbeit verabschiedet wurde.
* Zum Thema Kriegsgefangenenlager in Wickrathberg nahm der 1. Vorsitzende Cornelius Goeters erste Kontakte mit ehemaligen Insassen auf, um eventuelle Tagebücher oder Zeichnungen zu erhalten.
* Bei der Jahreshauptversammlung am 19. November 1985 wurde der bisherige Vorstand bestätigt. Innerhalb dieser Versammlung wurde auch über eine geeignete Stelle für einen Gedenkstein des Kriegsgefangenenlagers gesprochen. Hierzu mussten Verhandlungen mit dem Landesstraßenbauamt geführt werden.
* Anläßlich der Jahreshauptversammlung am 18. November 1986 konnte Otto Andes seine 25jährige Mitgliedschaft im Vorstand des Vereins für Heimat- und Denkmalpflege feiern. Es gab allen Grund ihm zu danken; wenn er um Hilfe gebeten wurde, war er immer zur Stelle.
* Am 17. November 1987 legte Cornelius Goeters nach 14 Jahren das Amt des 1. Vorsitzenden nieder. Cornelius Goeters, der sich vor allem als Historiker verstand, resignierte nicht. Er wollte vielmehr jüngeren eine Chance geben in führenden Positionen dem Ort und Bezirk zu dienen. Wickrathberg hat Cornelius Goeters viel zu verdanken. Sein jahrelanges Wirken zum Wohle des Ortes wird nicht vergessen werden.
Das gilt ebenso für Herbert Junge, der zwar immer etwas im Hintergrund wirkte, deswegen aber nicht weniger wirkungsvoll. Auch er war ein großer Gönner des Ortes Wickrathberg.
* Das Jahr 1988 begann für den Verein für Heimat- und Denkmalpflege Wickrathberg mit einem neu gewählten Vorstand. Er setzte sich zusammen aus dem 1. Vorsitzenden Gert Lüderitz, 2. Vorsitzender Wolfgang Elschenbroich, Kassierer Herbert Schulz, Schriftführer Gerd Kamphausen, Beisitzer Horst Scholten, Marianne Beckers, Heinz-Dieter Waidner.
* Die 1987 gefällte Friedenseiche aus dem Krieg 1870/71 wurde durch eine neue Eiche ersetzt. Diese neue Friedenseiche wurde am 12. März 1988 in Zusammenhang mit einem ökumenischen Gottesdienst neben dem Denkmal an der Kirche gepflanzt.
* Der 8. Oktober 1988 wurde zu einem der größten Ereignisse der letzten Jahrzehnte unseres Dorfes Wickrathberg. An diesem Tag fand die offizielle Einweihung des Erinnerungssteines an das Kriegsgefangenenlager statt. Unter großer Beteiligung und eindrucksvollen Reden, sowie musikalischer Unterstützung wurde ein großer "Findling" mit Bronzetafel seiner Bestimmung übergeben (s. S. 76).
* Am 9. November 1988 fand ein ökumenischer Gottesdienst zur Erinnerung an die Reichskristallnacht statt, bei der in Wickrathberg die Synagoge niederbrannte. Anschließend fand ein gemeinsamer Gang zur bereits angebrachten Erinnerungstafel statt.
* Im Jahr 1989 besuchten bis zu 100 ehemalige Insassen des Kriegsgefangenenlagers den Erinnerungsstein.
* Bei der Jahreshauptversammlung 17. November 1992 ergaben die Wahlen zum Vorstand folgendes: 1. Vorsitzender Gert Lüderitz, 2. Vorsitzender Reinhard Sennewald, Kassierer Herbert Schulz, Schriftführerin Marianne Beckers, Beisitzer Karl Meyer, Horst Scholten, Heinz Dieter Waidner.
* Bei dieser JHV wurde u.a. das Buch "Auf den Rheinwiesen 1945 - 101 Tage Kriegsgefangenschaft" von Dr. Paul Brägelmann aus Vechta vorgestellt. Es behandelte u.a. das Kriegsgefangenenlager Wickrathberg.
* Der Verein hatte in 1992 über 400 Mitglieder.
* Bei der Jahreshauptversammlung am 15. November 1994 blieb der überwiegende Teil des Vorstandes im Amt. Lediglich als neuer Beisitzer wurde Peter Neuß gewählt.
* Ab dem 20. Dezember 1994 übernahm Marlene Steins-Unverferth die Postagentur an der Niersstraße 19.
* Aus Anlaß der 50. Wiederkehr des Bestehens des Kriegsgefangenlagers fand in der evangelischen Kirche Wickrathberg ein Ökumenischer Gottesdienst statt mit anschließendem Gang zum Erinnerungsstein.
* Anläßlich der Jahreshauptversammlung am 14. November 1997 wurde der gesamte Vorstand in seinem Amt bestätigt.
* Im Frühjahr 1998 wurde mit dem Bau des neuen Gerätehauses der Freiwilligen Feuerwehr begonnen, Fertigstellung im Sommer.
* Der 19. August 1998 war für das Dorf Wickrathberg ein Tag der Trauer. An diesem Tag starb nach kurzer, schwerer Krankheit der 1. Vorsitzende des Vereins für Heimat- und Denkmalpflege Wickrathberg, Gert Lüderitz. Im Alter von erst 62 Jahren verloren wir einen guten und lieben Freund und vor allem einen echten Wickrathberger, der sich um das Dorf verdient gemacht hat.
* Der Mönchengladbacher Historiker Dr. Herbert Reiners verfaßte in Verbindung mit dem Verein für Heimat- und Denkmalpflege Wickrathberg ein Buch unter dem Titel "Kriegsgefangenenlager Wickrathberg 1945". Die Vorstellung des Buches erfolgte am 12. November 1998 im evangelischen Gemeindehaus Wickrathberg.
* Anläßlich der Jahreshauptversammlung des Vereins für Heimat- und Denkmalpflege am 27. November 1998 stand die Wahl eines neuen 1. Vorsitzenden auf der Tagesordnung. Der bisherige 2. Vorsitzende Peter Neuß wurde spontan vorgeschlagen. Die Versammlung wählte Peter Neuß einstimmig zum 1. Vorsitzenden. Peter Neuß nahm die Wahl an und bedankte sich für das Vertrauen. Der Posten des 2. Vorsitzenden blieb vorerst vakant.
* Der Verein für Heimat- und Denkmalpflege Wickrathberg hatte im Jahr 1998 eine Mitgliederzahl von 508.
* Im April 1999 mussten die Wickrathberger Abschied nehmen vom langjährigen 1. Vorsitzenden des Vereins, Fritz Barten. Viele Jahre hatte er den Verein mit großem Einsatz geführt.
* Am 27. Mai 1999 wurde das Buch "Stadthallen-Lazarett Rheydt 1945" von Dr. Herbert Reiners vorgestellt. Hier war ebenfalls als Verleger der Verein für Heimat- und Denkmalpflege Wickrathberg tätig.
* Am 13. August 1999 verließ uns eine der herausragendsten Persönlichkeiten Wickrathbergs für immer. Cornelius Goeters starb 78-jährig und Wickrathberg trauerte um einen Mann, der sich viele Jahre für das Dorf und seine Bewohner eingesetzt hatte. Er war lange Jahre 1. Vorsitzender des Vereins für Heimat- und Denkmalpflege.
* Der Verein für Heimat- und Denkmalpflege lud am 7. und 8. September 1999 ältere Wickrathberger Bürgerinnen und Bürger zu einer Runde bei Kaffee und Kuchen ein, um Anekdoten aus der Vergangenheit für die Nachwelt festzuhalten ("Platte Vertäll", s. S. 64).
* Bei der Jahreshauptversammlung am 19. November 1999 wurde Christoph Waidner zum 2. Vorsitzenden des Vereins für Heimat- und Denkmalpflege einstimmig gewählt. Gleichzeitig wurde Jürgen Neugebauer als 1. Kassierer ebenfalls einstimmig gewählt. Er trat damit die Nachfolge von Thomas Lingen an.
* Erstmalig wurde am 3. November 2000 ein Sankt-Martinszug in Wickrathberg durchgeführt, der wegen der überraschend großen Beteiligung fortan die bis dato traditionelle Nikolausveranstaltung ersetzte.
* Am 23. November 2001 stimmte eine Mitgliederversammlung einer überarbeiteten Satzung aus dem Jahre 1993 zu. In der Versammlung wurde besonders an Herbert Schulz gedacht, der lange Jahre die Vereinskasse geführt hatte und am 10. Januar 2001 verstorben war. Auf dieser Jahreshauptversammlung wurde der Mitgliedsbeitrag auf 5,-- Euro festgesetzt.
* Für das Neubaugebiet zwischen "Lerchenweg" und "Am Büschgen" schlug der Verein für Heimat- und Denkmalpflege den Namen "Sperlingweg" vor, der von der Bezirksvertretung auch genehmigt wurde.
* Anläßlich der Jahreshauptversammlung am 22. November 2002 wurden eine neue Lautsprecheranlage und zwei neue Lichtfluter mit einer Leistung von je 500 Watt vorgestellt. Die Kosten hatte der Verein für Heimat- und Denkmalpflege übernommen.
* Peter Beckers erklärte seinen Rücktritt als Schriftführer. Er schlug als Nachfolger den bereits im Vorstand mitwirkenden Heinz-Gerd Wöstemeyer vor, der bis zur Wahl des Vorstands im Jahre 2003 für ein Jahr zum Schriftführer gewählt wurde.
* Bei der am 21. November 2003 stattfindenden Jahreshauptversammlung wurde nachfolgender Vorstand für 3 Jahre gewählt: 1. Vorsitzender Peter Neuß, 2. Vorsitzender Christoph Waidner, Schriftführer Heinz-Gerd Wöstemeyer, Kassierer Jürgen Neugebauer, Beisitzer Peter Beckers, Karl Meyer, Heinz-Dieter Waidner, Achim Wilms. Im Anschluss an die Jahreshauptversammlung zeigte Heinz-Gerd Wöstemeyer seinen Dia-Vortrag unter dem Titel: "Die Niers - von der Quelle bis zur Mündung". Peter Hörchens berichtete ausführlich über den Fortgang und den aktuellen Stand der Kirchenrestaurierung.
* Im Jahre 2004 befaßte sich der Vorstand des Vereins für Heimat- und Denkmalpflege mit der Durchführung seines 75-jährigen Jubiläums im Jahre 2005.
* Sigrid Lammertz wurde als Beisitzerin kooptiert. [Kooptierung ist eine Ergänzungswahl]
* Der 11. Juli 2004 war ein herausragender Tag für Wickrathberg. An diesem Tag wurde die über mehrere Jahre restaurierte Kirche wieder in Dienst genommen. Am 17. Juli 2004 folgte dann ein Festgottesdienst mit geladenen Gästen. Das Wickrathberger Kleinod erstrahlt seither wieder im neuen Glanz und ist nach langem Warten wieder der weithin leuchtende Mittelpunkt des Dorfes. Die Anteilnahme und Spendenbereitschaft der Bevölkerung hat gezeigt, wie viel gerade diese Kirche den Menschen hier vor Ort und darüber hinaus bedeutet.
* Ein "alter" Wickrathberger, Wolfgang Lüderitz, vertonte freundlicherweise das Gedicht von Luise Förster "Wickrathberg du Heimatstätte" und zwar nicht nur einstimmig, sondern auch in einem vierstimmigen Männerchorsatz, der zwischenzeitlich in den Besitz des MGV "Eintracht" Wickrathberg übergegangen ist. Ein besonderer Dank an Wolfgang Lüderitz (s. S. 60).
* Das Grundstück Ecke "Am Pastorat/Am Tannenwäldchen" wurde für den Verein erworben. Dadurch bietet sich die Möglichkeit, die bislang sehr schmuddelige Ecke künftig besser zu pflegen.
* Im Jahre 2005 feierte der Verein für Heimat- und Denkmalpflege sein 75-jähriges Bestehen. Jubiläumsveranstaltungen (s. S. 160).
* Abschrift dieser Chronik von Heinz-Josef Katz – Mitglied im Verein für Heimat- und Denkmalpflege Wickrathberg.
Die Vorsitzenden seit 1954:
1954 – 1955 Otto Offermann
1955 – 1973 Fritz Barten
1973 – 1987 Cornelius Goeters
1987 – 1998 Gert Lüderitz
1998 – heute Peter Neuß
Die Wickrathberger Kirche
 | | Ev. Kirche Wickrathberg 2008 |
Die Kirche, zu deren Pfarrsprengel der rechts der Niers gelegene Teil der Herrschaft Wickrath gehörte und die in der Erzdiözese Köln (Dekanat Bergheim) lag, wird 1220 erstmals erwähnt. Ab etwa 1530 war die Pfarre reformiert. Die Kirche wurde nach der Rückgabe des Wickrather Gotteshauses an die Katholiken im Jahre 1569 religiöses Zentrum der Reformierten in der Herrschaft Wickrath.
Der romanische Bau war als dreischiffige Basilika angelegt. Reste des romanischen Chors und das spätgotische Sternengewölbe sind noch erhalten. Um die Mitte des 18. Jh. wurde die Kirche vollständig umgebaut (Fenster, Mansarddach des Mittelschiffs, Haube des Westturms). Von der Rokokoausstattung aus den siebziger Jahren des 18. Jh. mit Orgel, Kanzel, Gestühl, besonders sehenswert die Grafenloge mit dem von zwei Bären flankierten Wappen der Quadt-Wickrath, die seit 1752 Reichsgrafen waren: Im Herzschild sehen wir zwei Wechselzinnenbalken (= Quadt), vom Beschauer links oben einen Adler (= Wickrath), darunter das Wappen der Herrschaft Loenen (Gelderland), rechts oben Wappen der Herrschaft Wildenborch (Gelderiand), darunter Wappen von Schwanenberg, im Schildfuß die Schlüssel des Geldrischen Erbhofmeisteramtes.
Quelle: Rheinische Kunststätten, Heft 255, 1981, Mönchengladbach-Wickrath, von Wolfgang Löhr.
Zum Tag des Denkmals, zweiter Sonntag im September, ist die Kirche zur Besichtigung von 12 bis 18 Uhr geöffnet.
Kostenfreie Führungen für Gruppen können nach Anmeldung im Gemeindeamt Tel. 02166-855506 gebucht werden.
Die evangelische Volksschule
Die Schulen und ihre Lehrer in Wickrathberg
Schon sehr früh gab es in Wickrathberg eine Schule, die sogenannte Pfarrschule. Eine Schule, die von der Kirchengemeinde eingerichtet und unterhalten wurde. Der Küster war zugleich Vorleser und unterrichtete die Kinder in Lesen, Schreiben, Beten und Singen. Er sollte ihnen vor allem den Heidelberger Katechismus erklären. Rechnen kam erst später dazu. Das Schulhaus stand rechts vom Aufgang zur Kirche. Es war ein zweistöckiges Gebäude, in dem sich unten das Schulzimmer und oben die Wohnung des Lehrers befand. Seit wann die Schule bestand ist nicht bekannt. Sicher ist aber, dass um 1600 ein Friedrich Vinkenberg Lehrer und Küster in Wickrathberg war.
Danach hatte die Schule sogar einen studierten Schulmeister, Johann Friedrich Reyger, der von 1644 bis 1650 in Wickrathberg tätig war. Außerdem war er Gerichtsschreiber des Reichsfreiherrn von Quadt zu Wickrath. Nachfolger von Reyger wurde 1650 – 1653 Hermann Camphausen und von 1653 – 1670 Franck Roelen. Danach war Anton Cremers von 1670 – 1690 Schulmeister in Berg. Die Pfarrschule in Wickrathberg war lange Zeit die einzige Volksschule in der Gemeinde. 1681 konnten die Evangelischen ihre Kinder in Wickrath in die dortige Klosterschule schicken.
In Wickrathberg wurde 1690 Matthias Wateler Küster und Lehrer. Er ging 1694 nach Stolberg. Sein Nachfolger war Johann Heinrich Belling, der 1707 in Wickrathberg starb. Dann kam ein gewisser Reinhard Kafferberg, der aber der Trunksucht verfallen war und 1736 abgesetzt werden musste. Johannes Schmitz aus Wickrath wurde dann von 1736 bis 1770 Küster und Schulmeister in Berg. 1770 wurde der junge Lehrer Johann Wilhelm von Stein angestellt. Er besaß ein hervorragendes Wissen, vor allem in Mathematik und wurde dafür Mitglied der mathematischen Gesellschaft in Hamburg. Wilhelm Blankertz war von 1778 – 1780 Lehrer an der Schule. Er musste schließlich entlassen werden weil er schwachsinnig war. Von 1784 – 1816 war Johann Clemem Schnebel Lehrer, wo er 66jährig starb.
Danach wurde Winand Wintzen aus Beckrath Lehrer in Berg. Im Winter besuchten 70 – 80 Kinder die Schule, im Sommer 50 – 60. Darum baute die Kirche hinter dem Schulhaus im Garten ein neues Schulhaus, in dem 130 Kinder Platz finden konnten.
Winand Wintzen legte 1835 sein Amt nieder und starb noch im gleichen Jahr 57jährig an Schwindsucht. Sein Nachfolger wurde Peter Püttbach. Zu seiner Zeit erhielt Wickrathberg eine neue Schule an der Straße nach Wickrath. Es war eine zweiklassige Schule, die 1856 gebaut wurde; Grundsteinlegung war am 26. März.
Die Erweiterung des Gebäudes um eine zusätzliche dritte Klasse und eine Hauptlehrerwohnung erfolgte im Jahre 1876. Püttbach trat 1862 in den Ruhestand. Von 1862 bis 1867 war Dietrich Hogeweg Lehrer in Wickrathberg. Hogeweg wurde bekannt als Vorsitzender des Vereins evangelischer Lehrer für Rheinland und Westfalen. Ihm folgte Wilhelm Lüngen, der von 1867 bis 1890 Hauptlehrer war.
Von 1890 bis 1924 war Hauptlehrer Wilhelm Rheinen an der Berger Schule. Rheinen wurde geboren am 1. August 1859 in Homberg am Niederrhein und verstarb am 5. Juni 1939 in Brackwede bei Bielefeld. Ihm verdanken wir unschätzbare Aufzeichnungen aus der Wickrathberger Geschichte.
Seit 1874 hatte die Schule auch eine Reihe Zweitlehrer, die schon ein Seminar besucht hatten. Am 1. Oktober 1924 wurde Ferdinand Schradin erster Lehrer an der Schule. Er trat am 30. September 1930 in den Ruhestand. Am 1. April 1931 wurde Hermann Orth mit der ersten Lehrerstelle betraut. In die 1876 errichtete 3. Klasse wurde die Lehrerin Luise Förster an die Schule berufen, an der sie bis 1893 tätig war. Von ihr stammt das Gedicht an Wickrathberg: "Wickrathberg du Heimatstätte". Sie starb 1913.
Nach ihr waren noch eine Reihe junger Lehrer an der Schule tätig, so unter anderem Gottfried Segschneider, der am 22. August 1914 als Soldat in Lothringen starb. Von 1945 – 1957 war Wilhelm Claßen als Hauptlehrer an der Schule tätig. Ihm folgte als Hauptlehrer Ernst Meyer bis zur Schließung am 27. Juni 1968. Auch für Emil Vits, der als Lehrer 40 Jahre lang in Wickrathberg erfolgreich gewirkt hatte, endete an diesem Tag der Schuldienst.
Das Schulgebäude der Wickrathberger Volksschule wurde auf Grund der Neuordnung des Schulwesens im I.ande NRW nicht mehr benötigt und - wie bereits erwähnt im Jahre 1968 geschlossen. Mit mehreren Protestmärschen nach Wickrath halten die Wickrathberger Eltern auf Initiative des Vereins für Heimat- und Denkmalpflege versucht ihre Schule zu retten: letztlich ohne Erfolg. In den 1970er Jahren wurde das Gebäude geschleift.
Quelle: Unser Dorf in Worten und Bildern – 75 Jahre Verein für Heimat- und Denkmalpflege Wickrathberg 2005
Schule und Poststelle Wickrathberg haben Tradition
von Cornelius Goeters +, Wickrathberg
Wickrathberg hatte schon vor 1677 ein ausgeprägtes Schulwesen. Cornelius Goeters, Heimatforscher aus Passion, kann dies belegen, und zwar mit Fotos, Zeichnungen und anderen Unterlagen.
Das Schulhaus, es lag parallel der heutigen Dorfstraße zwischen Denkmal, Kirche und Kremersplatz, war kein Riesengebäude. In jedem Falle aber wurde die Volks- und höhere Schule derart stark frequentiert, daß sie 1821 um ein Zimmer erweitert werden mußte.
Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude geschleift. Nachdem die Schule dann vorübergehend in renommierten Bürgerhäusern untergebracht war, erfolgte 1856 die Grundsteinlegung zu einem Neubau in der Straße „Auf dem Damm“. 1876 war eine erhebliche Ausweitung unabdingbar. Genutzt wurde das Schulhaus bis zur Neuordnung des Schulwesens im Lande Nordrhein - Westfalen im Jahre 1968.
Der letzte Schultag in der Berger Volksschule, die vorübergehend auch eine landwirtschaftliche Berufsschulklasse aufgenommen hat, war am 27. Juni 1968. Zwischenzeitlich wurde der Gebäudekomplex abgebrochen.
Cornelius Goeters wühlte und stöberte auch in den Akten, die Schlußsicheres über die Poststelle in Wickrathberg aussagen. Die Geschichte der Post in Berg begann danach 1838 im Hause Barten in der Dorfstraße. Im Haus Prinz / Tietenberg war sie bis nach dem 1. Weltkrieg untergebracht. Dann begann eine örtliche Wanderung der Post in Berg über Niersstraße, Auf dem Damm zurück zur Berger Dorfstraße. 42 Jahre hat Irmgard Tücking die Geschicke der Poststelle geleitet. Jetzt trat sie in den verdienten Ruhestand. Irmhild Band heißt ihre Nachfolgerin, übrigens eine echte Bergerin!
Die Wickrathberger Niersmühle
Von Heinz-Gerd Wöstemeyer, Wickrathberg
Stolz steht sie am Ufer der Niers in Wickrathberg - ein Schmuckstück des Ortes. Die Wickrathberger Wassermühle wurde um 1700 vom Grafen Quadt, Schloßherr zu Wickrath, im barocken Stil erbaut. Die Fenster-, Tor- und Türumrahmungen des Vordergebäudes sind in Liedberger Sandstein eingefaßt. Als eine der wenigen heute noch vorhandenen Wassermühlen an der Niers erinnert sie an die Zeit, als das Wasser der oberen Niers, von Kuckum bis etwa in Höhe Süchteln, 21 Mühlen antrieb. Das war Anfang des 19. Jahrhunderts. Bis zur Mündung der Niers bei Gennep/NL waren im Jahr 1836 insgesamt 49 Mühlen in Betrieb.
Walter und Adele Sessinghaus lieben ihre Mühle, die seit 1912 im Familienbesitz ist und heute von sieben Mietparteien bewohnt wird. „Ursprünglich war die Wickrathberger Mühle eine Ölmühle und als Lehen vom Grafen Quadt vergeben. Sie ist in der Wickrather Chronik im Jahr 1723 erwähnt“, erläutert Adele Sessinghaus und fährt fort: „zur Franzosenzeit unter Napoleon wurde sie verkauft und ging somit in Privatbesitz über.“ Bis 1950 trieb das Wasser der Niers drei Mahlwerke der Mühle an. Zwei dienten zur Herstellung von Weizenmehl und Roggenschrot. Das Gestüt Wickrath, der Priorshof, der Vogtshof und Spiersfelde gehörten zum Kreis der Kunden, zudem viele Bauern aus der Umgebung bis hin nach Mennrath und Günhoven. Mit dem dritten Mahlwerk wurde Quetschhafer als Futter für die Pferde produziert, denn neben dem Mühlenbetrieb wurden auf dem großen Anwesen Pferde gezüchtet. „Jährlich hatten wir zwei Fohlen“ erinnert sich Adele Sessinghaus, „wir hatten jede Menge Milchvieh, eine Schweinezucht mit öffentlicher Eberhaltung und bis zu hundert Schweinen“.
Vom dunkeln Kapitel in der deutschen Geschichte blieb auch die Sessinghaus‘sche Mühle nicht ganz verschont. Bei der Sprengung der Niersbrücke Ende Februar 1945 trafen mehrere Granaten das Gebäude schwer, die Mahlwerke wurden stark beschädigt. Adele Sessinghaus: „Die Wiesen hinter dem Haus waren übersät mit Granattrichtern, das Vieh irrte in der Gegend umher. Die Menschen im Ort wurden in der Kirche zusammengetrieben und danach in den Häusern hinter der Kirche untergebracht, wo man 14 Tage lang in Ungewißheit verharren mußte. Anschließend wurde der Mühlenbetrieb wieder in Ordnung gebracht, denn gerade in Notzeiten brauchten die Menschen die Mühle mehr denn je!“
Heutzutage ist die „Wickrathberger Wassermühle“ ein eingetragenes Denkmal. Um sie in Schuß zu halten müssen Walter und Adele Sessinghaus immer wieder „tief in die Tasche greifen“. In den 90er Jahren mußten neue Fenster eingebaut werden; erst kürzlich [2004] wurden das Dach restauriert und der Innenhof neu gestaltet. „So hält man sich dran“ bemerkt Adele Sessinghaus als sie die Türe zu den Mahlwerken aufschließt. Man mag nicht glauben, daß es mehr als 50 Jahre her ist, als hier zuletzt gemahlen wurde. Die Maschinen ruhen, doch irgendwo ganz leise im Hintergrund meint man das Klappern der Mühle zu hören: „das Klappern der Mühle am rauschenden Bach“.
„Et Schlenk-looek“ – ein Loch, das alles verschlingt.
Dank des Vereins für Heimat- und Denkmalpflege nun eine Idylle.
 | | Et Schlenk-looek - Foto: Katz |
Die Ecke "Am Pastorat/Am Tannenwäldchen" war viele Jahre ein Schandfleck in Wickrathberg. Das „Schiefe Haus von Wickrathberg“, ehemalige Verstärkeranlage der Telekom, wurde schon lange nicht mehr genutzt und verwahrloste zusehends. „Et Schlenk-looek“, wie diese Ecke im Volksmund genannt wurde, war früher ein tiefes Loch mit großen Eichen umstellt, das alles verschlang. Wasser lief hinein, Schutt wurde hinein gekippt und auf wundersamer Weise verschwand alles. So neigte sich auch das alte Häuschen der Telekom immer mehr.
Der Verein für Heimat- und Denkmalpflege, unter dem Vorsitz von Peter Neuß, nahm sich diese Ecke vor und verwandelte sie mit viel Mühe und Geld in eine Idylle. Josef Müller hat in monatelanger, fachmännischer Arbeit in seiner Freizeit diesen Platz gepflastert. Dazu kamen noch viele Heimat verbundene „Berger“, die Hand anlegten. Auch fanden sich einige Anwohner, die die Patenschaft für die Bäume übernahmen. Nachahmer werden noch gesucht, da das „Schlenk Looek“ auch viel Zeit und Geld verschlingt. Das Grundstück dieser idyllischen Ecke mit Bäumen und Dorfbrunnen ist Eigentum des Heimatvereins und wird auch weiterhin liebevoll gepflegt. Die Raiffeisenbank Erkelenz übernahm die Kosten für den Brunnen. Die Arbeit von Josef Müller ist unbezahlbar! Die feierliche Einweihung war im Mai 2007.
Kath. Notkirche St. Nikolaus
Bei dem Bombenangriff am 26. Februar 1945 wurde die St. Antonius Pfarrkirche der Kath. Pfarrgemeinde Wickrath völlig zerstört. Die Adolf-Kempgen-Halle wurde „Notkirche“.
 | | Notkirche Wickrathberg - Foto: Archiv VHD W-berg |
Eine weitere Notkirche wurde 1951 in Wickrathberg, „Auf dem Damm“, links neben dem ev. Friedhof gebaut. Diese Kirche wurde dem hl. Nikolaus geweiht. Den hl. Nikolaus hatte man gewählt, weil die ev. Kirche im Dorf zur Zeit, als sie noch katholisch war, diesem Heiligen geweiht war. Der Aachener Weihbischof Dr. Friedrich Hünermann weihte das provisorische Gotteshaus. Zum Aufbau der ca. 160 Quadratmeter großen Kirche hatten die Wickrathberger Katholiken erheblich beigetragen.
Diese Kirche wurde bis zu Fertigstellung der neu errichteten Pfarrkirche in Wickrath bis 1956 genutzt. Danach wurde sie geschleift und in Wanlo, am Schweinemarkt, neben der Niers als Hühnerstall wieder aufgebaut. Heute erinnert an die Stelle, wo sie einst gestanden hat, nur noch die Birken, die sie umrahmt hatte und die Erhöhung, auf der sie gestanden hat.
Den Gefallenen des Dorfes Wickrathberg zum Gedenken
1. Weltkrieg 1914-1918
1914
Wilhelm Joeres – Gottfried Segschneider – Wilhelm Kellers – Adam Kremers – Gustav Joeres – Otto Rheinen – Peter Caumanns – Gustav Schrey
1915
Matthias Reisgen – Hermann Reisgen – Karl Dewies – Peter Langmatz – Wilhelm Prinz – Gustav Joeres
1916
Gerhard Coenen – Karl Essers – Otto Essers – Wilhelm Meurer – Heinrich Jennessen – Wilhelm Coenen Heinrich Scheffer – Christian Cremer
1917
Fritz Schrey – Hermann Franken – Karl Meyer – Peter Croon – Jakob Haberer – Fritz Deußen
1918
Johann Schrey – Heinrich Heilmann – Wilhelm Schiffers – Wilhelm Sachsenhausen – Wilhelm Jenneßen – Wilhelm Fleischer – Wilhelm Hörchens – Johann Kamphausen – Friedrich Joeres – Wilhelm Specht
2. Weltkrieg 1939-1945
1939
Jakob Kärcher
1940
Heinrich Heinen – Karl Plesse
1941
Albert Cloeters – Ernst Finken – Rudolf Hirsch – Luise Hoffmann – Josef Houben – Hubert Jöcken – Willi Joeres – Hans Kamphausen – Heinrich Lehnen – Ernst Schwarz – Willi Steins
1942
Gerhard Bähren – Heinrich Baltes – Karl Cremer – Helmut Engels – Gerd Greiffenberg – Ernst Herbst – Ernst Heynen – Heinrich Jennes – Johann Joeres – Otto Kamphausen – Karl Laermann – Willy Langmatz – Johann Lindgens – Fritz Richter – Willy Richter – Erwin Sattelmeyer – Willy Schüller – Clemens Skora – Ernst Vasters – Johann Willemsen
1943
Wolfgang Albrecht – Wilhelm Croon – Wilhelm Engels – Heinrich Jeppen – Wilfried Lindgens – Hans Mayon – Johann Romeney – Karl Teich
1944
Wilhelm Caumanns – August Cloeters – Hermann Coenen – Willy Coenen – Hermann Frenzen – Oswald Glück – Hugo Gretzinger – Karl Heynen – Martin Jacken – Gustav Jansen – Wilhelm Deußen – Heinrich Joeres – Emil Kamphausen – Jakob Caumanns – Ernst Kremers – Wilhelm Meyer – Jakob Nothdurft – Herbert Offermann – Ernst Paulußen – Gerhard Richter – Artur Rufenach – Willy Scholten – Herbert Tücking – Karl Warmbier – Johann Weissen – Willy Wilms – Johann Winnterer
1945
Reinhard Bahr – August Bimm – Walter Braun – Willy Bülow – Walter Engels – August Finken – Heinrich Frenzen – Wilhelm Goeters – Fritz Greiffenberg – Leonhard Hurtmann – Erich Kamphausen – Hans Knorr – Anna Knuth – Gustav Konrad – Hemut Konrad – Rudi Krüger – Theodor Langmann – Heinrich Langmatz – Willy Lindgens – Iogo Lüderitz – Paul Morjan – Emil Neuß – Hans Otten –
Martin Otten – Hans Pongs – Hermann Printz – Franz Raatz – Erika Richter – Ernst Römisch – Eduard Schmidt – Lisel Schmidt – Walter Schrey – Gisela String – Margret String – Christian Teich – Anton van Tessel – Erich Tietenberg – Xaver Tümmler – Gustav Vogt – Elsbeth Warmbier – August Zumbroich
Das Kriegsgefangenen-Lager
Nach dem 2. Weltkrieg gelangten viele deutsche Soldaten zunächst in Kriegsgefangenschaft. Eines der Gefangenenlager befand sich zwischen Hochneukirch Mongshof und Wickrathberg. In der vollen Belegung dürften dort mindestens 150.000 Kriegsgefangene gelegen haben. Dank der geretteten Aufzeichnungen von ehemaligen Insassen gibt es einen genauen Lageplan mit den 32 Unterteilungen des Lagers und manches als Einzelinformation, darunter auch ein Exemplar der Lagerzeitung. Immer wieder kommen ehemalige Lagerinsassen mit ihren Familienangehörigen nach Wickrathberg um die Stätte des Grauens aufzusuchen. Durch den Bau der Autobahn A61 ist das Gelände inzwischen völlig verändert. Sie durchquert das ehemalige Lagergelände.
Das Leben im Lager war unvorstellbar hart. Die Gefangenen hausten in Erdlöchern die sie mit bloßen Händen oder mit leeren Konservendosen aus dem Boden gekratzt hatten. Verpflegung gab es nur sehr spärlich. Wenn nicht die Menschen aus den umliegenden Dörfern zusätzliche Zuwendungen, sog. "Liebesgaben", gebracht hätten, wäre die Todesrate vermutlich noch viel höher ausgefallen.
Zur regelmäßigen Versorgung gehörte weißes Brot, das in mehreren Bäckereien hergestellt wurde, so z.B. bei Peltzer in Wickrathberg oder in der Bäckerei Julius Wöstemeyer in Beckrath. Die damals 18jährige Tochter Helga erinnert sich: "Die Amerikaner brachten die Zutaten und Vater musste backen. Das Mehl war auffallend weiß. Wenn das Brot fertig war holten sie es mit einigen Gefangenen ab. Über zusätzliche Butterbrote freuten sich die Gefangenen, doch sie bekamen ihnen meist nicht, da sie es nicht mehr gewöhnt waren sich satt zu essen".
Zum 8. Oktober 1988, 43 Jahre nach der Auflösung des Lagers, lud der Verein für Heimat- und Denkmalpflege zur Enthüllung eines Erinnerungssteins ein. Der "Findling" steht an der südwestlichen Ecke des ehemaligen Lagers. Auf einer eingelassenen Bronzeplatte ist zu lesen: "Von April bis September 1945 lebten hier bis zu 150.000 deutsche Soldaten unter freiem Himmel". Eine Skizze zeigt die Stacheldrahtgrenzen des von Amerikanern errichteten und später von Engländern verwalteten "Wiesenlagers Wickrathberg".
Der damalige Heimatvereinsvorsitzende Gert Lüderitz mahnte: "Wir wollen mit diesem Stein den hier Verstorbenen gedenken; wichtiger als die Trauer ist aber die Besinnung". Das Dokument der Vergangenheitsbewältigung diene der Orientierung der überlebenden und sei gleichzeitig Mahnung.
Bezirksvorsteher Konrad Bäumer, selbst Kriegsgefangener in seinem Heimatort, erinnerte an die menschenunwürdige Behandlung durch die Sieger. Dies sei heute vergeben, aber nicht vergessen. Der Stein sei eine Werbung für die Erhaltung des Friedens.
Der Einweihung vorausgegangen war ein ökumenischer Gottesdienst. Im Bewußtsein des persönlichen Leids durch die Geschichte und der persönlichen Verantwortung für die Geschichte gedachten die Pfarrer Johnen und Kirsten auch dem millionenfachen Mord an der jüdischen Bevölkerung. Der Gedenkstein sollte deutlich machen, daß "wir nie aus unserer politischen Verantwortung wegschleichen können".
Eine authentische Skizze des neun Quadratkilometer umfassenden Lagers verdankt der Heimatverein Karl-Heinz Ubrig. Der Erkrather verbrachte als Neunzehnjähriger einen Monat im Lager. Seine Notizen auf Margarinepapier verarbeitete er später zu einem "Kriegstagebuch".
Auch Wickrathberg hat zwei Bücher veröffentlicht. Der Autor beider Bücher ist Dr. Herbert Reiners. Anläßlich der 10. Wiederkehr der Errichtung des Erinnerungsmahls an das frühere Kriegsgefangenenlager wurde 1998 das Buch "Das Kriegsgefangenenlager Wickrathberg 1945" vorgestellt. Das zweite Buch mit dem Titel "Stadthallen-Lazarett Rheydt 1945" erschien 1999.
Zum Gedanken- und Erinnerungsaustausch hatte der Verein für Heimat- und Denkmalpflege am 14. November 1998 ehemalige Gefangene des Kriegsgefangenenlagers eingeladen. Von 143 angeschriebenen waren tatsächlich 46 mit ihren Angehörigen gekommen. Die Festrede hielt Peter Neuß in Vertretung für den kurz zuvor verstorbenen 1. Vorsitzenden Gert Lüderitz. Nach einer Busfahrt um das Lagergelände mit ausführlichen Erläuterungen fand am Gedenkstein eine Gedenkfeier statt. Die damalige Oberbürgermeisterin Monika Bartsch der Stadt Mönchengladbach, hielt eine Ansprache umrahmt von musikalischen Darbietungen der "Eintracht" sowie des Musikvereins "St.-Josef-Keyenberg".
Die Veranstaltung fand unter großer Beteiligung Wickrathberger Bürger statt. Bei einem gemeinsamen Imbiss im ev. Gemeindehaus lernte man sich näher kennen. Das Buch "Kriegsgefangenenlager Wickrathberg 1945" wurde angeboten und auf Wunsch vom Autor signiert.
Quelle: Unser Dorf in Worten und Bildern – 75 Jahre Verein für Heimat- und Denkmalpflege Wickrathberg 2005
Erlebtes im Gefangenenlager Wickrathberg
von Heinz Pankuweit, Bonn-Bad Godesberg
 | | - - Heinz Pankuweit - - Foto: KATZ |
Stacheldraht und nackte Erde, Hunger und Durst, Krankheit und Tod geben nur unvollständig wieder, wie Millionen von Menschen im Verlauf eines furchtbaren Krieges gelitten haben – nicht nur in Deutschland.
Was wir als blutjunge Kriegsgefangene gegen Endes des Zweiten Weltkrieges in den Rheinwiesenlagern und hier auf dem Boden von Wickrathberg erlebt haben, ist mit Worten nicht zu beschreiben.
Unzählige Menschen in vielen anderen Lagern der Welt wird Ähnliches oder noch Schlimmeres erfahren sein. Alle waren Opfer eines barbarischen Krieges, den sie nicht gewollt hatten.
Sie mussten büßen für Taten,
die sie selbst nicht begangen
und schon gar nicht zu verantworten hatten!
Die Geschehnisse hinter Stacheldraht haben viele von ihnen so erschüttert, dass sie – sofern sie überlebten – diese zeitlebens nicht vergessen können. Sie sind ein nicht wegzudenkender Teil unseres Lebens.
Ich selbst war damals 19 Jahre alt und hatte – wie viele andere – bereits ein mehr als zweimonatiges Martyrium in den Lagern Gummersbach, Remagen und Koblenz-Lützel hinter mir. Spätere Generationen können sich nicht vorstellen, unter welchen unzumutbaren, menschenverachtenden Bedingungen die hinter Stacheldraht eingesperrten Gefangenen stündlich und täglich ums Überleben kämpften. Allzu viele verloren diesen Kampf – auch hier in Wickrathberg.
Besonders schrecklich erlebten wir die vielen kalten und feuchten Nächte, die kaum ein Ende nehmen wollten. Wo und wie sollte man schlafen? Ich selbst musste – wie viele meiner Kameraden – insgesamt etwa 90 Nächte, davon in Wickrathberg etwa 20 Nächte auf nacktem Erdboden ohne Zelt, ohne Mantel oder eine wärmende Decke verbringen. Dass man so etwas durchstehen konnte, grenzt an ein Wunder.
Heute wäre das eine unglaubliche Sensation, man käme mit Sicherheit ins Guinnessbuch der Rekorde und würde wahrscheinlich rund um den Erdball von Talkshow zu Talkshow durchgereicht.
Dass man von etwa 200 – 222 im Lager Wickrathberg Verstorbenen ausgeht, ist ein bedauerlicher Irrtum. Die Realität sah leider anders aus.
Dazu ein eigenes Erlebnis:
An einem frühen Vormittag Anfang Juli 1945 ging ein Arbeitskommando von zehn Gefangenen mit einem älteren schottischen Bewacher aus Edinburgh durch das Lager, um einen Weg von Unkraut zu befreien. Für uns eine Beschäftigungstherapie.
Für die Verständigung zwischen Bewacher und Gefangenen war ich zuständig. Der sehr menschliche Schotte hatte zu Hause einen 16-jährigen Sohn und daher großes Verständnis für unsere Sorgen und Nöte. Er wollte alles genau wissen und fragte sehr viel.
Da entdeckte ich in einiger Entfernung einen Stapel. Zunächst dachte ich an Eisenbahnschwellen. Die Sache erweckte meine Neugier. Meiner Bitte, den Stapel einmal näher betrachten zu dürfen, entsprach der freundliche Schotte. Bald aber erkannte ich, dass es sich um tote Gefangene handelte. Sie waren offenbar in der Nacht bzw. am Vortag gestorben. Alle waren bekleidet, Schuhe und Strümpfe aber fehlten. Ein Anblick, den ich nie vergessen werde. Vor mir lagen sage und schreibe 20 – 24 tote Kriegsgefangene – Opfer einer einzigen Nacht bzw. eines Tages. Und das in einem Sommermonat – ohne Verwesungsgeruch. Weitere Gedanken machte ich mir nicht. Man war abgestumpft, typisch für unsere damalige Situation. Jeder hatte mit sich selbst genug zu tun.
Zwei Tagebuchverfasser berichten unabhängig voneinander über eine ähnlich hohe Zahl von Toten. So spricht der Gefangene Sweers von 20 – 40 Toten pro Tag, während Brägelmann bei einem Sanitätszelt etwa 25, 30 tote Landser sah (S. 306 des Buches von Herbert Reiners über das Kriegsgefangenenlager Wickrathberg 1945).
Die von der britischen Militärregierung im November 1945 dem damaligen Bürgermeister von Wickrathberg übergebene Liste mit den Namen von insgesamt 222 Toten (S. 378) kann daher nur unvollständig oder aber nicht die einzige Liste sein.
Man muss leider davon ausgehen, dass die tatsächliche Zahl der im Lager Verstorbenen um ein Vielfaches höher liegt als die – aus welchen Gründen auch immer – bisher genannte Zahl.
Dabei ist auch zu bedenken, dass das Lager Wickrathberg etwa 120 Tage bestand und bei den unterstellten 222 Todesopfern täglich im Durchschnitt weniger als zwei Menschen gestorben wären, und das bei weit über 100.000 Gefangenen.
Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass die britische Lagerleitung in einer auch für sie schwierigen Situation bemüht blieb, die unmenschlichen Verhältnisse im Lager durch das Aufstellen einiger Zelte und durch eine etwas bessere Ernährung erträglicher zu gestalten. Viele haben das nicht mehr erlebt, sei es, dass sie vorher bereits gestorben oder entlassen waren.
Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges starben weltweit bis zu 60 Millionen Menschen –
eine unfassbare Anzahl.
Diese horrenden Verluste lassen sich nicht bagatellisieren. Sie zu verharmlosen hieße, die geschichtliche Wirklichkeit und die Wahrheit zu verdrängen.
Am 17. April 1945 hatten sich rund 325.000 deutsche Soldaten im sogenannten „Ruhrkessel“ den alliierten Truppen ergeben. Alle glaubten, dem Krieg glücklich entronnen zu sein. Das aber war ein Trugschluss, wie sich bald herausstellen sollte. Denn nun begann für jeden Einzelnen ein anderer, ungleich härterer Kampf. Ein täglicher Kampf ums Überleben, gegen den wir uns – hinter Stacheldraht eingepfercht und stark bewacht – nicht wehren konnten.
Ohne Zelt, ohne Mantel und ohne eine wärmende Decke lagen die meisten auf nacktem Erdboden bei einer Ernährung, die diese Bezeichnung nicht im Geringsten verdiente, weil es häufig höchstens einmal am Tage etwas, was man mit einem oder zwei Teelöffeln in sich aufnehmen konnte, gab.
So begann das Leiden und Sterben in den zahlreichen provisorischen Camps,
die der Genfer Konvention in keiner Weise entsprachen.
Wir hatten uns – zwar vom Krieg gezeichnet – aber relativ gesund in Gefangenschaft begeben und verließen die Elendslager als mehr oder weniger kranke, hoffnungslos unterernährte, völlig entkräftete junge Menschen.
Dass Zehn- oder Hunderttausende, die genaue Anzahl wird sich wohl nie mehr auch nur annähernd ermitteln lassen, in den Kriegsgefangenenlagern umkamen, ohne die ersehnte Freiheit und die Familien nochmals zu erleben, war eine bittere, aber logische Folge.
Die uns das eingebrockt hatten, befanden sich nicht unter uns. Sie hatten das Volk in den schrecklichsten Krieg der Weltgeschichte geführt, den die Menschen bis zum Ende durchstehen mussten.
Erlebtes kann man vergessen, Erlittenes nicht!
Das muss man verarbeiten – irgendwie.
Man muss auch sein Gewissen gegenüber den im Lager Umgekommenen erleichtern. Niemand konnte oder wollte ihnen helfen. Wir sahen sie sterben – mitten unter uns – und konnten nicht helfen. Dennoch starben sie einsam, nicht selten qualvoll ohne ärztlichen oder priesterlichen Beistand. Dies alles geschah im kultivierten Europa des 20. Jahrhunderts. Und wir, die ebenfalls dem Tode näher als dem Leben waren, mieden die Sterbenden, schlugen einen weiten Bogen um sie, weil wir uns vor einer Ansteckung fürchteten. Wir verkrochen uns liebe in unsere erbärmlichen Erdlöcher.
Unser Verhalten war nicht kameradschaftlich. Vielleicht wirft man uns das später einmal vor. Nichtsdestotrotz maßen wir uns heute an, ihre Kameraden gewesen zu sein. Auch Nächstenliebe im christlichen Sinne fand man kaum, jeder blieb in seiner Not sich selbst der Nächste.
Unsere Bewacher, die meisten waren wohl auch Christen, mussten ihren Vorgesetzten gehorchen und deren Befehle ausführen, oftmals gnadenlos. So ist die menschliche Gesellschaft strukturiert.
Und dennoch half uns der Glaube an Gott und Gerechtigkeit. Er blieb eine starke seelische Stütze und bewahrte uns oftmals vor der Verzweiflung, er stärkte unseren Überlebenswillen.
Solange wir Davongekommenen noch eine Stimme haben, fühlen wir uns verpflichtet, darauf hinzuweisen, welch schreckliche Auswirkungen dieser Krieg hatte – nicht nur für uns und unser Volk, sondern für viele Völker und Rassen.
Seit 1945 hat sich die weltpolitische Situation grundlegend verändert. Aus den einstigen Gegnern sind Partner und Freunde geworden. Deutschland ist wieder eine Einheit. Unser Kontinent Europa wächst heute zu einer politischen und wirtschaftlichen Einheit zusammen. Dies ist nicht zuletzt ein Verdienst unseres ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer.
Niemand hat 1945 den Frieden und die Freiheit sehnlicher erwartet als die Gefangenen in allen Lagern der Welt. Sie waren verfolgt und gedemütigt, vielfach sogar ermordet worden. Sie haben die Unfreiheit erlebt, sie wissen, was Freiheit bedeutet.
Jeder Krieg bringt Kummer und Leid – auch beim vermeintlichen Sieger.
Jeder Krieg bedeutet eine Niederlage für die Menschheit.
Dennoch sind Kriege offenbar nicht auszurotten.
Zum morgigen Volkstrauertag gehen wiederum aus vielen Orten und Gemeinden Deutschlands Signale des Friedens und der Versöhnung über Ländergrenzen hinweg in alle Welt.
Auch aus Wickrathberg! – Das sind wir allen Toten schuldig!
Wir überlebenden Kriegsgefangenen bedanken uns bei allen Bürgerinnen und Bürgern von Wickrathberg, die uns in unserer Not beigestanden und geholfen haben, obwohl sie selber darbten. Und wir müssen uns auch dafür bedanken, dass wir hier in Wickrathberg einen Platz gefunden haben, an dem wir uns gemeinsam erinnern und unserer Toten gedenken können.
Wer könnte ehrlicher und aufrichtiger mahnen, wer könnte glaubhafter und überzeugender für Frieden und Versöhnung, aber auch für Einigkeit und Recht und Freiheit eintreten als die Menschen, die den Krieg und seine Folgen so hautnah und anschaulich erlebt und durchlitten haben, wie die heute hier versammelten ehemaligen Kriegsgefangenen des Lagers Wickrathberg.
 | | Zeitdokument vorher-nachher - Foto: KATZ |
Hier ein "Zeitdokument", das dem Chronisten vom Sohn eines Ehemaligen zu Verfügung gestellt wurde. Daran ist ersichtlich, wie schnell ein Mensch in kurzer Zeit altern kann. Auch sieht man, dieser Ehemalige hatte den Krieg einigermaßen "gut" überstanden und dann kam für ihn und vielen anderen das eigendliche "Übel"!
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